Karikatur: Kostas Koufogiorgos

Ausgabe 296
Politik

Vereint in rechter Hetze

Von Johanna Henkel-Waidhofer
Datum: 30.11.2016
Sie sind rabiate Nationalisten vom Scheitel bis zur Sohle. Und so vernetzt, als wären sie ernsthaft interessiert an den digitalen Möglichkeiten, Erkenntnisse oder Neuigkeiten auszutauschen. Stattdessen befruchtet sich Europas Rechte im Netz gegenseitig in ihrer Hetze und verbreiten Unwahrheiten, um nach der Macht zu greifen.

"Jeder Mensch", sagte der frühere US-Senator Daniel Patrick Moynihan, "hat ein Recht auf seine eigene Meinung, nicht aber ein Recht auf seine eigenen Fakten." Der Soziologieprofessor entstammte einer Arbeiterfamilie, war rechter Demokrat, einer der ersten Umweltschützer der Vereinigten Staaten und verstarb 2003. Sicher ahnte er nicht, dass sein Gedanke, als ein Alarmruf, die ganze westliche Welt erfassen würde. Selbst gebildete und keineswegs von Abstiegsängsten geplagte Menschen stimmen ein in ein von Vorurteilen, Unfug sowie Halb- und Viertelwahrheiten strotzendes Lamento über Missstände, verkommene Eliten und abgehobene Systemparteien, die keine Verantwortung übernehmen fürs eigene Volk. Sollte der Rechtsausleger Norbert Hofer tatsächlich am kommenden Sonntag österreichischer Bundespräsident werden, dann mit besonders hoher Zustimmung aus Kitzbühel, Ischgl oder vom Wörthersee – dort wohnen die Reichen.

Eben erst ist der Begriff "Post-truth" vom Oxford English Dictionary zum "Wort des Jahres" gewählt worden. Die deutsche Übersetzung "postfaktisch" ist unzulänglich, denn es geht um mehr als Fakten und Fiktion, es geht um Lüge und ihr Gegenteil, und die haben etwas zu tun mit Absicht und Vorsatz. Hofer kennt keine Genierer, wie die Wiener sagen würden, im Umgang selbst mit einfach überprüfbaren Behauptungen. Sein Gegenkandidat, der Grüne Alexander van der Bellen, war entgegen Hofers Behauptung nie Kommunist. Es geht bei CETA nicht um Billiarden-Geschäfte für Konzerne, weil das gesamte Bruttoinlandprodukt der Welt nur 0,075 Billiarden beträgt. Und die auf vielen rechtsradikalen Internetseiten unfröhliche Urstände feiernde Kornblume, das Erkennungszeichen illegaler Nationalsozialisten, das die "Republikaner" in den Neunzigern ungerügt sogar im Landtag von Baden-Württemberg tragen durften, steht anders, als Hofer den Österreichern weismachen will, nicht für Europa.

Und immer wieder gegen die sogenannten Altparteien

Doch alle Posts, alle Tweets, alle Kommentare, Untersuchungen und Gegendarstellungen nützen nichts. Sind die Lügen einmal in der Welt, ziehen sie ihre Kreise – und finden gläubige Abnehmer, die sich eigenes Nachdenken und Nachprüfen ersparen, sobald der Unsinn in ihr Weltbild passt. Zehntausende Follower dürften inzwischen glauben, dass die erste Wahl in Österreich gefälscht war, obwohl ein Richterspruch klar Formfehler feststellte. Aber die Fälschungs-Botschaft hat ihre Kreise gezogen. "Kreiert Mythen!" schreibt Barbara Tóth im linken "Falter" in einer Analyse des rechten Know-how-Transfers, "denn nichts lieben Anhänger mehr als eine gute Verschwörungstheorie." Sie sei ein "kommunikationstechnisches Perpetuum mobile", weil sie nicht widerlegt werden kann und "gleichzeitig ihre misslungene Falsifizierung ihr Fundament weiter festigt". Besonders erfolgreich verknüpften AfD-Spitzenfunktionäre immer neue Irreführungen damit, die System- oder Altparteien ins Spiel zu bringen. So geschehen nach den Mauscheleien bei der AfD-Listenaufstellung zur Landtagswahl im kommenden Mai in NRW oder der Aussperrung der Medien vom Landesparteitag in Kehl. Entweder lautet das Motto "Ihr glaubt doch nicht, dass die anderen das anders machen" –  im vorliegenden Fall die Fälschung einer Auszählung. Oder es wird unterstellt, diese anderen würden es ja genauso machen – "die Lügenpresse aussperren" –, aber dazu seien sie zu feige.

