Bitte legt den Aufklärungsbericht auch in die Jubiläumsausstellung, sagt Benno Hafeneger. Fotos: Jens Volle

Ausgabe 410
Gesellschaft

Missbrauch darf kein Randaspekt sein

Von Susanne Stiefel (Interview)
Datum: 06.02.2019
Die Evangelische Brüdergemeinde Korntal feiert dieses Jahr Jubiläum und hat dazu eigens eine Ausstellung präsentiert. Der Pädagogik-Professor und Aufklärer Benno Hafeneger hat sie sich angesehen. Ein Gespräch über den Missbrauch an Heimkindern und wie an dieses dunkle Kapitel erinnert werden sollte – auch und gerade beim offiziellen Festakt.

Herr Hafeneger, 200 Jahre Korntal sind hier in der Ausstellung versammelt. In einem eigens dafür gebauten Haus, dem "Zeit.Raum am Türmle". Wie blickt der Aufklärer auf die Darstellung der Geschichte der Evangelischen Brüdergemeinde?

Die ist gut strukturiert und aufgemacht, ein Panorama mit all den Facetten, die diese Brüdergemeinde in diesen zwei Jahrhunderten ausmachen. Auch die zwei Tafeln am Ende, die die Aufklärungsarbeit des Kindesmissbrauchs in den Heimen der Brüdergemeinde dokumentieren, sind gelungen. Daran hätte ich nichts zu kritisieren.

Nun liegt hier am Eingang der Ausstellung das Buch des pietistischen Theologen Rolf Scheffbuch aus ...

... des Haustheologen der Evangelischen Brüdergemeinde, dem sie sich verbunden fühlt.

Ja, und das ist okay so. Aber wie wäre es, wenn hier auch der Aufklärungsbericht liegen würde, direkt neben Scheffbuch? So könnten alle Besucher mehr erfahren über diesen mühsamen Prozess der Aufklärung und sogar etwas mitnehmen. Das wäre ein Hinweis an die Brüdergemeinde: Freunde, wenn ihr das mit der Aufklärung wirklich ernst nehmt, dann bitte legt das Buch, das demnächst erscheint, oder den Aufklärungsbericht gleich hier neben den Scheffbuch. Dann hätte man die Innen- und die Außensicht der Brüdergemeinde.

Wir sind mitten im Jubiläumsjahr, das mit dem Neujahrsempfang offiziell eingeläutet wurde. Was erwartet der Aufklärer von der Brüdergemeinde?

Zunächst ist es legitim, dass die Brüdergemeinde den Facettenreichtum ihrer Geschichte würdigt. Das andere ist, welche Rolle die Konstellation von Gewalt und Heimerziehung spielen wird, die wir aufgearbeitet haben. Wenn dieses Drama nur zwei Sätze in einer Begrüßungsrede wert wäre, dann ist das zu wenig. Es muss einen bedeutsamen Stellenwert haben in dem Jahresprogramm der Jubiläumsfeierlichkeiten.

Ein Drama war und ist es bis heute für die betroffenen Heimkinder. Auch der Missbrauchsskandal feiert in diesem Jahr ein trauriges, fünfjähriges Jubiläum. Und viele Betroffene fürchten, dass sie bei den offiziellen Feierlichkeiten hinten runterfallen. Detlev Zander spricht gar von "Aufklärung im Schleudergang". Können Sie den Zorn verstehen?

Subjektiv-biografisch kann ich die Gefühlswelt verstehen und deuten, aber mit der Wirklichkeit des seriösen, transparenten und partizipativen Aufklärungsprozesses hat sie nichts zu tun. Da wurde nichts unter den Teppich gekehrt oder schöngebügelt, im Gegenteil – es ist gelungen, einen konflikt- und schmerzhaften Prozess mit großer Sensibilität und Empathie durchzuhalten. Übrigens haben wir auch Gewaltvorkommnisse bis in die 2000er Jahre einbezogen.

Sie haben insbesondere die Strukturen der Evangelischen Brüdergemeinde untersucht. Haben Sie ein Korntaler Spezifikum entdeckt, etwas Spezielles, das diesen Missbrauch an Heimkindern gefördert hat?

