Die Deutsche Bank schneidet in Sachen Nachhaltigkeit nicht gut ab. Fotos: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 413
Wirtschaft

Bank ohne Bomben

Von Tabea Günzler
Datum: 27.02.2019
Millionen Menschen vertrauen täglich Banken ihr Geld an, unwissend, dass einige von ihnen in Ausbeutung und Rüstungskonzerne investieren. Mit Ethik und Transparenz halten alternative Banken und Genossenschaften dagegen. Ihre Kunden sollen durch Kredite für lokale Projekte oder für Menschen in Entwicklungsländern überzeugt werden.

In Dani Deichmanns Familie wurde schon früh über Geld gesprochen. "Ethik war bei uns schon immer ein Thema. Mein Vater ist längst bei der GLS Bank. Den Gedanken, die Bank zu wechseln, hatte ich daher schon lange. Vielleicht ist es familiär bedingt", bekennt Deichmann, Physiotherapeut aus Stuttgart. Auch über seinen Bekanntenkreis hat er von der Gemeinschaftlichen Leih- und Schenkgemeinschaft (heute GLS Bank) erfahren. Deichmann wollte nicht länger bei einem der herkömmlichen Geldhäuser bleiben. Das war vor acht Jahren. "Bei der großen Bank", erklärt er, "war zwar vieles auch kostenlos, aber ich habe mich trotzdem für die GLS Bank entschieden, da sie lokale Projekte unterstützt."

Die GLS Gemeinschaftsbank hat ihren Hauptsitz in Bochum und sieben Filialen in Deutschland, darunter eine in Stuttgart. Auf der Webseite bezeichnet sich das Institut als "die größte nachhaltige Bank Deutschlands". Sie verspricht ihren Kunden, nicht auf dem Finanzmarkt zu spekulieren oder in Atomenergie zu investieren. Stattdessen sollen Kredite in erneuerbare Energien wie Photovoltaik oder Windkraft fließen, in die Lebensmittelindustrie wie landwirtschaftlich nachhaltige Bauernhöfe, in soziale Einrichtungen oder in Bildung, etwa in Schulen. Tabu sind zudem Betriebe, welche die Menschen- und Arbeitsrechte missachten.

Der Regionalleiter der GLS Bank Stuttgart und Freiburg, Wilfried Münch, beschreibt den Unterschied zu herkömmlichen Banken: "Wenn der Kunde nur noch als Ertragsbringer oder Kostenfaktor betrachtet wird, dann gibt es einen Widerspruch, bei dem man sich fragen muss, ob man dabeibleiben will". Der gelernte Bankkaufmann verlangt, dass die gesamte Unternehmenspolitik eines Finanzinstituts ethisch sein muss und konkretisiert seine Aussage: Demnach müssen Anlagen und Finanzgeschäfte nach sozialökologischen Kriterien erfolgen und, in allem was ein Unternehmen macht, ethisch handeln. Münch räumt aber ein: "Es stimmt, dass der Begriff, ob etwas ethisch finanziert sei, nicht durchgängig einheitlich definiert ist". Deswegen hat die GLS Bank 15 Ausschlusskriterien formuliert, so genannte Negativkriterien. Mit diesen will man bestimmte Industriezweige ausschließen, die nach dem Verständnis der Bank nicht zukunftsfähig sind. Massentierhaltung oder Atom- und Kohleenergie sowie Rüstungs- und Waffenindustrie hält die GLS nach ihrem Selbstverständnis für nicht tragbar und schließt diese für Geldanlagen aus.

Grenzen der Ethik

Wie nötig solche Ausschlusskriterien sind, zeigen die Vereine Facing Finance und Urgewald in einer 2016 veröffentlichten kritischen Studie. In dem Bericht "Die Waffen meiner Bank" werden Banken und deren Kredite oder Fonds in Rüstungskonzernen thematisiert. Die beiden Vereine wollen aufklären und Kunden dafür sensibilisieren, sich mit dem Umgang ihres Geldes zu beschäftigen. Die meisten konventionellen Banken schneiden in ihrem Bericht nicht gut ab, darunter auch die Deutsche Bank. Einbezogen in die Untersuchung wurden zudem kleinere Geldhäuser wie Nachhaltigkeits-, Kirchen- und Genossenschaftsbanken. Keinesfalls sicher ist, ob das Geld nach ethischen Kriterien angelegt wird. Selbst bei Genossenschaftsinstituten nicht, denn Genossenschaftsbanken reinvestieren ihr Geld über die Deutsche Zentralbank (DZ-Bank) in Frankfurt, dem Zentralinstitut aller Genossenschaftsbanken in Deutschland. Auch die GLS Bank tut dies.

