Bild 1 von 15: Die große Halle, 1952 erbaut vom Oberpostdirektor und Architekten Friedrich Streng, war damals die größte Industriebauhalle in Deutschland.

Hereinspaziert! Marc-Oliver Hendriks lädt ein zur Besichtigung.

Die kupferne Außenhaut stammt aus den siebziger Jahren. Die untere Etage nutzt die Post weiterhin, um Pakete auf Elektroscooter umzuladen.

Aus der Frage nach einer Interimsspielstätte wurde die gute Idee, das brachliegende Paketpostgebäude zu nutzen.

Die Beatles verlassen den Saal. Wo die größte Flüchtlingsunterkunft Stuttgarts geplant war, soll jetzt die Opernbühne hin.

Die Schaumstoffmatratzen werden nicht mehr gebraucht.

Die sogenannte Codieranlage über dem Eingang böte viel Platz für ein Foyer.

Von dort aus soll eine große Zuschauertribüne in den Saal hinab führen.

Echter Industrieanlagen-Charme.

Kunst in der ehemaligen Kantine.

Typische 70er-Piktogramme.

Die Terrasse vor der Kantine ist etwas zugewuchert. Sie könnte zur einzigartigen Außengastronomie inmitten des Gleisvorfelds werden.

Die Gleishalle, in der bis in die neunziger Jahre Pakete in Eisenbahnwagen geladen wurden, nutzt heute die Schienenverkehrsgesellschaft (SVG) zur Restaurierung von Oldtimern.

Den ökologisch sinnvollen Versand von Paketen und Briefen per Bahn hat die privatisierte Deutsche Post 1997 eingestellt.

Ausgabe 359
Schaubühne

Die Bahnpostoper

Von Dietrich Heißenbüttel
Fotos: Joachim E. Röttgers
Datum: 14.02.2018
Seit November sind sich alle einig: Während der Sanierung des Stuttgarter Opernhauses soll der Betrieb im ehemaligen Bahnpostamt weitergehen. Marc-Oliver Hendriks, der geschäftsführende Intendant, bietet Kontext eine exklusive Führung.

Im Scherenschnitt sind die Beatles zu sehen, wie sie auf dem Cover der LP "Abbey Road" die Straße überqueren. Weitere Stellwände zeigen die Konterfeis von Martin Luther King und dem Boxer Muhammad Ali, außerdem eine unbekannte Frau mit Kopftuch und kleinem Kind. Die Stellwände im ehemaligen Paketpostamt in der Stuttgarter Ehmannstraße stammen aus einem Schülerprojekt. Sie sollten die große, kahle Halle wohnlicher machen, als diese im Jahr 2015 vom Land Baden-Württemberg angemietet wurde, um hier die größte Flüchtlingsunterkunft der Landeshauptstadt einzurichten. Doch dazu kam es nicht.

2001 hatte die Stadt Stuttgart das gesamte Gleisvorfeld des Hauptbahnhofs der Bahn abgekauft. Nur das frühere Bahnpostamt, an der äußersten Ecke zwischen Rosensteinpark und Unterem Schlossgarten gelegen, befindet sich weiterhin im Besitz der Deutschen Post. Auf dem Vorplatz und in der unteren Etage lädt der zur Post gehörige Paketdienst DHL weiterhin Pakete vom LKW auf kleine Elektroscooter, um sie im Stuttgarter Stadtgebiet zu verteilen. Die große Halle darüber steht weiter leer.

Nach langem Hin und Her haben sich im vergangenen November fast alle Gemeinderatsfraktionen sowie die Intendanten der Staatstheater dafür ausgesprochen, das ehemalige Paketpostamt während der Sanierung des Opernhauses als Interimsstandort zu nutzen. 34 431 Quadratmeter Flächenbedarf hatten die Staatstheater angemeldet, 35 000 stehen zur Verfügung. Nicht vor Ende 2023 soll die Sanierung beginnen und der Umzug ins Bahnpostamt stattfinden. Mindestens fünf Jahre muss die Oper dann dort bleiben.

Kontext hat wiederholt über die Entwicklungen rund um den Interimsstandort berichtet. Daraufhin meldete sich der geschäftsführende Intendant Marc-Oliver Hendriks und bot eine Führung an. 


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2 Kommentare verfügbar

  • Mia Paule
    am 14.02.2018
    Also muss Stadt das Postamt noch kaufen? Oder wird es gepachtet? Und was spendieren die KuhnsBackes dem Opernfans? Damit eine Interimsspielestätte entstehen kann? Natürlich mit allen Annehmlichkeiten, die das so verwöhnte gehobene Kulturheuschreckenpublikum fordert!

    Und: schon mit dem Bücherknast wurde ich gen S21 gedrängt/erpresst!
    Soll ich hier nochmals "zum Jagen getragen" werden?
    Ist es Ziel, den Menschen seine ureigenste Innovation, die "Kultur", auszutreiben?
    Immer mehr Kulturler werden zu CoTätern, springen begeistert hinzu, wenn es um Enteignung (geistgen und körperl Eigentums) des Volkes geht!
    Die Neofeudalisierung hat sich auch hier breit gemacht!

    Die unnötige Aufhübschung der Interimsspielestätte des Landtags hat 2 000 000 gekostet!
    • Stefan Urbat
      am 18.02.2018
      Nein, alles was das Dreispartenhaus mit dem teuersten Teil, der Oper, betrifft, wird zu jeweils 50% finanziell vom Land Baden-Württemberg und der Landeshauptstadt Stuttgart getragen - was einen absurd hohen Kostenanteil für Stuttgart bedeutet. Bei einer Schätzung von vielleicht 600 Mio. Euro Opernsanierungskosten (inklusive Interim) heisst das für Stuttgart, über 10 Jahre 30 Mio. Euro pro Jahr dafür ausgeben zu müssen, eine nicht unerhebliche Belastung des städtischen Haushalts, der die Mittel für andere Vorhaben schmälert.

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