Noch gibt es keine vergleichenden Untersuchungen. Aber natürlich kenne ich die anderen Berichte und weiß, dass es auch in anderen Kinderheimen eine strafende, autoritäre, hierarchische Erziehungsstruktur gab. In Korntal kam eine sendungsorientierte, religiöse Autorität dazu – es gab einen religiösen Alltag, eine nicht hinterfragte Religiosität, in die Erzieher und Kinder eingebunden waren und wo Letzteren das Böse ausgetrieben werden sollte. Sie sollten mit religiös-autoritärer Gottesfurcht zu sogenannten normalen und angepassten Bürgern gemacht werden, die ihr Leben auf die Reihe kriegen.

Das war, wie ich aus Gesprächen mit Betroffenen weiß, für die ehemaligen Heimkinder eine zusätzliche große Belastung: Weil zu der autoritären Kälte noch das religiöse Verfehlen dazukam.

Und damit ein ständiges Schuldbewusstsein, ein schlechtes Gewissen. Viele haben das so verarbeitet, dass sie Religion und Religiosität hassen und heute mit Abscheu betrachten. Unter pädagogischen Gesichtspunkten, Kinder so – autoritär und strafend – mit Religiosität und Gott zu konfrontieren, ist das aus heutiger Sicht ein Supergau.

Damit haben Sie sich nun ein Jahr lang beschäftigt. Was kann, was muss die Evangelische Brüdergemeinde daraus lernen?

Ich bin mit der Rekonstruktion des Aufklärungsprozesses bis zu diesem Punkt sehr einverstanden. Bei anderen Fällen von Gewalt und Missbrauch in Heimen ist es so, dass der Bischof einen Auftrag gibt, dass das Ministerium sagt, was zu machen. Dass es wie hier in Korntal – bei allen Kontroversen – eine Aufarbeitungsgruppe gab, dass es eine Moderation gab, eine Informationskultur, eine Vortragsreihe – das ist eine Struktur, die findet man nicht so oft.

Ein Lob also an die Brüdergemeinde, die mit Anerkennung während des vierjährigen Aufklärungsprozesses nicht eben verwöhnt wurde. Nochmal gefragt: Wie geht es nun weiter?

Jetzt geht es in die nächste Runde. Es geht darum, eine Erinnerungskultur aufzubauen und präsent zu halten. Auf der einen Seite als Teil der Brüdergemeindearbeit. Da ist nun die Frage, was bietet man an: zum Beispiel eine Ausstellung, eine Dauerausstellung, eine Tafel. Viele der Betroffenen sind im Rentenalter, viele sind verstorben, viele wollen ja gar nichts mehr damit zu tun haben. Aber diejenigen, die das Thema für sich weiter biografisch verarbeiten wollen, denen muss Gelegenheit gegeben werden, sich zu treffen und an der Gestaltung dieser Erinnerung an ein dunkles Kapitel mitzuarbeiten.

Viele Heimkinder leiden darunter, dass ihr Martyrium hinter Mauern stattfand, keiner hat es gesehen und keiner hat ihnen geglaubt. Die haben für Öffentlichkeit gekämpft und wollen nun auch eine öffentlich sichtbare Genugtuung. Also einen öffentlichen Ort, wo auf ihr Leid aufmerksam gemacht wird. Sie wollen öffentlich wahrgenommen werden. Können Sie das verstehen?

Ja, das ist eine Option und richtig aus der Perspektive der Betroffenen. Es gibt auch eine strukturelle, eine organisationsbezogene Perspektive nach dem Motto: Wir von der Brüdergemeinde stellen uns unserer Geschichte und präsentieren sie öffentlich. Bis dahin, dass Schulklassen kommen und dass Heimerzieher in ihrer Ausbildung sagen: Hier gibt es eine Ausstellung, ein gesellschaftliches Lernangebot, das die Betroffenen einbezieht. Die Nachfolgegenerationen müssen angesprochen werden.

Ein öffentlicher, sichtbarer Ort ist auch das Jubiläum und der Festakt im Sommer. Wurden Sie schon um einen Redebeitrag beim Festakt gebeten?

Nein, bisher nicht. Das sind Planungen innerhalb der Brüdergemeinde, in die wir nicht involviert sind.

Festredner Günther Oettinger steht jedenfalls schon fest, das ist auf der Homepage zum Jubiläum zu lesen.

