Ein Song der schwedischen Rockband The Hives heißt "Hate to say I told you so", frei übersetzt, "Ich hab's dir doch gesagt". Könnte ein Motto für die Kritiker:innen von Stuttgart 21 sein. Denn wieder einmal haben sich ihre Vorhersagen bestätigt: Das Großprojekt ist mittlerweile nicht nur fast dreimal so teuer wie bei Baubeginn prognostiziert, es verzögert sich ob seiner Komplexität auch schon wieder. Die geplante Eröffnung im Dezember 2026, die ohnehin nur eine Teileröffnung gewesen wäre, wurde am 19. November auf unbestimmte Zeit verschoben. Diesmal sollen es Probleme beim sogenannten Digitalen Knoten Stuttgart sein, also bei der Ausstattung mit dem Sicherungs- und Leitsystem ETCS. Zuletzt hatten Vertreter der Bahn immer wieder betont, dafür gebe es "keine Blaupause", die DB betrete hier "absolutes Neuland". Das klingt angesichts der Pünktlichkeits- und Zuverlässigkeitsperformance der Bahn in etwa so, als plane Albanien seine erste Marsmission für 2030. Aber nichts gegen Albanien und nichts gegen den Mars! Ein Rückblick auf das, was seit 31 Jahren immer wieder angekündigt wird.
18. April 1994: Bahnchef Heinz Dürr, Baden-Württembergs Ministerpräsident Erwin Teufel, Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann, Landesverkehrsminister Hermann Schaufler und Stuttgarts Oberbürgermeister Manfred Rommel (alle CDU) stellen das Projekt Stuttgart 21 vor, noch ohne konkreten Zeitplan. Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann würde am liebsten noch vor der Jahrtausendwende anfangen zu bauen.
"Es wäre verlogen, jetzt bereits eine zeitliche Dimension zu nennen." Manfred Rommel, Stuttgarter OB
16. Januar 1995: Eine Machbarkeitsstudie zu Stuttgart 21 wird präsentiert, die zum Ergebnis kommt, das Projekt sei “technisch machbar”. Ein Baubeginn könne sechs Jahre nach Start der Projektvorbereitung erfolgen, wird darin erläutert, als Gesamtbauzeit werden 7,5 Jahre kalkuliert, plus anschließend ein Probebetrieb von “5 bis 6 Monaten”. Weitere Untersuchungen sollen im Rahmen eines "Vorprojekts" erfolgen.
7. November 1995: Bahn, Bund, Land und Stadt unterzeichnen eine Rahmenvereinbarung, in der auch die Finanzierung des auf 4,893 Milliarden D-Mark (2,502 Milliarden Euro) veranschlagten Projekts festgelegt wird. In der Rahmenvereinbarung selbst ist kein genauer Zeitplan festgeschrieben, doch in den kurz zuvor präsentierten Ergebnissen des Vorprojekts ist erstmals ein Ablaufplan dargestellt, sofern eine Entscheidung für S 21 im Herbst 1995 erfolgt: Baustart Anfang 2001, Inbetriebnahme 2008.




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Nicht die Bahn ist für das Chaos, den Vandalismus, den Dreck, den Zeitplan und die Kosten verantwortlich. Verantwortlich sind die Politiker, Mappus, Merkel, Schuster, Hermann, Kretschmann. Ich soll jemanden wählen der mir falsche Fakten erzählt und die Verantwortung abschiebt? Abschreiben und…
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