Nein, das sind keine Schauspieler:innen, die da im Theater Rampe in einem verspiegelten, schräg in den Raum gedrehten Glaskubus vor dem Publikum sitzen. Es sind reale Menschen, die ihre echten Probleme offenlegen, wie schon bald auf bestürzende Weise erkennbar wird, als eine Bewerberin in Tränen ausbricht und Juror Ronny, rechts von ihr, nach einem Taschentuch sucht und auch nicht recht weiß, was er machen soll.
Werbung im Stadtviertel für die Aktion "Stop being Poor".
Julian Hetzel, der mit seinem Studio Hetzel in Utrecht ungewöhnliche Theaterprojekte entwickelt, hat Stuttgarter:innen eingeladen, sich um ein Jahr bedingungsloses Grundeinkommen zu bewerben. Titel: Stop being poor (Hört auf, arm zu sein). Die Juroren – ausschließlich Männer – sind Wohnsitzlose. Immer einer führt das Gespräch, zwei sitzen im Publikum auf Hochsitzen und hören zu, einer hat Pause. 48 Bewerbungsgespräche haben schon stattgefunden, weitere 36 folgen vom heutigen Mittwoch bis Freitag. Jeden Tag wird ein:e Tagessieger:in gekürt. Eine:r von ihnen erhält am Sonntag den Preis: 15.000 Euro, ausgezahlt in zwölf Monatsraten à 1.250 Euro.
Es ist verunsichernd. Was mache ich hier? Anderen Menschen zusehen, wie sie sich, zweifellos aus einer echten inneren Not heraus, nicht mehr halten können und zu heulen anfangen? Oder – gleich in der nächsten Runde – einer Frau zuhören, die eine Krankheit hat, Angst vor der OP, Angst, nach und nach ihren klaren Verstand zu verlieren, weil sie weiß, sie wird die Demenz nur herauszögern, nicht aber verhindern können? "Du schaffst das schon", redet ihr Thommi, der Juror, gut zu, um ihr ein bisschen Mut zu machen.




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