Ganz sicher wäre so ein Festakt eine gute Gelegenheit, ein Signal an die Betroffenen und in die Öffentlichkeit, dass man sich auch diesen unrühmlichen Teil der eigenen 200-jährigen Geschichte ernsthaft vergegenwärtigt. Die Geschichte des Missbrauchs in den Heimen der Brüdergemeinde darf kein Randaspekt sein bei einem Jubiläumsfest, indem nebenbei in einem Grußwort auf dieses Drama verwiesen wird.

Missbrauchsskandal in Korntal

Ein Kontextartikel verschaffte den Missbrauchsvorwürfen ehemaliger Heimkinder Gehör. Doch die Evangelische Brüdergemeinde tut sich schwer mit der Aufarbeitung.

Zum Dossier


Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!

6 Kommentare verfügbar

  • Ludwig Pätzold
    am 11.02.2019
    Die beiden Poster über den Aufklärungsprozess in der Ausstellung der Brüdergemeinde sind kurz und sachlich in Ordnung. Über das Ergebnis der Aufklärung findet sich aber nichts in der Ausstellung. Das Wort „Missbrauch“ kommt zweimal vor, die Brüdergemeinde beklagt das Leid, das den Heimkindern zugefügt worden ist. Wie die Kinder misshandelt wurden, welche dramatischen Folgen dies für das ganze Leben der Kinder hatte, erfährt der Besucher der Ausstellung nicht.
    Leider erfährt man das auch dann nicht, wenn man die öffentliche Diskussion über die Aufklärung verfolgt. Da wird über die „fehlende Fachlichkeit zur Plausibilitätsprüfung“ räsoniert, da wird theoretisiert, dass man von der Institution Brüdergemeinde nicht ernsthafte Aufklärung erwarten kann, da wird festgestellt. dass zu wenige Psychologen an der Aufklärung beteiligt waren.
    Über das, was die Aufklärer zu tage gefördert und dokumentiert haben, wird nicht geredet:
    Da beschreibt eine Diakonisse 1967 die Zustände im Kinderheim als „kleines Kinderkonzentrationslager“ (S. 64 ff.). Da kann man auf Seite 131 nachlesen, wie der Vorstand 1961 mit dem Verdacht, dass der Hausmeister Kinder sexuell missbraucht, umgegangen ist. Man wollte die gute Arbeitskraft nicht verlieren. Am Ende wurde er in 30 Interviews als Täter benannt. Spitzenreiter bei der physischen Gewalt war der langjährige Heimleiter ( S. 272 ff). Unzählige Zitate aus den Interviews belegen wie Kinder gedemütigt, gequält und körperlich misshandelt wurden.
    Darüber muss man reden und schreiben. Wir tun es auf unserer Webseite opferhilfe-korntal.de
    • Angelika Oetken
      am 11.02.2019
      Ein weiterer, auch bei anderen, ähnlichen Fällen systematischer, institutioneller Missbrauchskriminalität weitgehend ignorierter Sachverhalt ist die Frage nach Art und Umfang der Veruntreuung öffentlicher Gelder. Wie jeder Heimträger, jedes Internat bekam auch die Brüdergemeinde Korntal staatliche Mittel für den Betrieb ihrer Einrichtungen, die Unterbringung und Versorgung der ihr anvertrauten Minderjährigen. Wie schlecht die Lebensbedingungen für die Kinder waren, wie sehr Misshandlung den Alltag der Kinder prägte, steht außer Frage. Hinzu kommt: man ließ die Insassen Zwangsarbeit leisten, der Handel mit Minderjährigen zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung steht im Raum. Die Brüdergemeinde muss alles in allem kräftig an den Kindern und Jugendlichen verdient haben. Was ist mit dem Geld geschehen? Diese sektenähnliche Frömmlergemeinschaft sollte über genug Mittel verfügen, um ihre Folteropfer zu mindestens sein Stück angemessen zu entschädigen. Und nicht zuletzt: wie kann es sein, dass in einer evangelischen Freikirche die ganz normalen menschlichen Werte und Regeln derart pervertierten, dass sie im fraglichen Zeitraum für die Brüdergemeinde gänzlich außer Kraft gesetzt gewesen zu sein scheinen? Wie ist es heute?
  • Jue.So Jürgen Sojka
    am 08.02.2019
    @Susanne Stiefel,

    Ihre Überschrift "Missbrauch darf kein Randaspekt sein" setzt voraus, dass in vergangenen Zeiten lediglich am Rand Missbrauch statt fand. Dem ist nicht so!!!