Wie glatt das Eis selbst für Profis im Geschäft mit Hass und Häme ist, zeigte sich nach der Wahl von Donald Trump. So wollte der mittelmäßig lustige, aber volle Hallen gewöhnte deutsche Comedian Mario Barth per Facebook beweisen, wie falsch internationale Medien über die Situation in New York vor der Residenz des Milliardärs im Trump-Tower berichten. Auf seinem Video waren er und die Fifth Avenue, aber von Anti-Trump-Protestierenden nichts zu sehen. Prompt witterte Barth eine mediale Verschwörung gegen Trump – und ebenso prompt wurde der Skandal aufgegriffen und weiterverbreitet vom weltweit rechtsvernetzten österreichischen FPÖ-Chef Hans-Christian Strache. Er teilte das hochwillkommene Video und schrieb: "Mario Barth zeigt auf, wie uns diverse Medien für dumm verkaufen wollen." Flugs war der später relativierte Eintrag mehr als 4000 mal geteilt und taucht bis heute immer wieder und sogar übersetzt auf, wenn es darum geht, die Machenschaften der Medien zu entlarven. Die schlichte Wahrheit ist: Im Vorfeld der "Veterans' Day Parade" hatte die Polizei die Straße gesperrt.

Längst entlarvte Lügen werden weiter verbreitet

Unzählige mysteriöse Botschaften, maßlose Übertreibungen über Zahl und Absichten von Flüchtlingen, die Gefahr der Islamisierung, Unterwerfungsgesten und Grußbotschaften an Wilders, Le Pen, Höcke und Co. erscheinen unverzüglich und fehlerfrei übersetzt in mehreren Sprachen. In Brüssel macht die Runde, dass sich die Europabüros einschlägiger Abgeordneter für Herstellung und Verbreitung bestens eignen. Ebenso wie für das Recycling der immer gleichen Erfindungen. Die brutale Massenvergewaltigung einer Frau in Lüneburg hatte so wenig stattgefunden wie andere Straftaten, die nahezu ausnahmslos in Verbindung mit männlichen Flüchtlingen gebracht wurden. Sehr spezielle Grüße aus der Wahnwelt schickt die rechtsnationale polnische Regierung mit der Legende, Lech Kaczynski, seine Ehefrau und weitere mehr als 90 Insassen seien 2010 Opfer eines russischen Attentats auf ihr Flugzeug geworden. Kein Wort davon, dass ihr Tod im Anflug auf Smolensk gerade deshalb so tragisch war, weil sie nicht die Regierungsmaschine von Premier Donald Tusk besteigen wollten. Tusk, heute Präsident des Europäischen Rats, muss sich bei öffentlichen Auftritten beschimpfen lassen. Und in einigen Schulen sind Lehrkräfte bereits angehalten, im Unterricht die These vom Attentat zu unterrichten.

Das alles ist noch nicht der Gipfel. NLP heißt die neue Zauberformel. Neuro-Linguistisches Programmieren ist eine umstrittene Kommunikationstechnik, die gezielt Wahrnehmungsabläufe manipulieren kann. Das ist nicht mal neu, wird schon seit Anfang der Achtziger angewandt und auch in Stuttgart unterrichtet. "Verkäufer, Dozenten, Sozialarbeiter können genauso durch Neurolinguistisches Programmieren profitieren wie Schüler, Studenten und Erzieher", heißt es auf der Seite "NLP für alle/Wachstum durch Persönlichkeitsentwicklung". In allen Bereichen, in denen es um Menschen und Kommunikation geht, hätten sich diese Methoden bewährt. Aktuell allerdings vor allem, wenn Demagogen und Demagoginnen auftreten. Norbert Hofer wird von Experten als der "trainierteste Politiker" überhaupt bezeichnet, der blitzschnell wechseln kann zwischen Angriffs- und Opfermodus. Dass er selbst als NLP-Trainer gearbeitet hat, verschweigt er gerne. Der "Falter" illustriert aktuell an fünf Videos seine Rollen, in die er schlüpft, um das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Oder wie er sein Gegenüber van der Bellen aus der Reserve locken will: "Haben Sie zu viel Kaffee getrunken?"

