Bunter Protest in Heidelberg: Women's March gegen Frauenfeindlichkeit. Foto: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 397
Zeitgeschehen

Jetzt reden Frauen!

Von Oliver Stenzel
Datum: 07.11.2018
100 Jahre Revolution in Deutschland, 100 Jahre Frauenwahlrecht: Zwei der drei ersten Reden in demokratisch gewählten deutschen Parlamenten hielten Frauen aus dem Südwesten.

Dass erst die Revolution 1918 das allgemeine Wahlrecht für Frauen in Deutschland ermöglichte, ist mittlerweile halbwegs bekannt. Deutlich schwieriger wird es bei der Frage, wann und welche Frau die erste Rede in einem Parlament hielt. "Am 19. Februar 1919 sprach erstmals eine Frau in einem demokratisch gewählten deutschen Parlament: die Sozialdemokratin Marie Juchacz", ist etwa in einem Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung von 2014 zu finden. Ebenfalls ein Text der Bundeszentrale, diesmal von 2009, nennt dagegen Clara Zetkin: "1919/20 war sie Mitglied der Verfassungsgebenden Landesversammlung Württembergs und hielt dort die erste Rede, die je von einer Frau in einem deutschen Parlament gehalten wurde". Und zwar deutlich früher als die Kölnerin Juchacz: Am 27. Januar sprach sie als Abgeordnete der Unabhängigen Sozialdemokraten (USPD) zum ersten Mal im Parlament – wobei sie da nur eine kurze Stellungnahme vorbrachte. Tags darauf, am 28., hielt sie ihre erste lange Rede. Im Katalog zu "Vertrauensfragen", der aktuellen Ausstellung des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg, heißt es dann aber: "Der 15. Januar 1919 ist ein besonderer Tag in der deutschen Parlamentsgeschichte. An diesem Tag hielt erstmals eine Frau als Abgeordnete eine Rede in einem demokratisch gewählten deutschen Parlament. (...) die liberale Politologin und Heidelberger Abgeordnete Marianne Weber", und zwar in der badischen verfassungsgebenden Versammlung in Karlsruhe.

Ja, was denn nun?

Um es kurz zu machen: Das Haus der Geschichte hat Recht. Möglicherweise haben die weit auseinanderliegenden Wahltermine in den Teilstaaten und auf Gesamtstaatsebene die Suche erschwert. Und doch ist dies auch ein Beleg dafür, dass die erste Parlamentsrede einer Frau in einem deutschen Parlament nicht unbedingt ein eherner Pfeiler in der Erinnerungskultur des Landes zu sein scheint.

Grund genug, diese drei Reden hier in Kontext zu dokumentieren. Und dabei festzustellen, wie interessant und aufschlussreich sie, bei allen Unterschieden, doch für die Bewertung der damaligen Zeit sind. Nicht nur in Bezug auf das nach jahrzehntelangen Kämpfen errungene Frauenwahlrecht. Sondern auch in Bezug auf die deutsche Revolution, die sich ja angesichts ihres Verlaufs nach wie vor nicht so recht zur Identitätsstiftung zu eignen scheint, so nah liegen ihre Erfolge und desaströs verpassten Chancen beieinander. Angesichts ihres 100. Jahrestags am 9. November, finden sich wieder Stimmen, die die Revolution als unnötig bezeichnen, da es umfassende Reformen auch so gegeben hätte. So betont besonders Clara Zetkin: Ohne Revolution und den Sturz der Monarchie in Deutschland hätte es das Frauenwahlrecht nicht gegeben.

Rede von Clara Zetkin (USPD)

in der verfassungsgebenden Landesversammlung Württembergs, Stuttgart, 28.1.1919 (Auszüge)

"(...) Meine Damen und Herren, es ist allerdings die Auffassung vertreten worden – sowohl von dem Herrn Abg. Gröber wie von dem Herrn Abg. Haußmann – daß es eigentlich der Revolution nicht bedurft hätte, um all die Reformen zu erreichen, die wir jetzt errungen haben, und die noch in nächster Zukunft erreicht werden könnten. Schon vor der Revolution wäre die Reichsregierung, wäre auch die Regierung Württembergs entschlossen gewesen, den Weg der politischen Demokratie und großzügiger Reformen zu betreten. Die Tatsachen, die dafür angeführt worden sind, sind unbestreitbar. Aber auf was kommt es dabei an? Auf die Wertung, auf das Erfassen der Situation, in der die Regierungen sich mit einmal auf den Weg der Reformen und der Demokratie besannen.

