Die Besetzung der allerersten Montagsdemo: (von links) Barbara Drescher, Ulrich Stübler, Helga Stöhr-Strauch. Foto: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 354
Gesellschaft

Montagsdemo, die Erste

Von Anna Hunger
Datum: 10.01.2018
Die Montagsdemo gegen Stuttgart 21 ist einmalig in der Republik. Woche für Woche findet sie statt. Seit mehr als acht Jahren. Und jetzt steht die 400. Auflage an. Entstanden ist sie aus einem Missverständnis.

Am 26. Oktober 2009, einem Montag um sechs Uhr am Abend, steht Helga Stöhr-Strauch vor dem Stuttgarter Rathaus. Eine schmale Frau mit Stil und Kurzhaarfrisur, den Stecken einer Laterne in der Hand, gelb und rund mit dem Gesicht eines Chinesen vorne drauf. Die Laterne hat sie von ihrer Nachhilfeschülerin Sophie und sie müffelt fürchterlich, weil die Kerze innendrin fleißig den Staub von diversen Jahren auf dem Dachboden verkokelt. "Meine Güte, war mir das peinlich, da rumzustehen mit dieser stinkenden Laterne", erinnert sie sich heute.

2009 ist der Protest gegen Stuttgart 21 noch eine Sache von wenigen, eher unauffällig. Barack Obama tritt damals seine erste Amtszeit an, nicht im Traum war daran zu denken, dass die CDU mal die Chefsessel im Land räumen würde. Es gab Guido Westerwelle noch, Xavier Naidoo hatte noch keinen ganz so großen Knall und da, wo Helga Stöhr-Strauch an diesem Tag steht, ist noch kein Nespresso-Kaffee-Kapsel-Laden sondern Spielwaren Kurtz. "Ich hab' mich direkt ans Schaufenster gestellt und angestrengt reingeschaut, und so getan, als würde ich auf ein Kind warten, dem die Laterne gehört", sagt sie. "Damals dachte ich: 'Was für eine bescheuerte Idee, hier zu stehen'."

Rückblickend war die Idee gar nicht so bescheuert. Sondern einer der beiden Stränge, die dazu führten, dass ein paar Monate später an manchen Montagen zehntausende Menschen gegen Stuttgart 21 demonstrieren. Die Stunde Null sozusagen. Der Protest sollte zu einer der größten und langwierigsten Protestbewegungen in Deutschland wachsen, die Montagsdemo wird international durch die Medien gehen, ihre Devotionalien werden Geschichte schreiben und ihre auf Kleber gebannten Slogans Laternenmasten, Ampeln und Mauern der gesamten Bundesrepublik zieren und sogar weit darüber hinaus. In der kommenden Woche wird die Stuttgarter Montagsdemo gegen das Bahnprojekt offiziell zum 400. Mal stattfinden.

Wenn man Helga Stöhr-Strauch fragt, ob sie sich im Jahr 2009 vorstellen konnte, dass sie dieses Riesending mitbegründet hat, weiß sie nicht so genau, was sie sagen soll. "Die erste Montagsdemo ist eigentlich aus einem Missverständnis entstanden", sagt sie dann.

Sechs Monate zuvor war sie zum ersten Mal in den Stuttgarter Büros des BUND aufgeschlagen. Damals hatten die Stuttgart-21-Projektpartner gerade den Finanzierungsvertrag unterschrieben und das Vorhaben damit offiziell zementiert. Stöhr-Strauch hatte davon in der Zeitung gelesen und sich aufgeregt. "Ich musste irgendwie aktiv werden." Gegen die Geldverschwendung, gegen das Abholzen der Bäume im Stuttgarter Schlossgarten für einen neuen Bahnhof.

In den folgenden Monaten initiierte sie Picknicks im Schlossgarten mit, mit denen die StuttgarterInnen auf den kommenden Frevel aufmerksam gemacht werden sollten. "Das klappte ganz gut", erzählt sie, "aber irgendwann wurde es Herbst und dann stellte sich die Frage, wer überhaupt noch in den Park geht, wenn es kalt wird. Da musste eine Alternative her." An einem Mittwoch, bei einem Treffen der Stuttgarter Naturschützer, schlug sie "so eine Art Montagsdemo" vor, einen Laternenumzug vielleicht, vom Rathaus zum Bahnhof.

