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Heckler & Koch

Magapalooza in Oberndorf

Heckler & Koch: Magapalooza in Oberndorf
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Bei der Waffenfirma Heckler & Koch läuft es nach eher mäßigen Jahren gerade wie geschnitten Brot. Bei der diesjährigen Hauptversammlung gab es neben stolz verkündeten Zahlen auch Überraschendes: etwa zu einer lange nicht geleisteten Strafzahlung oder zu Waffenverkäufen in den USA.

Deutschlands Industriebosse scheinen nur noch eine Tonart zu kennen: Moll. Alles geht den Bach runter: die Produktivität, die Konkurrenzfähigkeit, die Arbeitsmoral. Es herrscht Wehklagen im Industrieland Deutschland. Nur in einer Branche wird gejubelt: der Rüstungsindustrie. Der Bund haut die Milliarden aus dem Sondervermögen raus, als gäbe es kein Morgen.

Kurz vor dem Nato-Gipfel in Ankara verkündet Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) einen Milliardendeal mit Kanada für norddeutsche U-Bootwerften. Start-ups basteln Drohnen und werden über Nacht zu Börsenstars. Und auch bisherige Schmuddelkinder wie der Kleinwaffenhersteller Heckler & Koch (HK) aus Oberndorf am Neckar bekommen plötzlich gute Presse und – wahrscheinlich wichtiger – Millionenkredite von den Banken.

Bei der virtuellen Aktionärsversammlung am Dienstag vergangener Woche saß der HK-Vorstandsvorsitzende Jens Bodo Koch denn auch mit stolzgeschwellter Brust vor der Kamera und verkündete für 2025 Rekorde beim Auftragseingang (802 Millionen Euro) und Umsatz (393 Millionen Euro), nach Steuern ein Gewinn von fast 40 Millionen Euro.

Und so soll es weitergehen: Koch kündigt ein Investitionsprogramm von 230 Millionen Euro in den nächsten Jahren an, will neue Geschäftsfelder erschließen, international expandieren. "Wir handeln", verkündet Koch von Oberndorf aus.

Die Banken standen Schlange

Nach Jahren, Jahrzehnten, in denen sich der Oberndorfer Waffenhersteller von einer Umschuldung mit extrem hohen Zinsen zur nächsten hangeln musste, hat HK vor einem Monat ein großes Refinanzierungspaket geschnürt. Die Banken standen Schlange, oder wie sich Koch ausdrückte: "Die Nachfrage überstieg das erforderliche Finanzvolumen." Ein Bankenkonsortium unter der Führung der Commerzbank und der Unicredit sowie mit Unterstützung der NordLB, der DZ Bank und der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich stellt 305 Millionen Euro über eine Laufzeit von fünf Jahren bereit.

Auch die Belegschaft wächst. Während viele Werkzeugmaschinenhersteller und andere Metallbetriebe im Raum Oberndorf unter der Autokrise leiden und Stellen abbauen, stellt HK Leute ein. Vergangenes Jahr waren es 100. Kein Wunder, dass Koch erklärt, sein Unternehmen sei "besser aufgestellt als jemals zuvor".

Nach den Erfolgsmeldungen des Vorstands sind die Aktionäre dran. In der Vergangenheit zofften sich die Vertreter von Andreas Heeschen, dem früheren Hauptaktionär, mit den Anwälten des neuen Hauptanteilseigners der Compagnie de Développement de l'Eau (CDE). Hinter der CDE steht der französische Milliardär Nicolas Walewski. Diesmal meldet sich jemand, der wohl die CDE vertritt, und fragt ein bisschen nach der Dividende. Später kommt ein "Herr Heeschen" zu Wort, vielleicht der Vater von Andreas Heeschen, der den niedrigen Aktienkurs moniert. Das ist es dann auch von Seiten der Großaktionäre.

