Ausgabe 323
Editorial

Das leere Konto

Von unserer Redaktion
Datum: 07.06.2017

Am Ende ist es wie in einer alten Ehe. Es gibt Streit ums Geld. Über Jahre waren sie ein Paar, der BUND und das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21. Durchaus mit Leidenschaft, bis sich die Interessen verschoben haben, und nur die Trennung blieb. In aller Freundschaft, versteht sich. "Kein Grund für persönliche Zerwürfnisse", bilanziert Werner Sauerborn für das Bündnis, die Beziehung sei zum Schluss gar nicht so schlecht gewesen. Wenn nur nicht das gemeinsame Konto gewesen wäre. Genauer: das leere Konto.

Darüber hat Kontext berichtet, verbunden mit der Frage, wem die Spenden der S-21-Gegner nach 2014 zugute gekommen sind. Das hat sich insoweit klären lassen, als der BUND befunden hat, der rechtmäßige Empfänger zu sein, bei all seinen Verdiensten im Bahnhofsprotest. Andererseits entspannt das die Lage nicht unbedingt, weil Sauerborn das Motiv seiner SpenderInnen weniger in der "Verteidigung der Obertürkheimer Zauneidechsen" sieht, als im Fundamentalwiderstand. Diese Sicht der Dinge teilt er mit vielen.

Der Konflikt, jahrelang unterm Deckel gehalten, ist jetzt da, wo er hingehört: in der Öffentlichkeit. Das Aktionsbündnis wird auf der kommenden Montagsdemonstration eine Erklärung dazu abgeben und dem BUND eine Frist bis zum Ende des Monats setzen. Zur Offenlegung der Zahlen. Bis dahin sollte sich Landeschefin Brigitte Dahlbender schlau gemacht haben und wissen, was genau mit dem Konto passiert ist. Dass sie den Streit auf Anfrage "sehr bedauert", sei ihr geglaubt, ist aber kein Grund, ihn nicht auszutragen. Auch in den besten Familien.

Peter Grohmann – er ist wieder da!

In der vergangenen Ausgabe mussten wir ohne Wetterer Peter Grohmann auskommen. Es passiert gottseidank nicht so oft, denn normalerweise schreibt er fleißig vor, wenn er mal in Urlaub geht. Und krank ist er sowieso nie. Wir freuen uns jedenfalls wie Bolle, ihn wieder an Bord zu haben: Mit seinem "Todeskommando" aus Katar.

"Omas Klöße", so war der Titel des allerersten "Wettern der Woche" am 14. Dezember 2011 in der Kontext-Ausgabe 37, der Startschuss zu sechs Jahren Kontext-Kolumne. Damals kam Stuttgarts "Anstifter" noch mit einem anderen Emblem daher und unbewegt. "Ali baba", das erste Wettern mit Video, gefilmt von Fotograf und Filmer Martin Storz, gab es am 26. Juni 2013. Grohmann im beigen Wollpullover mit roter Kappe. Später wetterte er im Che-Guevara-Shirt, mit Hosenträgern, Frack und Fliege oder auch mal mit einer Klobrille um den Hals. Immer mit Biss, immer mit scharfer Zunge und noch schärferem Sinn für das, was bewegt. Er ist wieder da, welcome back, Peter! Viva la revolución!

Farbe bekennen gegen Braun

Kontext macht einen Ausflug auf die Schwäbische Alb! Zusammen mit der taz wollen wir vor der Bundestagswahl streiten für eine offene Gesellschaft, wollen fragen, wo die Probleme liegen. Farbe bekennen gegen Braun lautet das Thema einer Podiumsdiskussion im Theater Lindenhof in Melchingen, an diesem Freitag, 9. Juni, um 20 Uhr. Unsere Reportage "Rechts abbiegen in Burladingen" soll einstimmen auf diese gemeinsame Veranstaltung von Kontext, taz und Theater Lindenhof. Wir freuen uns auf die ExpertInnen auf dem Podium, und auf viele Mitdiskutierende.

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