Auf dem Papier existiert in der AfD eine Unvereinbarkeitsliste. Darauf steht die bundesweit vom Verfassungsschutz beobachtete IB. Heißt: Wer dort Mitglied war, dürfe nicht in die AfD eintreten. Doch es gibt eine Reihe von Ausnahmen. So beschäftigt der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt mit Dorian S. einen rechtsextremen Aktivisten mit langer Vorgeschichte – nicht nur bei der IB, auch bei neonazistischen Zusammenhängen.
Die politische Vorgeschichte des AfD-Mitarbeiters reicht bis in seine frühe Jugend zurück. S., Jahrgang 1990 und geboren in Grenzach-Whylen bei Lörrach, tummelte sich in den Reihen des im Juni 2009 in Lörrach, nahe der Schweizer Grenze, gegründeten Stützpunkts der NPD-Jugendorganisation "Junge Nationaldemokraten" (JN) ebenso wie bei der "Aktionsgruppe Lörrach", auch bekannt als "Freie Kräfte Lörrach / Nationaler Widerstand". In den Folgejahren war S. mehrfach bei neonazistischen Demonstrationen zugegen.
In diesen südbadischen Zusammenhängen bewegte sich zeitgleich auch der Neonazi Thomas B.. Dieser wurde im April 2012 vom Amtsgericht Lörrach wegen unerlaubten Waffenbesitzes und Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. B. hatte 2009 22 Kilogramm chemische Substanzen, Zünder, Rohrmantel, Waffen und mehr für einen Anschlag gehortet. Dies war nach Angaben der Polizei die größte derartige Menge an Bombengrundstoff, die je bei einem Neonazi gefunden wurde. Im Visier von B. stand das autonome Freiburger Zentrum KTS.
2013 verließ S. Baden-Württemberg und zog nach Sachsen-Anhalt. In Halle zählte er zur IB-Gruppe "Kontrakultur", die dort zeitweilig ein Hausprojekt der Szene ("patriotisches Zentrum") direkt gegenüber dem Steintorcampus der Martin-Luther-Universität nutzte und bewohnte. In einem Interview gab S. kund, man wolle gezielt bei Studenten für rechte Ideen werben: "Bis jetzt war die Universität immer ein linkes Milieu. Unser Anspruch ist es, an der Universität wieder mehr Meinungspluralismus reinzubringen. (…) Und deswegen ist das in Campus-Nähe für uns ideal."
Im Gespräch mit der antisemitischen Zeitschrift "Compact"– Chefredakteur ist der im baden-württembergischen Pforzheim geborene Jürgen Elsässer – erzählte S. 2018 von dem "Sinneswandel", den er durchgemacht habe: "Weg von der NPD, nicht nur strategisch, sondern auch politisch." Früher habe man, so S., "nach Aktionen auf Bildern oft die Gesichter der Beteiligten verpixelt, heute kämpfe man mit offenem Visier: "Wir wollen zeigen, dass es normal ist rechts zu sein", meint er.
Die Basisdemokratische Partei Baden-Württemberg fordert "Freiheit für Johanna Findeisen"
Der Landesvorstand der Basisdemokratischen Partei Baden-Württemberg beklagt in einem öffentlichen Brief an die Mitglieder die "Unzumutbarkeit und die Unverhältnismäßigkeit der Haftbedingungen und der Haft" ihrer ehemaligen Bundestagskandidatin Johanna Findeisen. Gefordert wird deren Freilassung. Die mutmaßliche Reichsbürgerin vom Bodensee sitzt seit Mai 2023 in Untersuchungshaft.
Die während der Pandemie aus Protest gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen im Juli 2020 in Hessen gegründete Basisdemokratische Partei (Kurzbezeichnung "die Basis") ist eine Kleinpartei, die vor allem im "Querdenken"-, Impfgegner- und verschwörungsideologischen Spektrum verortet ist. Im September 2020, zwölf Wochen nach der Gründung der Bundespartei, wurde in Balingen der baden-württembergische Landesverband ins Leben gerufen. Bei der Landtagswahl im vergangenen März erhielt die Partei 0,3 Prozent der Zweitstimmen.
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