Ausgabe 52
Gesellschaft

Rosen auf dem Baumstumpf

Von Anna Hunger
Datum: 28.03.2012
Es war vor ein paar Wochen, kurz nach dem Fällen der Bäume, als im Parkschützerbüro eine psychologische Beratungsstunde abgehalten wurde. Es hatte etwas von Seelsorge. Eine Frau weinte, weil sie so lange gekämpft und doch verloren hatte, sie könne nicht mehr am Bahnhof vorbeigehen, sagt sie, weil sie dann wieder weinen müsse.

Was einmal eine Gruppe war, spaltet sich in einzelne Personen. Foto: Jo RöttgersEs war vor ein paar Wochen, kurz nach dem Fällen der Bäume, als im Parkschützerbüro eine psychologische Beratungsstunde abgehalten wurde. Es hatte etwas von Seelsorge. Eine Frau weinte, weil sie so lange gekämpft und doch verloren hatte, sie könne nicht mehr am Bahnhof vorbeigehen, sagt sie, weil sie dann wieder weinen müsse.

Eine andere hatte Bilder gemalt, die zeigen, wie man im Schlossgarten – wenn das Projekt scheitert, und davon geht sie aus – an den Bahnhof erinnern könnte und an die Protestbewegung. Blumenrabatte in Camp-Form, Geranien, die in Form des Bahnhofs gepflanzt sind, der Mercedes-Stern zum Peace-Zeichen umgedeutet. Verrückt, aber ein Stück Bewältigung des eigenen Niedergangs. Im Park hatte kürzlich einer auf ein paar Baumstümpfe Rosen gelegt. Aber damit betrauerte er nicht nur die Bäume, sondern auch ein bisschen sich selbst.

Die Bewegung gegen S 21 geht zu Ende. Das belegen die schwindenden Zahlen der Montagsdemos. Waren es vor einer Weile noch 3000 bis 5000 Teilnehmer, sind es nun noch rund 1500, und das hält die Trauer in Grenzen, weil dieser Protest langsam im Immergleichen verrostet. Aber mit ein bisschen Mühe könnte man seine Kraft bewahren und umwidmen.

Diese Bewegung ist gestartet voller Energie. So viel Power hatte Stuttgart schon lange nicht mehr, wenn überhaupt jemals gespürt. Es gab ein unglaubliches Potenzial zuvor nie genutzter Kräfte. Es war bewundernswert und toll, wie aus diesem Protest eine kleine Gesellschaft in der großen wurde, mit eigener Leitzentrale, eigenen Medien, eigenen Kommunikationsplattformen, mit Chefs und Wortführern, Arbeitern und Denkern. Solchen, die sich Kompetenzen angeeignet hatten und zu Fachmännern und -frauen wurden, anderen, denen die Anti-S-21-Bewegung eine Plattform zur eigenen Performance bot und wieder anderen, die einfach gegen den Tiefbahnhof waren, weil es eine Möglichkeit war, irgendwo dazuzugehören. Gegen S 21 zu sein lag auf der Hand: Geldverschwendung, Volksverarschung, ein Durchregiertwerden von oben. Dagegen zu protestieren konnte nicht falsch sein. Jetzt wird es schwerer.

Es war wunderbar

Diese Bewegung hat schwere Zeiten durchlebt, Hausdurchsuchungen, Prozesse, immer wieder wurde um sie herum und an ihr vorbeigebaut. Aber mit Sicherheit hat der Protest auch Spaß gemacht. Auf Wiesen sitzen, wie damals in den 68ern, singen, musizieren, dichten, ein bisschen Hippie im 21. Jahrhundert, und das auch noch für eine gute Sache. Die CDU wurde abserviert, es gab eine Schlichtung, einen Stresstest, eine Volksabstimmung, die Bewegung hat den Ministerpräsidenten gestürzt und letztlich Stuttgarts OB Schuster mitgerissen. Dieser Protest hat zeitweise das Riesenunternehmen Bahn, die Bundes- und Landesregierung vor sich hergetrieben. Es war wunderbar.

Selbst das Räuber-und-Gendarm-Spiel, als die Bewegung längst einen erbitterten Kampf gegen die Stuttgarter Polizei führte, hat vielen einfach Spaß gemacht. Ein bisschen Thrill und Aufregung in einem sonst eher gesitteten, unauffälligen Leben, der "zivile Ungehorsam" bot die Möglichkeit, einmal über die Stränge zu schlagen.

