Der im Juni 2026 gegründete baden-württembergische Landesverband der AfD-Nachwuchstruppe "Generation Deutschland" (GD BW) wird vom Inlandsgeheimdienst im gleichen Status wie die Mutterpartei als rechtsextremer Verdachtsfall bearbeitet. Eine Vernetzung zwischen GD und IB finde trotz der Tatsache statt, dass die IB auf der "Unvereinbarkeitsliste" der AfD zu finden sei. So nahmen mehrere Personen mit Bezügen zur IB am GD-Gründungskongress in Baden-Württemberg teil.
Als besonders beunruhigend wertet die Landesregierung eine "zunehmende Attraktivität" des Rechtsextremismus für junge Menschen. Demnach wuchs der Anteil der unter 30-Jährigen an der Gesamtzahl aller Rechtsextremisten von 2023 bis 2025 um fünf Prozentpunkte an. Etwa vierhundert Personen in der rechtsextremen Szene seien zwischen 14 und 24 Jahren alt, etwa vierzig davon minderjährig. Dem Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) liegen insbesondere Erkenntnisse über ein "signifikantes Personenpotenzial" aus der Ukraine stammender rechtsextremer Jugendlicher vor. Dieser Personenkreis weise häufig eine überregionale Vernetzung auf und bilde zum Teil gruppenartige Strukturen aus, die zu ihm gehörenden Jugendlichen seien "enorm gewalttätig", fallen durch klassische neonazistische Parolen sowie eine extrem ausgeprägte Homophobie auf. Dabei sei eine Vernetzung in die einheimische rechtsextreme Szene sowie zu Rechtsextremisten anderer migrantischer Gruppen erkennbar.
Laut der Landesregierung gehören Straf- und Gewalttaten zum "potenziellen Aktionsrepertoire" junger Rechtsextremisten. Die Gewaltausübung könne sich gegen die in der Szene vorherrschenden Feindbilder wie Menschen mit Migrationshintergrund und queere Personen richten. Auf ein generelles Gewaltpotenzial weisen unter anderem die unter rechtsextremen Jugendgruppierungen weitverbreiteten Kampfsporttrainings hin.
Für das Jahr 2025 sind den Behörden sieben aktive rechtsextreme Musikbands bekannt, die in Baden-Württemberg ansässig sind: Aufbruch Mannheim (Raum Mannheim), Hard&Smart (Hohenlohekreis), Kommando Skin (Großraum Stuttgart), Naked but Armed (Großraum Stuttgart), Scharmützel (Hohenlohekreis), Smart Violence (Raum Ravensburg) und Noie Werte (Rems-Murr-Kreis/Reutlingen). Die Lieder "Kraft für Deutschland" und "Am Puls der Zeit" der letzteren Band waren auf einem Bekennervideo der Rechtsterroristen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) zu hören.
Rechtsextremen Konzerten ordnet der Inlandsgeheimdienst für die Teilnehmenden aufgrund des Gemeinschafts- und Zugehörigkeitsgefühls eine "besondere Bedeutung" zu. Namentlich wird der rechtsextreme Liedermacher Frank Rennicke erwähnt. Das einstige Mitglied der neonazistischen "Wiking Jugend" (Gau Schwaben) spielte im November 2025 bei einem durch die neonazistische Partei Die Heimat (zuvor NPD) beworbenen Liederabend in Herrenberg (Landkreis Böblingen) auf.
Nach Mitteilung der Waffenbehörden waren zum Stichtag 31. Dezember 2025 119 Personen, die dem Phänomenbereich Rechtsextremismus, und 46 Personen, die den Reichsbürgern und Selbstverwaltern zugerechnet werden, im Besitz einer waffenrechtlichen Erlaubnis. Davon verfügen wiederum 84 Personen ausschließlich über einen Kleinen Waffenschein, der zum Führen von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen berechtigt.
Auf die Frage, wie sich das Gesamtstraftatenaufkommen im Phänomenbereich Rechtsextremismus ("PMK -rechts-") in Baden-Württemberg in den letzten Jahren entwickelt habe, nannte die Landesregierung 2.706 Straftaten im Jahr 2025 (2021: 1.524). Der Schwerpunkt liege dabei im Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen mit 1.523 Fällen (2021: 862). Bei den Fallzahlen der politisch motivierten Gewaltkriminalität von rechts wird im Vergleich mit dem Vorjahr ein signifikanter Anstieg um 48 Straftaten auf 104 Fälle (gefährliche Körperverletzung 22, Körperverletzung 69) verzeichnet. Bei diesen dominieren ausländerfeindliche beziehungsweise rassistische Motive. Weitere Zuwächse ergeben sich im Themenkomplex der Konfrontation mit politischen Gegnern, insbesondere im Bereich "gegen links".
"Wertvolle Arbeit" bei der Erforschung, Dokumentation und dem Monitoring des rechtsextremen Geschehens und seiner Strukturen leisten laut Landesregierung Einrichtungen wie die Dokumentationsstelle Rechtsextremismus am Generallandesarchiv Karlsruhe (DokRex) und das Institut für Rechtsextremismusforschung an der Universität Tübingen (IRex). Für beide Einrichtungen stehen strukturelle Landesmittel im Haushalt zur Verfügung, heißt es in der Antwort der Regierung.
Nazis gedenken Hitlers Stellvertreter
Eine der letzten Zusammenkünfte von Personen aus dem Umfeld der NS-Erlebnisgeneration und in der Bundesrepublik geborenen Neonazis fand unter konspirativen Umständen am 15. August im Südwesten statt: ein "Gemeinschaftstreffen" mit "Gedenkveranstaltung" an den Todestag von Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß, der sich zum 39. Mal jährte. Geladen hatte laut Eigenbericht der "Freundeskreis" der Telegram-Gruppe "Stimme der Wahrheit", der genaue Ort wurde nicht angegeben.
Redner waren laut dem Bericht die einschlägigen Szenegrößen Sylvia Stolz, Christian Worch und Thomas Steiner Wulff. Die wegen Volksverhetzung vorbestrafte ehemalige Rechtsanwältin Stolz war einst persönliche und politische Weggefährtin des Hitler-Verehrers und Holocaust-Leugners Horst Mahler. Worch und Wulff zählen zu den Veteranen der bundesdeutschen Neonazi-Szene, beide sind seit Jahrzehnten aktiv.
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