Wenn der Tag in "Gotteszell" um 6.00 Uhr mit der Lebendkontrolle beginnt, weiß die Gefangene, dass sie die nächsten 21 Stunden in der Zelle verbringen wird. Unterbrochen nur durch den Hofgang, das Mittagessen und den Aufschluss, was jeweils eine Stunde Draußen-Zeit eröffnet. Nicht inbegriffen ist der sonntägliche Gottesdienst. Die Gefangene wird Tageslicht haben und kann ein schießschartengroßes Fenster aufmachen, das allerdings mit einem durchlöcherten Blech versperrt ist wegen der Drohnen, die Drogen heranfliegen könnten. Die Gefangene nennt sich "Vi", ist Tänzerin, 29 Jahre alt, gebürtig in Offenburg, nicht vorbestraft. "Gotteszell" heißt das Frauengefängnis. Es war einmal ein Kloster der Dominikaner und liegt am Rand von Schwäbisch-Gmünd.
Wenn sie Post bekommt, weiß sie, dass sie vorher gelesen wird, wenn Besuch von Angehörigen oder Freund:innen genehmigt wird, zweimal eine halbe Stunde im Monat, ist immer das Landeskriminalamt dabei. Die junge Frau sitzt hier in U-Haft seit dem 8. September 2025. Ihre Anwälte, die mit der Lage vor Ort vertraut sind, sprechen von sehr restriktiven Haftbedingungen und einem politischen Prozess. Schon vor dem Prozessauftakt hat das Oberlandesgericht Stuttgart verkündet, die zu erwartende Strafe werde voraussichtlich über zwei Jahre liegen. Ohne Bewährung. Damit begründet sie die Verlängerung der U-Haft, die bereits über ein halbes Jahr andauert. Die Verteidigung sieht darin eine politisch motivierte Vorverurteilung.




3 Kommentare verfügbar
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Sie sind SOO süß und aufrichtig und auch noch queer und wollten nur friedlich ein Zeichen gegen das schlimmste Menschheitsverbrechen und den allerschlimmsten Genozid ALLER Zeiten setzen, und jetzt spielt ihnen die politische deutsche Justiz SO übel mit?!? (Es würde ja viele nicht überraschen, wenn…
Kommentare anzeigenS. Holem
vor 6 Stunden