Die französische "Libération" hat Auftritte von Marine Le Pen analysiert, AfD-Chefin Frauke Petry wurde durchleuchtet. Auf rechten Seiten werden die Ereignisse natürlich nie erscheinen. Warum auch? "Einmal Führerin, immer Führerin" postet einer und erntet viel Zustimmung für die Aufforderung, gar nicht zur Kenntnis zu nehmen, dass per Faktencheck herausgefiltert wurde, wie selten die promovierte Chemikerin die Wahrheit in den Tatsachen sucht. Und wie sie Verben einsetzt. Für gewöhnlich antworten Politiker auf die Frage, was sie eigentlich mit ihren Reden erreichen wollen: überzeugen, begeistern, beruhigen oder vielleicht ermutigen. Petry hingegen will "führen" und sie will sogar "Emotionen schüren", mit Sätzen wie "Wir wollen unser Land zurück aus den Händen von Frau Merkel".

Le Pen will ihr Frankreich zurück, Hofer natürlich Österreich und Trump seine USA. Jenseits des Atlantiks wird inzwischen in Zehntelsenkunde berechnet, wie schnell sich ein Strauß an Meldungen und Falschmeldungen platzieren lässt. Und das gar nicht nur, um eigene Anhänger zu desinformieren, sondern vor allem, um klassische Medien unter Druck zu setzen: Aus "too big to fail" muss in den Augen der Rechten in möglichst vielen Redaktionen "too fast to check" werden. Und zwar so schnell wie möglich. Das Paradoxon lässt erstarren: Dann wäre die Lügenpresse wirklich zur Lügenpresse geworden. 


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19 Kommentare verfügbar

  • Rolf Steiner
    am 05.12.2016
    Bitte nicht die Verächter der Hassbotschaften stigmatisieren. Was not tut, ist ein deutliches Warnzeichen: " S o n i c h t ! " an die Adresse jener, die in ihrer Hetze und ihren Beleidigungen jedes kultivierte Maß überschreiten.

    Grenzen müssen deutlich aufgezeigt werden, vor allem jenen, die schamlos und in widerlichster Weise gegen alles hetzen, was nicht ihrer eigenen Späre entspricht.
  • Gela
    am 04.12.2016
    Frau Henkel-Waidhofer greift eines der heutzutage wichtigsten Themen auf und bringt konkrete Beispiele dafür: wie Hetze, Verschwörungstheorien, Halb- und Viertelwahrheiten Menschen beeinflussen, die sich irgendwie gekränkt und benachteiligt fühlen. Viele suchen nach einfachen Antworten in unserer sehr komplizierten Welt und da kommen Nationalisten, Populisten und Diktatoren gerade recht - egal, ob sie jeden Tag was anderes versprechen wie Trump; ob sie alle etwas Andersdenkenden zu Putschisten erklären wie Erdogan; Verschwörungstheorien verbreiten und nebenher die demokratischen Institutionen abschaffen wie Kaczynski ; Kränkung nationaler Größenideen geschwind mal durch die Annektion der Krim und Bombardierung von syrischen Städten zu kompensieren versuchen wie Putin oder alle sozialen und ökonomischen Probleme einfach der EU und besonders deren Flüchtlingspolitik zur Last legen wie die europäischen Rechtsaußen - kein Wunder, daß sie alle miteinander verbandelt sind, wobei dann viel Geld fließt. So entstehen demokratisch nicht mehr zu kontrollierende Herrschaftbereiche.
    Wenn man über das Wahlergebnis in den USA entsetzt und besorgt ist, heißt das doch nicht, daß man das "nicht akzeptiert" wie @ Siegfried unterstellt. Das ist auch wieder so eine Akzentverschiebung: die Rechten fühlen sich gleich mißhandelt, wenn sie kritisiert werden, sie dürfen selbst aber munter drauflos kritisieren!
    Wenn überhaupt etwas helfen kann, dieses Denken zu entlarven, dann nur, wenn die Belange der Enttäuschten ernstgenommen werden und mit ihnen unaufgeregt in allen Medien diskutiert und sachlich argumentiert wird. Wenn aber in manchen linken Kreisen mit den gleichen Parolen wie "Lügenpresse" und allgemeiner Verunglimpfung von Parteien und parlamentarischer Demokratie agitiert wird (anstatt einzelne konkrete Mißstände aufzudecken oder Menschen von linker Politik mit sachlichen Informationen zu überzeugen), dann arbeitet man nur den Rechtspopulisten zu.
  • Rolf Steiner
    am 04.12.2016
    Ein Zeichen von Verwahrlosung: wenn aus "free speech" eine verkommene Hass-Orgie wird. Dasselbe Phänomen eines durchgängig sichtbaren Verlustes von Anständigkeit und von einem die menschliche Würde vernichtendem Hass ist in den asozialen Netzwerken der AfD, der NPD, der Kameradschaften, des sog. III. Wegs und weiterer Fake-Book-Teilnehmer extrem rechter Provenienz mühelos zu finden.