Unsere Auffassung ist diese. In den angekündigten Reformen kann in der gegebenen Situation, kann angesichts des militärischen Zusammenbruchs, angesichts der steigenden Unruhe und Unzufriedenheit der Volksmassen, ihres wachsenden Widerstands gegen die damals herrschende Politik nur eines erblickt werden: der vorauseilende große Schatten der Revolution. Die Regierenden und Herrschenden sagten sich, daß es klüger sei, zuvorzukommen. Daß es klüger sein würde, unabwendbar gewordene Reformen freundwillig von oben her zu gewähren, als sich diese Reformen von unten durch die Massen, durch den Willen der Massen außerhalb der Regierungen und des Parlaments abtrotzen zu lassen. Denn was bei der Wertung von Reformen, bei der Wertung von Fortschritten wesentlich ist, das ist oft weniger die Errungenschaft selbst, als vielmehr die klare Erkenntnis seiner Macht, zu der das schaffende Volk im Kampfe gelangt. Was man verhindern wollte, war, daß das Volk durch den Kampf, durch das Abtrotzen von Reformen zum Bewußtsein seiner Macht und Stärke kommen sollte.

Außerdem, meine Damen und Herren, sage ich im Hinblick auf die damals verheißenen Reformen – und das sagten sich wohl auch die großen Massen –: "Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube"! Der Glaube an die Einlösung eines entschiedenen Einlenkens in die Bahnen der politischen Demokratie war unter dem Anschauungsunterricht der Tatsachen in Deutschland bei den breiten Massen ungemein schwach und klein geworden. (...)

Es hat der furchtbaren, entsetzlichen Lehren des Weltkriegs bedurft, damit endlich mit dem selbstherrlichen Regiment aufgeräumt wurde. Ich bin deshalb auch als Frau kleingläubig und keineswegs überzeugt, ob wohl ohne die Revolution das Frauenwahlrecht gekommen wäre, wie es in dem Entwurf des Herrn Ministers Liesching vorgesehen gewesen ist. Wir stehen eben der anderen Tatsache gegenüber, daß noch im Juli 1918 der damalige Minister des Inneren, Herr v. Köhler, unter der Zustimmung aller bürgerlichen Parteien das Frauenwahlrecht für unannehmbar erklärt hat. (Zwischenruf: Sehr richtig!)

Clara Zetkin, 1857 im sächsischen Wiederau geboren, von 1891 bis 1920 in Stuttgart lebend, wird heute vor allem als Begründerin des weltweit am 8. März gefeierten Frauentags gefeiert, den sie 1910 als Vorsitzende des Sozialistischen Internationalen Frauensekretariats ausruft. 1878 tritt sie in die SPD ein (damals noch Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands), von 1891 bis 1917 ist sie Chefredakteurin der SPD-Frauenzeitung „Gleichheit“. Die überzeugte Pazifistin gehört zu Beginn des ersten Weltkrieges zu den wenigen in der SPD, die sich klar gegen eine Zustimmung zu Kriegskrediten aussprechen, 1917 verlässt sie daher ihre Partei, tritt der USPD bei. Von 1919 bis 1933 ist sie Reichstagsabgeordnete, erst für die USPD, dann für die kommunistische KPD. Mit Hitlers Machtübernahme geht sie ins Exil in die Sowjetunion, wo sie sich schon seit den 1920er Jahren immer wieder aufhält. Am 20.6.1933 stirbt sie in Archangelskoje nahe Moskau. (os)

Ich kann den Beweis dafür auf den Tisch des Hauses niederlegen, daß das Frauenwahlrecht vor der Revolution entschieden abgelehnt wurde. Das zeigt ein Bericht des Staatsrechtlichen Ausschusses – veröffentlicht am 13. Juli 1918 – der sich zu beschäftigen hatte mit der Eingabe von 16 württembergischen Frauenvereinigungen, die nicht nur eine Hinzuziehung der Frau zu den Arbeiten aller öffentlichen Körperschaften verlangten, sondern auch das Wahlrecht in der Gemeinde und im Staat.

Auf 22 gedruckten Seiten haben damals sowohl der Berichterstatter, der Herr Abg. Mohr, wie sein Mitberichterstatter, der Herr Abg. Hasel, geradezu mit Bienenfleiß die Gründe für den Nachweis zusammengetragen, daß die Einführung des Frauenwahlrechts sowohl eine Schädigung der Allgemeinheit, wie eine Beeinträchtigung des wahren Werts und der wahren Würde der Frau zur Folge haben würde.

