Ja was denn nun, Wolfgang Dietrich? Fotomontage: Joachim E. Röttgers

Ja was denn nun, Wolfgang Dietrich? Fotomontage: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 426
Wirtschaft

Wo Dietrich, da Ärger

Von Christian Prechtl
Datum: 29.05.2019
Der VfB verliert das Duell um die Relegation gegen Union Berlin und steigt zum dritten Mal in seiner Geschichte in die zweite Liga ab. Mitverantwortlich für dieses Trauerspiel ist VfB-Präsident Wolfgang Dietrich, der am Abstieg der Roten auch noch Geld verdient.

Abstieg ist, wenn Männer weinen. Wenn Fans sich leer und verbraucht fühlen, wenn alles weh tut. Super größter anzunehmender Unfall, sportlich und emotional betrachtet. Im Fußball, diesem hochgezüchteten Mega-Business, ist der Abstieg eines Clubs aus der höchsten Spielklasse auch finanziell ein Desaster. Den in den Relegationsduellen gegen Union Berlin unterlegenen VfB Stuttgart wird der Sturz in Liga Zwei einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag kosten.

Für den Präsidenten des Vereins, der gerade den sportlichen Super-Gau erlebt, ist dieser Niedergang nach eigenen Aussagen nur eine "Delle". Insgesamt habe er seit Amtsantritt 2016 hervorragende Arbeit geleistet, hervorragende Rahmenbedingungen geschaffen, sagt Wolfgang Dietrich. Der Präsident aller Mitglieder wolle er sein, hieß es am 9. Oktober 2016, dem Abend seiner Wahl. Mit dem Slogan "JA zum Erfolg" wurden die Vereinsmitglieder 2017 für die Ausgliederung des Profifußballs beim VfB in eine Aktiengesellschaft begeistert – Erfolgsbesoffenheit ist manchmal ziemlich einfach.

Dietrich ist völlig schmerzfrei

Auch im Falle eines Abstiegs werde er nicht zurücktreten, seiner Verantwortung wolle er gerecht werden, auch in schweren Zeiten. Umso wichtiger seien jetzt Ruhe und Kontinuität. Sagt Wolfgang Dietrich. Hervorragende Rahmenbedingungen, Ruhe und Kontinuität sind ja quasi das Markenzeichen dieses Machers, stete Begleiter seiner erfolgreichen Karriere, ob beim Softwareunternehmen Strässle, bei Stuttgart 21, im Sportrechtehandel bei Rot-Weiß Oberhausen, dem 1. FC Kaiserslautern oder den Stuttgarter Kickers. Oder, ohne Ironie ausgedrückt: Wo Dietrich wirkte, war Ärger programmiert.

Sicherlich kannte auch VfB-Aufsichtsrat und Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth den Karriereweg des Mannes, den er für seinen Arbeitgeber Daimler beim VfB als Präsidenten installierte. Als den Mann, der schmerzfrei genug war, das leidige Thema Ausgliederung zügig über die Bühne zu bringen. Damit der Daimler ein für allemal Ruhe vor der eigenen Hütte hatte, nicht ständig fürchten musste, ein unliebsamer Konkurrent steige beim VfB ein und platziere frech sein Logo auf dem Neckarstadion. In einer VfB AG mit Daimler als Ankerinvestor konnte man das rechtlich klar regeln, musste nicht einmal mehr den nervigen Vereinsmitgliedern Rede und Antwort stehen. Vorbei die Zeiten, in denen man VfB-Aufsichtsrat Dieter Hundt gefügig halten musste, indem man dessen Firma Allgaier, einem großen Daimler-Zulieferer, dezent mit Entzug der Aufträge drohen konnte für den Fall, dass dieser sich zu nett mit Porsche oder Hyundai oder sonstwem unterhielt.

Und jetzt, Ola Källenius?

Dass Wolfgang Dietrich, kaum im Amt, genau das machte, was er immer macht, nämlich grüne Luft verbreiten, Unfrieden säen, sich selbst in den Vordergrund drängen, keinen Widerspruch dulden, das hätte man beim Daimler wahrscheinlich auch mehr oder weniger gleichgültig hingenommen – wenn das Gebaren des Herrn Dietrich nicht allzu dreiste Formen angenommen hätte. Die Beteiligungen über den Sportinvestor Quattrex an direkten Konkurrenten des VfB, darunter Union Berlin, sowie die aus diesen Beteiligungen fließenden Gelder kann man zwar weglügen, hinter komplizierten Floskeln verstecken oder mit angeblichen internen Verträgen verharmlosen – man sollte dann aber auch schauen, dass das Handelsregister nicht das Gegenteil beweist. Dann nämlich muss man sich den Vorwurf gefallen lassen, man habe einen Lügner installiert, für den die Wahrheit Auslegungssache ist.

