Der Zug saust mit hoher Geschwindigkeit in den Bahnhof, bremst schnell, aber sanft ab, die Fahrgäste warten aufgereiht an fest markierten Punkten, die Türen gehen exakt an diesen Punkten auf. Fahrgäste steigen schnell aus, die Wartenden ebenso schnell ein, die Türen schließen sich, Sekunden später fährt der Zug ab. Wenn die letzten Wagen den Bahnsteig verlassen, ist der Zug schon mehr als 100 Kilometer pro Stunde schnell. Keine zwei Minuten dauert das Ganze.
Das beschleunigt den Fahrgastwechsel: Die Menschen stehen exakt an der Stelle, an der die Tür zum Halten kommt.
Wo hat sich das zugetragen? Sicherlich nicht am Stuttgarter Hauptbahnhof, auch an keinem anderen Bahnhof in Deutschland. Die Szene spielt sich alle paar Minuten auf jedem größeren Bahnhof in Japan ab.
Wer den Bahnbetrieb in Japan erlebt hat, wie der Autor auf einigen Drehreisen für Arte und den SWR, reibt sich die Augen – wie kann das sein, dass alles wie am Schnürchen funktioniert? In Japan gilt eine Verspätungstoleranz von rund 30 Sekunden. Schon bei kürzesten Verspätungen gibt es Durchsagen, nach fünf Minuten Verspätung werden über Lautsprecher Entschuldigungen ausgesprochen. Bei der Deutschen Bahn gilt ein Zug mit fünf Minuten Verspätung noch als pünktlich.
Wie schaffen es die Japaner:innen, dass bei ihnen alles klappt, was in Deutschland große Probleme bereitet? Man könnte ganz einfach sagen: Weil die Japaner:innen eine funktionierende Bahn wollen.




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