Verehrte Versammlung! Meine Damen und Herren! – Entschuldigen Sie, ich bin noch ein Neuling im Parlament trotz meines Alters - also meine Damen und Herren, angesichts der angeführten Tatsachen fällt es mir schwer zu glauben, daß - die gute Absicht des Herrn Minister Liesching in allen Ehren - daß das Frauenwahlrecht wirklich eingeführt worden wäre. Es hat der starken Stimme der Revolution bedurft, damit die bürgerlichen Herren ihren Weg nach Damaskus gefunden haben. Das ist eine Überzeugung, die sicherlich von den meisten Mitgliedern des Hauses geteilt werden wird. (...)

Rede von Marianne Weber (DDP)

vor der badischen verfassunggebenden Nationalversammlung, Karlsruhe, 15.1.1919 (ungekürzt):

"So sei mir gestattet, nicht als Parteiangehörige, sondern als Frau einige Worte zu Ihnen zu sprechen, denn ich bin mir bewußt, daß heute tausende von badischen Frauen mit Freude und Dankbarkeit und mit klopfendem Herzen auf uns schauen und die Tatsache, daß heute zum erstenmal Frauen in dieses Haus eingezogen sind, die berufen sind, an der Gestaltung des Staates, an dem Wiederaufbau des badischen Staates teilzunehmen, als einen Augenblick von geschichtlicher Bedeutung empfinden. Wir Frauen können nur unserer hohen Freude und Befriedigung darüber Ausdruck verleihen, daß wir zu dieser Aufgabe mitberufen sind, und ich glaube sagen zu dürfen, daß wir besser für sie vorbereitet sind, als die meisten von Ihnen glauben.

Millionen von uns haben seit vielen Jahrzehnten draußen außerhalb des Hauses ihren Unterhalt selbst erwerben und auf eigenen Füßen stehen müssen, und sie haben sich die harte Luft des Draußenlebens um ihren Kopf wehen lassen. Tausende von uns haben während des Krieges Männerarbeit geleistet, mit geringeren leiblichen Kräften als der Mann. Tausende von uns Frauen haben ein Heimatheer gebildet, ohne welches das Frontheer keine Munition und keine Kleidung gehabt hätte. Und tausende von uns, die nicht gezwungen waren, den harten Kampf ums Dasein zu führen, haben doch seit vielen Jahrzehnten, durchdrungen von tiefem sozialem Verantwortungsgefühl, mitgewirkt an der Lösung der schweren sozialen Aufgaben.

Marianne Weber, 1870 in Oerlinghausen geboren, war Rechtshistorikerin und Frauenrechtlerin und von 1894 an in der bürgerlichen Frauenbewegung aktiv. 1893 heiratet sie den Soziologen Max Weber, zieht mit ihm 1897 nach Heidelberg. 1918 tritt sie in die linksliberale Deutsche Demokratische Partei (DDP) ein, für die sie 1919 in den badischen Landtag einzieht. Ein Jahr später gibt sie ihr Mandat wieder auf, weil sie mit ihrem Mann nach München geht. Von 1919 bis 1923 ist sie Vorsitzende des Bundes Deutscher Frauenvereine, des Dachverbands der bürgerlichen Frauenbewegung. Bis kurz vor ihrem Tod 1954 ist sie als Wissenschaftlerin und Autorin aktiv. (os)

Sie haben sich dabei auch geschult, zu allen Angelegenheiten des öffentlichen Lebens, und zur Gesetzgebung, soweit sie das weibliche Geschlecht betraf, Stellung zu nehmen, und so glaube ich, von uns sagen zu dürfen, daß wir nicht unvorbereitet in dieses Haus einziehen.

Wir als Frauen werden hier selbstverständlich nicht nur die Interessen unserer Partei, sondern auch die Interessen unserer Geschlechts zu vertreten haben, und so glaube ich, daß auch die Frauen der verschiedenen Parteien, die wir heute hier sehen, sich untereinander noch durch ein besonderes Band verknüpft fühlen werden. Aber ich darf wohl für uns gemeinsam das Versprechen abgeben, daß das Wichtigste uns immer sein wird das Interesse des Ganzen und das Interesse unseres badischen Vaterlandes, für das wir hier mit Ihnen ernst und freudig zusammenarbeiten wollen."

