Eine gute Nachricht vorweg: Die vier vereinseigenen Stuttgarter Bäder gelten vorerst als gerettet. Nach Protesten will die lokale CDU auf das umstrittene Stuttgart-Sign verzichten und einen Teil des dafür vorgesehenen Geldes in die Bäder des ASV Botnang, MTV Stuttgart, SSV Zuffenhausen und SV Cannstatt umleiten. Der Gemeinderat muss noch zustimmen. Für 2027 dürfte damit genug Geld zusammenkommen, danach ist die Finanzierung wieder offen.
Der öffentliche Druck hat also gewirkt. Nur werden die Vereinsbäder vor einer Gefahr gerettet, die der Sparhaushalt selbst geschaffen hat. Erst stagnieren die Zuschüsse, dann werden Schließungen nicht ausgeschlossen, schließlich erscheint der Verzicht auf eine fragwürdige Marketing-Maßnahme als Rettung. Danach beginnt die Auseinandersetzung von vorn. Dabei sind die Vereinsbäder keine bloßen Zusatzangebote, sondern Teil der öffentlichen Infrastruktur. Sie schaffen wohnortnahe Möglichkeiten für Erholung, Abkühlung, Schwimmkurse, Schul- und Vereinssport und entlasten damit die kommunalen Bäder.
Die Lage der Bäder in Stuttgart stellt ein Brennglas der kommunalen Krise dar. Die Sommer werden heißer, während erreichbare Wasserflächen knapper werden. Die Verknappung beginnt nicht erst mit einer Schließung, sondern mit kürzeren Öffnungszeiten, ausgesetzten Sanierungen, fehlendem Personal und eingeschränktem Zugang sowie unsicherer Finanzierung. In kleineren und infrastrukturschwachen Regionen brechen mit einer Schließung oft Schwimmkurse, Vereinstraining und wohnortnahe Abkühlung für eine ganze Region weg. In einer Großstadt wie Stuttgart zeigt sich der Mangel anders: Es gibt mehrere Bäder, doch der Zugang wird zerstückelt, da sie phasenweise nur für Schulen und Vereine zur Verfügung stehen. Für Kinder, ältere Menschen und Haushalte ohne Auto ist ein entferntes oder für die Öffentlichkeit geschlossenes Bad keine Alternative.
Konkurrenz um politisch verknappte Angebote
In Stuttgart wirbt der städtische Bäderbetrieb mit 16 Mineral-, Hallen- und Freibädern. Entscheidend ist aber nicht ihre Zahl, sondern ob sie geöffnet, bezahlbar und erreichbar sind. Seit mehreren Jahren schließen die Hallenbäder während der Freibadsaison für den öffentlichen Badebetrieb. Seit dem Doppelhaushalt 2026/2027 ist dies ausdrücklich Teil der Sparpolitik. Schulen, Vereine und Kurse nutzen einzelne Wasserzeiten weiter. Das ist notwendig. Zum Problem wird es, wenn öffentliches Baden, Schulschwimmen und Vereinssport um politisch verknappte Angebote konkurrieren müssen.




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