Allerdings hatte sich im vergangenen Jahr eine Menge an Menschen herauskristallisiert, die offenbar nicht mehr herausfanden aus ihrem Protest. Sie fühlten sich verfolgt (was eifrige Staatsanwälte beförderten), rutschten so tief hinein in ein umfassendes Misstrauen, dass sie nicht mehr in Wohnungen miteinander sprachen, sondern nur noch im Freien, aus Angst vor Wanzen. Es gab andere, die mehrfach ihre Telefone auseinanderbauten, auf der Suche nach Sendern, weil sie glaubten, jeder ihrer Schritte werde von einer Truppe Geheimdienstler überwacht, und solche, die meinten, jeder zweite Parkschützer sei ein Spitzel des US-Militärs. Bei den ganz Hartgesottenen herrschte eine teils groteske Paranoia, gepaart mit tiefem Hass auf das Land, die Bahn, die Polizei, die S-21-Befürworter.

Es begann eine unendlich tiefe Depression

Trauer um die Schlossgarten-Bäume. Foto: Chris GrodotzkiNach der Volksabstimmung wurde die Sache mit S 21 aber immer differenzierter, die Rahmenbedingungen hatten sich geändert. Wie auch immer man die Volksabstimmung bewerten will, wie auch immer der Kampf um sie geführt wurde, sie hat gezeigt, dass die meisten Baden-Württemberger das Projekt nicht ablehnen. Sie hatten offensichtlich die besseren Argumente der Gegner nicht gehört, sie nicht ernst genommen, vielen war dieses Bahnprojekt egal, andere waren die Diskussion satt, wieder andere fanden und finden S 21 auch einfach gut.

Damit begann eine Depression, die mit dem Abriss des Südflügels und der Fällung der Bäume im Schlossgarten unendlich tief geworden ist.

Die vormals eng verbundene Masse wurde auseinandergerissen. Menschen, die mehr als ein Jahr gemeinsam in Zelten gelebt hatten, sind plötzlich wieder allein und müssen nun versuchen, ihr Leben ohne die gewohnten Aufgaben, ohne die gewohnte Gemeinschaft zu erledigen. Was einmal eine Gruppe war, spaltete sich wieder in einzelne Personen, die Präsenz schwand, weil die Räume abhanden kamen, sich kollektiv zu artikulieren, das Camp, die Parkwache, Orte, die schon zum Inventar Stuttgarts geworden waren. Inzwischen sind die Demos nichts Besonderes mehr, sie sind Gewohnheit, werden langsam zu einer Veranstaltung von vielen.

Zwischenzeitlich lautete innerhalb des Protests das Credo, man habe zu wenig für die Sache geworben, müsse neue Mitstreiter finden, mehr Öffentlichkeitsarbeit machen, mehr rausgehen. Aber je mehr diese Bewegung versuchte, mehr Öffentlichkeit zu schaffen, desto mehr ging sie den Menschen auf den Keks.

Tausende haben den Glauben in die Politik verloren

"Syrien, Libyen, Stuttgart" – irgendwann kam es zu einer Überhöhung der eigenen Wichtigkeit, die vielen Leuten auf den Nerv ging und die auch zum Niedergang und zum Verlust von Ansehen dieser Bewegung beigetragen hat. Was einmal förderlich war, wurde hinderlich. Die Hartnäckigkeit und das einprägsame Mantra vom bösen Bahnhof wurden zu einem bloßen Etikett für diverse Unzufriedenheiten.

Hinterlassen hat dieser Protest Tausende, die den Glauben in die Politik, die Wirtschaft und die Bevölkerung verloren haben, eine Handvoll Menschen, die in psychiatrischer Behandlung sind, viele, die den Bezug verloren haben zu diesem System und seiner Gesellschaft. Das ist schade und traurig, aber es ist ein Ausdruck der Hilflosigkeit der Geschlagenen.

Nun gibt es noch eine kleine Gruppe bei den Parkschützern, die sich als Untergrundbewegung begreift und weiterhin gegen S 21 agiert. Aber das wird der falsche Weg sein.