    Das gegenseitige Hoch-Puschen innerhalb diesen braunen Blasen ist unverkennbar und hat überhaupt nichts mit deutscher "Kultur" zu tun. Im Gegenteil: dies ist eine Abortgrube, die z.T. auch schon vom sog. "Mittelstand" immer wieder aufs Neue gefüllt wird. Nicht nur von einem verblödeten primitiv-braunem "Pack". Auch in Deutschland wird nicht nur die Politik, sondern auch reflexionsunfähige Teile der Bevölkerung durch rechte Hetz-Medien immer schäbiger.
  • hessekopp
    am 04.12.2016
    "Free Speech" impliziert zwangsläufig "Free Hate Speech".
    Eine der logischen Kröten, welche die Anhänger der PC Ideologien schlucken lernen müssen, sofern sie sich noch dem Lager der Demokraten, oder wenigstens dem der Demokratieversteher, zugehörig fühlen.
  • Andreas Bitz
    am 03.12.2016
    Wie wäre es mal mit etwas Selbstkritik?
    Die elitären Mainstream-Medienschaffenden haben sich Auflagen- und Bedeutungsverlust selbst zuzuschreiben, diesen aber offensichtlich noch nicht verarbeitet...
    Sind Sie auf der Linie mit Herrn Kauder, der die zwischenzeitlich vergangenen gemütlichen Zeiten durch Internetzensur zurückdrehen möchte? Herr Maas und Frau Kahane stehen doch bereit.
  • Sonja
    am 01.12.2016
    Um dieses ganze Möchtegern-Nazi-Gschwirl nicht zu wählen, reicht mir ein einziges Argument. Das sind Feiglinge, sie treten nach unten. Feiglinge wähle ich nicht.
  • Rolf Steiner
    am 01.12.2016
    Ach so, die AfD soll ein S ü n d e n b o c k sein, den die kritisch denkenden Menschen für die "Verfehlungen" anderer in Haftung nehmen wollen? Wer diesen Unsinn verzapft, will mit einem schäbigen Persilschein die rechtsextremen Ansichten dieser Querulantenhorde mit einem braunen Feigenblatt abdecken. Und ausgerechnet diese Partei versucht jetzt immer hilfloser, einen Putin oder einen Trump als Schutzpatron für sich zu reklamieren.

    Putin ist eindeutig mit verantwortlich für die brutale Menschenschlächter-Politik eines Assad und damit auch für die flüchtenden Menschen, die es im syrischen Chaos nicht mehr aushalten können. Putin ist eindeutig für die Destabiliserung der Ukraine zuständig! Er hat dem Land die Krim gestohlen und hierzulande wird er von realitätsfernen AfD-Leuten als Vorbild angesehen. Wo gibt's denn sowas?

    Und der "ehrliche" Trump zeigt jetzt schon, dass er weltpolitisch, gesellschafts- und sozialpolitisch eine absolute Niete ist. Seine jetzt bekannt gewordene Regierungsmannschaft besteht fast nur aus Mulit-Millionären, denen es am Wichtigsten ist, die von ihnen abhänigen Arbeitnehmer noch schlimmer auszubeuten. Die Abschaffung von Obama-Care ist nur die Spitze dieses a-sozialen Eisbergs von verantwortungslosen Oligarchen. Die Arbeiter des Rost-Belt, die ihn kürzlich wählten, werden ihn - spät genug - in Schimpf und Schande zum Teufel wünschen.