Rede von Marie Juchacz (SPD)

vor der Weimarer Nationalversammlung, 19.1.1919 (Auszüge):

"Meine Herren und Damen! (Heiterkeit) Es ist das erste Mail, daß in Deutschland die Frau als freie und gleiche im Parlament zum Volke sprechen darf, und ich möchte hier feststellen, und zwar ganz objektiv, daß es die Revolution gewesen ist, die auch in Deutschland die alten Vorurteile überwunden hat. (Sehr richtig! Bei den Sozialdemokraten)

Die Frauen besitzen heute das ihnen zustehende Recht der Staatsbürgerinnen. Gemäß ihrer Weltanschauung konnte und durfte eine vom Volk beauftragte sozialistische Regierung nicht anders handeln, wie sie gehandelt hat. Sie hat getan, was sie tun mußte, als sie bei der Vorbereitung dieser Versammlung die Frauen als gleichberechtigte Staatsbürgerinnen anerkannte. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten)

Ich möchte hier feststellen – und glaube damit im Einverständnis vieler zu sprechen –, daß wir deutschen Frauen dieser Regierung nicht etwa in dem althergebrachten Sinne Dank schuldig sind. Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit: Sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten)

Wollte die Regierung eine demokratische Verfassung vorbereiten, dann gehörte zu dieser Vorbereitung das Volk, das ganze Volk in seiner Vertretung. Die Männer, die dem weiblichen Teil der deutschen Bevölkerung das bisher zu Unrecht vorenthaltene Staatsbürgerrecht gegeben haben, haben damit eine für jeden gerecht denkenden Menschen und für jeden Demokraten selbstverständliche Pflicht erfüllt. Unsere Pflicht aber ist es, hier auszusprechen, was für immer in den Annalen der Geschichte festgehalten werden wird, daß es die erste sozialdemokratische Regierung gewesen ist, die ein Ende gemacht hat mit der politischen Unmündigkeit der deutschen Frau. (Bravo! Bei den Sozialdemokraten)

Durch die politische Gleichstellung ist nun meinem Geschlecht die Möglichkeit gegeben zur vollen Entfaltung seiner Kräfte. Mit Recht wird man erst jetzt von einem neuen Deutschland sprechen können und von der Souveränität des ganzen Volkes. Durch diese volle Demokratie ist aber auch zum Ausdruck gebracht worden, daß die Politik in Zukunft kein Handwerk sein soll. Scharfes, kluges Denken, ruhiges Denken und warmes menschliches Fühlen gehören zusammen in einer vom ganzen Volke gewählten Körperschaft, in der über das zukünftige Wohl und Wehe des ganzen Volkes entschieden werden soll.

(...) Ich möchte hier sagen, daß die Frauenfrage, so wie es jetzt ist in Deutschland, in ihrem alten Sinne nicht mehr besteht, (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten) daß sie gelöst ist. Wir werden es nicht mehr nötig haben, mit Versammlungen, mit Resolutionen, mit Eingaben um unser Recht zu kämpfen. Der politische Kampf, der immer bestehen bleiben wird, wird sich von nun an in anderen Formen abspielen. Innerhalb des durch Weltanschauung und selbstgewählte Parteigruppierung gezogenen Rahmens haben wir Frauen nunmehr Gelegenheit, unsere Kräfte auswirken zu lassen. (...)

Marie Juchaz, 1879 in Landsberg an der Warthe geboren, ist vor allem als Mutter der Arbeiterwohlfahrt (AWO) bekannt. Am 13. Dezember 1919 gründet sie den Wohlfahrtsverband, ist bis 1933 dessen Vorsitzende. In die SPD tritt Juchacz 1908 ein, bei der Spaltung der Partei 1917 bleibt sie bei den Mehrheitssozialdemokraten. Mit der Spaltung hängt auch zusammen, dass sie 1917 die Redaktionsleitung der SPD-Frauenzeitschrift „Gleichheit“ übernimmt – ihre Vorgängerin Clara Zetkin ist in die USPD eingetreten. Bis 1933 ist Juchacz Abgeordnete der Weimarer Nationalversammlung. Nach Hitlers Machtübernahme emigriert sie erst ins Saarland, dann nach Frankreich und schließlich in die USA. 1949 kehrt sie nach Deutschland zurück, 1956 stirbt sie in Düsseldorf. (os)

Es ist in der politischen Debatte so manches gesagt worden, was mich zum Widerspruch reizte und zum Nachdenken gebracht hat. Herr Graf v. Posadowsky (Fraktionsvorsitzender der monarchistischen Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), d. Red.) hat hier z.B. die Frage gestellt: was ist unter Junkerherrschaft zu verstehen? (Lachen bei den Sozialdemokraten) Das weiß alle Welt (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten) mit Ausnahme einer ganz kleinen Gruppe, die sich bisher gegen dieses Wissen verschlossen hat. (...) Ich möchte Herrn Grafen v. Posadowsky-Wehner den Rat geben, einmal bei den deutschen Frauen nachzufragen, was man unter den Junkern bisher in Deutschland verstanden hat und auch noch versteht. (...)

