Inzwischen ist der Ablauf vor dem Landgericht in Stuttgart-Stammheim Routine: Erst eine lange Schlange vor dem Eingang, dann eine ausführliche Kontrolle. Laptop, Stift und Zettel sind im Gerichtssaal nur Journalist:innen gestattet. Die Verhandlungstermine sollen planmäßig um 9 Uhr beginnen, in der Realität verzögert sich wegen des Andrangs und der langen Kontrollen der Beginn um mindestens eine Stunde. Wenn die Angeklagten dann endlich mit Handschellen gefesselt von Justizbeamt:innen zu ihren Plätzen, die von dicken Glaswänden vom Rest des Saals getrennt sind, geführt werden, brandet Applaus aus den Zuschauerreihen auf. Die fünf zeigen dabei meist mit ihren gefesselten Händen zwei überkreuzte Herzhälften oder das Peace-Symbol. Oder das Publikum stimmt einen Kanon an: "Old as the olive tree, the wisdom of those who fight to be free / land and people will thrive in a free Palestine." – Alt wie der Olivenbaum ist die Weisheit derer, die kämpfen, um frei zu sein. Land und Menschen werden aufblühen in einem freien Palästina.
Seit inzwischen fast einem Jahr sitzen die Angeklagten in Untersuchungshaft, seit April wird verhandelt. Die fünf pro-palästinensischen Aktivist:innen – Daniel Tatlow-Devally, Walter Tricks (genannt "Crow"), Leandra Rollo Valenzuela, Hannah Hailu ("Zo") und Vivien Kovarbasic ("Vi") – sind vergangenen September in den Ulmer Standort der israelischen Rüstungsfirma Elbit eingedrungen und haben dort laut Anklage über eine Million Euro Sachschaden angerichtet.
Langwierige Verhandlungstage
Doch nicht nur die Einlasskontrollen und die sich ständig wiederholenden Anträge der Verteidigung rauben dem Verfahren Zeit, die aufs Konto der Angeklagten geht, die solange weiter inhaftiert sind und bereits teilweise über Hämatome an ihren Handgelenken wegen der Handschellen klagen. Laut ursprünglichem Plan sollte mit der letzten Sitzung vor zwei Wochen der Prozess sein Ende finden. Die Vorsitzende Richterin Kathrin Lauchstädt ließ den Saal bereits mehrmals räumen, immer wieder unterbrachen Pausen die 14 Verhandlungstage. Selbst die Anklage wurde am ersten Tag noch nicht verlesen. Und mindestens einmal mussten sich Anwält:innen mit Lauchstädt regelrecht darum streiten, dass englische Passagen eines Beweisantrags vorgetragen und übersetzt werden – schließlich sei die Gerichtssprache ja Deutsch, wie die Richterin betont. An manchen Terminen "stellt man zwei Anträge und dann ist der Tag vorbei", sagt Verteidiger Mathes Breuer.




0 Kommentare verfügbar
Schreiben Sie den ersten Kommentar!