Ihren großen Auftritt haben die VertreterInnen der kritischen Aktionäre. Charlotte Kehne, Referentin für Rüstungsexportkontrolle bei der NGO "Ohne Rüstung Leben", erkundigt sich nach der Bedeutung des US-Zivilmarkts für HK. Im offiziellen Geschäftsbericht und der Pressemitteilung dazu stehe davon "nichts". Sie erinnert daran, dass in den USA jährlich fast 15.000 Menschen durch Schusswaffen ums Leben kämen.

Koch antwortet, HK verkaufe in den USA seine Waffen zu 96 Prozent an Zivilpersonen. Am Gesamtumsatz von HK habe der US-Markt einen Anteil von 26 Prozent. 126 Millionen Dollar mache man mit zivilen Kunden, drei Millionen mit Behörden in den USA.

Magapalooza habe nichts mit Trump zu tun

Ein Detail im US-Geschäft interessiert Kehne besonders: HK werbe mit dem Slogan "Magapalooza" für Waffenverkäufe mit Rabatt, berichtet sie. Wenige Mausklicks reichen, um sich davon zu überzeugen: Auf der Homepage von HK USA sind drei Pistolen der VP9A1 Serie auf schwarzem Grund abgebildet, darüber dick "Magapalooza" und das Trademark Zeichen, darunter wird "$ 150 HK Bucks Rebate" – 150 Dollar Rabatt – angepriesen. Im Kleingedruckten steht, man könne den Rabatt beim Einkauf im HK-Onlineshop einlösen für "magazines, swag, & more!" – also Magazine, Werbeartikel und mehr.

Kehne will nun wissen, ob die Wortschöpfung "Magapalooza" Unterstützung für die MAGA-Bewegung Donald Trumps signalisieren soll. Beim Sturm aufs Capitol am 6. Januar 2021 beispielsweise sei eines der Stichworte "Magapalooza" gewesen, sagt sie. Dass der Begriff auch sonst im Trump-Universum für Großereignisse in Verwendung ist, ist kein Geheimnis. Kehne fragt, wie das mit Heckler & Kochs Bekenntnis zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zusammenpasse.

Zu "Magapalooza" versichert HK-CEO Koch, ohne eine Miene zu verziehen, damit sei "natürlich keine ideologische oder weltanschauliche Nähe impliziert". Es sei eine "Marketingwortschöpfung". Kehne hakt nach, seit wann HK den Slogan nutze und weshalb man die Rabattaktion nicht "Megapalooza" nenne.

Koch erläutert, "Lollapalooza" stehe für eine große Party oder ein Festival. HK nutze das Wortspiel seit sieben Jahren und habe seit zwei Jahren auch ein Markenrecht angemeldet. "Maga" habe man gewählt, weil es eben Rabatte für Magazine gebe, sagt Koch und wiederholt, natürlich habe das rein gar nichts mit der MAGA-Bewegung zu tun.

Die "Grünen Länder" und Katar

Es bleibt nicht die einzige Kontroverse zwischen den kritischen Aktionären und dem HK-CEO. Immer wieder erwähnt Koch die "Grüne-Länder-Strategie" – ein von HK selbst eingeführtes Regelwerk, das den Waffenexport auf Staaten beschränken soll, die, so das Unternehmen, "der Europäischen Union und/oder der NATO angehören oder NATO-gleichgestellt sind" – letzteres etwa Länder wie Schweiz, Australien, Südkorea und Japan. Die Rüstungsgegner haken ein. Alles schön und gut mit Lieferungen nur an solche Staaten, aber inzwischen liefere HK auch an "Sicherheits- und Stabilitätspartner der Bundesrepublik Deutschland". Ein solcher Sicherheitspartner ist Katar. Charlotte Kehne weist Koch darauf hin, dass die Menschenrechtsbeobachtungstelle "Freedom House" Katar als "nicht frei" einstufe.

Erst antwortet der Vorstand, HK habe Katar auf Bitten der Bundesregierung aufgenommen. Nach einer Pause muss Koch sich aber korrigieren, das sei "nur halb richtig". Seine Firma sei auf die Bundesregierung zugegangen. "Wir haben uns für Katar entschieden." Dann habe die Bundesregierung sie darin bestärkt, das zu prüfen. Schließlich habe das Land "alle drei Hürden genommen": Aufsichtsrat, Bankenkonsortium und Bundesregierung hätten zugestimmt.