Aber die Idee versackte irgendwie bis zum Ende des Treffens. Helga Stöhr-Strauch behielt sie im Kopf und stand am kommenden Montag mit ihrer ollen, gelben Laterne, in der der Staub verkohlte, auf dem Marktplatz und inspizierte angestrengt die Spielzeug-Auslage. 

Um Punkt sechs erschien Barbara Drescher. Woher genau Drescher die Idee hatte, da vor dem Rathaus aufzutauchen, weiß die Landschaftsplanerin mit dem bei Projektgegnern mittlerweile berühmten Hut nicht mehr so genau. "Ich hatte das so mitgekriegt", sagt sie.

Helga Stöhr-Strauch erinnert sich noch genau an das Treffen, sie hat ihre Erlebnisse irgendwann einmal für die möglicherweise interessierte Nachwelt aufgeschrieben: "Barbara kam auf mich zu, ganz in weiß, über und über mit Anti-S-21-Flyern beklebt und Flugblättern in der Hand, und rief ein fröhliches 'Hallo! Wo sind denn die anderen?' Da waren wir schon zu zweit." Auf dem Weg zum Bahnhof verteilte Drescher ihre Flugblätter, Stöhr-Strauch lief nebenher und hinterdrein, unsicher und immer noch beschämt, durch die Kirchstraße, über den Schillerplatz.

"Plötzlich kam uns ein Radfahrer entgegen und rief: 'Da sind noch andere, die stehen am Bahnhof!'" Am Schlossplatz trafen die zwei Frauen auf die Montagsdemo gegen Hartz IV, die sich seit Jahren zwar teilnehmerschwach, aber tapfer dort traf. Damals war Stuttgart noch nicht die "Demo-Hauptstadt" der Republik, und Stuttgarts Bürger noch nicht als kratzbürstig, sondern eher als altpietistisch und CDU-angepasst bekannt. Eine Laternenträgerin und eine zettelbeklebte ältere Dame waren da schon eine Nummer.

Auf der unteren Königsstraße kamen die beiden an ein paar Jugendlichen vorbei. Die spotteten und lachten sich scheckig über den leuchtenden Chinesen-Kopf. Das war zu viel für die erste Demo eines Lebens und Stöhr-Strauch drehte, an der Rolltreppe zur Unterführung kurz vor dem Bahnhof, ab nach Hause.

Barbara Drescher sagt heute, sie beide seien ja nicht die "richtige Montagsdemo" gewesen, "nur der Laternen-Umzug!" Die eigentliche sei mit drei Mann am Nordausgang des Hauptbahnhofs gestanden.

Ulrich Stübler war einer davon, die Namen der anderen beiden Personen sind im Nebel der Erinnerung versunken. "Ich hab damals versäumt, ein Foto von uns zu machen", sagt Stübler, ein ruhiger Mann, Grafikdesigner im Naturkundemuseum, der damals gedanklich nicht das Rathaus, sondern den Nordausgang des Bahnhofs als Treff für den kleinen Protestaufmarsch gespeichert hatte. Mit dabei war auch sein selbst gemachtes gelbes Ortsschild, das später zu dem Symbol der Bahnhofsgegner werden sollte.

Stübler sollte in der Zukunft der Hausgrafiker der Stuttgarter Widerstandsbewegung werden. Er erfand das "Umstieg 21"-Logo, den berühmten Button mit dem noch berühmteren Slogan "Oben bleiben", und er lacht auf die Frage, wie er auf diese beiden Worte kam, die in den kommenden Jahren eine steile Karriere hinlegen sollten. Als immerwährender Demogruß, als Gruß unter E-Mails – "viele Grüße und immer oben bleiben!" – sogar auf Unterhosen gedruckt, für die subversive Bahnhofsgegnerschaft zum Druntertragen. Ganz genau weiß er es nicht mehr, und er legt viel Wert auf das "möglicherweise" seiner Erinnerung. Möglicherweise also entstand "oben bleiben" aus einer heißen, politischen Diskussion mit seinem Vater. "Und irgendwann hat mein Vater gerufen: 'Die solled doch obableiba!'" Möglicherweise – war es so. Ganz sicher weiß er, dass er es damals wie heute besser gefunden hätte, die Montagsdemos nicht beim Ordnungsamt anzumelden. Eben gegen das Establishment zu agieren und nicht nach dessen Regeln zu spielen.

