Eigentlich passt der frühere liberale Landtagsabgeordnete – die FDP war im Frühjahr an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert – aus dem Wahlkreis Freudenstadt gar nicht zur Stellenausschreibung. Gesucht hatte die Zentralstelle im Kultusministerium eine:n "Referent/in (w/m/d) mit einem stark ausgeprägten Gespür für politische und bildungspolitische Fragestellungen" mit "exzellenter Teamfähigkeit" und "der Fähigkeit zu zielorientierter Kommunikation". Als Verantwortlichkeiten sind, neben der Staatsmodernisierung und der Demokratiebildung, ausdrücklich "Wertebildung und Wertevermittlung" hervorgehoben. Mit Kern wurde allerdings einer der größten bildungspolitischen Polarisierer der vergangenen 15 Jahre gefunden: Ihn zeichnet die Bereitschaft aus, jederzeit und ansatzlos auf Zeitgenoss:innen loszugehen, die seine Ansichten nicht teilen. Allem voran beim Thema mehrgliedriges Schulsystem, an dem er sich seit eh und je festklammert, ungeachtet seiner gravierenden Nachteile.
An eine Schaltstelle im wieder CDU-geführten Kultusministerium kommt so einer, der der Gemeinschaftsschule hartnäckig die Daseinsberechtigung abzusprechen pflegt und sie noch im Wahlkampf 2026 als "Einheitsschule" diskreditierte. Unter zielorientierter Kommunikation verstand der frühere Gymnasiallehrer in den Fächern Gemeinschaftskunde, Wirtschaft, Geschichte und katholische Religion jedenfalls in seiner Zeit als Parlamentarier die Kunst des Holzens. Nicht nur gegen Grüne und SPD, sondern auch gegen die Schulverwaltung, etwa mit dem Vorwurf, sie kehre Fehlentwicklungen unter den Teppich.
Der gebürtige Tübinger, der mit magna cum laude promoviert wurde über die Gründe der Abwahl von Bürgermeister:innen, suchte bald nach seinem Einzug in den Landtag 2011 sogar die Konfrontation mit dem Landeselternbeirat (LEB). Weil es nicht in Kerns Weltbild passte, dass sich der LEB nach intensiver Befassung einstimmig bei nur einer Enthaltung für das längere gemeinsame Lernen und Lehren aussprach. Sogar die frühere CDU-Kultusministerin Marianne Schultz-Hector stellte sich in der aufgeheizten Stimmung schützend vor Befürworter: innen.
Selbst die CDU schonte der Vater zweier Kinder und notorischer Reformverächter, als die sich im ersten grün-schwarzen Koalitionsvertrag von 2016 dazu durchrang, Gemeinschaftsschulen mit mehr als 60 Schüler:innen die Einrichtung einer Oberstufe zu ermöglichen. Die Begründung von damals ist mit Blick auf die neue Aufgabe bemerkenswert, denn Kern warf der CDU vor, ihre "bildungspolitischen Überzeugungen dem Koalitionsfrieden" zu opfern.
Vielleicht kann er auch anders
Gedankenaustausch auf Augenhöhe lag dem früheren Fraktionsvize seit seinem Einzug in den Landtag nicht wirklich. Gesprächspartner:innen im kleinen Kreis bescheinigen ihm ein durchaus angenehmes Auftreten, dass er auf der großen Bühne selten bis nie an den Tag legen wollte. In der reformorientierten Bildungs-Community unvergessen ist sein Umgang mit Peter Fratton. Grün-Rot hatte den umstrittenen Schweizer Bildungswissenschaftler ins Land geholt, der mit vielen Argumenten für Veränderungen im festgefahrenen hiesigen Bildungssystem warb und dafür, die Trennung nach der vierten Klasse aufzuheben. Fratton, der selber vorübergehend als Grundschulleiter im Land gearbeitet hatte, empfahl den Frontalunterricht zu überwinden, eigenständiges Lernen zu stärken und Lehrkräften die Rolle von Lernbegleiter:innen zuzuschreiben. Wie weit die FDP bis heute von solchen Ideen entfernt ist, beweist das von Kern im Wahlkampf 2026 offensiv präsentierte Versprechen, eine verbindliche Grundschulempfehlung für alle Schularten einzuführen. Schon 2013 zog sich der Reformpädagoge aus der Schweiz übrigens wieder zurück, mit dem Hinweis auf die ideologischen Grabenkämpfe, in die er geraten sei und die er so noch nie erlebt habe. Unter anderem als "Bildungsscharlatan" hatte ihn Kern beschimpft.




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