Als ihm die kritischen Aktionäre vorhalten, HK-Waffen aus Katar seien im Bürgerkrieg im Sudan im Einsatz, erwidert die HK-Vorstandschaft mit dem auch sonst häufig verwendeten Satz: "Wir haben keine Informationen, dass Waffen von Heckler & Koch im Sudan eingesetzt werden." Sollten die Kritiker Fotos oder Belege haben, dann möge man diese bitte "mit Seriennummer" an das Unternehmen übermitteln. Das bringt den kritischen Aktionär Jürgen Grässlin auf die Palme. Eine solche Bitte sei "wissentlich weltfremd", sagt der Freiburger Rüstungskritiker. Er sei in den Kriegsgebieten gewesen, habe die Waffen gesehen, es sei aber "unglaublich schwierig, an Seriennummern zu kommen".

HK bezahlt 3,7 Millionen Euro

Grässlin hat aber noch ein weiteres Thema: Die unendliche Geschichte mit den illegalen Waffendeals in Mexiko (Kontext berichtete mehrmals, u.a. hier und hier). Die kann er nun nach zwei Jahrzehnten ad acta legen. Was eine ziemliche Überraschung ist.

Grässlin fragt zunächst: "Warum hat Heckler & Koch den sich aus dem rechtskräftigen Urteil des Landgerichts Stuttgart vom 21. Februar 2009 ergebenden Betrag aus dem illegalen Mexiko-Geschäft mit Tausenden G36-Sturmgewehren nicht an die Staatskasse in Höhe von 3,7 Millionen Euro bezahlt?" Das Urteil sei seit Anfang 2024 rechtskräftig. Auch will er wissen, weshalb HK in einem Antrag ans Landgericht Stuttgart behauptet habe, die Vollstreckung der Einziehung sei "unverhältnismäßig".

Darauf antwortet der Finanzchef des Unternehmens Andreas Schnautz, dies sei die erste Gelegenheit im gesamten Verfahren gewesen, bei der man habe prüfen können, ob die Einziehung verhältnismäßig sei. Und dann schiebt er beiläufig nach: "Die Zahlung wurde 2026 geleistet."

Grässlin ist baff und hakt nach: Warum habe man so lange mit der Zahlung gezögert, obwohl alle Prozesse verloren gingen? Stattdessen habe das Unternehmen "eine katastrophale Medienresonanz" erfahren. Es sei "beschämend, was da in den letzten sieben Jahren gelaufen ist", sagt der Rüstungsgegner. Koch erwidert: "Wir haben gezahlt, als unsere Zahlungspflicht rechtskräftig feststand." Im Mai sei das Geld an die Staatskasse gegangen.

Mal klare, mal ausweichende Antworten

Die kritischen Aktionäre beschäftigen den Vorstand mehrere Stunden lang. Es geht außerdem noch unter anderem um HK-Waffen bei Neonazis in der Ukraine und bei Kindersoldaten in Afrika, um die fehlenden Frauen in Aufsichtsrat und Vorstand, alte HK-Lizenzen, Israel und Künstliche Intelligenz.

Die Antworten sind teils ausweichend. Zum Beispiel beim Thema Frauen im Vorstand: HK stelle nach Qualifikation und nicht nach anderen Kriterien ein. Mal sind die Antworten klar: "Wir haben keine Waffen nach Israel geliefert." Immer wieder kommt aber auch: Wir haben keine Belege, wenn Sie welche haben, bitte her damit, aber mit Seriennummer. So antwortet der Vorstand zum Asow-Regiment, zu Kindersoldaten, zum Bürgerkrieg im Sudan.

Nach gut fünf Stunden sind auch die kritischen Aktionäre erschöpft. Der Aufsichtsratsvorsitzende lässt abstimmen. Entlastung von Aufsichtsrat und Vorstand, die Dividende. Alle Anträge werden angenommen. Mit 99,99 Prozent. Es läuft bei Heckler & Koch.

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