Gangolf Stocker, der spätere Grande des Protests und schon damals fest verwurzelt in der aktiven Stuttgarter Stadtgesellschaft, fand eine angemeldete Demo besser. Er weiß sogar noch, wie Helga Stöhr-Strauch per Mailverteiler zum Laterne-Laufen aufgerufen hatte. Zur zweiten richtigen Montagsdemo ist er selbst gekommen. "Ich wollte wissen, was da für Leute sind", erzählt Stocker. "Was machen die da?"

Aus der einen Handvoll vom 26. Oktober 2009 waren in der Woche darauf schon rund 50 Menschen geworden, die am Nordausgang des Bahnhofs standen. Mit seinem Verein "Leben in Stuttgart" war Stocker Mitglied des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21 "und beim nächsten Treffen hab ich gesagt: Das werden immer mehr Leute. Wir machen das jetzt." Also hat Stocker, so sagen es seine Weggefährten, "den Kopf hingehalten" und die Demo angemeldet. Die erste Bühne auf Montagsdemo Nummer drei waren drei Holzbretter zwischen zwei Blumenkübeln für Ton und Technik.

Zur dritten Montagsdemo kam auch Timo Kabel. Davon erfahren hat er über Aufrufe in den Kommentarspalten der beiden Stuttgarter Blätter. "Man sollte sich mal am Bahnhof treffen", habe da gestanden, oder "Ich komme auch am Montag und 18 Uhr, wer kommt noch?" Irgendwie hatte auch Rainer Benz, Chef einer Werbeagentur, vom Montags-Treff am Hauptbahnhof gehört. Später organisierte er mit der damaligen BUND-Chefin Brigitte Dahlbender selbst eine Menge Demonstrationen – und erfand das Logo für den Kopfbahnhof, den Gegenentwurf der Stuttgart-21-Gegner zum geplanten Tiefbahnhof – "K 21". "In Lindgrün", erinnert er sich, "irgendwie muss das die Farbe der Zeit gewesen sein". Denn plötzlich erschien ihm vieles in Stuttgart im K-21-lindgrün gehalten. "Aber das", sagt er in aller Bescheidenheit, "kann natürlich auch Einbildung gewesen sein."

Zur vierten Demo hatte Klaus Gebhard die Parkschützer-Webseite erfunden und ins Netz gestellt. Zur fünften wurden erste Künstler für Auftritte angefragt. Zur sechsten las Schriftsteller Wolfgang Schorlau, zur siebten kamen schon mehrere tausend Menschen. Die Montagsdemo wurde in den kommenden Jahren zum Kulturevent mit Geigerinnen, Chören und Schauspiel. Sie wurde Treffpunkt, Ritual, Musik und Theaterbühne, bunt und laut und Stachel im Fleisch aller beteiligten Obrigkeiten.

Helga Stöhr-Strauch moderierte auf der Demo-Bühne, Timo Kabel wurde als "Fahnenschwenker" bekannt, Barbara Drescher perfektionierte ihren Hut mit den Aufklebern und Buttons zum Markenzeichen, Gangolf Stocker wurde einer der großen Geister der Widerstandsbewegung und Ulrich Stübler trug zu jeder Demonstration sein gelbes Ortsschild mit sich.

Seitdem ist viel passiert. Viele der regelmäßigen Montagsdemonstranten haben ihrer Demo den Rücken gekehrt. Sehr viele aus Zeitmangel, weil sie berufstätig sind, manche, weil es, wie in jeder größeren Bürgerbewegung Streitereien gab, andere aus Selbstschutz, denn politischer Dauereinsatz kann schnell das eigene Leben aufzehren. Helga Stöhr-Strauch besucht die Montagsdemonstrationen schon eine ganze Weile nicht mehr. Auch Gangolf Stocker hatte sich nach vielen aktiven Jahren abgewandt.

Timo Kabel, Ulrich Stübler und Barbara Drescher sind noch immer dabei. Fast jeden Montag. Auch wenn aus den zehntausenden Demonstranten mit der Zeit ein paar hundert geworden sind. Barbara Drescher lacht, viele Junge seien gegangen und hätten sich anderen Themen zugewandt. "Aber wir sind die zähen Alten, die sich ihre Stadt nicht nehmen lassen." Stuttgart 21, das sei wie ein "heißer Krimi". Irgendwas wird noch passieren, da sei sie zuversichtlich, sagt sie. "Dieser Bahnhof wird nicht gebaut."