Das Projekt ist Murks, und es muss kritisch begleitet werden. Aber vielleicht sollte der restliche Protest aus seinem selbst gewählten Untergrund auftauchen und sich für einen Dialog öffnen. Stuttgart braucht keine "Bewegung", die dem BUND nach jahrelangem Engagement vorwirft, er habe sich nicht um eine Juchtenkäferlarve in einem gefällten Baum gekümmert. Eine "Bewegung", die nichts mehr tut, außer dagegen zu sein, macht sich überflüssig.

Neue Aufgaben für die Bewegung

Stuttgart braucht Menschen, die sich im Dialog engagieren. Die Parkschützer sind und waren der kreative Motor der Bewegung, die treibende Kraft. Sie waren agiler als das Bündnis, bunter, schneller und mutiger. Das nun umzupolen wird die Herausforderung sein.

Man weiß jetzt, wie Politik funktioniert, wie Medien arbeiten, wie eine Gesellschaft tickt und die Masse. Man hat nun ein Gefühl für die Struktur. Das ist unendlich wertvoll. Und das muss man umsetzen, dafür muss man neue Aufgaben finden, für die Protestbewegung und für ihre Menschen.

Mittlerweile gibt es viele gute Ansätze einer neuen Bürgerschaft, wie zum Beispiel den Stuttgart Salon oder die Meisterbürger. Die Stuttgarter und auch die Baden-Württemberger im Allgemeinen machen sich Gedanken, wie sie leben möchten, über Pflanzen, über Tiere, über soziales Verhalten, darüber wie viel Grün die Stadt braucht, wie viel Luft, wie viel Platz, wie viel Kultur. Die Protestbewegung hat das aufgebrochen und ein völlig neues Bewusstsein in die Stadt gepflanzt.

Kompromisse sind wichtig

Diese Chance muss man nutzen und darf sie nicht verschenken, indem ein paar Unverbesserliche am immer gleichen Sermon festhalten. Die Solidarität innerhalb der Bevölkerung muss aufrechterhalten werden, die Kraft genutzt werden für die Einlösung der Bürgerbeteiligung, die Winfried Kretschmann vor sich herträgt.

Kompromisse sind wichtig, eingehen aufeinander, den Hass ablegen, flexibler sein. Der Kampf gegen das Projekt S 21 ist vielleicht verloren, aber alle anderen kommenden Kämpfe sind noch zu schlagen.


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10 Kommentare verfügbar

  • phil55
    am 08.04.2012
    Viele schöne Worte - dennoch leider ein nur leichte Hausmannskost ohne den sachlich notwendigen Tiefgang, welchen die Thematik erfordert. Die Autorin sollte ihr Ohr "an die Masse halten", um mit gehaltvollen Recherchen zu beweisen, dass sie etwas vom tieferen Sinn der beschriebenen Bürgerbewegung versteht. Nur mit einem klar erkennbaren parteilichen Standpunkt ist eine akzeptable Wortmeldungen möglich, welche Anerkennung finden kann. Ein "nicht Fisch - nicht Fleisch" - Artikel hat leider ein gewisses „Gschmäckle“. Für die Zukunft gute Besserung und viel Erfolg!
  • Primel
    am 05.04.2012
    Vorweg: Ich bin ein S-21-Gegner. Für mich ist diese hervorragende Analyse ein Grund mehr, Kontext zu fördern.
  • gerd_47
    am 03.04.2012
    da hilft nur noch eins liebe Gegner von Stuttgart21 die Kontext Förderung sofort kündigen!
    Ich habe es schon gemacht!!
  • Martha
    am 02.04.2012
    Was aber weder Stuttgart noch die Bewegung braucht, ist noch ein Artikel der erklärt was Stuttgart und die Bewegung braucht!
    Teilweise echt abgedroschen die Rede vom nur Dagegensein - was so nicht ist und nie war, vom Aufruf zur Dialogbereitschaft die immer bestand etc.
  • Uwe Mannke
    am 31.03.2012
    Der Artikel zeigt, dass sich Frau Hunger diese "Bewegung" genauer angeschaut hat und sie fühlt uns auch richtig auf den Zahn, bzw. an die Stelle, wo die Bewegung droht, auseinander zu brechen.

