Die Priesterbruderschaft wurde 1970 vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet und betrachtet sich als Gegenbewegung zu den Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965). Dieses sollte die Kirchenliturgie zeitgemäßer machen. Das moderne Kirchenverständnis, wonach die katholische Kirche eine "Gemeinschaft der Gläubigen" von Priestern und Laien ist, lehnt die Piusbruderschaft ab. Die Piusbrüder wetterten gegen die "Seuche des lehrmäßigen Pluralismus" und behaupteten, die katholische Kirche sei seit dem Reformkonzil von einem satanischen Geist infiltriert, so Jan-Heiner Tück, Professor für Dogmatik in Wien, jüngst in einem Interview mit der "Zeit". Die Piusbrüder sehen sich laut Tück als Hüter der wahren Tradition, nennen Juden noch immer Gottesmörder und verbreiten "antiökumenisches, antijüdisches und antidemokratisches Gedankengut".
Im Juni veröffentlichte die Piusbruderschaft ein eigenes Glaubensbekenntnis "zur Erleuchtung der Seelen angesichts der modernen Irrtümer", aus dem die theologischen Differenzen mit dem römischen Lehramt deutlich werden. Darin werden Liberalismus und Modernismus als "Irrlehren" verdammt: Diese "verderben die Sitten, schwächen den missionarischen Geist und zersetzen die christliche Gesellschaftsordnung".
Die Piusbruderschaft in Deutschland hat maßgeblich der gebürtige Schwabe Pater Franz Schmidberger mit aufgebaut. Er stand als Generaloberer an der Spitze der Vereinigung. Davor und danach war er als Distriktoberer verantwortlich für die Bruderschaft in der Bundesrepublik. In einem Interview beklagte Schmidberger 2025, dass die katholische Kirche zu einem "linksliberalen sozialen Verein" verkommen sei. Positive Worte fand er dagegen für die AfD: "Soweit ich das beurteilen kann, vertritt die AfD zum Beispiel in der Familienpolitik gesunde natürliche Prinzipien. In diesem Bereich zähle ich die AfD zum Teil des Christentums."
Schmidberger ist dem Gedankengut des Antijudaismus in Form der "jüdischen Ursünde" ergeben. 1998 führte er in einem Vortrag aus: "Mit dem Kreuzestod Christi ist der Vorhang des Tempels zerrissen, der Alte Bund abgeschafft, wird die Kirche, die alle Völker, Kulturen, Rassen und sozialen Unterschiede umfasst, aus der durchbohrten Seite des Erlösers geboren. Damit sind aber die Juden unserer Tage nicht nur nicht unsere älteren Brüder im Glauben, wie der Papst bei seinem Synagogenbesuch in Rom 1986 behauptete; sie sind vielmehr des Gottesmordes mitschuldig, so lange sie sich nicht durch das Bekenntnis der Gottheit Christi und die Taufe von der Schuld ihrer Vorväter distanzieren."
Die antijüdischen Positionen von Piusbrüdern sorgten immer wieder für Aufregung. So verursachte 2009 der von Marcel Lefebvre zum Bischof geweihte Brite Richard Williamson einen der größten Skandale im Pontifikat des deutschen Papstes Benedikt XVI.: Im Priesterseminar in Zaitzkofen bestritt er in einem Interview für das schwedische Fernsehen die Existenz von Gaskammern und die millionenfache Tötung von Juden durch die Nazis. Und 2013 sorgte der italienische Zweig der Piusbruderschaft weltweit für Schlagzeilen, als er eine seiner Kapellen für eine Trauerfeier für den NS-Massenmörder und vormaligen SS-Hauptsturmführer Erich Priebke zur Verfügung stellte. Priebke war 1944 an der Ermordung von 335 italienischen Zivilisten, darunter 75 Juden, in den Ardeatinischen Höhlen bei Rom beteiligt. Es war eines der schwersten NS-Massaker während des Zweiten Weltkriegs in Italien.
Baden-Württemberg/bundesweit: FPÖ als Vorbild für AfD im Kampf für "Remigration"
Aus Österreich bekam die AfD kürzlich einige Ratschläge: Die AfD-Bundesspitze täte "gut daran", von der FPÖ "zu lernen, wie man der 'Teile und herrsche'-Strategie des politischen Gegners entkommen" könne, ist in der aktuellen Ausgabe von "Info-Direkt" (Untertitel: "Das Magazin für Patrioten") zu lesen, das laut Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) als "wichtigstes genuin rechtsextremes Printmedium in Österreich" gilt.
Tatsächlich hat die Partei seit Jahren enge Kontakte zur FPÖ und will von ihr lernen. In Europa ist keine Partei besser mit der AfD zu vergleichen als die österreichische FPÖ. Der Austausch ist intensiv, AfDler haben ihren FPÖ-Kameraden bei Wahlkämpfen zugesehen und ihre Methoden studiert. Vieles, was die AfD-Politik ausmacht, ihre Strategie, ihre Taktik, erinnert stark an die FPÖ. Auch ideologisch stehen sich die beiden Parteien in vielen Fragen nahe. Im Gegensatz zur AfD hat die FPÖ allerdings in Österreich auf Staats- und Landesebene bereits regiert. Aktuell ist sie an fünf Landesregierungen beteiligt, in der Steiermark stellt sie auch den Landeshauptmann (= Ministerpräsident).
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