Ausgabe 359
Kolumne

Demokratiegefährder

Von Peter Grohmann
Datum: 14.02.2018

Im Schnitt gibt es vier antisemitische Straftaten am Tag, von anderen demokratiefeindlichen Attacken, etwa Mord und Totschlag, mal ganz zu schweigen. Geht ja noch, oder? 1938 waren es deutlich mehr. Vielleicht liegt hier der Hund begraben, dass die neue Regierung, wenn sie denn zustande kommt, die Mittel für Antirassismusarbeit nicht aufstocken mag. Die ganze Knete wird ja auch wo anders gebraucht: Grundsicherung, Grenzsicherung, Bankensicherung, Altenarbeit, Auslandseinsätze, Amigoarbeit in Libyen, weltweit und in der Ukraine. Inzwischen hat sich dort auch der Kakaobohnen-Händler Petro Poroschenko (Kiew, Panama) für die GroKo eingesetzt, will aber nicht bezahlen. Der Weg vom Kommunisten zum Milliardär ist oft steinig.

Während sich in den Hinterzimmern das Personalkarussell dreht, entschuldigt sich die SPD bei ihren 460 000 Gönnern für den Verlust an Glaubwürdigkeit. Und Daimler entschuldigt sich bei mehr als 1,3 Milliarden Rotchinesen für seine Glaubwürdigkeit. Wenn die Zeit reif ist, will sich Daimler auch bei der verschworenen Gemeinschaft der Dieselbesitzer und den Krebstoten entschuldigen, von den Dieselkranken ganz zu schweigen. Alles allerdings ohne jeden Rechtsanspruch. Meine Omi Glimbzsch in Zittau wusste es längst: "Betrachte Situationen von allen Seiten und du wirst offener!"

Der Schwarzseher Jens Spahn (CDU) sah dieser Tage (kurz vor Aschermittwoch) "überall gute Leute in der CDU", im Gegensatz zu mir. Er weiß ja selbst, wie gut er ist, selbst wenn es Bessere gäbe. Auf der anderen Seite der Weltkugel, in den vom Karneval fast verschonten USA, nimmt der Führer der weißen freien Welt (es gibt Bessere) die Medien auseinander. Ein ganzer Kerl mit viel Erfolg, ein Mann, der sich noch nie gescheut hat, auf offener Bühne kritische Journalisten fertigzumachen oder ihnen hinter der Bühne ans Mieder zu gehen. Zeitweise knöpft er sie sich persönlich vor. Und immer feixt der ganze Saal oder krümmt sich schmerzhaft, wenn die Kameras laufen und der Präsident der USA der Pressefreiheit in den Arsch tritt. Noch nie ist einer der anwesenden Journalisten aufgestanden und hat aus Protest den Saal verlassen. Das würde Karrieren beenden.

OK, ich möchte manchmal auch nicht in meiner Haut stecken.

 

Peter Grohmann ist Kabarettist und Initiator des Bürgerprojekts Die AnStifter.Alle "Wettern"-Videos gibt's hier zum Anschauen. 

Peter Grohmann lädt zum alljährlichen politischen Aschermittwoch heute um 19:30 Uhr im Stuttgarter Theaterhaus. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.


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1 Kommentar verfügbar

  • Peter Meisel
    am 14.02.2018
    Danke für Ihr tolles Thema: "Im Schnitt gibt es vier antisemitische Straftaten am Tag"
    Ich glaube, das ist stark untertrieben? Weil wir nicht hinschauen!
    Semiten, d.h. die Nachfahren des Sem: sind alle, die die semitische Sprachen sprechen!

    „Die semitischen Sprachen sind ein Zweig der afroasiatischen Sprachfamilie. Sie werden heute von ca. 260 Millionen Menschen in Vorderasien, in Nordafrika und am Horn von Afrika gesprochen. Wichtige semitische Sprachen sind Arabisch, Hebräisch, die neuaramäischen Sprachen, eine Reihe von in Äthiopien und Eritrea gesprochenen Sprachen wie Amharisch und Tigrinya sowie zahlreiche ausgestorbene Sprachen des Alten Orients wie Akkadisch. Zu den semitischen Sprachen zählt auch das in Europa beheimatete Maltesische.“
    Wenn ich mir dieses Potential und unsere Bereitschaft, solchen Flüchtlingen Asyl zu gewähren, obwohl Asyl ein allgemeines Menschenrecht ist?
    Dann bin ich, wie Heinrich Heine, um den Schlaf gebracht.

    Der Äthiopier Asfa-Wossen Asserate hat unsere Zukunft wie folgt beschrieben: Die neue Völkerwanderung! Wer Europa bewahren will, muss Afrika retten!
    Ich empfehle zum 200. Geburtstag von Karl Marx, heute hin zu schauen. Er empfahl damals die Analyse der internationalen Funktionen der deutschen Lohnabhängigen in der weltweiten Arbeitsteilung und die aufmerksame Beachtung der Unterschiede zwischen den Nichtbesitzenden verschiedener Weltregionen. Das gilt regional wie international!
    Die Digitalisierung, Industrie IV.Null Arbeitsplätze, verändern unsere Welt wie die Erfindung der Dampfmaschine damals.
    Aktualisiert hat dies heute Gunnar Heinsohn im Demographic War Index 2017. Er sieht die Parallelen beim Zerfall der globalisierten Ordnung. Bei der Kriegsgefahr bleibe ich bei den Thesen von Gunnar Heinsohn. Es geht um den Anteil der jungen Männer. Wo es gefährlich wird, zeigt sein aktueller War-Index: https://think-beyondtheobvious.com/stelters-lektuere/aktueller-war-index-von-professor-heinsohn/
    Jede Partei hat die Chance sich um die aktuellen zukünftige Themen der Welt zu kümmern. Aber „Wer nicht hinschaut, kann nichts sehen!“ Obwohl es sein Thema ist!

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