So ein Förderkorb ist kein Hotellift, mit dem man sanft von Geschoss zu Geschoss schwebt. Dieser Metallkäfig hier ist selbst ein Geschoss. Im Höllentempo rast er in den Abgrund, rüttelt und schüttelt, schrammt gegen die Schachtwand – eine Mischung aus freiem Fall, Hobel und Highway to Hell.
Die Hölle, 30 Sekunden und 180 Meter tiefer, ist wohltemperiert: Angenehme 18 Grad bieten Zuflucht vor jeder Hitzewelle. Dafür sorgt die Bewetterung, wie die Bergleute sagen, die Belüftung und Klimatisierung der Grube. Seit die Bewetterung über Tage ebenso menschengemacht ist wie die unter Tage, bietet das Bergwerk eine willkommene Gegenwelt zur klimakatastrophischen Außenwelt. Wer weiß, vielleicht verkriechen sich künftig noch ganz andere Besuchermassen als heute in den Gängen und Klüften des Salzbergwerks Bad Friedrichshall-Kochendorf: wenn draußen 40 Grad Dauerhitze glühen und wegen der zahllosen Klimaanlagen mal wieder der Strom ausgefallen ist. So viel Dystopie muss sein, wenn man zur Hölle fährt.
Hölle? Aber, aber. Ein Ausflug ins Besucherbergwerk ist interessant, informativ, ein bisschen abenteuerlich und sehr lustig mit der finalen 42-Meter-Rutsche. Bei Nutzung ohne Matte ist die Klimakatastrophe allerdings am Arsch: Die Reibung erzeugt einen höllenheißen Hintern.
Nur das Salz blieb zurück
Einen Sonnenstrahl indes hat die Unterwelt im Salzstock seit zarten 200 Millionen Jahren nicht mehr gesehen. In jenen urschwäbischen Zeiten sah es hier eher unschwäbisch aus: Über einem flachen Binnenmeer sticht eine heiße Sonne, ums sumpfige Gewässer kreuchte und fleuchte die Ur-Fauna, darunter allerlei Saurier (im Bergwerk erfreuen Nachbildungen nostalgische Dino-Fans). Durch schmale Verbindungen mit dem Weltozean floss Salzwasser ins flache Binnenbecken. Drumherum der einzige Erdteil, den es damals gab: ein Gesamtkontinent, zu dem die Kontinentaldrift die Landmassen der Erde alle paar hundert Millionen Jahre zusammenschiebt und sie dann wieder trennt – ein fortwährendes Slow-Motion-Ballett der Plattentektonik.
Das Wüstenklima trocknete die Zuflüsse samt Binnenmeer allmählich aus. Zurück blieb das Salz: Jahrmillionen später und 180 Meter unter die Erdoberfläche gedrängt eine 25 Meter dicke Schicht, aus der die Salzkristalle wie schimmernde Augen im Schummerlicht des Bergwerks glänzen.




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