So langsam wird es schwierig, sich bei Texten über Stuttgart 21 nicht selbst zu plagiieren. Für einen Artikel über die neueste Terminverschiebung ließen sich, ohne dass dies groß auffiele, große Teile des letzten oder vorletzten Kontext-Artikels zu Terminverschiebungen einfügen. Machen wir aber nicht.
Nur kurz für jene, die ob der zuletzt in immer schnellerem Takt erfolgten Verschiebungen den Überblick verloren haben: Am vergangenen Donnerstag hat der Südwestrundfunk (SWR) mit Verweis auf Bahn-Insider gemeldet, dass sich die Fertigstellung des Projekts Stuttgart 21, also des über rund 60 neu gebaute Tunnelkilometer anzufahrenden neuen Tiefbahnhofs in der Landeshauptstadt, mindestens bis 2030 verzögern werde. Dass der bisher anvisierte Eröffnungstermin 2026 (der ohnehin nur ein Teileröffnungstermin gewesen wäre) nicht klappen würde, hatte die neue DB-Chefin Evelyn Palla schon im November 2025 verkündet, einen neuen Termin aber noch nicht genannt. Der sollte erst am Ende einer aufwendigen Prüfung durch die Konzernrevision stehen und spätestens Anfang Juli 2026 bekannt gegeben werden (Kontext berichtete). Die Bahn verwahrt sich bislang auch noch gegen eine offizielle Bestätigung, aber Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) verweist zu Recht darauf, dass bislang alle irgendwann durchgesickerten Termine später bestätigt wurden.
Was sind die Gründe? Der SWR nennt eine Reihe an Problemen, etwa "abgebautes Personal bei den beteiligten Firmen, deutlich längere Testläufe, fehlendes Abnahmepersonal sowie fehlerhaft und falsch verbaute technische Anlagen". Einer der Hauptgründe aber sei die Digitalisierung, konkret die Ausstattung des kompletten Bahnknotens mit dem Leit- und Sicherungssystem ETCS. Das ist in Deutschland zwar schon auf einigen Hochgeschwindigkeitsstrecken in Gebrauch, aber da geht es um einfache Strecken von A nach B, nicht um komplexe Knotenpunkte des Hauptbahnhofs einer Großstadt.
Erinnert sich jemand an Azers "121 Risiken"?
Doch eigentlich ist es gar nicht nötig, hier das erst 2018 dem Großprojekt noch aufgepfropfte Vorhaben "Digitaler Knoten Stuttgart" herauszugreifen – denn auch ohne es wäre es so komplex und nüchtern betrachtet an der Grenze zum Größenwahn, dass immer neue Probleme und Verzögerungen nicht erstaunen. Es sei hier nur an die sogenannte Azer-Liste von 2011 erinnert: 121 Risiken für Kosten, Pannen und Verzögerungen, die der damalige Bauleiter des Projekts Hany Azer erstellt hatte, und denen er eine Eintrittswahrscheinlichkeit von mindestens 49 Prozent bescheinigte. Martin Poguntke, Sprecher des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21, kommentiert in einer Pressemitteilung die neueste Terminverschiebung denn auch wie folgt: “Stuttgart 21 war von vornherein eine Fehlkonstruktion, deren Widersprüche jetzt einer nach dem anderen aufploppen.”




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