    Aber genau an dieser Stelle zeigt auch die Autorin eine signifikante Inkonsequenz:

    Sie schreibt ganz richtig, dass das Projekt Murks ist. (oder zitiert sie nur - ein kleiner journalistischer Kunstgriff?)

    Auf der anderen Seite kommt der verlockende Aufruf, sich mit der gewonnenen Professionalität neuen Politikfeldern zuzuwenden.

    Ei warum denn diese Inkonsequenz? Natürlich hat der Journalismus die Freiheit, sich hier feuilletonistisch abzuheben aus dem Getümmel des Widerstandes, der eine Schlacht verloren hat. Nur der zähe Kampf um's Eigentliche: Demokratie und Rechtsstaat hat erst jetzt begonnen.

    Und natürlich schmerzt der Satz: "beim zivilen Ungehorsam mal über die Stränge schlagen".

    Hier ist die Bewegung aufgefordert, dieses letzte Mittel am Kipppunkt des demokratischen Rechtsstaates, an der Demarkationslinie zwischen Staatsgewalt und organisierter (korruptes) Systemkritik, die die Gewissensfreiheit berühren und die persönliche Verantwortung fordern, genauer zu definieren; der Aktionskonsens reichte am 20.Juni 2011 nicht, um die eigentlich richtige Baustellenbesetzung politisch wirksam zu gestalten; pressetechnisch nicht und bei der verantwortlichen Handlungsweise auch nicht. Die Konsequenzen sind bis heute nicht gezogen worden; von den Parkschützern nicht und vom Aktionsbündnis auch nicht. Es ist auch immer noch nicht begriffen worden, dass die besten Argumente nicht zählen, wenn nur sehr wenige persönlich mit disziplinierten Aktionen des zivilen Ungehorsam genau im Sinne dieser Argumente VERANTWORTUNG übernehmen wollen. Und genau deshalb degeneriert der demokratische Rechtsstaat und die Partei der Grünen gerät in diesen Sog.

    Ich würde mich freuen, wenn Frau Hunger hierzu Stellung nehmen könnte.

