Bis in die 1980er-Jahre wurden in der Hechinger Straße 13 Postkarten gedruckt. Die beiden Brüder Heinrich und Gustav Metz hatten im Jahr 1896 den väterlichen Betrieb übernommen und begannen, eigene Postkarten mit regionalen Motiven herzustellen. Sie druckten Ansichten, Radierungen und Foto-Collagen von Tübingen und Umgebung. Der Verlag machte sich schnell auch außerhalb Tübingens einen Namen. Ein Jahr später konnten die Brüder die Pläne für einen Industriebau zur Genehmigung vorlegen – die spätere "Villa Metz". Die Brüder bauten die Villa in den folgenden Jahrzehnten mehrmals aus, das Geschäft lief hervorragend, doch als ab Mitte des 20. Jahrhunderts die Nachfrage nach Postkarten abflaute, musste der Verlag 1986 schließlich Konkurs anmelden und das Gebäude verkaufen.
Uni-Projekt Tübinger Hausbesetzungen
Seit 1968 wurden in Tübingen Häuser besetzt. Die Münzgasse 13, die Schellingstraße 6 oder die Ludwigstraße 15, sie alle wurden – oft mithilfe des Mietshäuser Syndikats – dem Immobilienmarkt entzogen. Die Tübinger Verwaltung hat bei alldem eine rühmliche Rolle gespielt, denn im Gegensatz zu anderen Städten, die besetzte Häuser oft brachial räumen ließen, galt dort ab Ende der 1970er die "Tübinger Linie": Das Studentenwerk hat häufig die Trägerschaft für die Häuser übernommen, die Wohnraum boten oder aktuell noch bieten in einer Unistadt, in der günstiges Wohnen Mangelware ist.
Elias Raatz, Tübinger Autor, Journalist und Medienwissenschaftler, hat 2025 zusammen mit dem Journalisten Lucius Teidelbaum ein Buch geschrieben über das Tübinger Epplehaus – einst besetzt, heute ein selbstverwalteter Jugendclub. Als Gastdozent am Institut für Medienwissenschaften hat er in Kooperation mit dem Tübinger Experten Marc Amann und der Kontext-Wochenzeitung im vergangenen Wintersemester ein ganzes Journalistik-Seminar zu Tübingens ehemals oder noch heute besetzten Häusern angeboten. Herausgekommen sind acht sehr gut recherchierte und geschriebene Texte, die die ganz eigenen Geschichten der einzelnen Häuser beschreiben und von den Träumen, Gedanken und Erfahrungen der Besetzenden und Bewohner:innen erzählen. Demnächst werden sie in ein zweites Buch gegossen. In den kommenden Wochen veröffentlichen wir jede Ausgabe einen gekürzten Beitrag daraus. Bereits erschienen:
• Menschenrecht auf Wohnen verteidigen
• "Wir hol'n jetzt unser Haus!"
• Gefängnisgitter im Keller
• Ein Zuhause gegen alle Widerstände
• Raum für Selbstbestimmung
• Tod im Würgegriff
• "Wir hatten keinen Plan B" (red)




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