Ist schon fein in Rohrbronn, einem 700-Seelen-Dorf im Remstal, dem kleinsten der fünf Teilorte der Gemeinde Remshalden. Wiewohl Rohrbronn nicht unten im Tal liegt, sondern mitten im Berghang, eingebettet in Weinberge und Streuobstwiesen. Von hier aus kann der Blick entspannt schweifen bis ins 30 Kilometer entfernte Stuttgart oder entlang der sanft sich in die Landschaft schmiegenden Höhen des Schurwalds. Im Ortskern mit seinen engen Gässchen kuscheln sich Fachwerk- und andere Häuschen aneinander. Ein schattenspendender Baum mit Bänkchen drumherum dient als friedliche Kulisse für ein Brünnlein. Man nennt Rohrbronn auch den "Sonnenbalkon der schwäbischen Toskana". Und wäre auch das Gasthaus Hirsch im Ortskern noch in Betrieb und säße dort jetzt das Dorfvolk beim Bier und Tratschen, ja, dann würde man denken, man befände sich in einer anderen Zeit.
Doch das Wirtshaus ist seit 2012 geschlossen, berichtet eine Dorfbewohnerin. Der "Hirsch" ist ein Opfer des allgemeinen Wirtshaussterbens in der Provinz. Er war das letzte von einst dreien im Ort. An diesem Freitagabend wirkt der verödete Gasthof recht lebendig. Denn in seinem ehemaligen Biergarten findet derzeit ein bemerkenswertes Theaterprojekt statt, oder wie es die Verantwortlichen nennen: eine "dokumentarische Multimedia-Pop-Performance" – was nach mehr Show klingt, als es dann tatsächlich ist. "Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt: Rohrbronn" heißt der Abend – benannt nach dem gleichnamigen Kirchenlied und einem ähnlichen Projekt der Macher:innen von 2021, in dem Stuttgarter:innen nach ihrem Zusammenleben in der Stadt befragt wurden.
Es geht darin um das Leben in der Dorfgemeinschaft, wer dazugehört und wer nicht, und die Frage, warum hier so viele der Menschen, die eigentlich sehr zufrieden wirken mit ihrem Leben und ihrer Umgebung, eine rechtsextreme Partei wählen. Wie kam man auf Rohrbronn? Weil einer der mitwirkenden Musiker dort lebt.




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