Selbst die Figuren seiner Modelleisenbahn haben die Schnauze voll. Hunderte Ordner und stapelweise Unterlagen teilen sich in Harry Blocks Büro den Platz mit Lokomotiven, Waggons und gut 40 Metern Schienen. Vor dem Bahnhof, unter dem Regal mit den Unterlagen zu den Kraftwerken im Karlsruher Rheinhafen, haben sich Menschen versammelt. Sie fordern den Ausstieg aus den fossilen Energien, setzen sich für Artenvielfalt ein, sammeln Unterschriften für den Stopp der Atomtransporte. Und stellen klar: "Wenn Gesetze versagen, wird es Zeit für Blockaden."
Die Szene gibt einen kleinen Einblick in Harry Blocks Leben als Umweltaktivist: von den Atomprotesten in den 1970er-Jahren bis zu den Forderungen der Fridays-for-Future-Generation. Seit über 50 Jahren setzt sich Block dafür ein, was er als grundlegendes Recht jedes Menschen ansieht: saubere Luft und sauberes Wasser, eine intakte und friedliche Umwelt. Ein Recht, das er gegen Unternehmen und Politik verteidigt, gerade auch dann, wenn die Gesetze versagen und es eben Zeit wird für Blockaden. In den Regalmetern seines Büros ist jeder Kampf archiviert. Die vergangenen und die aktuellen.
Block zieht einen Ordner aus dem Schrank, RDK 8 steht in großen Buchstaben darauf: Block 8 des Rheinhafen-Dampfkraftwerks Karlsruhe. Der 76-Jährige faltet einen detaillierten Lageplan auseinander. Er zeigt auf einen Bereich im Nordosten: "Hier wollen sie jetzt den Block 9 bauen." Natürlich nicht ohne seine Einmischung. Beim Scoping-Termin im Juli, bei dem das Genehmigungsverfahren vorbereitet wird, hat er seine Einwände schon eingebracht. "Ich verstehe nicht, wie man 2025 noch auf ein Gaskraftwerk setzen kann. Für mich ist das ein Rückschritt in die Steinzeit der Energieversorgung." Ein Fortschritt wäre für ihn eine Flusswärmepumpe, wie sie in Mannheim seit 2023 in Betrieb ist. "Der Rhein ist sowieso schon viel zu warm. Warum also dem Fluss keine Wärme entziehen und sie als Fernwärme nutzen?" Die Wärmeversorgung sieht er als kritischen Punkt der Energiewende. "Wir brauchen nicht mehr Strom. Wir brauchen Wärme!"




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