Eingesperrt in einen engen Käfig, nicht in der Lage, sich umzudrehen – schwanger. Immer wieder zwangsbesamt, zur Gebärmaschine degradiert. Gezwungen, auf hartem Betonboden und in den eigenen Exkrementen zu liegen. Was klingt wie aus einem Horrorfilm, ist Realität für rund 1,4 Millionen Zuchtsauen in Deutschland. Im Durchschnitt befinden sie sich mehr als fünfeinhalb Monate im Jahr in sogenannten Kastenständen.
Das geht in jeder Hinsicht gegen die Natur der Schweine. Sie sind soziale und reinliche Tiere, für ihre Ferkel würden sie eigentlich ein Nest bauen. "Aber sie können solche Bedürfnisse nicht ausleben in einer Industrie, die Sauen aufgrund ihres Nutzens hält. Es geht nur um Profit – die ökonomischen Interessen stehen immer über den Bedürfnissen der Tiere", kritisiert Elena Suck. Um auf die Situation der Schweine aufmerksam zu machen, entschloss die 24-Jährige sich zu einem drastischen Schritt: Am vergangenen Wochenende ließ sie sich selbst in einen Kastenstand sperren – öffentlich, mitten auf dem Tübinger Holzmarkt, 24 Stunden lang.
Lange Übergangsfristen
Organisiert haben die Aktion die Vegane Hochschulgruppe Tübingen und der Verein Act for Animals, der seit 2011 Aufklärungsarbeit für die Sache der Tiere betreibt. Die Forderung: Kastenstände sollen sofort abgeschafft werden. Durch eine Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung wurde die Kastenstandhaltung 2021 in "Deckzentren" grundsätzlich beendet. Im "Abferkelbereich", in dem die Sauen ihre Ferkel zur Welt bringen, dürfen sie nur noch maximal fünf Tage in "Ferkelschutzkörben" gehalten werden. Doch die Übergangsfristen für die Verordnung sind lang: Die Industrie muss die neuen Vorgaben erst ab 2029 beziehungsweise 2036 umsetzen. Bei einem "digitalen Schweinegipfel" mit Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) forderten Branchenverbände am 12. August sogar längere Übergangsfristen, außerdem finanzielle Soforthilfen – die wirtschaftliche Situation der deutschen Schweinebetriebe sei "existenzbedrohend".
"Das zeigt doch: Diese Industrie ist nicht zukunftsfähig", kommentiert Suck. Sie wünscht sich, dass diejenigen, die am Gipfel teilgenommen haben, sich einmal selbst in einen Kastenstand sperren ließen. Dann könnten sie am eigenen Leib erfahren, "wie lächerlich dieses Feilschen um verlängerte Übergangsfristen angesichts des Leids der Muttersauen ist". Schließlich gehe es hier "um fühlende Individuen, für die jeder Tag die Hölle ist". Die Aktivistin sieht dahinter ein grundlegendes Systemproblem. Dieses könne nicht durch Reformen gelöst werden: "Hier reicht kein kleines Pflaster. Die Nutztierhaltung muss abgeschafft werden." Alles über die Branche oder die Arbeit einzelner Schweinezuchtbetriebe wisse sie nicht. Aber eine Erfahrung habe sie jetzt gesammelt, die "diejenigen Leute, die Teil dieses Ausbeutungssystems sind", fehlt: "Ich weiß, wie es sich anfühlt, in einem Kastenstand eingesperrt zu sein. Es ist schrecklich!"
"Wer nicht leistet, wird entsorgt"
Der Kastenstand sei ein konkretes Beispiel, das das Problem greifbarer mache, sagt Suck. Jedoch sei er nur eine von vielen grausamen Ausformungen des tierindustriellen Komplexes. Der Protest soll Aufmerksamkeit erregen und Zweifel an diesem System säen – vielleicht könne er manche Menschen dazu bringen, dessen "Sinnhaftigkeit" grundsätzlich zu hinterfragen. "Letztendlich mache ich es für alle Tiere, die irgendwo in einem Käfig hocken oder durch Gitterstäbe blicken müssen." Und noch etwas anderes liegt ihr am Herzen: "Ich mache es für alle weiblichen Wesen, weil ich es einfach nur schrecklich finde, dass weibliche Körper zwangsbefruchtet und als Gebärmaschine missbraucht werden."
Für die Veganerin ist die Ausbeutung von Tieren eng mit der kapitalistischen Verwertungslogik verbunden: "Das Schlimme ist, dass in der Tierindustrie der Wert der Tiere nur davon abhängt, wie sie genutzt werden können, von ihrer Leistung – wer nicht leistet, wird entsorgt." Eine Kuh, die nicht mehr genügend Milch gebe, werde getötet. Eine Sau, die nach mehreren Würfen nicht mehr trächtig werde, ebenfalls. Auch schwach geborene Ferkel würden häufig "notgetötet", weil sich der Aufwand wirtschaftlich nicht lohne. "Dieser Ferkelverlust ist ganz normal in der Schweinezucht."




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