    Putin steht für Millionen-Kredite an die französische FN-Vorsitzende LePen samit ihrem rechtsradikalen Haufen. Putin könnte auch die zig-Tausende von AfD-Wahlplakaten "gesponsert" haben? Denn die AfD gibt über ihre Wahlkampf-Gelder bis heute keine Auskunft.

    Und dass die überwähltigende Zahl von russland-deutschen Wählern für die AfD stimmten, ist nicht zuletzt der extensiven Kreml-Propaganda zu verdanken, auf deren scheinbar "objektiven" Nachrichten sich die AfD-Leutchen gerne beziehen.

    "Wes' Brot ich ess, dess' Lied ich sing!" trifft auf die AfD nicht weniger zu als auf manch andere Partei in der von Verantwortungslosen wimmelnden Weltpolitik. Die Rattenfänger sterben leider nicht aus und finden stets die richtigen Kälber, die sie dann zum Metzger führen.
  • Barolo
    am 01.12.2016
    @Ein Wissbegieriger.
    Sie werden lachen, es sind für jeden offene Quellen. Und eine Homepage braucht man auch nicht aufmachen. Gibt es alles schon. Und dann kann man die Fakten (Akten, Protokolle etc) selber durcharbeiten und das anschauen was andere (z.B. der Arbeitskreis NSU) schon durchgearbeitet und aufbereitet haben.
    Denn nur anhand von Fakten kann man eine Hypothese (z.B. die Selbstmordthese der Uwes) verifizieren oder falsifizieren.
    Jeder Bürger kann und jeder Journalist muss das tun. Ist halt mit Arbeit verbunden, erschüttert manchmal den eigenen Standpunkt und gefällt deshalb den post-truthern nicht.
  • Bernhard Meyer
    am 01.12.2016
    @ Dr. Uwe Prutscher: Volle Zustimmung!

    Einige Analysen der US-Wahlen machen auch klar, wie die verächtliche Behandlung derer wirkte, die zu den Trump-Veranstaltungen strömten: wirkungsvolle Wahlhilfe für Trump. "It's the economy - stupid!" sagte einst Bill Clinton. Unsere "Berichterstatter" informierten uns deutsche Leser oder Fernsehzuschauer ausschließlich mit prächtigen Aufregern über Trumps Frisur, Sexismus, Islamophobie usw. Dass er in seinen Auftritten aber vor allem über Jobs sprach, dass er sie wieder aus China nach Amerika zurückholen will, Strafzölle für Importe von ausgelagerten Firmen usw. - alles gegen die verheerende Globalisierung, das kriegt der Mainstream-Konsument erst jetzt tröpfchenweise vorgesetzt - immerhin berührt das ja die auch bei uns verbreitete neoliberale Ideologie. Mit dem in Stein gemeiselten Putin-Feindbild im Hintergrund konnte man auch seine außenpolitischen Stellungnahmen diffamieren, obwohl sie uns doch eigentlich vernünftig vorkommen sollten: z.B. dass man mit Russland verhandeln und den IS gemeinsam bekämpfen sollte und die Billionen für Kriege lieber im Inland für Infrastruktur ausgeben sollte. Anstatt uns das vorurteilsfrei vorzutragen, wurde in unseren Medien daraus eine finstere Verschwörung der Bösen.
    Trump ist ein reicher Rechter und er wird eine Politik für die Reichen machen, aber möglicherweise eher so wie Ehrhard und nicht so wie die Machester-Kapitalisten und Neoliberalen und - hoffentlich - mit weniger Kriegen, Übergriffen und Einmischungen in andere Länder.
  • Siegfried
    am 01.12.2016
    Werter Dr. Prutscher, einige Anmerkungen zu Ihrem in meinen Augen recht geschwollenen Beitrag.

    Zum "linken Selbstmord" von SPD, Linke (ich rechne da die Grünen und Teile der Union/FDP auch dazu): Was ist daran links den Sozialstaat abzuschaffen und bewusst eine zuvor nicht gekannte Stigmatisierung und Spaltung der Gesellschaft herbeizuführen? Was ist links oder demokratisch daran in fremde Drittweltländer miliärisch einzufallen und Krieg gegen die Schwächsten zu führen (mit Millionen Toten und Flüchtlingen)? Also was ist daran links, Flüchtlingsströme einerseits zu schaffen und dann damit auch nochmal die eigene Bevölkerung zu spalten? Was ist daran links, steinzeitliche Diktaturen wie Saudi Arabien mit modernsten Kriegswaffen zu versorgen damit die ihre Bevölkerung unter Kontrolle halten können? Ich könnte ewig fortfahren mit diesen Musterbeispielen sozialdemokratischer, linker Realpolitik aber ich lasse es gut sein, ich denke Sie werden Antworten auf diese Fragen geben können.

