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Grüne Pflänzchen auf der Invest

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 Fotos: Joachim E. Röttgers 

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Der grüne Teppich ist ausgerollt. Links und rechts davon, aufgereiht wie Perlen an der Schnur, die Messestände der Werber für faire Anlagen. Doch die meisten Besucher der Leitmesse für Finanzen und Geldanlagen marschieren mit strammem Renditeschritt direkt in die große Messehalle, wo die großen Gewinne lockten.

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Der drollige Eisbär sitzt klimageschwächt im oberen Bankschließfach, die Tomate viereckig genmanipuliert weiter unten. Und die Kohle macht sich luftverschmutzend in einem Fach gleich daneben breit. Urgewald lüftet das Bankgeheimnis. Der Stand steht zwar am Rande der grünen Messe-Meile, aber er ist der größte Hingucker. Wer hier landet, hat die Messestände schon passiert, an denen für Anlagen in Kirifarmen, Windenergie oder soziale Einrichtungen geworben wird. Der spendenfinanzierte Verein Urgewald schaut hinter die Kulissen, auch bei den grünen Anbietern. Schließlich sind faire Geldanlagen im Trend und manche Bank baut sich schnell ein grünes Schaufenster, hinter dem Anlagen in Rüstung und Klimakillern verschwinden sollen. "Wir vertragen uns mit niemandem gut", sagt Gerlind Korschildgen munter direkt unterm Vereinsslogan "Mit Biss für Umwelt und Menschenrechte". Wer wie Urgewald Banken und Anlagen durchleuchtet, macht sich nicht überall Freunde.

Das Geld ist ungerecht verteilt, aber es ist vorhanden. Einen zweistelligen Billionenbetrag an Euro besitzen die Deutschen derzeit an Privatvermögen. Ererbt, erspart, gebunkert in Lebensversicherungen, die nun fällig werden. Geld, das sie auch in Zeiten niedriger Zinsen anlegen wollen. Immer mehr Menschen, auch immer mehr Institutionen wie etwa kirchliche Banken, wollen dies fair und ökologisch sinnvoll tun. Ohne in Rüstungskonzerne zu investieren, ohne Menschenrechte zu verletzten, ohne Kinderarbeit zu unterstützen, ohne Tiere zu quälen oder die Umwelt zu zerstören. Zum zweiten Mal sind die grünen Anbieter Teil der Invest, die Stuttgarter Leitmesse für Geldanlagen. Die meisten jedoch sind mit ihrem Stand vor der großen Halle geblieben, wie eine Art Vorprogramm für die großen Anbieter.

Dabei wollen sie raus aus der alternativen Nische von Fairtrade und Slowfood. "Es ist gut, dass das Thema hier aufgegriffen wird", sagt der Stuttgarter GLS-Chef Wilfried Münch, der mit fünf Leuten vor Ort ist und sich und seine Bank als Störfaktor auf der Invest begreift. "Wir wollen ein bisschen in den Renditeschritt reingrätschen", sagt er. Münch und seine MitstreiterInnen werben mit gutem Gewissen statt mit satten Renditen. Schließlich bekommt die GLS seit Jahren gute Noten für faire Geldanlagen. Auch von den kritischen Geldwächtern von Urgewald.

Das sieht bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) anders aus. Die bekommt im aktuellen Bankenvergleich des Fair Finance Guide schlechte Noten, was Ethik und Nachhaltigkeit der Geschäftspraktiken angeht. Auch ihr Handel mit Nahrungsmitteln wird gegeißelt. "Damit haben wir nichts zu tun", sagt Tom Schneider am Stand von LBBW Asset Management Investmentgesellschaft mbH. Rüstung und Kohle, das seien die anderen. Die zwei Männer, die an diesem Tag im grünen Schaufenster der LBBW-Bank sitzen, verwalten derzeit nachhaltige Fonds im Wert von einer Milliarde. Den Betrag, so Schneider, wollen sie allerdings verdoppeln. In den anderen Fonds der LBBW stecken heute schon 40 Milliarden. Doch immer mehr Leute interessierten sich eben für faire Geldanlagen. "Bei uns ist alles sauber und clean", beteuert Schneider. Das garantiere Oekom Research, eine weltweit agierende Rating-Agentur im nachhaltigen Anlagesegment. Es herrscht nicht eben Gedränge am Stand der LBBWler.

Mehr ist da bei WeGrow los. Dass die Deutschen ein Faible für den Wald haben, ist bekannt. Investitionen in Bäume, in nachwachsende Rohstoffe, scheinen gut anzukommen. WeGrow hat schon den vierten Fonds aufgelegt. Seit zehn Jahren pflanzen die Initiatoren in Spanien und Deutschland Kiriplantagen. Der Agrarwissenschaftler Peter Diessenbacher hat den japanischen Kiribaum entdeckt, der schnell wächst und dessen Holz wenig wiegt. Inzwischen sind Edel-Möbelbauer ebenso interessiert wie Billiganbieter, die das leichte Holz zur Verpackung nutzen wollen. "Uns ist beides recht", sagt Justin Alexander Gerndt. Und natürlich hat er ein kleines Bäumchen mit am Stand und Holzscheiben, die leicht sind wie Pappe.

Auch Miller macht in Baum. Angefangen hat das Unternehmen als Reiseanbieter nach Mittel- und Südamerika. Und weil der ökologische Fußabdruck bei Fernreisen miserabel ist, hat das Unternehmen zum Klimaausgleich Bäume in Paraguay gepflanzt, als persönlichen Ablasshandel zunächst. Nach zwei Jahren bereits beschloss man, ein Direktinvestment aufzulegen. Ab 47 000 Euro kann man in Paraguay ein Stück Land kaufen, auf inzwischen 12 000 Hektar stehen 12 Millionen Bäume, und Miller Forest Investment ist inzwischen das größte Forstunternehmen im Land. Die Rendite kommt aus dem Holzverkauf.

Und damit es keinen Schmuh gebe im Ökobereich, so Pierre Guttwein am Stand mit dem schicken Leoparden, gebe es einen Waldrat e.V. , die kritischen Aktionäre der Waldbauern. "Kontrolle ist nicht nur gut, sondern besser", meint Guttwein. Zweimal im Jahr reist eine Delegation der Käufer und Pächter von Waldgrundstücken nach Paraguay und schaut dort nach dem Rechten. "Mit Ökoinvestment ist viel Geld zu verdienen", sagt Guttwein zuversichtlich. Vier bis acht Prozent Redite stellen die Waldbauern ihren Anlegern in Aussicht. Jedenfalls hat es Miller Forest Investment weg aus der grünen Alternativmeile direkt in die große Halle der Invest geschafft.


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1 Kommentar verfügbar

  • Jue.So Jürgen Sojka
    am 19.04.2017
    Antworten
    Geldanlagen – Rendite – Verschwiegenheit – Steuerbetrug – Cum-Cum-Geschäfte – LBBW

    Aus diesem Artikel:
    „Das sieht bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) anders aus. Die bekommt im aktuellen Bankenvergleich des Fair Finance Guide schlechte Noten, was Ethik und Nachhaltigkeit der…
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