Die
400. Montagsdemosteigt am 15.1.2018 ab 18 Uhr vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof. Zu Gast werden sein: die Kabarettistin Christine Prayon, Regisseur Volker Lösch, Wortkünstler Timo Brunke und Verkehrsexperte Winfried Wolf.

Das Jahrhundertloch: Stuttgart 21

Immer neue Kostensteigerungen, Risiken durch den Tunnelbau, ungelöste Brandschutzfragen, ein De-facto-Rückbau der Infrastruktur – das sind nur einige Aspekte des Milliardengrabs.

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8 Kommentare verfügbar

  • Kornelia E.
    am 16.01.2018
    Geschichte wird vom Sieger diktiert (vom Verlierer meistens ignoriert! -schlimm!)
    Wenn aber der "Unterlegene" die Geschichte der Sieger erzählen, dann ist der "Sieg" endgültig!
    Die 400 ist und war nicht der Anfang! Sie steht für mittendrin!
    Zig Jahrzehnte wo Menschen für 'mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene' gekämpft haben; zig Generationen, die Eisenbahnfans sind und waren; zig Millionen Menschen, die für gerechtere Geld- und Ressourcenverteilung sind; Milliarden Menschen, die die Privatiserung des allgemeinguts und Mutter Natur Gutes desaströs finden, etc pp

    Die 400 steht stellvertretend für hunderte, könnte sogar die 4stellig erreicht haben, Demos, die in Zusammenhang mit S21 auf die Beine gestellt wurden!
    Die Montagsdemos waren eher ein Nebeneffekt: die Großen waren freitags oder samstags -wöchentlich! Dort kamen teilweise 4 Generationen zusammen! Die alles Verändernde war an einem Donnerstag! (30.09. 'Bildung statt S21'). Die 400 steht für die vielen ausser Haus-Demos: Stadtteildemos der Jugendoffensive, Demofahrten gen Berlin, Frankfurt, Basel und sonstwohin!
    die 400 steht für tausende von indoorVeranstaltungen, von DemokratieKongresse, hochkarätige Infoveranstaltugen, NeueBürgerbeteiligungsformen erarbeitende Tagungen, "wessen Stadt -unsere Stadt", etc pp
    Die 400 steht für hunderte von Büchern, von Infomaterialien, Nachlesen, von Bürgerbrief über Tunnelblick bis Zeitungen
    Die 400 stehen für unglaublich viele kreative Köpfe! Zig tausende von witzige Buttons sind entstanden, zig tausende von Plakaten und Banner und Schildern!
    Die 400 steht für: www.alle-gegen-s21.de

    Die 400 stehen für:
    - Demokratiserung der Demokratie
    - politisieren der Fassadendemokratie, der Fassadenpolitik, der Fassadenpresse, der Fassadenbildung
    -(Re)Demokratisierung der Kultur! Nicht der 'Bettelnde' erbittet Zugang zur Kultur, nein die Kultur kommt zum emanzipierten Bürger!
    - (Re)Demokratisierung des Sozialen: offen, 'niedrigschwellig', 'nicht Herkunft und Bildung entscheidet, sondern wofür jmd steht'. Offenheit, Solidarität und Rücksicht ist erlebbar!
    - (Re)Demokratisierung des Wirtschaften: das schwäbische Hausfrauenwirtschaften wird gelebt: aus wenig viel machen! Jeder bringt was mit, was er kann! "Fünf sind geladen, 10 sind gekommen! Gieß Wasser zur Suppe, heiß alle willkommen."
  • Horst R
    am 12.01.2018
    ... Wie sich die Zeiten und Gedanken ändern. .... ...
    Es muß die vierte oder fünfte Versammlung am Nordausgang gewesen sein, als ich mich mit der auf DIN A4 vergrößerten Postkarte der abgestürzten Lokomotive aus dem Jahre 1895 vom Bahnhof Montparnasse als Schilderträger zeigte. Dies wurde allerdings von den anderen Versammelten als Befürworter zu S21 gewertet, (eine aus einem Kopffbahnhof fehlgesteuerte Dampflock das Symbol für überholte Zeiten?) ich solle gefälligst das Schildchen zusammenrollen.
    Seit Wochen freue ich mich, daß dies Motiv als Großplakat zur 400.ten Demo wieder aus der „Grube“ geholt worden ist, und der übertragene Sinn für Murks auch von den doktrinären JA-Sagern erkannt wurde.
  • Andromeda Müller
    am 12.01.2018
    Sehr geehrte Frau Hunger , sehr geehrte/r Frau/Herr Otocobolus,
    ich muß mich Herrn Mayer anschließen.
    Ihre Non-Chalance , nebenbei jemandem einen Knall anzudichten ohne dies zu begründen , während ein Obama (Emran Feroz : "Tod per Knopfdruck"/Mathias Bröckers : "König Donals und die 17...") über 6000 Menschen per Drohen-Raketen ohne jegliches Verfahren exekutieren/ermorden ließ , - Entschuldigung,
    die meisten waren natürlich Kollateralschäden , das sind natürlich keine extralegalen Exekutionen(=Morde) , sondern Totschlags-Beiwerk , ganz ausdrücklich meine Entschuldigung für diese inakkurate Begrifflichkeit-, Sie/sie wissen das doch alles - ,