    Mit freundlichen Grüßen
    Uwe Mannke
  • G.Bayer
    am 28.03.2012
    Ach, "Das Projekt ist Murks" und Sie meinen wirklich, Murks "muss kritisch begleitet werden"??? Ich wusste nicht, dass man Sch... fressen muss, um zu wissen, wie sie schmeckt.
    Ach, Sie meinen "... vielleicht sollte der restliche Protest ... sich für einen Dialog öffnen." Könnte es sein, dass genau das der Protest über zwei Jahre lang gemacht hat? Schlichtung, Stresstest, VA? War doch alles Dialog, oder? Und die Betreiber? Die Proler? Wo sind denn die, die das Projekt eines Höhlenbahnhofs ablehnen, von denen jemals ernst genommen? (Ich gebe zu, dass der Herr Kefer dem Hernn Palmer mal in einer schwachen Minute einen Job bei sich angeboten hat...)
    Ach, "Und das muss man umsetzen, dafür muss man neue Aufgaben finden, für die Protestbewegung und für ihre Menschen." Das war vor 40 Jahren genau die Haltung der SPD (und dann entstannden die Grünen) und jetzt ist es die Haltung der Kretschmann-Grünen. Nein, danke.
    Ach, "Die Solidarität innerhalb der Bevölkerung muss aufrechterhalten werden". Jedesmal, wenn ich die Online-Kommentare der StZ überfliege, wird es mir ganz anders. Solidarität? Ich erkenne nur Häme. Siehe oben.
    Ach, "die Kraft" muss "genutzt werden für die Einlösung der Bürgerbeteiligung, die Winfried Kretschmann vor sich herträgt."
    Wollen wir diese "Bürgerbeteiligung" wirklich? Wo die Bürger wieder nur vorgeführt werden? Jetzt auch noch die Bürger dafür verantwortlich machen, dass sie sich in die nicht zu gewinnende VA haben treiben lassen?
    Dass Murks Murks bleibt, lasse ich mir nicht nehmen, und wer dafür verantwortlich ist, das will ich auch weiterhin noch laut sagen dürfen und ich werde auch kein kleineres Übel wählen im Herbst, wenn es um den OB-Posten geht!!!
  • Shoobidoo
    am 28.03.2012
    Dies ist eine in vielerlei Hinsicht kluge Analyse von Frau Hunger!
    Was sie dabei leider ebenso übersieht wie ein großer Teil des durchaus noch lebendigen Protests gegen S21: Die unwiderstehliche Anziehungskraft der "Bewegung" (Danke, Frau Hunger, für die aus historischen Gründen dringend gebotenen Anführungszeichen!) rührte von der breiten Basis Kulturschaffender, Musiker, Dichter und Denker, von der sie getragen wurde. Man sollte die schwäbische Freude, mindestens wöchentlich eine zwar kurze, aber hochrangige Wort- oder Musikdarbietung "umsonschd" genießen zu dürfen, besonders in bürgerlichen Kreisen nicht unterschätzen. Die Frage, wie lange die Selbstausbeutung der Organisatoren und Akteure dieser Off-Off-Veranstaltungen weiter gehen würde, war absehbar - selbst in Stuttgart, der Stadt der Banausen, in der manches Kulturjuwel nur im Verborgenen blinkt, in der das Abreißen von Kulturdenkmälern besser funktioniert als die Renovierung des Schauspielhauses.
    Frau Hungers Einschätzung, einige Menschen fänden nicht mehr heraus aus dem Protest, sie fühlten sich verfolgt, dies sei kurz gesagt eine mehr oder minder pathologische Persönlichkeitsstörung, kann nur auf fehlender Information beruhen:
    1. Man darf zweifellos davon ausgehen, dass einige Menschen nicht mit dem Protest aufhören, sollte aber nicht gleichzeitig von einem Unvermögen ausgehen: Vielleicht ist es einfach der Wunsch dieser Menschen, am Protest festzuhalten! Wer will ihnen dies angesichts des Räuber-und-Gendarm-Spiels der Bahn und der (mutmaßlichen) Profiteure mit den sogenannten Kontrolleuren und den sogenannten Aufsichtsbehörden verdenken?
    2. Wer per Schreiben von der Staatsanwaltschaft über ein gegen ihn eröffnetes Ermittlungsverfahren informiert wird, ohne jemals einem Polizisten seinen Ausweis gezeigt oder seine Personalien mitgeteilt zu haben, wird sich zurecht verfolgt fühlen. Wer außerdem einmal einen der unzähligen Gerichtstermine zu Prozessen gegen Stuttgart21-Gegner oder wen Polizei, Staatsanwaltschaft (!) oder Richter (!!!) dafür halten, besucht hat, kann nur erschüttert sein, wie bei diesen Veranstaltungen die Prinzipien des Rechtsstaats mit Füßen getreten werden!
    Diese erschreckenden Tatsachen lassen sich nicht mit sozio- oder psychologischen Erklärungsversuchen in feuiletonistischen Kabinettstückchen kleinreden.
  • bronzus
    am 28.03.2012
    meine herrn (und offenbar dame),

    während ich letzte woche noch schwer am überlegen war ob ich euch unterstütze mit einem abo oder einer spende - hat sich das jetzt vollends erledigt. ich habe immer eure artikel mit interesse gelessen - und etliche "lesezeichen" zu kontext angelegt. irgenwann schwenktet ihr allerdings um. ich frage mich warum. offenbar wolltet ihr einfach mehr bürgerliche und konservative leser anziehen. ich tat mir immer schwerer das - entschuldigung - gesülze mancher autoren zu lesen.
    ein artikel wie dieser reiht sich nahtlos in die beobachtete tendenz ein. nein sowas brauche ich nicht. wenn ihr es nicht schafft ein klares konzept zu erstellen und einen "markt" zu bedienen funktioniert das einfach nicht. offenbar ist euer blatt zu allen richtungen offen - und wer das ist, ist nicht ganz dicht - sagt eine redewendung. und nein - ich erwarte kein s21 parkschützer sprachrohr. aber eure ausrichtung dreht sich analog dem wind der öffentlichen meinung (wodurch immer diese gebildet wird).
    andererseits passt euer blatt dann ganz gut in die spießige schwäbische und kretschmannsche opportunistische gesellschaft. hurra!
    chance vertan!
    ganz ehrlich, ich würde euer blatt dann wohl doch nicht vermissen!
    ich schließe mich weiterhin des leserkommentars von
    "adabei, 26-03-12 19:25" (zum artikel "schwarz sehen")an.

    dennoch grüße!
    bronzus (der noch nie auf einer montagsdemo war. und weiß gott kein parkschützer ist.)
  • Schroeder
    am 28.03.2012
    Kompromist ist wichtign?