    Seit hunderten von Jahren ist "Missbrauch", in seinen vielfältigen Ausprägungen, [b]mitten in unserer Gesellschaft[/b] vorhanden und [b]geduldet![/b]

    Meine Veröffentlichung auf der Internetseite "Kirche im SWR»" vom 07.02. um 15:15 Uhr zum Manuskript von Dr. Lucie Panzer "Gute Menschen" https://up.picr.de/35023462sr.pdf
    darin die Link-Adressen zu BR24 DokThema | Missbrauchte Ordensschwestern:
    Der lange Kampf um Anerkennung
    Der Missbrauchsskandal in der Katholischen Kirche weitet sich aus - auch Nonnen und Ordensschwestern sind unter den Opfern. Der Wiener Kardinal Schönborn traf erstmals vor laufenden BR-Kameras ein Opfer. Beide Seiten sehen dringenden Handlungsbedarf.

    Ungleichheit zwischen Mann und Frau sei "Uraltsünde in der Kirche"
  • Detlev Zander
    am 08.02.2019
    Fünf Jahre Missbrauchsskandal und Aufklärungsskandal in der Brüdergemeinde Korntal
    Was wieder bezeichnend ist, dass dem Aufklärer Hafeneker Zutritt zu dem Ausstellungsraum, wohl von der Brüdergemeinde Korntal gewährt worden ist und ein Pressegespräch ermöglicht worden ist. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass ich in der Vergangenheit mehrmals versucht habe, die Tatorte mit mir gemeinsam und für die Presse zu öffnen, dies lehnt die Brüdergemeinde Korntal bis heute ab.

    Hier wird erneut vergessen, dass es eigentlich um die Opfer geht. Aus Sicht von Hafeneker kann ich seine Argumentationen nachvollziehen, schließlich möchte er ja im Boot bleiben.
    Dennoch sage ich hier ganz deutlich, dass ich es nicht nachvollziehen kann, wie er den Aufklärungsprozess bewertet. Seine Arbeit, und die der Moderatoren zu loben, ist an Zynismus nicht mehr zu überbieten. Er spielt damit den Brüdern in die Hände.

    Von einer Erinnerungskultur in Korntal zu sprechen ist aus heutiger Sicht nicht nachvollziehbar.Bevor dieses Thema auf die Agenda kommt, darf ich erinnern, dass im Missbrauchs ,-und Aufklärungsskandal der Brüdergemeinde Korntal längst noch nicht alles aufgeklärt, aufgearbeitet und der Öffentlichkeit vorgestellt worden ist.Die AufklärerINNEN hatten nur einen bestimmten Auftrag zu erfüllen, dies zeigt ja auch die rasante Zeit, in der versucht worden ist aufzuklären. Innerhalb eines Jahres ist es unmöglich das gesamte Ausmass der Verbrechen in der Brüdergemeinde Korntal zu erforschen.
    Die Verfasserin hat Recht, wenn sie schreibt dass die Opfer aus Korntal ein trauriges Jubiläum feiern. "Fünf Jahre Missbrauchsskandal in der Brüdergemeinde"Ich selbst habe darauf aufmerksam gemacht, weil ich den Narzissmus und das Auftreten der Brüdergemeinde Korntal in ihrem Jubiläum nicht für akzeptabel halte, und ich aus Erfahrung weiß, welchen Stellenwert die Opfer in der Brüdergemeinde Korntal haben.
    Deshalb ist es wichtig Gespräche mit Opfern zu führen, die seit fünf Jahren um Aufklärung, Aufarbeitung und Genugtuung kämpfen. Für mich ist es unumgänglich dass mit Opfern gesprochen wird, und nicht über sie. Der Aufklärungsprozess war eben nicht so paritätisch und harmonisch, wie von Hafeneker hier kommuniziert. Vielmehr war dieser Prozess von Verletzungen, Demütigungen und Retraumatisierungen von Seiten der Verantwortlichen der BrüdergemeindeKorntal Klaus Andersen ( weltlicher Vorsteher), Veit-Michael Glatzle (Geschäftsführer der Diakonie der Brüdergemeinde Korntal), und den Moderatoren Rohr und Bautz geprägt.
    Hier ein Beispiel:
    Obgleich die Brüdergemeinde Korntal wiederholt angeboten hat, der Forderung von
    Betroffenenvertreter*innen nach Finanzierung einer fachlichen Begleitung und Beratung während des
    Aufklärungssprozesses zu entsprechen, wurde ein entsprechendes, fachlich unbedingt notwendiges
    Hilfeangebot nicht installiert. Es stellt sich die Frage, warum die Moderator*innen des
    Aufarbeitungsprozesses, die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Rohr und der Dipl. Pädagoge und
    Mediator Bautz, sich nicht in der Verantwortung sahen, dieses Mindestmaß an Fürsorge für Betroffene
    sicherzustellen.War es evtl. das Anliegen der Moderator*innen, die Aufarbeitung nach den massivenKonflikten der ersten zwei Jahre „möglichst schnell und ohne weitere Probleme abzuwickeln“? Die von ihnen im Eilverfahren vorangetrieben Zusammenstellung der Untersuchungskommission, die nur über eine eingeschränkte Expertise bezüglich der Fragestellung der Untersuchung einbringen konnte, legt zumindest eine solche Vermutung nahe.
    Den Alleingang der Brüdergemeinde Korntal die Tafeln, ohne Mitsprache von Opfern aufzustellen ist nicht akzeptabel, und opferfeindlich. Zudem ist auf den Tafeln nur dass zu lesen, was die Brüder akzeptieren auch frei gegeben haben.