    unkommentiert wegkommt .... Leider ist schlechter und üblicher Weglass-/Lücken- und Anwurf-Journalismus Normalität.
    Ja , das ist Rudelverhalten , Mainstream - Schulterklopfer - "Themen" mitnehmen , das ist "Böhmermann" und Co . Weithin verbreitet und "normal" .
    Da haben ganz andere Leute , meine Meinung , einen Knall.
    Gauck neben einem ukrainischen rechtsradikalen antisemitischen Minister .., reden schwingend , scheinbar normal.
    Deutsche Panzer wieder vor St.Petersburg , das letzte Mal Kannibalismus in der Stadt ,
    normal.
    Struck .deutsche Interessen am Hindukusch verteidigen . Normal.
    Mein Gott , der Angriff auf Rußland im 2.WK wurde den Deuschen als Präventivkrieg verkauft (Stalin wird D angreifen , sobald seine Aufrüstung es erlaubt), das war damals genauso - "normal" wie "heute" der Hindukusch , Syrien , Mali und Häuserkampftraining der Bundeswehr in Israel , sowie dem möglichen Kampfeinsatz der Bundeswehr in unserem Land . Polizei , Verwaltungen/OBs ,THW alles untersteht dann der BW usw.. "normal".
    Und wen Naidoo was mit "Reichsbürgern" unterstellt wird : Ist nicht auch die Diskrepanz zwischen der Effektivität mit der gegen diese vorgegangen wird(verfassungsschutz/medial) und mit der wohl eher negativen "Effektivität" mit der die Aufklärung der NSU-Morde , eingebettet in einem V-Leute -Kokon , betrieben wurde , nicht genauso seltsam "normal" ?
    Und was sind die Sachaussagen und Argumente von Naidoo . Sind diese vielleicht genauso
    wenig zu prüfen , wie die Aussage der ehemaligen Integrationsministerin (Öney ?) in BW ob des "tiefen Staates" auch in D ?
    Kontext hat doch selbst Artikel veröffentlicht bzgl. der seltsamen Neutralität der Strafverfolgungsbeörden gegenüber hier ansässiger N`drangheta - Mitglieder und ihrer Verbindungen in BW ,
    Hat das Publikum die mails von dem Banker an Mappus vergessen , in dem dieser wie ein Schujunge angewiesen wurde so und so zu handeln (ENF-ENBW-Skandal) ?
    Und was hinterfrägt Naidoo , was kommt ihm nicht "normal" vor ?
    Ist es belastbar , verifizierbar oder nicht ? Gibt es Indizien oder nicht ?
    Daran sollte sich Journalismus ausrichten.
  • Andreas Lotter
    am 10.01.2018
    Ich selbst lebe seit langem im Ausland, verfolge die Vorgänge rund um den Bahnhof aber seit jeher intensiv. Von der Idee der ersten Montagsdemo bekam ich damals in den Foren und Rundmails etwas mit und ich war erfreut das es gelang. Zur vierten Demo war ich zufällig selbst vor Ort und nahm Teil, wir waren ein unorganisierter Haufen von etwas mehr als 100 Personen am Nordausgang, kein Programm, keine Redner, kein Organisator. Die anwesenden Polizisten waren mit der Situation überfordert, da sie unbedingt einen "Demonstrationsverantwortlichen" als Ansprechpartner wollten. Erst ab Demo Nummer 5, also eine Woche später, übernahm Gangolf Stocker die offizielle Anmeldung und ab da gab es dann ein Programm, Technik, Redner usw. Ich bin aber sehr froh selbst so gut wie bei der Geburt von so etwas besonderen dabei gewesen zu sein.
  • Luise Pfäfflin
    am 10.01.2018
    Eine sehr schöne Geschichtswerkstatt :-) - Mehr davon!
  • Bernhard Meyer
    am 10.01.2018
    "Xavier Naidoo hatte noch keinen ganz so großen Knall"
    Wissen Sie das mit dem Knall aus erster oder zweiter Hand?
    Und welchen Erkenntnisgewinn über Montagsdemos bringt das Nebebei-Ohrfeigen von irgendwelchen Promis?
    Ist es denn für Sie akzeptabel, wenn ein Leserbriefschreiber so nebenbei fallenlässt "Frau Hunger hat einen Knall"?
    Es gibt zwar die Antideutschen, die so ein Verhalten richtig finden und laufend praktizieren, aber eigentlich gehört sich das nicht.
    • Otocobolus Phanafriesephreselm
      am 10.01.2018
      In einem seiner neueren Texte, Titel: Der Deutsche Michel, wirft Herr Naidoo einem nicht weiter konkretisierten Personenkreis vor: „Nicht mal im übertragenen Sinn macht euer Gelaber 'nen Sinn“ – um dann nur wenige Zeilen später dermaßen dadaistisch anmutende Verse vorzutragen, dass sich selbst erfahrenste Exegeten und begnadete Hermeneutiker mit unüberwindbar erscheinenden Hürden konfrontiert sehen:

