Gut 250 Menschen, die meisten unter 30 Jahre, versammeln sich am Freitagabend beim Stuttgarter Gewerkschaftshaus. Mit dabei: Taschen, Beutel, festes Schuhwerk, Sonnenbrillen und Kopfbedeckung. "Hier wollen ja viele wandern gehen", scherzt ein junger Mann. Das ist nicht der Grund, wieso sie hier sind. Mit sieben Bussen werden sie kurze Zeit später in die Thüringer Landeshauptstadt Erfurt fahren, wo die AfD ihren Bundesparteitag abhält. Auf den Tag genau 100 Jahre nach dem NSDAP-Parteitag im benachbarten Weimar.
Am Freitagabend treten die Stuttgarter Antifaschist:innen die Busreise nach Erfurt an.
Vorab wurden von allen Seiten Horrorszenarien an die Wand gemalt. Bis zu 2.500 gewaltbereite Linke erwartete die Polizei. Es kursierten Gerüchte von Brandanschlägen oder Steine, die von besetzten Hausdächern auf AfDler geschmissen werden sollen. Oder gar vom Versuch, die Messehalle zu stürmen, in der die Rechtsextremen ihren Parteitag veranstalten. All das sollte sich als Hirngespinst herausstellen, in Erfurt bleibt es überwiegend friedlich.
Die Stuttgarter:innen haben im Gewerkschaftshaus die Wahl: Ein Bus fährt direkt zur angemeldeten Kundgebung am Erfurter Messeplatz, wo unter anderem der ehemalige Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) und die DGB-Chefin Yasmin Fahimi sprechen werden. Drei Busse belegt das Aktionsbündnis "Widersetzen", das bundesweit zum Protest aufgerufen hatte, mit dem Ziel, Zufahrtsstraßen zur Messe zu blockieren. "Von uns wird keine Eskalation ausgehen", sagt die Aktivistin Laura beim Briefing im DGB-Haus. Die übrigen Busse besetzt das Bündnis "Zeit zu handeln".
Eskalation "in sinnvollem Maße"
Die letztgenannte Gruppe entstand 2024 im Zuge der Landtagswahlen in Thüringen und Brandenburg. Eine junge Frau, die sich als Alicia vorstellt, erklärt beim Briefing den "erweiterten Aktionskonsens": Anders als bei "Widersetzen" sollen die Zufahrtswege zur Erfurter Messe nicht nur mit dem eigenen Körper blockiert werden, sondern auch durch "Material", etwa Mülltonnen. Zudem sei die Gruppe bereit, die Eskalation mit der Polizei zu suchen – "in sinnvollem Maße", und wenn es zweckdienlich sei, etwa um Einsatzkräfte zu bündeln und somit woanders Blockaden zu ermöglichen. Auch die "physische Konfrontation" mit "Faschos" würden sie mit "Maß und Vernunft" eingehen.




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