Mit GLS-Regionalleiter Wilfried Münch verbinden Kontext viele Diskussionen und Artikel. Zu Banken ohne Bomben etwa. Zur großen Klimademo vor sieben Jahren, als die GLS-Belegschaft geschlossen auf die Straße ging. Wir trafen uns auch in der Überzeugung, dass eine Demokratie Medienvielfalt und kritischen Journalismus braucht. Die GLS-Treuhand-Stiftung unterstützt das Kontextprojekt "Recherche gegen Rechts". Das Gemeinwohl steht im Vordergrund, nicht die Rendite – das schien die Non-Profit-Zeitung Kontext und die GLS zu verbinden. Die Enttäuschung über unsere Hausbank ist auch bei uns groß.
Nachfrage also bei GLS-Vorstand Dirk Kannacher. Der 54-Jährige saß nicht nur auf einem Podium mit Nisha Toussaint-Teachout, er führt auch die Verhandlungen mit der Roten Hilfe. Der Banker, der nach eigenen Worten "aus Überzeugung" von der Commerz- zur GLS-Bank gewechselt hat, meldet sich aus dem Skiurlaub, um Spekulationen einzufangen und zu erklären. Was ist da los mit dem Konto der Roten Hilfe? Leuchtet etwa ein rotes Lämpchen auf, wenn auf einer Überweisung "Antifa Ost" steht?
Die Gründe bleiben unklar, die Gespräche gehen weiter
Die Aufregung bei den GLS-Verantwortlichen ist mit Händen zu greifen, die Vorsicht ebenso. Und so bleibt am Ende eines einstündigen Kontext-Gesprächs mit zwei Presseverantwortlichen und Vorstand Kannacher nur wenig übrig. "Die hier besprochenen Geschäftsentscheidungen haben regulatorische Gründe", sagt Kannacher. "Politische Überzeugungen spielen dabei keine Rolle, ebenso wenig wie US-Sanktionslisten." Und auch Vermutungen zu einem Einknicken vor einem gesellschaftlichen Rechtsruck will Kannacher nicht bestätigen: "Wir weisen jegliche anderen, konstruierten Zusammenhänge zurück."
Doch welche Gründe die GLS nun konkret gezwungen haben, das Rote-Hilfe-Konto zu kündigen, dazu gibt es keine zitierfähigen Aussagen. Nur so viel und ganz allgemein: "Auf europäischer Ebene wurden die Regelungen zur Führung von Konten weiter verschärft. Als Bank müssen wir diese Verschärfung der Rechtslage selbstverständlich umsetzen, sonst machen wir uns selber strafbar." Transparenz sieht anders aus, und so werden auch diese Bemühungen, die Diskussion einzufangen, wenig erfolgreich sein.
Noch laufen die Gespräche der GLS mit der Roten Hilfe. Deren Anwälte prüfen derzeit die rechtliche Grundlage, am 16. Januar läuft der Prozess gegen die Sparkasse Göttingen, um deren Kontenkündigung rückgängig zu machen. Und so gibt sich auch Hartmut Brückner vom Bundesvorstand der Roten Hilfe gegenüber Kontext derzeit einsilbig, wenn er nach den Kündigungsgründen gefragt wird. Nur so viel: "Das würden wir auch gerne wissen. Wir führen unsere Konten nach den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchhaltung."
Eins hat die GLS aus dem Debakel mit der Roten Hilfe gelernt: In diesem Monat noch will sie NGOs zu Schulungen einladen, um die neuen europäischen Regularien vorzustellen.
Transparenzhinweis: Die Autorin moderierte im November 2025 eine Diskussion zur Verabschiedung von Regionalleiter Wilfried Münch im Stuttgarter Hospitalhof.
5 Kommentare verfügbar
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Reply
Die Angriffe auf NGOs und zivilgesellschaftliche Organisationen haben gerade erst begonnen.
Kommentare anzeigenJens
7 hours agoSie alle werden ohne eine Bitcoin-Reserve wirtschaftlich nicht überleben.
Gegen Debanking hilf Bitcoin zwar sofort, ohne langfristig aufgebaute Reserve wird dessen Volatilität allerdings zum Problem.
Die…