Ein plakativer, wenn auch nicht ganz eindeutiger Titel: "Kultur sanieren" war ein Symposium der Hochschule für Technik Stuttgart (HfT) am vergangenen Freitag überschrieben. Streng genommen ging es um Orte der Kultur, gemeint war die kostspielige Sanierung von Theater- und Opernbauten, ein Thema, das nicht nur in Stuttgart heiß diskutiert wird. In seiner Ankündigung traf der Verein aed (Architektur, Engineering, Design) den Nagel auf den Kopf: "Die Sanierung der deutschlandweit in die Jahre gekommenen Häuser ist unausweichlich, gleichzeitig sind die Kassen vieler Kommunen leer. Was tun?"
Symposium am 10. Juli in Stuttgart zur Sanierung großer Kulturbauten. Foto: Julian Rettig
Max Haug, seit einem Jahr als Professor der HfT und zuvor selbst in das Projekt der Stuttgarter Opernsanierung involviert, hatte dazu eingeladen. Mit dem Symposium wollte er Fachleuten, die mit der Sanierung und dem Bau von Theater- und Opernhäusern zu tun haben, eine neutrale Plattform bieten, um "Perspektiven zum strategischen Aufsetzen und Verwirklichen von Kulturbauprojekten" zu diskutieren. Mit anderen Worten: um zu sehen, wie verschiedene Städte mit dem Problem umgehen, und wo möglich vorbildliche oder neue Wege aufzuzeigen.
Stuttgart: von 18 Millionen auf 1,5 Milliarden
Zunächst zu Stuttgart: Ganz am Anfang, vor fast zwanzig Jahren, wurde der Sanierungsbedarf für die Spielstätte der Staatsoper im Littmannbau mit 18 Millionen Euro beziffert. Dann kam vor zwölf Jahren das Gutachten des Büros Kunkel, das den Betrag auf 300 Millionen korrigierte. Daraus wurden bald 500 Millionen, dann fast eine Milliarde, die aber wirklich die Obergrenze sein sollte. Mit den inzwischen eingetretenen Baukostensteigerungen sind das mindestens 1,5 Milliarden.
Dazu kommt die Interimsspielstätte, die vom Eckensee vor der Oper an das frühere Bahnpostamt wandern sollte. Womit Opernintendant Viktor Schoner gut hätte leben können, denn er inszenierte sofort in den rohen Hallen den "Blaubart" von Bela Bartók (Kontext berichtete). Doch dann sollten die veranschlagten 116 Millionen Euro zu teuer sein, während derselbe Bau an der Wagenhalle nur 89 Millionen kosten sollte. Oder besser, hätte sollen. Inzwischen ist auch diese Lösung bei 289 Millionen angekommen.
Köln: von 253 Millionen auf 1,5 Milliarden
Köln hat das Debakel schon fast hinter sich. 2012 in Angriff genommen, sollte die Opernsanierung drei Jahre später beendet sein. Dann stiegen die Kosten, und es dauerte alles immer länger. Vor zwei Jahren übernahm Jürgen Marc Volm, der Vorgänger von Max Haug an der HfT Stuttgart. Er stieß auf ein heilloses Durcheinander, sagt er im Symposium: zu viele Beteiligte, zu viele Schnittstellen, die Verantwortlichkeiten waren nicht klar. Er musste Vertrauen aufbauen. Das scheint ihm gelungen. Das Haus wird am 20. September wieder eröffnen.
Die Kosten sind indes von 253 Millionen auf rund 1,5 Milliarden gestiegen: die bisher wohl teuerste Opernsanierung. Doch Stuttgart ist jetzt schon dabei, Köln den Rang abzulaufen. Dabei hat die Sanierung noch gar nicht begonnen. Und das Interim kostet zusätzlich – und zwar nicht wenig, während in Köln die Einrichtung wechselnder Ausweichstandorte schon eingerechnet ist.
Ist es eigentlich unvermeidlich, dass die Kosten steigen und steigen und die Bauzeiten sich immer weiter in die Länge ziehen? Die Antwort lautet: nein. Das Münchner Volkstheater, in drei Jahren erbaut, blieb genau im Zeit- und Kostenrahmen. "Das Wunder von München" titelte die Süddeutsche Zeitung: "Pünktlich, skandalfrei und auch noch schön." Architekt war der 2023 verstorbene Stuttgarter Arno Lederer, der mit seinem Büro LRO eng mit dem Bauunternehmen Georg Reisch aus Bad Saulgau zusammenarbeitete.




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