Es ist kalt und feucht in den Kandil-Bergen. Ein schmaler Pfad führt vorbei an Nebel, Felsen und beleuchteten Porträts des PKK-Führers Abdullah Öcalan zu einem unscheinbaren Haus. Wasser tropft vom Dach. Drinnen knackt ein Funkgerät. Zwei junge Frauen sitzen vor einem Ofen und servieren Chai. Die Gesichter sind ernst. "Ich wollte in die Berge, um gegen die Türkei zu kämpfen", sagt eine von ihnen. "Jetzt kämpfe ich für die Menschen."
Hier, im entlegenen Grenzgebiet zwischen Irak und Iran, wartet die kurdische Arbeiterpartei PKK – offiziell im Friedensprozess. Der begann Ende Februar, als der inhaftierte Öcalan seine Partei dazu aufrief, die Waffen niederzulegen. Die beiden Kämpferinnen berichten von einer neuen Ruhe, weniger Luftangriffen, vorsichtiger Hoffnung in den Kandil-Bergen. Das fast undurchdringliche Gebiet wurde in den vergangenen Jahren zu einem der letzten Rückzugsräume der PKK und auch durch die jahrzehntelangen Kämpfe von der Entwicklung abgeschnitten. "Unsere Dörfer haben keine Schulen, keine Krankenhäuser. Wir mussten etwas tun." Doch von Entwaffnung will niemand sprechen. "Wir brauchen die Waffen, um uns zu schützen."
Rojava nach Assad: Hoffnung auf Anerkennung
Parallel zum Schweigen der Waffen in Kandil veränderte sich die politische Landschaft in Syrien hunderte Kilometer weiter westlich grundlegend. Der Sturz von Baschar al-Assad vor einem Jahr beendete über fünf Jahrzehnte autoritärer Herrschaft. In weiten Teilen des Landes übernahm eine Koalition oppositioneller Gruppen unter der Führung islamistischer Kräfte die Kontrolle. In Rojava, dem kurdisch geprägten Nordosten Syriens, wuchs mit dem Machtwechsel die Hoffnung auf Anerkennung und Gleichberechtigung.
Die kurdisch dominierte Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien hatte sich während des syrischen Bürgerkriegs etabliert. Seit 2012 waren lokale Räte, eigene Bildungseinrichtungen und Sicherheitseinheiten aufgebaut worden. Nach Assads Fall bekannte sich die Autonomieverwaltung zur neuen Ordnung in Damaskus und zeigte sich bereit zum Dialog. Ziel war nicht nur ein Machtwechsel, sondern Freiheit und demokratische Teilhabe – so betonten es Vertreter der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF).
Trotz diplomatischer Gesten blieb die Lage angespannt. Die neue syrische Regierung äußerte sich ambivalent zur kurdischen Selbstverwaltung. Aus Ankara kam offene Ablehnung. Die Türkei betrachtet die SDF als Ableger der PKK und setzte ihre militärischen Operationen fort. Von der Türkei unterstützte Milizen, die sich entlang der Grenze positionierten, griffen kurdische Gebiete an. Drohnenangriffe, Vertreibungen und die anhaltende Besetzung von Orten wie Afrin durch türkische Kräfte verschärfen die Lage. Hunderttausende Kurd:innen leben seit Jahren als Vertriebene in Lagern wie Shehba und fordern eine sichere Rückkehr – bislang vergeblich.




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