Von wegen "klaglos und in blindem Vertrauen": Kaum hatte am 6. Juli das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 den Projektpartner:innen Land, Stadt und Region in einer Pressemitteilung zum aktuellen Stand der Dinge vorgeworfen, sie seien an "wichtigen Informationen" zum wieder einmal verschobenen Eröffnungstermin des Tiefbahnhofs auf Ende 2031 und zur erneuten Kostensteigerung um drei Milliarden Euro desinteressiert, da riss dem Rathauschef in der Landeshauptstadt der Geduldsfaden. Ausgerechnet Frank Nopper (CDU) kehrte der Phalanx der Hinnehmer:innen unter den Projektfans den Rücken. Während Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) den Revisionsbericht, den die Bahn geheim hält, zwar auch "gerne hätte", aber keine Chance sieht, ihn zu bekommen, verlangt der OB am 8. Juli nach "schonungsloser Offenheit" und nach einer "Veröffentlichung und Offenlegung" des Berichts. Und er zitiert auf Kontext-Anfrage das Versprechen von Bahnchefin Evelyn Palla vom Dezember 2025, "lückenlose Transparenz" herzustellen, weil "die Menschen in Stuttgart nichts anderes verdienen". Er habe die Bahnchefin als "vertrauenswürdige Persönlichkeit kennengelernt, die mit offenem Visier arbeitet", und jetzt ihren Worten "Taten folgen lassen" müsse.
Am 26. Juni hatte Palla in einer Sondersitzung des S-21-Lenkungskreises den Projektpartner:innen den neuen Stand auf Basis der mehrmonatigen Konzernrevision zum Projekt verkündet. Offiziell ist weiterhin nur Kursorisches von der DB aus dem Bericht bekannt gemacht, und dennoch ist harter Tobak im bisher offiziell von der Bahn Verlautbarten enthalten. Gerüffelt werden "schwerwiegende Mängel in Planung, Projektmanagement und Risikomanagement", das bisher nicht ausreichende Prozessmanagement, "um ein groß angelegtes Projekt dieser Komplexität zuverlässig zu betreuen", organisatorische Mängel bei Kontrollen oder "unzureichende Koordination an wichtigen Schnittstellen". Die renommierte britische Fachzeitschrift "Railjournal" erinnert an mehrere parlamentarische Anfragen aus dem vergangenen Spätwinter, auf die das Bundesverkehrsministerium mitteilen musste, dass die geplanten Brandschutz- und Evakuierungskonzepte nicht fertig sind. Außerdem entsprächen Bahnsteige nicht den geforderten Spezifikationen und die Notstromversorgung nicht den erforderlichen Standards.
"Ein öffentlich finanziertes Projekt"
Oft und gründlich genug ist für Wirtschaft und Verwaltung das Spannungsfeld analysiert worden, in dem interne Revisionsberichte gefertigt werden. Werden ihre Antworten nicht vertraulich behandelt, erlegen sich Beschäftigte aus Sorge um den Arbeitsplatz Zurückhaltung auf, aber auch aus Kollegialität oder Verbundenheit zum Unternehmen. Aktiengesetz oder Datenschutz können ebenfalls grundsätzlich einer Veröffentlichung entgegenstehen. Nopper hingegen hält im aktuellen Fall dagegen, eine Veröffentlichung sei geboten, weil Stuttgart 21 "nicht nur ein Projekt im öffentlichen Interesse, sondern auch ein öffentlich finanziertes Projekt" sei.




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