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Rechtsextreme Umtriebe

Traditionspflege mit Terror-Idolen

Rechtsextreme Umtriebe: Traditionspflege mit Terror-Idolen
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Mit dem "Heidelberger Manifest" machten deutsche Professoren Rassismus vor 45 Jahren wieder gesellschaftsfähig. Außerdem gedachten Neonazis vom Dritten Weg vor Kurzem des Rechtsterroristen Albert Leo Schlageter.

Baden-Württemberg: Vor 45 Jahren verabschiedeten deutsche Professoren das völkisch-rassistische "Heidelberger Manifest"

Die rechtsextreme Monatszeitschrift "Zuerst!", die an Bahnhofsbuchhandlungen in Baden-Württemberg erhältlich ist, erinnert in ihrer Juni-Ausgabe an das "Heidelberger Manifest vom 17. Juni 1981". In dem Beitrag "Verhallter Weckruf" heißt es, dass der Geburtenmangel zur "wirklich existentiellen Bedrohung eines Volkes" werde, wenn er mit einer "kulturfremden Massenzuwanderung" zusammenfalle. Und diese vermeintliche "Überfremdung Deutschlands" hätten vor 45 Jahren Professoren vorhergesehen und deshalb das "Heidelberger Manifest vom 17. Juni 1981" verfasst.

Die Themenreihe "kurz und rechts" des Rechtsextremismus-Experten Anton Maegerle beleuchtet seit Ausgabe 793 alle zwei Wochen rechtsextreme Entwicklungen in Baden-Württemberg – und manchmal auch darüber hinaus.  (red)

Das "Heidelberger Manifest" war ein politischer Tabubruch. 15 Unterzeichner, unter ihnen Professoren unterschiedlicher akademischer Disziplinen an renommierten Universitäten, entwarfen ein Bedrohungsszenario der ethnischen "Unterwanderung des deutschen Volkes". Der rassistische Akt erinnerte an das "Bekenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler" und dem Versprechen einer "volksgebundenen Wissenschaftspflege". Die pseudowissenschaftliche biologistische Argumentation weckte deshalb Assoziationen mit dem nationalsozialistischen Rassismus und legte offen, dass weite Teile der bundesdeutschen Gesellschaft Rassismus zu Beginn der 1980er-Jahre verinnerlicht hatten. Erstmals seit der militärischen Befreiung vom Nationalsozialismus erhielten Rassismus und Fremdenfeindlichkeit öffentlich eine Legitimation durch (ausschließlich männliche) Wissenschaftler.

Zuerst von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt, veröffentlichten rechtsextreme Zeitschriften wie "Deutschland in Geschichte und Gegenwart" (DGG) aus dem Hause des Tübinger Grabert Verlags das Manifest. 1982 wurde es breit in der Öffentlichkeit bekannt. Nach Protesten einigte sich der Unterzeichnerkreis auf eine sprachlich entschärfte zweite Version. Zu den Unterzeichnern der ersten Fassung des "Heidelberger Manifest" gehörten auch Theodor Oberländer und Werner Haverbeck. Oberländer nahm 1923 am Hitlerputsch in München teil. Haverbeck war ab 1933 Leiter des "Reichsbundes für Volkstum und Heimat".

Im Laufe der Jahre sollte sich zeigen, dass das "Heidelberger Manifest" für die weitere Entwicklung extrem rechter Diskurse zur Zuwanderung wegweisend gewesen ist. So tauchte 1982 eine Reihe von Pamphleten auf, die sich gegen Ausländer – vor allem Türken – richteten. Es gab Drohschreiben einer "Gruppe zur Endlösung des Ausländerproblems" und eines "Ausländer-Vernichtungs-Kommandos Deutschland" sowie Flugblätter einer "Anti-türkischen Terror-Organisation (ATTO)''. Von Unbekannten wurde in Bonn eine lebensgroße Puppe am Geländer einer Eisenbahnüberführung aufgehängt. Sie trug um den Hals ein Schild mit dem Text "Ich bin (war) ein dummes Türkenschwein".

In den 1980er-Jahren gelang rechtsextremen Vereinigungen in mehreren Bundesländern die erfolgreiche Teilnahme an Kommunalwahlen, etwa diversen "Bürgerinitiativen Ausländerstopp" oder der "Kieler Liste für Ausländerbegrenzung" (KLA). Auch die NPD und die Republikaner waren in der Umsetzung der xenophoben Grundstimmung in Wahlerfolge erfolgreich. 1993 wurde der Begriff "Überfremdung" zum Unwort des Jahres gewählt.

