Das Schlimmste an den Grünen ist, dass sie es geschafft haben, für Linke gehalten zu werden. Immer noch. Egal mit welchem Enthusiasmus sie die Militarisierung Deutschlands vorantreiben; egal wie oft sie sich wieder an asozialen Austeritätssauereien beteiligen und den "Sozialstaat" mit aushöhlen; egal wie hoch ihr blankes Desinteresse an den ganz realen materiellen Auswirkungen ihrer außenpolitischen Eskalationsbereitschaft ist; egal wie viele Male sie wieder unter Krokodilstränen härtere Abschiebepolitik unterstützen; egal wie weit sie mittlerweile durchseucht sind von einem deutsch- oder EU-nationalistischen Selbstverständnis, das westlich-imperiale Proxy-Kriege fürs eigene Staatsinteresse schon in den 1990ern mit Humanismus verklärte und 2026 den von den USA selbst als ökonomisch motivierten Angriff auf den Iran nicht wirklich kritisierte: Jeden fucking Tag steht ein Dummer auf, der "die Grüüüünen" und ihre Wählerschaft für Linke hält und verachtet. Doch nicht für die oben exemplarisch aufgezählten Sauereien. Sondern dafür, dass sie "Veggietage" propagieren, Lastenrad fahren, Tampons auf Herrentoiletten einführen, gendern und davon überzeugt sind, "gegen rechts" zu sein.
Dabei ist der Gag ja, dass Grüne tatsächlich verachtenswert sind, haha. Allerdings nicht deshalb, weil "jemensch" weniger Fleisch isst, trans Menschen supportet und Pferderomane schreibt. Sondern wegen ihres grenzenlosen Opportunismus für ein bisschen Regierungsverantwortung und eines ideologischen Fanatismus, der in außenpolitischen Belangen kaum mehr vom religiösen Endzeitgeschwurbel US-amerikanischer Möchtegern-Kreuzritter im Weißen Haus zu unterscheiden ist. Militärische Aggressionen werden in eschatologischen Gut-gegen-Böse-Psychosen verklärt, wenn mal wieder ein Land des globalen Südens dem Erdboden gleichgemacht oder unter US-Kontrolle gebracht wird. Gut und richtig ist für Grüne alles, was gut für die "westliche Wertegemeinschaft" ist. Böse und schlecht alles, was sich ihr nicht widerspruchslos unterordnen will. Das einzige, was rechte Grünen-Hasser und Grüne unterscheidet, ist das Bio-Siegel auf den Bananen.
Doch was Linke und Grüne voneinander unterscheidet, ist zum Beispiel die Einsicht, dass Krieg kein Star-Wars-Film ist und sich ihm an jedem Ort der Erde mit allen verfügbaren Mitteln entgegenzustellen ist. Dass Krieg staatlichen Interessen dient, die noch nie die Sache derer waren, die ihn auf dem Schlachtfeld für ihre Führer und Ausbeuter führen müssen. Dass "feministische Außenpolitik" à la Baerbock der Feminismus wohlhabender weißer Frauen ist, denen es im hyggeligen Zuhause auf dem Sofa noch ein bisschen besser geht, wenn sie lesen, dass jetzt auch Frauen und Queere an Menschen- und Umweltzerstörung für staatliche und kapitalistische Interessen mitwirken dürfen. Auch hierfür werden "die Grüüünen" von Rechten gehasst. Doch nicht wegen der Inhalte einer grünen "feministischen Außenpolitik", sondern weil die Grünen mal wieder das linksgefühlte Wort "Feminismus" verwendet haben, ohne einen Beipackzettel, der erklärt, dass grüner Feminismus keinerlei Interesse daran hat, die bestehende Wirtschaftsordnung stören zu wollen.
Wunsch nach besserer Welt und reaktionärer Politik
Dass materialistische Kausalzusammenhänge und progressive Politik hinsichtlich der Überwindung eines globalen kapitalistisch-patriarchalen Abfucksystems nicht die Sache von Grünen und Linksliberalen sind, kann aktuell wunderbar an einem Textstück studiert werden. Ein Text, der sich zwar aufgeklärt gibt, im Kern jedoch die parteiinhärente Scheißedialektik aus einem – durchaus ernst gemeinten – Wunsch nach einer besseren Welt und reaktionärer Politik offenbart: "Starke Männer übernehmen Verantwortung – Eine Einladung für moderne Männlichkeit". Der "Spiegel" hat den Text reißerisch "Manifest" genannt und in eine Sommerlochstory mit dem Titel "Grüne Männer boxen, pumpen und entdecken den 'Playboy'" eingewoben, weil ein paar grüne Männer sich jüngst in Fitnessstudios, an Boxsäcken und zwischen Tittenbildchen haben sehen lassen. Unterschrieben haben ihn 15 grüne Spitzen- und Mittelfeldpolitiker:innen, unter ihnen etwa die Parteivorsitzende Franziska Brantner neben Vorgängerin Ricarda Lang und der Bundestagsabgeordnete Julian Joswig, der das "Manifest" auch auf seiner Website veröffentlicht hat.
