Rmeich liegt im äußersten Süden des Libanon direkt an der Grenze zu Israel. Dort lebten vor dem Krieg schätzungsweise 7.000 Menschen ständig, etwa genauso viele pendelten am Wochenende aus Beirut her oder leben im Ausland. Die Häuser des Ortes stehen zwischen Weideflächen und Olivenhainen. Seit dem jetzigen Krieg liegt das Dorf zudem zwischen den Ruinen der umliegenden überwiegend schiitischen Dörfer. "Um uns herum ist alles plattgemacht worden mit Sprengstoff und Bulldozern", sagt Makhoul. Die Menschen in Rmeich und den beiden kleineren Nachbardörfern Debel und Ain Ebel leben in einem sicherheitspolitischen Vakuum, nachdem die libanesische Armee die Region Ende März verlassen hat, um eine direkte Konfrontation mit den israelischen Streitkräften zu vermeiden.
Leben hinter Kontrollpunkten
Gerade hat Joseph Makhoul viel zu tun, sagt er am Telefon. Die Weinlese hat begonnen, wobei die Ernte sich halbieren wird. Denn seit der Eskalation des Konflikts im September 2024 darf Makhoul die Hälfte seiner Weinfelder in unmittelbarer Grenznähe in Rmeich nicht mehr betreten. Auch seine Mitarbeiterin, die Kellermeisterin, die die Weinproduktion eigentlich begleiten müsste, kann nur aus der Ferne am Telefon beraten. Sie kommt aus einer weiter nördlichen Region und darf nicht mehr in den Süden fahren. Israel hat hier eine "Sicherheitszone" eingerichtet, hinter einer gelben Linie, die etwa acht Kilometer parallel zur offiziellen libanesisch-israelischen Grenze verläuft. Niemand von außerhalb darf die Region betreten.
Inzwischen hat Israel den Bewohner:innen der drei Dörfer erlaubt, die Region zu verlassen. Dafür müssen sie einen Kontrollpunkt passieren, der bei der mittlerweile weitgehend zerstörten Küstenstadt Naqoura errichtet wurde – dort hat die UN-Friedensmission UNIFIL ihren Sitz. Alle anderen Wege und Brücken sind zerstört worden. Bevor die Einwohner:innen der drei christlichen Dörfer über den Checkpoint die Region verlassen können, müssen sie Fotos des Autos und eine Ausweiskopie über UNIFIL an die israelische Armee übermitteln. Das hat Makhoul vor Kurzem gemacht, um nach Beirut zu fahren. Die rund 100 Kilometer lange Fahrt in die libanesische Hauptstadt, die normalerweise etwa drei Stunden dauert, kann mittlerweile fünf bis sieben Stunden dauern. Die Wege seien sehr beschädigt, man müsse manchmal bis zu zwei Stunden am Kontrollpunkt warten, bis man weiterfahren dürfe, erzählt er.
Über die humanitäre Lage im Dorf will Makhoul nicht klagen. Während des Krieges von März bis Juni war die Versorgung der Dörfer durch christliche Hilfsorganisationen wie der Caritas nur unter Begleitung der UNIFIL und Vermittlungen des Vatikans möglich. Seit dem erklärten Waffenstillstand dürfen wieder Lastwagen mit Nahrungsmitteln in die Region fahren. Für Strom haben die meisten Solaranlagen installiert, auch Ölgeneratoren helfen.
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