Es ist weiter von Herrn Graf von Posadowsky gefragt worden, warum wir uns diesen Waffenstillstand haben gefallen lassen. Die Antwort ist bisher in diesem Hause schon gegeben worden, aber ganz kurz will ich meine Meinung dazu sagen. (...) Weil dieser Krieg durch Ihre Politik bis zum moralischen Zusammenbruch unseres Volkes geführt hat. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten. – Zurufe rechts: Weltrevolution!) Und die Revolution! Ja, meine Herren. Sie werden diese Revolution nicht verstehen, Sie werden sie niemals buchen als das, was sie ist, als eine geschichtliche Tatsache, die herauswachsen mußte aus den Verhältnissen, zu denen Sie getrieben haben. (...)


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8 Kommentare verfügbar

  • Jue.So Jürgen Sojka
    am 08.01.2019
    @Kornelia .
    Am Donnerstag 10.01. sendet SWR2 um 08.30 Uhr Frauen an die Urne!
    100 Jahre Frauenwahlrecht
    SWR2 Wissen. Von Katharina Borchardt https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/100-jahre-frauenwahlrecht/-/id=660374/did=22958800/nid=660374/sdpgid=1639760/1yzwiaw/index.html
    Vor 100 Jahren, am 19. Januar 1919, war es endlich so weit: Auch Frauen durften wählen. Bei der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung, die 1919 in Weimar tagte, gingen sie erstmals an die Urne. Lange hatten sie für ihr Wahlrecht gekämpft. Vorbild war Finnland, wo sie schon seit 1906 wählen durften. …

    Die Vorbehalte gegen das Frauenwahlrecht aber waren groß. Für viele Männer gehörten Frauen nicht in den öffentlichen Bereich der Politik. Außerdem fürchteten manche Parteien, in der Gunst der Frauen nicht allzu hoch zu stehen. Und tatsächlich: Frauen wählen anders als Männer. Bis heute. Sie wählen sozialer, ökologischer und weniger extrem als Männer. Wahlforscher nennen dies den "Gender Gap".
    Stand: 19.12.2018, 15.04 Uhr

    Auf dieser Seite auch:
    31.10.2018 100 Jahre Frauenwahlrecht – Wie weiblich ist die Politik? Audio 44.05 Min.
    Es diskutieren:
    Prof. Dr. Birte Förster, Historikerin, Universität Bremen
    Dr. Gesine Fuchs, Politikwissenschaftlerin, Hochschule Luzern
    Dr. Mithu Sanyal, Kulturwissenschaftlerin und Autorin, Düsseldorf

    12.11.2018 Hedwig Richter über 100 Jahre Frauenwahlrecht
    Die Demokratisierung der Demokratie mit Audio 6.42 Min.
    „… Tatsächlich sei Demokratiegeschichte aber vor allem eine Reformgeschichte, die von Frauen maßgeblich beeinflusst worden sei. …“
    27.06.2016 Clara Zetkin: Vorkämpferin für Frauenrechte mit Audio 4.15 Min.
    30.08.1932 Clara Zetkin träumt von "Sowjetdeutschland" mit Audio 57.27 Min.
    Clara Zetkin (1857 - 1933) Video 3.08 Min.
    Die Sozialdemokratin und Frauenrechtlerin gibt [b]in Stuttgart die neugegründete Frauenzeitung[/b] [i]'Die Gleichheit'[/i] heraus, die sie bis 1917 leitet. Zudem ist sie eine der Initiatorinnen des Internationalen Frauentags, der seit 1911 gefeiert wird.
  • Kornelia .
    am 13.11.2018
    Marie Juchacz:
    "...dass wir deutschen Frauen nicht etwa in dem althergebrachten Sinne Dank schuldig sind. Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit: Sie hat den Frauen gegeben was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist!"
    Sind wir da weiter? Werden nicht immer noch Menschen, insbesondere Schwache, vom Recht-kriegen fern gehalten?


    "Scharfes kluges Denken, ruhiges Denken und warmes menschliches Fühlen gehören zusammen... "
    Davon ist nahezu nix mehr vorhanden! Eine gigantische seelische Verwahrlosung hat sich breit gemacht! Kohl mit seinem Gehetze gegen alte und Sozialhilfeempfänger und dann die empathielose Arroganz gegen die DDRler und rotgrünlinke führten mit den Parasitennummer die Verachtung fort!