    Schöne Worte, „Scham und Trauer“ durch die Brüdergemeinde Korntal hilft den vielen Opfern der Brüdergemeinde Korntal nicht.
    Es braucht daher zwingend eine erweiterte Aufklärung und Untersuchung .
    • Angelika Oetken
      am 08.02.2019
      Worum es der Brüdergemeinde in Wirklichkeit geht, zeigt sich schon daran, dass sie für ihr als "Aufarbeitung" bezeichnetes Projekt keine ExpertInnen für Missbrauchskriminalität engagierte. Es ist sowieso absurd, von einer Institution, die bei umfassender Aufklärung und Aufarbeitung nur verlieren könnte, zu erwarten, sie betreibe derartiges ernsthaft. Um so wichtiger, dass Zivilgesellschaft und Medien wachsam sind und am Thema dran bleiben.
    • Angelika Oetken
      am 08.02.2019
      Die Schilderungen der Opfer und Mitbetroffenen legen nahe, dass die Brüdergemeinde Korntal eine Affinität zu organisiertem sadistischem Missbrauch hat und zu diesem Zweck mit kooperierenden Frömmlergemeinden zusammen arbeitet. Ich erfuhr auch in einem anderen Zusammenhang davon und zwar über meine ehrenamtliche Mitarbeit als Betroffene beim Fonds Sexueller Missbrauch. Aus dem, was wir über organisierte sexuelle Ausbeutung, rituelle Gewalt und sektenählichen Missbrauch wissen, ergibt sich, dass er meistens transgenerational fortgesetzt wird, und zwar so lange, wie der Kreis der TäterInnen besteht. Was heißt, dass die Justiz eingegriffen hat, die kriminelle Bande sich zerstreitet oder ausreichend Mitglieder den Tatort verlassen haben. Abgesehen davon, dass es sowohl unter den Opfern dieser Evangelikalen, als auch in den Gruppierungen selbst, Menschen geben wird, die professioneller Ausstiegsbegleitung bedürfen, muss geprüft werden, inwieweit Kinder, die sich im Einflussbereich der Brüdermeinde befinden, ausreichend Schutz durch staatliche Stellen erfahren, was in diesem Falle unabhängige Kontrollen bedeutet. Die sicher zu stellen, ist eine Aufgabe der Kommune und der Landesregierung. Hat die schon Stellung bezogen?

Neuen Kommentar schreiben

KONTEXT per E-Mail

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochvormittags unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.JETZT ANMELDEN

Letzte Kommentare:





Ausgabe 428 / Knallharte Regeln! / Peter Grohmann / vor 1 Tag 48 Minuten
Lieber Jörg Taus, danke.











Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!