Lange waren die Pressekonferenzen des Stuttgart-21-Lenkungskreises eine eher nüchterne Angelegenheit, was die Präsentation betrifft. Dann kam Frank Nopper. Am vergangenen Freitag übertraf sich der Stuttgarter Oberbürgermeister (CDU) noch einmal, als er sein Statement so einleitete: "Im Altertum wurden auch die Überbringer und Übermittler schlechter Nachrichten umgebracht. Wir sollten und wir können die neu im Amt befindliche Frau DB-Vorstandsvorsitzende Evelyn Palla von diesem Schicksal verschonen, weil sie für die Deutsche Bahn glaubhaft Besserung und weil sie schonungslose Offenheit gelobt hat." Palla, deren Pokerface auch ein Nopper nicht zu einem Mienenspiel bewegen kann, hat also noch einmal Glück gehabt.
Dass die leicht aus dem Ruder gelaufene Rhetorik des OB abgesehen von ein paar ungläubigen Lachern nicht viel Resonanz erfährt, liegt vielleicht auch daran, dass diese 37. Lenkungskreissitzung und die Pressekonferenz auch in anderer Hinsicht denkwürdig sind: Es wird so deutlich wie selten, wie sehr in vielerlei Hinsicht das Projekt Stuttgart 21 aus dem Ruder gelaufen ist. So zerknirscht und sich selbstkritisch gebend wie Palla hat man in dem Gremium wohl noch keine Bahn-Vertreter:in gesehen, wobei sich auch die Abgesandten der übrigen Projektpartner um einen etwas finsteren Ausdruck bemühen. Und ähnlich prominent war bislang auch nur ein Lenkungskreis besetzt, der vorangegangene im Dezember, der auch wie dieser in einem Konferenzraum des Stuttgarter Flughafens stattfand: Untypisch doppelt vertreten sind das Land Baden-Württemberg mit Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) und Verkehrsministerin Nicole Razavi (CDU) sowie die Bahn mit Palla und Klaus Müller, dem neuen Geschäftsführer der Stuttgart-21-Projektgesellschaft PSU. Normale Besetzung dagegen für die Stadt Stuttgart mit Nopper und für den Verband Region Stuttgart (VRS) mit dessen Präsidenten Rainer Wieland (CDU).
Zur Einordnung ein Blick zurück: Nachdem die DB noch im Oktober 2025 im Lenkungskreis den anderen Projektpartnern sehr optimistisch eine Teileröffnung von S 21 für Ende 2026 in Aussicht gestellt hatte, zog schon einen Monat später Palla, seit September in ihrem Amt, die Reißleine. Der Termin wurde abgesagt, ohne einen neuen zu nennen, schon das ein Novum. Erst solle ab Anfang 2026 eine umfassende Untersuchung innerhalb des Unternehmens vorgenommen werden, eine sogenannte Konzernrevision, um Probleme zu identifizieren, sagte Palla bei der Sondersitzung am 15. Dezember. Zur Mitte des Jahres sollten dann das Ergebnis und ein neuer Fertigstellungstermin verkündet werden (Kontext berichtete). Davor: keine Zahlen, keine Daten.




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