    Uuuupsn... ich find im Text fast nur "ist´s" und "war´s", "wird´s" und "muss´s" ... erscheint mir irgendwie gespickt mit scheinbar bewiesnen Wahrheitn und somit voller semantischer Defektn. Diese Tunnelrealtität21 hat jedenfallsn sehr wenig bis überhauptn nixn mit meiner eigenen Obanrealität zu tun.

    "Alle Stuttgarter gehen immer im Gänsemarsch!"
    "Woher weisstn du das?"
    "Nun, der eine, den ich sah, ging auf diese Weise"

    Frau Hunger, ich gehöre zwar überhauptn nichtn zu den "Unverbesserlichn", aber es gibt ja auch noch viele "Andere"... neulich hab ich sogar einen ganz "Normalen" getroffn.

    Ich vermute doch sehr, dass auch Stuttgart ein "Vielleicht" enthältn. Oder?

    hm... warum hab ich grad eben Lust bekommn längers in Urlaubn zu fahren, wenn die am Ende genanntn "kommende Kämpfe zu schlagen" sind?

    Meld mich, sobaldn ichs weiss.

    Grüssn Schroeder
    http://obanbleiban.de
    https://www.facebook.com/SCHROEDEReien
  • peterwmeisel
    am 28.03.2012
    Die Bewegung gegen S 21 geht zu Ende?

    Hier steht: "Diese Bewegung ist gestartet voller Energie. So viel Power hatte Stuttgart schon lange nicht mehr, wenn überhaupt jemals gespürt. Es gab ein unglaubliches Potenzial zuvor nie genutzter Kräfte. Es war bewundernswert und toll, … Gegen S 21 zu sein lag auf der Hand: Geldverschwendung, Volksverarschung, ein Durchregiertwerden von oben." Es war wunderbar?

    Meine Meinung: Die Wirkung ist wunderbar! Jetzt sogar Bundesweit!
    Zur Landtagswahl im Saarland fand ich einen Satz im Werbevideo der Piraten, der hat mir besonders gut gefallen. "Wenn es die Piraten schon vorher gegeben hätte, wäre Stuttgart 21 nicht passiert!"
    Besser kann das Piraten Selbstverständnis zu -Transparenz- kaum ausgedrückt werden. Auch das Beispiel S21 an die Saarländer zu adressieren, deutet darauf, dass solche CDU-Fehlleistungen, Pfusch und Lügen verhindert werden können. Die bundesweite Wirkung von Stuttgart 21 auf die Real Existierend Demokratie ist eingetreten. Heiner Geissler hatte dies noch als Wunsch am Schluss der Schlichtung formuliert: "Ich wünsche dem Stuttgarter Demokratie-Modell eine weite Verbreitung in Deutschland."
    Also lasst uns über der Stuttgarter Kesselrand hinaus blicken.
    Es findet sich jetzt dieser Wunsch als Programm einer Partei an der Saar wieder und wird vom Volk mit 7,4 % der Wählerstimmen und dem Einzug ins Parlament beantwortet.
    Das ist doch kein Grund für Depressionen. Es ist die Chance die strukturelle Korruption des "Private Public Partnership" zu beenden. Der "Nord-Süd-Dialog" der Jahre 2007 bis 2009 wird von Wulff bis Oettinger noch aufgearbeitet werden müssen. Der Gipfel war am 30. März 2009 Oettingers Unterschrift unter den Finanzierungsvertrag zum Projekt S21 um 100 ha Bauerwartungsland in zentraler Lage zu "schaffen".
    Die anstehenden Landtags-Wahlen bis zur Wahl im September 2013 werden viele Möglichkeiten der Transparenz bieten. Es gibt viel zu viele solche "Bahnhöfe" in der Republik. Auch fällt mir die Häufung "günstiger Angebote für Lärmschutzwälle" auf.
    Alle eine res publika, eine öffentliche Sache! Wem nutzt das?
    Dank der Mutbürger gegen Stuttgart 21 kommt die Bewegung in Fahrt!

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