Doch die Tür des Polizeiautos passte retrospektiv betrachtet doch besser aufs Kasernengelände, als es anfangs den Anschein hatte: Das Gelände stellte sich wenig später als Übungsplatz der Landespolizei heraus. In der Gruppe wuchs die Ungeduld.
Mangels besserer Alternativen entschieden sich die Bewohner*innen der Bambule im Sommer 1992 für einen provisorischen Start auf dem Gelände der ehemaligen Hindenburg-Kaserne. Die Wagen mussten nur wenige Meter aus der Halle verschoben werden.
Steffen Hoheisel: "Die Anfangszeit war gefüllt mit dem Ausbau des kleinen Küchenwagens, dem Besorgen von alten Möbeln für den Gemeinschaftswagen und dem Aufbau eines Klos. Die persönlichen Wagen waren vorerst nachrangig. Aus Zeitnot besorgten wir uns einen gebrauchten Kunststofftank, auf den wir eine Toilettenschüssel und einen halbhohen Sichtschutz montierten. Der Tank war erst einmal nicht transportabel. Es gab keine Räder, keinen Anhänger oder ähnliches. Wie die Kloake zur Entsorgung kommen könnte, war völlig unklar. Wir hatten einfach gehofft, zwischen den Baracken der Reiterställe irgendwie unauffällig leben zu können."
Schon nach zwei Wochen wurde die Stadt aufmerksam. Der damalige Oberbürgermeister Eugen Schmidt machte deutlich, in Tübingen solle es nur eine Wagenburg geben und erteilte der Gruppe ein Stadtverbot. Als Antwort darauf dachte die sich einen neuen Namen aus: aus "Die Blaumeisen" wurde "Bambule".
Kein Rückzug, sondern Widerstand
Da die Gruppe an keinem Ort dauerhaft geduldet wurde und immer wieder Räumungsaufforderungen erhielt, war Bambule gezwungen, ständig weiterzuziehen. Auf eine Obstbaumwiese bei Mähringen, an den Rand von Gomaringen, auf das Sudhausgelände in Derendingen, nach Wurmlingen, auf den Festplatz am Tübinger Freibad, auf einen Waldparkplatz hinter Bebenhausen und schließlich bis nach Dettenhausen.
Für den Winter 1992/93 fand Bambule einen Kompromiss: Die Wagen durften wieder in einer Halle auf dem Gelände der Hindenburg-Kaserne abgestellt werden, das Wohnen darin war aber verboten. Trotzdem schliefen Bewohner*innen bei völliger Dunkelheit in ihren Wagen, während der Lärm der B27 und B28 in die Halle drängte. Als ein Teil der Bambule im Februar 1993 auf eine Wiese unterhalb der Kuntabunt zog, reagierte die Stadt mit einer Räumungsverfügung. Es kam zur Eskalation: Alle Wagen wurden beschlagnahmt, auch die in der Halle. In einem improvisierten Fluchtversuch koppelte die Gruppe mehrere Wagen aneinander und versuchte, sie durch den Hinterausgang des Kasernengeländes Richtung Lustnau in Sicherheit zu bringen. Doch die Polizei stoppte den Konvoi und die Wagen wurden abgeschleppt.
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