    "Weil dieser Krieg durch Ihre Politik zum moralischen Zusammenbruch unseres Volkes gefuhrt hat."
    Zu wissen, dass dieser Phase der Demokratisierung eine unglaublich gewaltätige Phase folgte, in der -wie in einem 'leeren Raum' alles Miese wachsen konnte- ist kaum auszuhalten! Wie schnell aus Hoffnungsglühfunken düstere Mittelaltermechanismen greifen!
  • Kornelia .
    am 13.11.2018
    Marianne Weber:
    "Millionen von uns haben seit vielen Jahrzehnten draußen ausserhalb des Hauses ihrene Unterhalt selbst erwerben und aus eigenen Füssen stehen müssen.....
    Und tausende von uns, die nicht gezwungen waren, den harten Kampf ums Dasein zu führen, haben doch seit vielen Jahrzehnten, durchdrungen von tiefem sozialem Verantwortungsgefühl, mitgewirkt an der Lösung der schweren sozialen Aufgaben."
    Was für eine Beachtung, Wertschätzung und Zusammenführung von Innenarbeiten und Ausserhausarbeiten!
    Von dieser selbst-bewussten Darstellung ist nix mehr übrig. Im Gegenteil: die Verachtung der weiblichen Arbeiten ist massiver denn je!
    Und selbst mühsame Errungenschaften werden auf den Götzentempeln geopfert!
    z.B.Mutterschutz, oder auch Möglichkeiten der Abtreibung.


    "Wir als Frauen werden hier selbstverständlich nicht nur die Interessen unserer Partei, sondern auch die Interessen unseres Geschlechts zu vertreten haben...."
    Dieser Satz zeigt das ganze Prekäre der Frauenbewegung: kaum in den Institutionen gehievt schon verloren sie die Interesen des weiblichen Geschlechts aus den Augen!
    Heute vertreten sogenannte Emanzipierte (die Fräuleins insbesondere) die Interessen der Herrschenden, der neuen Religionsführer, der Ökonomie-Diktatoren!
  • Kornelia .
    am 13.11.2018
    Clara Zetkin:
    "..der vorauseilende große Schatten der Revolution. Die Regierenden und Herrschenden sagten sich, dass es klüger sei, zuvorzukommen. Dass es klüger sein würde, unabwendbar gewordenen Reformen freundwillig von oben her zu gewähren, als sich diese Reformen von unten her... abtrotzen zu lassen! () Denn was bei der Wertung von Reformen, bei der Wertung von Fortschritten wesentlich ist, das ist oft weniger die Errungenschaft selbst, als die klare Erkenntnis seiner Macht.....
    Was man verhindern wollte war, dass das Volk durch den Kampf, durch das Abtrotzen von Reformen zum Bewußtsein seiner Macht und Stärke kommen sollte."

    Dieser Satz hat mich umgehauen: so aktuell und so Zustandsbeschreibend wie eh und je! Sollte jeder Bewegung immer wieder um die Ohren gehauen werden!
    Denn sie geben dem Debakel der Frauen-, Umwelt- sozial....Friedensbewegung eine Denkaufgabe....

    Besonders nachdenkenswert auch in Hinblick auf den Widerstand21:
    Es war schon immer merkwürdig, warum Regierende und Herrschende 'plötzlich' so viel Geld in Hand-nahmen (Bauzaunausstellung: ü200 000 Euro, Faktencheck: ü ne Millionen?)
    Und dann mit Grünlingen die Bürger-beteiligungs-farce ausgebaut wurde!
  • Kornelia .
    am 09.11.2018
    Danke für diese erhellenden Zeitdokumente!
    Und beim Lesen ist es als sei es noch gestern! Irgendwie aktuell!
  • Jue.So Jürgen Sojka
    am 07.11.2018
    Was fällt bei diesem Artikel von Oliver Stenzel auf?
    Jedenfalls mir ist das sofort aufgefallen: Neben diesem Artikel haben die ersten drei unter "Ähnliche Artikel" bisher keine Kommentare!?!
    06.03.2013 [b]Nicht nett[/b] - Er war er ein Tag der Rebellion, der Wut und der völlig überzogenen Forderungen – Frauenwahlrecht! Gleicher Lohn! Recht auf Bildung! Heute, 102 Jahre später, scheint es am Internationalen Frauentag eher …
    03.03.2013 [b]"Ein bisschen Revolution gehört dazu"[/b] - Die Autorin Bascha Mika scheut keine Konflikte. Sie hat sich mit Alice Schwarzer angelegt und deren Rolle in der Frauenbewegung kritisch beleuchtet. Und in ihrem Buch "Die Feigheit der Frauen" Frauen der Komplizenschaft in einer männerdominierten...
    05.12.2012 [b]Johanna Wagners kleines Erbe[/b] - Johanna Wagner lebt mit ihrem Sohn, dessen Frau, der Enkelin und dem Urenkel in Sulmingen, einem Dorf in Oberschwaben, dem Outback Süddeutschlands. Kürzlich ist sie 100 Jahre alt geworden. Sie hat zwei Weltkriege erlebt, kleine und große...
    [b]Keine Kommentare[/b]