Es ist ein Text, der unsichereren jungen Männer in wilden Zeiten voller Pelicots, Epsteins, Lindemanns, Ulmens, Tate-Brüdern und anderen Drecksäcken Orientierung geben soll. Eine "Einladung" zu einem neuen, besseren Männerbild in einer Welt, in der "toxische" Vorbilder aus der rechten "Manosphere" weltweit die Sozialen Medien fluten und sich auch in Deutschland im Wahlverhalten junger Menschen niederschlagen: Laut "Spiegel" wählten 25,2 Prozent der Männer von 18 bis 24 Jahren bei der vergangenen Bundestagswahl die AfD, während es bei Frauen derselben Altersgruppe "nur" 12,6 Prozent gewesen seien. Die Grünen schnitten bei jungen Männern wiederum schlecht ab – was laut "Spiegel" "auch" am "Softie-Image" läge, das die Grünen über die Jahre kultiviert hätten, nachdem die Zeiten der "dominanten Alphatiere wie Joschka Fischer" längst vorbei seien und nun der "weichgespülte" Robert Habeck und "vor allem starke Frauen" den Ton in der "Ökopartei" angäben.
Wehrtaugliche Glückskeks-Sprüche
Und während der grüne Doppelspitzenchef Felix Banaszak, ganz im Stil der FDP, die anno 2004 mit dem Wichsheftchen "Praline" kooperierte, noch im Februar dem "Playboy" zwischen Titten und teuren Autos sein Geheimnis für moderne Männlichkeit verriet ("Sei kein Arschloch!"), brüteten andere in seiner Partei darüber, was sie jungen Männer verzapften könnten, damit sie sich progressiv empowert für Deutschland abknallen lassen möchten. Herausgekommen sind so Powersätze wie: "Moderne Männlichkeit bedeutet die Freiheit, der Mann zu sein, der du sein willst – in der Verantwortung für andere." Oder: "Du willst jeden Tag ins Gym gehen und achtest auf deine Ernährung? Hervorragend, dass du daran Spaß hast und gesund lebst. Mach das." Oder "Du willst für deine Familie sorgen können? Großartig. Das ist eine Form von Fürsorge, die Respekt verdient. Du willst beschützen können? Ja, bitte. Die Welt braucht Menschen, die sich schützend vor andere stellen." Und so weiter und so fort. Am Ende der grünen Glückskeks-Sprüchesammlung steht die Einsicht, dass "moderne Männlichkeit" dafür "kämpft", dass "ein 15-jähriger Junge heute nicht zwischen toxischer Dominanz und orientierungsloser Beliebigkeit wählen" müsse, sondern ein weiteres Angebot von den Grünen bekommt: "Sei der Mann, der du sein willst. Und übernehme Verantwortung dafür, dass andere die gleiche Freiheit haben. Das ist moderne Männlichkeit. Freiheit in Verantwortung. Stärke, die ermöglicht statt einschränkt."
Dass die kriegsgeilen Grünen ihr Regelwerk für moderne Männlichkeit nicht direkt in Kooperation mit der Bundeswehr auf Gucci-Bags in regenbogenfarbenem Flecktarn auf Schulhöfen verteilt haben, ist bemerkenswert. Jeder Satz dieser schwülstig-pathetischen Anbiederung an Jugendliche könnte zusammen mit epochaler Actionfilm-Musik als Tonspur eines Bundeswehr-Werbeclips verwendet werden. Denn offensichtlich geht es den Unterzeichner:innen dieses Softschwanzmanifests in ihrer nationalistischen Aufrüstungspsychose vor allem um dasselbe wie immer: "die ganze alte Scheiße" (Marx) in neuen Schläuchen und den Spagat zwischen progressiv anmutender Identitätspolitik und reaktionärer Innen- und Außenpolitik. Um Männer, die mit lackierten Fingernägeln für die Wertegemeinschaft der Anständigen den Abzug drücken.
Denn so wird unsere Welt ganz bestimmt eine bessere: Wenn die Grünen dafür sorgen, dass junge Männer neoliberal-imperialen Baerbock-Feminismus auch als Empowerment für sich selbst annehmen. Wenn sie verstehen, dass grüner "Feminismus" und grüne "moderne Männlichkeit" zusammen noch viel besser darin sein könnte, den "Sozialstaat" abzuschaffen, Menschen zu Kanonenfutter zu machen, Ausländer abzuschieben, demokratische Grundrechte einzustampfen und Deutschland zu alter Größe zu verhelfen. Diesmal eben mit Bio-Diesel.




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