Mit den Temperaturen steigt auch die Gefahr, dass einem die eigenen Ausdünstungen zu Kopf steigen. Wie ein Schmorbraten in der überhitzten Wohnung herumzuliegen und verdampfenden Schweiß zu inhalieren, kann der Qualität von Gedanken jedenfalls unmöglich zuträglich sein. Aber vielleicht ist gerade das eine Voraussetzung, um einen aktuellen Trend weiterzuführen. Denn mit Blick auf jenen Fiebertraum namens Weltgeschehen scheint es bisweilen, als müsse alles immer dümmer werden.
Heißer wird es allemal und die Gesamtmisere aufzudröseln – das wäre was für kältere Zeiten, es setzt einerseits Konzentration voraus, andererseits haben die meisten ja eh mitbekommen, dass wir uns, allgemein gesprochen, in einer misslichen Lage befinden mit dieser Klimakiste. Darüber nachzudenken, deprimiert: Ist das Schweiß oder eine Träne, die über meine Wange kullert?
Inzwischen ist es nämlich schon ein paar Jahre her, dass ein junges Mädchen die Vereinten Nationen mit einer Brandrede zum Schweigen brachte. Gemeint ist nicht Greta Thunberg, sondern Severn Suzuki, die als Zwölfjährige bei der ersten Klimakonferenz überhaupt in Rio de Janeiro sprach. Das war 1992, damals lag der globale CO2-Ausstoß bei circa 22 Milliarden Tonnen pro Jahr. Aktuell sind es etwa 38 Milliarden Tonnen, Tendenz steigend. Laut dem Bericht "Global Carbon Budget" ist beim Einsatz aller fossiler Brennstoffe ein Zuwachs zu verzeichnen: im Vergleich zum Vorjahr um 0,8 Prozent bei der Kohle, ein Prozent beim Erdöl und 1,3 Prozent beim Erdgas. Auch in der EU gibt es ein leichtes Plus.
Während sich bei den freigesetzten Treibhausgasen andauernd neue Allzeitrekorde überbieten, setzen die Folgen fürs Klima mit einem Zeitverzug von circa zehn bis 20 Jahren ein. Heißt: Die Rechnung von heute ist noch gar nicht bezahlt. Und schon ohne diesen Zuschlag ist die Sommerhitze lebensbedrohlich. Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts war noch kein Tag in der Geschichte der Bundesrepublik tödlicher als der 28. Juni, der heißeste Tag des Jahres. Als Temperaturen vielerorts den dritten Tag in Folge über 40 Grad erreichten, war in teilweise nicht klimatisierten Notaufnahmen keine angemessene Behandlung von Patient:innen mehr möglich.
Aber Tankrabatt geht
In dieser brenzligen Situation reagiert nun der Markt – als Brandbeschleuniger und Menschenverheizer. Denn wo Schutzprodukte begehrt sind, steigen die Preise. Wer nicht schmoren will, muss in die Tasche greifen. Die Zahlungsbereitschaft steigt dabei in Relation zum Leidensdruck. Während vulnerable Gruppen ziemlich buchstäblich gegrillt werden, erkennt der Markt eine Möglichkeit, Margen zu optimieren und sorgt so für vermeidbare Tode. Wenn diese Zwickmühle vorliegt und auf der einen Seite das Leben armer Leute bedroht ist, steht die internationale Politik treu auf Seiten der privaten Gewinne, weil die Frage, was mehr Schutz verdient, überhaupt nicht diskutabel ist.
Ein Tankrabatt ist machbar. Aber kein Einschreiten gibt es, wenn Anbieter mitten im heißesten Sommer, der in Europa je gemessen wurde, die Preise für Klimaanlagen versechsfachen. So geht nunmal Angebot und Nachfrage, versucht die bürgerliche Apologie zu kontern. Wer schlau ist, hätte eigenverantwortlich vorgesorgt und vorausschauend im Frühling gekauft, selbst schuld, hehe. Ist nämlich einfach clever aus unternehmerischer Sicht, abzuschöpfen, was geht.




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