    Dann zuletzt noch eine entscheidende Frage, warum setzen sich Trump oder AfD gegen Kriege ein? Warum will ein Trump mit Putin reden und Frieden schaffen? Wer von der AfD hat im Bundestag für Angriffskriege gestimmt? Und wer von den anderen Parteien hat im Bundestag für Angriffskriege gestimmt? Wer von der AfD war an der Agenda 2010 mitbeteiligt? Wer von der AfD hat für die Agenda 2010 im Bundestag gestimmt?

    Wie Sie sehen sind Ihre Einlassungen relativ hilflos, da ich diverse Politikbereiche genannt habe in denen sich selbst als "links" verstehende Parteien übelste rechtsradikale Politik gemacht haben. Wenn Sie so einfach über die Kriege die mit Hilfe von SPD, CDU, CSU, FDP, GRÜNE seit knapp 20 Jahren geführt werden, hinwegsehen können und weiter den Sündenbock AfD ins Spiel bringen zeigt mir das nur, das Sie die Augen vor der Realpolitik verschliessen. Da hilft auch das Geschwollene nicht weiter, das ist nur ein Ausdruck für eine gewisse Hilflosigkeit.
  • Dr. Uwe Prutscher
    am 30.11.2016
    Frau Henkel-Weidhofers Feststellungen sind sämtlich in unserer brutalen Realität angesiedelt. Dahinter gilt es weiter zu fragen nach den konkreten Alltagsbefindlichkeiten der Trump- und AfD-Wähler und nach ihrer politischen Wahrnehmung. Im entkernten alten industriellen Herz des Nordostens der USA wie in den so genannten Over-Fly-States hat der aus unsäglicher Elitenarroganz gesehene "White Trash" eher in Verzweiflung denn aus Ratio die Präsidentenwahl als letztes Mittel gesehen, mit dem Wahlzettel das Rachesignal und die Revolte wenigstens zu versuchen. Feinheiten eines Wahlprgramms, sofern überhaupt vorhanden, sind da absolut irrelevant. Es dominieren Not und Frust und Alltagswut.
    Der Siegeszug der AfD wie des Front National von Wahl zu Wahl ist weniger in der Charismatik ihrer Anführer als in der sozio-ökonomischen Position und Selbstwahrnehmung der Angeführten begründet. Auf breiter Front erntet bei uns die AfD die neoliberalen Früchte von Agenda 2020 und der Alltagsrepressionen in den Jobcentern - mit den Horrorgeschichten über die Flüchtlinge als Brandbeschleuniger. Die Steinmeiers, Münteferings, Schröders haben die SPD als Partei der Abhängigen auf Dauer ruiniert und in ihrem unbändigen Drang zur überbevölkerten so genannten bürgerlichen Mitte eine entscheidende Säule dieser Republik abgetragen. Anstatt zusammen einen Damm gegen die Herrschende Klasse in Finanzwirtschaft und in Konzernen wenigstens zu versuchen, pflegen SPD und Linkspartei in ihrer gegenseitigen Abneigung weiter ihre uralte Krankheit des linken Selbstmords - wie in den frühen 30er Jahren des 20. Jh., bis sie dann gemeinsam sehr bald im braunen Schlund verschwanden. Das wäre Geschichte, sehr lehrreiche sogar, wenn nicht diesseits und jenseits des Atlantiks die Fratze eines Faschismus 2.0 bereits Konturen gewänne.
  • Siegfried
    am 30.11.2016
    @Barolo: Ich sehe es ähnlich wie Sie. Wer A sagt muss auch B sagen, wer das selbst in einem sich für alternativ-progressiv haltenden Magazin wie Kontext nicht mal schafft, wie kann man so jemanden überhaupt ansatzweise ernst nehmen? Das ist wirklich erbärmlich.