Und Daimler-Vorstand Wilfried Porth hat genau so einen installiert. Er hat darüber hinaus erst kürzlich noch gesagt, Wolfgang Dietrich sei genau der Präsident, den man gewollt habe. Man habe unter Wolfgang Dietrich viel aufgebaut, was nicht so schnell zerstört werden könne. Wenn er das gesagt hätte, wenn der VfB in der Champions League spielt – viele hätten es ihm vermutlich abgenommen. Aber jetzt? Herr Porth, sind Sie noch bei Sinnen?

Man wird sich beim Daimler wohl ernste Gedanken machen müssen, wie es weitergeht mit dem VfB. Ola Källenius, der neue Chef, ist nicht als Fußballfan bekannt, sondern eher als einer, der sich aufs Autobauen konzentriert. Hinter den Kulissen war zu hören, dass die lange geheim gehaltene Vertragsverlängerung der Mercedes Benz-Bank als Trikotsponsor des VfB auf Wunsch des Daimler-Sprechers erst acht Wochen später erfolgte, ganz als ob es peinlich wäre, für einen solchen Klepperlesverein Millionen auszugeben, während im Konzern Mitarbeiter freigestellt werden. Man kann nur hoffen, dass es ihnen wirklich peinlich ist. Denn wenn Wolfgang Dietrich nicht freiwillig zurücktritt, wird es nur über Druck durch den Ankerinvestor möglich sein, den unseligen Mann loszuwerden.

Präsident mit Stil gesucht

Ihren eigenen Mann, Vorstand und VfB-Aufsichtsrat Wilfried Porth, werden sie gleich mit loswerden müssen. Denn der hat Dietrich installiert und fabuliert weiter davon, welch gelungener Schachzug das gewesen sei.

Der VfB Stuttgart braucht einen Präsidenten, der innerhalb des Vereins unauffällig moderiert und ihn nach außen mit der gebotenen Zurückhaltung repräsentiert. Auch braucht er einen fähigen Vorstand für das Führen der umfangreichen Geschäfte auf und neben dem Platz. Und er braucht einen Aufsichtsrat, der mit kompetenten Menschen besetzt ist, die den Vorstand kontrollieren, ohne sich dabei ständig wie die Motten ans Licht zu drängen. Leute wie Wolfgang Dietrich oder Wilfried Porth braucht der VfB Stuttgart nicht. Denn diese Leute mitsamt ihrer Spießgesellen haben den VfB dahin gebracht, wo er jetzt ist. Sie haben dem Verein geschadet und sind verantwortlich für Dutzende Millionen verbrannter Euro. Und für den sportlichen Niedergang.

Schade, dass es so kommen musste. Denn bereits vor der Wahl Wolfgang Dietrichs waren dessen nicht vorhandene Integrität und dessen schmutzige Geschäfte bekannt. Es gab Menschen, die vor ihm gewarnt und genau das vorhergesagt haben, was jetzt eingetreten ist. Auch die Mitglieder des VfB Stuttgart müssen sich daher den Vorwurf gefallen lassen, mit verantwortlich zu sein für den Schlamassel. Oder, wie es so schön heißt: Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber.


Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!