      "Wer schickt die Nachrichten los und in wessen Schoß?
      Der Schoß, der dich in Sicherheit wiegt, ist vermoost
      Ist so groß, er ist allumfassend und sagenumwoben
      Doch blickst du in das dazugehörige Gesicht
      Wird dir erst bewusst, was für 'ne Fratze es ist
      Und dass du auf dem Altar liegst und geopfert wirst"

      Diese Reime sind regelrecht beleidigend schlecht, ebenso wie jeder Ansatz von Metrik, welche hier mit der Brechstange erzwungen werden muss. Auch Abseits seiner Tätigkeit als Lyriker, etwa in Interviews oder Statements, macht der gute Herr nicht gerade den Eindruck, als verfüge er über einen bemerkenswert klaren Verstand.

      Naidoo ist auch kein ernstzunehmender Systemkritiker. Was als Destillat seines vagen Geraunes verbleibt, lässt sich im Wesentlichen reduzieren auf: Das Kapital hat viel Einfluss auf die politische Legislatur und dabei existieren Kreise und Gruppen mit mehr Macht als andere. Big! Fucking! News!

      Ich finde es ärgerlich, wenn sich kritisch wähnende Zeitgenossen auf Naidoo als Kronzeugen und Wortführer berufen, weil er über weite Strecken wie eine Karikatur von Gesellschaftskritikern rüberkommt. Ihm angesichts seiner wirren Aussagen nur einen Knall zu attestieren, finde ich in diesem Fall noch sehr höflich.
    • Bernhard Meyer
      am 11.01.2018
      Eigentlich geht es mir gar nicht um Xavier Naidoo, ich weiß nicht viel über ihn. Mir geht es um das journalistische Rudelverhalten: Das ist mir zum ersten Mal bei Philipp Jenniger aufgefallen, über den im Radio und Fernsehen praktisch alle hergefallen sind, nachdem der Zentralrat ihm antisemitisch Missverständliches in seiner Rede vorgeworfen hatte. Kaum einer wagte damals, eine dem Rudel widersprechende Ansicht zu äußern. Das gleiche Bild dann bei Martin Walser, Günther Grass, Christian Wulff oder dem GDL-Chef Klaus Weselsky. Eine abscheuliche Hetze in den Medien! Selbst wenn es um andere Themen ging, ein Seitenhieb auf das jeweils aktuelle Opfer und der Kabarettist hatte seinen billigen Lacher oder der Journalist seinen Standort bei den Guten im Mainstream signalisiert. Das ist so durchschaubar.

      Es ist etwas völlig anderes, wenn man Kritik an diesen Leuten übt, aber dann mit nachprüfbaren Argumenten, die dann ebenfalls einer Kritik zugänglich sein müssen.

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