    Was spricht dagegen endlich diesen so genannten NSU Skandal zu untersuchen? Wovor haben die Journalisten Angst? Wer sich so leicht die Butter vom Brot nehmen lässt muss sich nicht wundern wenn die Deutungshoheit flöten geht. Aber vielleicht ist NSU im medialen Elfenbeinturm auch nicht in, man weiss es nicht.
  • Ein Wissbegieriger
    am 30.11.2016
    Werter Barolo,

    da Sie ja offenbar im Besitz der Wahrheit zu sein scheinen, würde es mich über alle Maße erfreuen, wenn Sie ihre Erkenntnisse samt Belegen auf einem eigenen Informationsportal veröffentlichen könnten. Beispielsweise ist www.barolo-weiss-bescheid.de noch verfügbar, das habe ich eben geprüft.

    Allein eine Frage brennt mir noch unter den Nägeln: Bei all den Bemühungen, die Pinocchiopresse und Schweigekartell im Schulterschluss unternehmen, um die Wahrheit, wo es nur geht, zu verschleiern und durch Lügen zu ersetzen - woher haben Sie eigentlich Ihre sicherlich verlässlichen Informationen? Aus vertraulichen Quellen?

    Hochachtungsvoll
    Ein Wissbegieriger
  • Siegfried
    am 30.11.2016
    @Uli: Das US Wahlsystem kennen Sie? Dann erübrigt sich ihr Einwurf. :)

    Nochmal für Sie zum mitlesen: Wer in den USA die swing states gewinnt, der oder die gewinnt die Wahl. Das ist eine Tradition die nicht alle gleich auf Anhieb verstehen können. Aber gut wenn Träume platzen dann muss man sich eben manchmal den Frust von der Seele schreiben. Ich habe da völliges Verständnis auch wenn ich darüber nur lachen kann.

    Meine Lockerheit kommt u.a. vom quasi Dauergrinsen über manche Zeitgenossen die auch nach 3 Wochen offenbar immer noch nicht wahrhaben wollen, dass der verhasste andere Kandidat die Wahl gewonnen hat. Muss schon unerhört sein, dass in einer der ältesten Demokratien der Welt nicht so gewählt wurde wie sich das deutsche Zeitungsleserinnen und -leser haben einreden lassen. Im Übrigen sperrt sich Hillary Clinton gegen die Nachzählung, jedoch scheint der Druck der demokratischen Basis zu groß. Ein Schelm denkt böses.
  • Uli
    am 30.11.2016
    @Siegfried - naja nach Stimmen hat Frau Clkinton die Wahl gewonnen, so gesehen locker bleiben Siegfried.
  • Barolo
    am 30.11.2016
    Heilige Johanna was für ein guter Start eines Beitrages in Kontext
    "Jeder Mensch hat ein Recht auf seine eigene Meinung, nicht aber ein Recht auf seine eigenen Fakten."
    Ich unterstütze diese Aussage zu 100% denn nur Fakten können Dinge aufdecken.
    Aber warum ist die Autorin (und alle MSM und leider auch alle Alternativen Medien) hier anscheinend auf einem Auge blind?
    Lassen sie mich das an zwei Beispielen festmachen.
    1. Angela Merkel bricht deutsche und europäische Gesetze und Verträge. Jeder informierte Bürger, namhafte Staatsrechtler und auch alle Journalisten wissen das, alle europäischen Regierungsvertreter sagen es (nicht nur der böse Orban) und für den Brexit war es miteintscheidend.
    Aber dies Fakten und die daraus resultierenden Probleme werde von den MSM und den AM nur am Rande erwähnt.
    2. Die Autorin weiss wie jeder, der sich mehr als 10 Stunden mit dem öffentlichen Material beschäftigt hat, daß der "NSU" ein inszeniertes Märchen ist. Seit 5 Jahren. Oder anders gesagt, es wurden 2 Uwes ermordet, denen nachträglich, ohne jede Beweise, 10 Morde und eine Menge an Raubüberfällen in die Schuhe geschoben wurden.
    Ohne Beweise? Ja! Ohne einen einzigen Beweis!
    Wer hat die "Verurteilung" ausgesprochen? Ein Bundestag ca zwei Wochen nach dem Tod der Uwes (November 2011). Die Basis für diese total illegale "Bundestagsverurteilung" war u.a. die dokumentierte Russlungenlüge des Generalbundesanwalts und des Chefs des Bundeskriminalamtes.
    Seit wann darf ein Bundestag Urteile sprechen ? Darf er nicht. Das ist immer noch Sache der Gerichte.
    Aber alle MSM und alle "Alternativen" halten sich an diese Vorgabe des Bundestages. ALLE!!!
    Vierte Gewalt?
    Totale Fehlanzeige.
    Das musste zum perfekten Intro des o.g. Artikels mal gesagt werden.
  • Rolf Steiner
    am 30.11.2016
    Separatismus und Nationalismus sind zwei ganz dumme Schritte rückwärts. Sie werden gesellschaftliche Probleme noch schwieriger machen. Dazu kommt eine “vertrumpte“ Meinungsblase, die sich aus Un- und Halbwahrheiten speist. Sie vernebelt den Blick in die Zukunft, den die AfD und ihre Adepten pathologisch verweigern.
  • Siegfried
    am 30.11.2016
    Interessant wie Autoren wie Frau Henkel-Weidhofer auch 3 Wochen nach der demokratischen Wahl in den USA das Wahlergebnis nicht akzeptieren kann weil in ihren Augen der falsche Kandidat gewählt wurde. Auf mich wirkt das sehr unreif, man sieht derzeit wie viele Autorinnen und Autoren unserer Medien aufzeigen, dass sie für die Demokratie noch nicht reif sind. Ich würde mich persönlich als Nachhilfelehrer anbieten, da dürfte es sicher noch einen EU-Topf geben für meine Unkosten. Ich verlange auch kein Honorar, nur die Spesen sollten bezahlt werden.