Baden-Württemberg/bundesweit: Der Dritte Weg gedenkt des Rechtsterroristen Albert Leo Schlageter

Albert Leo Schlageter war ein ehemaliger Freikorpskämpfer und Rechtsterrorist in der Weimarer Republik. In rechtsextremen Kreisen wird er bis heute als erster Soldat des "Dritten Reichs" und als Märtyrer verehrt. Seine Grabstelle im Südschwarzwald wird gebetsmühlenartig zu dessen Todes- oder Geburtstag besucht.

Die Neonazi-Kleinstpartei "Der Dritte Weg" beging am 30. Mai im Schwarzwald eine Gedenkwanderung anlässlich des 103. Todestages von Schlageter, der sich am 26. Mai 2026 jährte. Selbsternannte Nationalrevolutionäre des "Stützpunkts Bodensee/Südbaden" versammelten sich am Kriegerdenkmal in Todtnau (Kreis Lörrach), das den Ausgangspunkt einer Wanderung bildete. Hier eröffnete ein erster Vortrag über das Leben und Wirken Schlageters eine Reihe von Kurzreferaten, die im Laufe der Wanderung bis ins rund sieben Kilometer entfernte Schönau, Geburtsort und letzte Ruhestätte Schlageters gehalten wurde.

Vor Ort wurde mit dem Soldatenlied "Ich hatt' einen Kameraden" des Verstorbenen gedacht, bevor das Gedicht "Schlageter" von Wilfrid Bade, einem Angehörigen des Goebbelschen Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda, vorgetragen wurde.

Mit einem Gelöbnis fand die "Gedenkzeremonie" ihr Ende. "Niemals werden wir die Opferbereitschaft und den Heldenmut Schlageters vergessen, welche uns Nationalrevolutionären ein leuchtendes Vorbild sind, dem es nachzueifern gilt. So wie er alles für Deutschland gab, wollen auch wir Nationalrevolutionäre all unsere Kraft für unser deutsches Vaterland geben", so die Aktivisten des Dritten Weges.

Der Rechtsterrorist wurde am 7. April 1923 in Essen verhaftet und am 9. Mai von einem französischen Militärgericht in Düsseldorf "wegen Spionage und Sabotage" zum Tod verurteilt. Am 26. Mai 1923 wurde Schlageter auf der Golzheimer Heide bei Düsseldorf erschossen. In seinem Geburtsort Schönau im Schwarzwald fand er seine letzte Ruhestätte.

Die Beerdigung von Schlageter "wurde zu einer riesigen Manifestation des Patriotismus", ist im rechtsextremen "Compact"-Themenheft "1923–2023" zu lesen. Schlageter "sollte jedem geschichtsbewussten Nationalisten bekannt sein", propagiert auch die neonazistische Postille "NS Heute".

Am 12. und 13. Juni 2025 versammelte sich die Deutsche Burschenschaft unter dem Vorsitz der Freiburger Burschenschaft Saxo-Silesia in Seebach bei Eisenach zum Burschentag. Ein Verbandsbruder verwies auf Gestalten wie Schlageter, Mitglied der "Katholischen Deutschen Studentenverbindung Falkenstein zu Freiburg", für die der christliche Glaube "kein Hindernis, sondern Antrieb" gewesen sei.

Der Autor

Der Journalist Anton Maegerle recherchiert, sammelt und veröffentlicht seit mehr als 40 Jahren Informationen zum Thema Rechtsextremismus. Er ist einer der profundesten Kenner der Szene und hat ein riesiges Archiv. Teile davon hat Maegerle dem Generallandesarchiv Karlsruhe zur Verfügung gestellt. Sie sind Nukleus der Dokumentationsstelle Rechtsextremismus, die das Land Baden-Württemberg im Jahr 2020 dort eingerichtet hat.  (ana)

Im Sommer 2025 verbreitete der AfD-Bundestagsabgeordnete Christopher Drößler in den sozialen Medien einen Beitrag, in dem Schlageter als "Soldat im Kampf um Deutschland" verherrlicht wurde. Schlageter habe nach dem Ersten Weltkrieg "nicht alles verloren geben wollen", er sei ein "Idealist" und "Freiheitskämpfer" gewesen, heißt es in dem Posting weiter. Der Thüringer Bundestagsabgeordnete Drößler teilte das Video kommentarlos auf X und Telegram.

Weitgehend vergessen ist in Baden-Württemberg, dass 1982 Geschäftsleitungen mehrerer Firmen im Großraum Stuttgart mit den Aktivitäten einer "Aktionsgruppe Albert Leo Schlageter" konfrontiert waren. Sie erhielten Droh- und Erpresserbriefe, in denen mal 50.000, mal 80.000 oder auch 100.000 DM gefordert wurden. Kategorisch gefordert wurde die Entlassung ausländischer Mitarbeiter. In Drohschreiben an Brauereien hieß es: "Ausländische Wirte raus!", in den Briefen an Baufirmen: "Ausländische Arbeiter raus!" Für den Weigerungsfall wurden Anschläge auf diese Firmen angedroht.

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