    Geredet haben die [b]4 Mütter[/b] unseres Grundgesetz, sich wohlmöglich ihren Mund fusselig oder wurden vollkommen frustriert durch die Gleichgültigkeit, wie mit ihrem Anliegen zur Gleichberechtigung [b]GG Art. 3[/b] umgegangen wurde. Jedenfalls haben diese vier, ganz Mutter, also kämpfend wie eine Löwin, das gemeinsam, erreicht, was an Worten im Artikel 3 Grundgesetz zu stehen hat „[i][b](1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. (2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. …[/i][/b]“

    Dr. Elisabeth Selbert geb. Rohde 1896 (Kassel ) – 1986 (Kassel ), SPD
    Friederike (Frieda) Nadig 1897 (Herford) – 1970 (Bad Oeynhausen), SPD
    Dr. Helene Weber 1881 (Elberfeld) – 1962 (Bonn), CDU
    Helene Wessel 1898 (Dortmund) – 1969 (Bonn), Zentrum
    Ein Glücksfall für die Demokratie https://www.lpb-bw.de/fileadmin/lpb_hauptportal/pdf/111109_MDGG_Flyer_klein_f_mailing.pdf
    Die Vier Mütter des Grundgesetzes
    • Kornelia .
      am 09.11.2018
      @Sojka.... Keine Kommentare?
      Weil die Frauenbewegung ihre Geschichte verdrängt/vergessen/verleumdet hat. (Und weil Männer denken: Frauen sind Winzminderheiten, also nicht wichtig!))
      Sie ist zur Gänze untergetaucht in die Männergeschichtsschreibung! (Dank der Merkels und Grünen DoppelspitzInnen ;)

      Weder Frauen noch Männer lernen, dass es "eine Revolution" braucht, um grundlegende Bedürfnisse a la Rechte in den männlich geprägten Parlamentarismus incl der Vereinsmeierei a la Lobbyisten, a la Parteien, a la Hinterzimmer, a la Kungelei durch zu setzen!

      Die Demokratisierung über der Hälfte der Bevölkerung musste und muss weiterhin Schritt für Schritt erkämpft werden! (Je hierachischer und repräsentanter desto weniger Demokratie könnte Frau berichten!)
      Heute ist es schwieriger denn je!

      Unter der Scheindemokratie prekarisieren genau jene Bereiche, die für weiblich, also menschlich stehen! Immer wieder müssen 'Frauen' am Werkstor stehen und ihren Männern die Lohntüten abnehmen, bevor diese sie verspielen, verhuren, versaufen.....
      Zynisch könnte man denken: überall dort wo Frauen offiziell vorgedrungen sind: hat Mann sich und seine Macht woanders geortet!
      Die Geschichte des Muttertags ist exemplarisch! Gedacht als linke Forderung nach Wertschätzung von Arbeit, wurde daraus ein Fleurop Tag (also ein Gewinnmaximierungstag), ein Tag an dem Männer ihren 'Besitz' gedenken und Linke Verachtung deutlich machen!

      Und an anderer Stelle?
      Parlament ade! Schattensystem o.k.?
      Sozial-Demokratisch wech! Gott Ökonomie jupeee?
      Papiernende Medien tot! Internetmedien den Männern?
      Bildungsideale im Mülleimer! Thinktanks und Elitebildung first?
      Streit Staat/Kirche eingezäunt! Männliche Gottesstaaten auf dem Vormarsch?
      Weiblich/menschliche Bereiche wie Pflege, Betreuung, Kinder und Küche verachtet! Durchorganisierte und optimierte und radikal auf Beutezug ausgerichtet Finanzheie die Türen geöffnet?
      Mensch, menschlich und das humane auf die Müllkippe und 'entarten'! Technik, MINTs und Tastaturen vermenschlichen und Machtinstrumenten hochpauschen?

