Nach den Erfolgsmeldungen des Vorstands sind die Aktionäre dran. In der Vergangenheit zofften sich die Vertreter von Andreas Heeschen, dem früheren Hauptaktionär, mit den Anwälten des neuen Hauptanteilseigners der Compagnie de Développement de l'Eau (CDE). Hinter der CDE steht der französische Milliardär Nicolas Walewski. Diesmal meldet sich jemand, der wohl die CDE vertritt, und fragt ein bisschen nach der Dividende. Später kommt ein "Herr Heeschen" zu Wort, vielleicht der Vater von Andreas Heeschen, der den niedrigen Aktienkurs moniert. Das ist es dann auch von Seiten der Großaktionäre.
Ihren großen Auftritt haben die VertreterInnen der kritischen Aktionäre. Charlotte Kehne, Referentin für Rüstungsexportkontrolle bei der NGO "Ohne Rüstung Leben", erkundigt sich nach der Bedeutung des US-Zivilmarkts für HK. Im offiziellen Geschäftsbericht und der Pressemitteilung dazu stehe davon "nichts". Sie erinnert daran, dass in den USA jährlich fast 15.000 Menschen durch Schusswaffen ums Leben kämen.
Koch antwortet, HK verkaufe in den USA seine Waffen zu 96 Prozent an Zivilpersonen. Am Gesamtumsatz von HK habe der US-Markt einen Anteil von 26 Prozent. 126 Millionen Dollar mache man mit zivilen Kunden, drei Millionen mit Behörden in den USA.
Magapalooza habe nichts mit Trump zu tun
Ein Detail im US-Geschäft interessiert Kehne besonders: HK werbe mit dem Slogan "Magapalooza" für Waffenverkäufe mit Rabatt, berichtet sie. Wenige Mausklicks reichen, um sich davon zu überzeugen: Auf der Homepage von HK USA sind drei Pistolen der VP9A1 Serie auf schwarzem Grund abgebildet, darüber dick "Magapalooza" und das Trademark Zeichen, darunter wird "$ 150 HK Bucks Rebate" – 150 Dollar Rabatt – angepriesen. Im Kleingedruckten steht, man könne den Rabatt beim Einkauf im HK-Onlineshop einlösen für "magazines, swag, & more!" – also Magazine, Werbeartikel und mehr.
Kehne will nun wissen, ob die Wortschöpfung "Magapalooza" Unterstützung für die MAGA-Bewegung Donald Trumps signalisieren soll. Beim Sturm aufs Capitol am 6. Januar 2021 beispielsweise sei eines der Stichworte "Magapalooza" gewesen, sagt sie. Dass der Begriff auch sonst im Trump-Universum für Großereignisse in Verwendung ist, ist kein Geheimnis. Kehne fragt, wie das mit Heckler & Kochs Bekenntnis zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zusammenpasse.
Zu "Magapalooza" versichert HK-CEO Koch, ohne eine Miene zu verziehen, damit sei "natürlich keine ideologische oder weltanschauliche Nähe impliziert". Es sei eine "Marketingwortschöpfung". Kehne hakt nach, seit wann HK den Slogan nutze und weshalb man die Rabattaktion nicht "Megapalooza" nenne.
Koch erläutert, "Lollapalooza" stehe für eine große Party oder ein Festival. HK nutze das Wortspiel seit sieben Jahren und habe seit zwei Jahren auch ein Markenrecht angemeldet. "Maga" habe man gewählt, weil es eben Rabatte für Magazine gebe, sagt Koch und wiederholt, natürlich habe das rein gar nichts mit der MAGA-Bewegung zu tun.
Die "Grünen Länder" und Katar
Es bleibt nicht die einzige Kontroverse zwischen den kritischen Aktionären und dem HK-CEO. Immer wieder erwähnt Koch die "Grüne-Länder-Strategie" – ein von HK selbst eingeführtes Regelwerk, das den Waffenexport auf Staaten beschränken soll, die, so das Unternehmen, "der Europäischen Union und/oder der NATO angehören oder NATO-gleichgestellt sind" – letzteres etwa Länder wie Schweiz, Australien, Südkorea und Japan. Die Rüstungsgegner haken ein. Alles schön und gut mit Lieferungen nur an solche Staaten, aber inzwischen liefere HK auch an "Sicherheits- und Stabilitätspartner der Bundesrepublik Deutschland". Ein solcher Sicherheitspartner ist Katar. Charlotte Kehne weist Koch darauf hin, dass die Menschenrechtsbeobachtungstelle "Freedom House" Katar als "nicht frei" einstufe.
Erst antwortet der Vorstand, HK habe Katar auf Bitten der Bundesregierung aufgenommen. Nach einer Pause muss Koch sich aber korrigieren, das sei "nur halb richtig". Seine Firma sei auf die Bundesregierung zugegangen. "Wir haben uns für Katar entschieden." Dann habe die Bundesregierung sie darin bestärkt, das zu prüfen. Schließlich habe das Land "alle drei Hürden genommen": Aufsichtsrat, Bankenkonsortium und Bundesregierung hätten zugestimmt.
Als ihm die kritischen Aktionäre vorhalten, HK-Waffen aus Katar seien im Bürgerkrieg im Sudan im Einsatz, erwidert die HK-Vorstandschaft mit dem auch sonst häufig verwendeten Satz: "Wir haben keine Informationen, dass Waffen von Heckler & Koch im Sudan eingesetzt werden." Sollten die Kritiker Fotos oder Belege haben, dann möge man diese bitte "mit Seriennummer" an das Unternehmen übermitteln. Das bringt den kritischen Aktionär Jürgen Grässlin auf die Palme. Eine solche Bitte sei "wissentlich weltfremd", sagt der Freiburger Rüstungskritiker. Er sei in den Kriegsgebieten gewesen, habe die Waffen gesehen, es sei aber "unglaublich schwierig, an Seriennummern zu kommen".
HK bezahlt 3,7 Millionen Euro
Grässlin hat aber noch ein weiteres Thema: Die unendliche Geschichte mit den illegalen Waffendeals in Mexiko (Kontext berichtete mehrmals, u.a. hier und hier). Die kann er nun nach zwei Jahrzehnten ad acta legen. Was eine ziemliche Überraschung ist.
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