5 Kommentare verfügbar

  • josef tura
    am 02.06.2019
    Es war, glaub ich, Karl Kraus, der gesagt hat: "Ab einem gewissen Alter ist der Mensch für sein Gesicht verantwortlich zu machen." Warum mir das jetzt grad beim Anblick des Fotos von diesem Ex-S21-Sprecher und Noch-Präsidenten-Darsteller D. einfällt, kann ich mir auch nicht erklären...räusper...ähem...
  • Hans-Joachim Gebauer
    am 30.05.2019
    Gibt es bei Kontext niemanden, der mit viel Herzblut aber leider noch mehr Schaum vom Mund geschriebene Artikel vor dem Erscheinen gegenliest? "Lügner", "nicht vorhandene Integrität", "schmutzige Geschäfte", geht es auch eine Nummer kleiner? So viel Verachtung und Hass fallen auf den Autor und das Medium selbst zurück.
  • Kornelia
    am 29.05.2019
    Ganz ehrlich: hier hat sich eine mafiöse aufgepropfte Blasenstruktur entwickelt, die dringend abgeschafft gehört!
    (Fußball an sich ist Straßenspiel, das Millionärsgedöns ist gepäppeltes "Ablenkgedöns")
    Und vom Steuerzahler aus gesehen: es wird Zeit, die oberen Ligen komplett von den Subventionierung "frei zu stellen"!

    Meine Frage: was kostet der VfB den Malocher vonner Straße?
    (Steuerabschreibungen, Direkt Zahlungen, indirekt über Produkte, Polizeieinsätze, Infrastrukturbereitstellungen etc pp)
    Die Rechnung würd mich echt mal interessieren!

    Und als Frau kann ich seit Jahrzehnten verwundert fragen: "ach, Jungs, heulen, weil euer gepamperten Bubis nicht gewonnen haben (und dann eure sauer verdienten Kneten einheimsen) aber lästern, wenn wir Frauen heulen, weil Brad im Film nicht seine XY kriegt?
    Unterschiede: auch BradFilmindustrie hat sich eine mafiöse Blase zugelegt und aus dubiösen Quellen angereichert, auch hier nicht selten Sozialhilfe-unterstützt....
    aber die Wahrscheinlichkeit, dass wir Frauen jmd zusammenschlagen, weil jmd Tor verschossen hat, oder jahrelang jammernd trauern.... eher unwahrscheinlich!"
    PS: ich finde Fußball einen tollen Mannschaftsport, habe selber Fußball gespielt, auch Pokale gewonnen, aber Millionärs-unterstützende Hysterie gabs bei uns Mädels nie ;)
    (Vll haben die Mädels gerade deswegen zur gewonnenen WM nur ein Kaffeeservice bekommen, mmh)
  • Werner Buck
    am 29.05.2019
    Sie übersehen, dass es mit dem Stuttgarter Fußball bergauf geht. Waren es vor 3 Jahren an einem Tag 3 Stuttgarter Mannschaften (Kickers und 2 vom VfB) die absteigen mussten, sind es heuer nur noch die 2 VfB-ler, und das an unterschiedlichen Tagen.

    Die 2. Mannschaft des VfB hat durchaus Potential, sich in der Oberliga zu halten, wobei dies von der 1. Mannschaft in der 2. Liga nicht behauptet werden kann. Hier muss man froh sein, wenn diese nicht den Weg des KSC oder FCK geht.

    Ich würde jedenfalls mit den Schönschwätzern, die vom sofortigem Wiederaufstieg faseln, wetten, dass sich der VfB mehrere Jahre nicht mehr im Fußballoberhaus befindet. Herr Porth, Herr Dietrich, halten Sie dagegen?
  • Ernest Petek
    am 29.05.2019
    Habe auch Ärger mit dem Herrn Dietrich; aber er noch mehr mit sich selbst!

    So allerdings die Staatsanwaltschaft in Stuttgart nach wie vor "Häußler-affin" ist, wird dem Herrn Dietrich wohl eine Schonfrist eingeräumt sein:
    Lauter Schweinereien! Geschichten aus dem mediacenter https://deraeltestenrat.wordpress.com/2019/05/02/du-drecksau-du-alte/#comment-634
    Inspiriert von den Memoiren (medacenter) des Obenbleibers Ernest. Eine wahre Geschichte.

    2011.07.27 Mi. Beleidigung durch W. Dietrich.pdf https://c.gmx.net/ernest.petek@gmx.de/V5ktahrqTneMEH2Rp28pFw/369031058512943857


    2013.01.23 Mi. JM an EP Zurückweisung DAB GenStA Pflieger.pdf

Neuen Kommentar schreiben

KONTEXT per E-Mail

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochvormittags unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.JETZT ANMELDEN

Letzte Kommentare:













Ausgabe 453 / Die letzte Schlacht am Flächenbüfett / Alois Cleverle ErwartungsImmobilist im Vollerwerb / vor 2 Tagen 14 Stunden
Das schönste Land ist das Bau-Erwartungsland.



Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!