    Und eins noch zu den klassischen Medien und ihren "Politikexperten": Man sieht ganz klar dass auch diese Leute wenig bis gar nichts mit der gesellschaftlichen Realität zu tun haben, im Elfenbeinturm unter seinesgleichen kommt man eben nicht in den Kontakt mit dem so genannten "Pöbel" und spinnt sich dann was zusammen was eben nicht der Realität da draussen entspricht sondern letztlich nur subjektives Wunschdenken von ein paar Wenigen ist. Und dann sieht man eben den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr und prognostiziert dass Frau Clinton ganz klar die Wahlen gewinnen würde. Der harte Aufschlag in der Realität ist dann noch ein bisschen härter als hätte man von Anfang an objektiv und sachlich berichtet.

    Das auf die Wahlergebnisse in den USA folgende wochenlange Gejammer unserer klassischen Medien ist ein Zeichen dafür, dass dort immer noch eine offenbar kollektive Fassungslosigkeit und Verzweiflung vorherrscht. Auch dieser Artikel zeugt davon. Gebt doch einfach mal zu dass ihr euch geirrt habt, steht doch mal selbstbewusst zu euren Fehlern und Falscheinschätzungen, das würde euch eventuell ein klein bisschen Glaubwürdigkeit zurückbringen. Wobei ich das nicht garantieren kann.
  • Rolf Steiner
    am 30.11.2016
    Es einem übel, wenn man die Äußerungen von AfD-Sympathisanten oder ausgewiesenen Neonazis in den längst zu a-sozialen Medien verkommenen Facebook- oder Twitter-Seiten verfolgt. Selbst eine "konservative" CDU in Sachsen lässt bei passender Gelegenheit Lügen verbreitende Rechtsextreme zu Wort kommen. Am liebsten würde man sofort mit der AfD ins braune Koalitionsbettchen steigen.

    Wieviel angestaute Verblödung kommt dort zum Ausdruck? Das kann nicht nur an den Bots liegen, die auf "künstliche" Weise eine geradezu Ekel erregende Stimmung schaffen. Nein, es ist in vielen Menschen ein Selbst-Hass zu beobachten, der sich dann gegen andere, seien es Flüchtlinge, Kranke, Alte, Hilfsbedürtige auf erschreckende Weise entlädt. Wir werden, neben Österreich zu einer deutschsprachigen Hass-Republik, wenn wir nicht diese Rattenfängern knallhart bekämpfen und ihnen in ihre "Parade" fahren. Die Demokraten im Land müssen sich endlich wehren und nicht das Feld den verwahrlosten Anhängern einer totalitären Ideologie überlassen.

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