Der baden-württembergische Ministerpräsident versuchte gar nicht erst, seinen Unmut zu verbergen. "Es kann einfach nicht sein, dass wir bei dem bestgeplanten Projekt, wie manche gesagt haben, mit solchen Sachen konfrontiert sind", sagte Cem Özdemir (Grüne) am vergangenen Dienstag bei der Regierungspressekonferenz. Laut Medienberichten vom Vortag soll das Projekt Stuttgart 21, also die Umwandlung des alten Kopfbahnhofs in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof, noch einmal später, nämlich erst Ende 2031 in Betrieb gehen. Dabei ist es nur rund ein halbes Jahr her, dass die Bahn bekannt gab, ihren geplanten Eröffnungstermin Ende 2026 aufzugeben, eine konzerninterne Revision durchzuführen und Mitte 2026 einen neuen Eröffnungstermin ankündigen zu wollen. Vor drei Monaten wurden dann Informationen durchgestochen, dass eine Inbetriebnahme bis 2030 angepeilt werde.
Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) fürchtet, dass Stadt und Land wegen des "bestgeplanten Projekts" zur Lachnummer mutieren. Foto: Jens Volle
Jetzt sickerten erneut Zahlen durch – mit erwartbaren Reaktionen. "Wir sind in einem Bereich, in dem das langsam zur Lachplatte wird", sagte Özdemir am Dienstag. "Ich will aber nicht, dass man über unser Land lacht. Ich will nicht, dass wir in einem Atemzug mit BER genannt werden." Dabei kann es Stuttgart 21 schon längst mit dem Berliner Skandalflughafen aufnehmen: Dessen Fertigstellung verzögerte sich um neun Jahre (Bei Baubeginn 2006 war 2011 geplant, es wurde 2020), und die Kosten stiegen seit Baubeginn um etwas mehr als den Faktor drei (von zwei auf 7,3 Milliarden Euro). Bei Stuttgart 21 werden es nach den neuen Informationen mindestens zwölf Jahre Verzögerung sein (beim Baustart 2010 war eine Inbetriebnahme 2019 geplant), und die Verdreifachung der Kosten dürfte kurz bevorstehen: Bei Baustart waren 4,5 Milliarden, aktuell sind rund 11,5 Milliarden Euro veranschlagt – doch die sind bereits so gut wie aufgezehrt. Hier kann Özdemir also nichts mehr abwenden.
Einen Seitenhieb konnte sich der Ministerpräsident nicht verkneifen: "Ich will auch nicht in alten Wunden rumstochern, das bringt nichts mehr, die Katz ist den Baum rauf, das Projekt ist beschlossen worden – gegen unseren Rat, gegen den Rat der Kritiker. Aber jetzt müssen die, die immer für das Projekt waren, auch dafür sorgen und sich dazu äußern und verhalten, wie das Projekt zum Erfolg geführt werden kann."




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