      Dringender denn je wäre eine neue Frauenbewegung! (Und diesmal müssten endlich Männer nicht nur abwartend, beleidigt, jammernd, 'hinterfozzig' sein sondern 'wir sind alle Feministen' mitmachen!
      Gleichzeitig bräuchte es -endlich- auch eine reflektierende selbstkritische Männerbewegung! )

      Und eins zeigt Geschichte: wie bei Homöopathie: Gleiches mit Gleichem!
      Wenn nicht endlich Männer ihren Stall ausmisten, dann haben Frauen schlechte Karten!
      Der Kapitalismus, Neoliberalismus, die Wirtschaft zu einer Religion hochstilisieren, Patriachat und patriachale Strukturen .... all das ist ein Männerding!
      Human oeconomicus, Gewinne privatisieren- Verluste sozialisieren, survival the fittest, möge der Bessere gewinnen, Ausbeutung bis zum Anschlag, nach mir die Sintflut, Beutezüge ..... etc
      Und
      3 000 000 Kinder leben in Deutschland in Armut!

      Und wir Frauen? Sind wir selbstbewußte Bürgerinnen geworden oder haben wir nicht doch nur die 'Herrscher' gewechselt? Früher konnte Frau sagen 'Opfer und Zwang' heute läuft das unter Selbstausbeutung!

      Die Selbstoptimierung der Frauen hat was Entrechtendes... diesmal freiwillig!

      Wie sagte eine Komikerin letztens: "oben sieht sie aus wie "zusammengeflickte 40erin und unten wie 12"!
    • Jue.So Jürgen Sojka
      am 15.11.2018
      @Kornelia .
      „Weil die Frauenbewegung …“ Bin in die 50er Jahre geboren und habe "miterlebt", wie despektierlich sich die "Männer-Clans" den Begriff _Frauenbewegung_ zu eigen gemacht haben: Bewegen können sie sich ja, wenn ihre Bewegung…

      Frauengespräche / Männergespräche, von denen die jeweils anderen ausgeschlossen sind – Gesprächsinhalt und Thema gänzlich anders, als wenn das jeweils andere Geschlecht dabei wäre!

      „Die Demokratie … muss weiterhin Schritt für Schritt erkämpft werden! …“
      NEIN – in der gelebten DEMOKRATIE gibt es keinerlei "Kriegsparolen"; ebenso nicht auf dem Weg zur Demokratie!!

      „Scheindemokratie …“ Entweder es ist DEMOKRATIE oder es ist _keine_ Demokratie!!! [b][1][/b]
      Jetzt wird es, in einer gelebten Demokratie, _keine_ Frauen mehr geben – Frauen sind die Verursacher der weltweiten Verweigerung der männlichen unserer Spezies, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen!!! [b][2][/b]
      [b]Sarah Händel[/b] hatte die Gesamtmoderation zusammen mit Alexander Trennheuser in der Tagung im DGB-Haus am 20.12.2012 [b]Quergedacht Bürgerbeteiligung in Baden-Württemberg[/b], veranstaltet vom Fritz Erler Forum http://up.picr.de/32330303aw.pdf
      Meine "Richtigstellung" zum Banner mit dem Text [b]Mehr Demokratie[/b] im Tagesordnungspunkt um 16:00 Uhr … Publikumsfragen, hat nicht alleine bei Sarah Händel für "Aufregung" gesorgt – jedoch bei _ihr_ langanhaltend.

      [b][1][/b] Cicero 29.07.2014 https://up.picr.de/34346005yo.pdf auf Seite 6 zu Stuttgart 21 und Forderungen nach mehr direkter Demokratie.
      Im Kommentar - Auszug:
      Mehr Demokratie – Mehr Demokratie wagen
      Schlagworte, die in _W a h l v e r a n s t a l t u n g e n_ zu hören
      und zu sehen sind – auf _W a h l p l a k a t e n_!
      +
      Entweder es ist Demokratie, oder es ist keine Demokratie!

      EUROPA mit Recht und Gesetz https://up.picr.de/34345732xi.pdf
      30.06.2016 MP wirbt für europäischen Geist
      „Es ist an der Zeit für eine breite und engagierte Debatte der Bürgerinnen und Bürger ...“
      Baden-Württemberg hat sogar einen direkten "Draht" in Brüssel «Landesvertretung»

      [b][2][/b] Der Mann ist das Problem … Doch Frauen lieben ihn trotzdem https://www.youtube.com/watch?v=9-hl6xPv9-s#t=3m17s
      Nach der Aufzählung der vielfältigen Probleme, die von Männern gemach sind, die Feststellung der Ursache – solange die Problem-Macher geliebt werden, gibt es für diese keinerlei Veranlassung damit aufzuhören!

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Ausgabe 430 / Dunkelmänner ans Licht / johanna henkel-waidhofer / vor 9 Stunden 15 Minuten
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