Im März 2018 stellte die Anti-Atomwaffenkampagne ICAN (International Campaign to Abolish Nuclear Weapons) eine Studie ins Internet, die sich mit dem Zusammenhang zwischen Kreditinstituten und der Rüstungsindustrie auseinandersetzt. "Don't Bank on the bomb" nennt ICAN ihre Studie und behauptet darin, dass Kunden von Genossenschaftsbanken indirekt in Rüstungsunternehmen investieren würden. ICAN zeigt auf, dass die DZ-Bank Millionen-Summen in Rüstungskonzerne wie Airbus und Northrop Grumman investiert. Letzterer ist ein US-amerikanischer Waffenhersteller, mit Sitz in den USA und Großbritannien. Laut Firmenprofil ebenso ein führender Hersteller unbemannter Militärdrohnen.

Einen Überblick zu bekommen, was wirklich ethisch ist und was nicht, ist schwierig. Deswegen versuchen alternative Geldinstitute dem entgegenzuwirken, darunter die GLS Bank, die Ethikbank im Thüringischen Eisenberg und die Triodos Bank mit Sitz in den Niederlanden sowie die Umweltbank aus Nürnberg. Ebenfalls lehnen auch alternative, kirchliche Kreditinstitute Geldanlagen in Unternehmen ab, die nicht sozial-ethische, ökonomische oder ökologische Ziele verfolgen.

Darüber hinaus sollen Kunden durch Transparenz früh erfahren können, was mit ihrem Geld passiert. Laut Wilfried Münch dürfen GLS-Kunden online jederzeit selbst überprüfen, was ihre Bank mit dem Geld macht. Er betont, dass "jeder Kredit, der an Unternehmen oder Projekte geht, auf der Webseite und im Kundenmagazin veröffentlicht wird". Nach Postleitzahl und Branche sortiert, erfährt der Anleger, dass zum Beispiel ein Unternehmen in Ditzingen bei Stuttgart unterstützt wurde, welches Geld für eine Photovoltaikanlage im Schwarzwald benötigte. Zudem macht die GLS kein Geheimnis daraus, dass Eigenanlagen bei der DZ-Bank vorhanden sind und ist auch in diesem Punkt transparenter als andere Kreditinstitute.

Kunden wie Dani Deichmann können ihre Investitionen allerdings nicht individuell steuern. Denn sein Geld landet erst einmal zusammen mit den Groschen anderer Sparer in einem großen Topf auf der Einlagenseite. Daraus werden dann Projekte und Branchen gefördert, die den Nachhaltigkeitskriterien der GLS entsprechen, beispielsweise in Wohnprojekte oder gemeinschaftliche demokratische Mitbestimmungsformen. Gerade Wohnen und Bauen seien wichtig, "besonders, wenn dadurch die Mietpreise in der Region gedrückt werden und Spekulationen am Immobilienmarkt der Boden entzogen wird." 

Oikocredit schaut auf die Ursachen in der Dritten Welt

Wer indes Wert darauf legt, selbst direkt entscheiden zu können, wohin das angelegte Geld geht, der kann es wie das Pfarrerehepaar Susanne und Markus Schneider* aus der Bodenseeregion machen. Den Schneiders ist es wichtig, dass ihr gemeinsames Geld sozial verantwortlich und nach ethischen Bedingungen angelegt wird. Diesem Leitbild folgt die ökumenische Genossenschaft Oikocredit International, die in Amersfoort, Niederlande, ihren Hauptstandort hat. In Deutschland arbeitet Oikocredit mit der GLS Bank zusammen. Oikocredit ist keine Bank, sondern vergibt alternative Anlagemöglichkeiten über die Mitgliedschaft in einem ihrer Förderkreisvereine. Mit dem angelegten Geld investiert Oikocredit in Partnerorganisationen in Entwicklungsländern, die wiederum sogenannte Mikrokredite an Kleinunternehmer vor Ort vergeben. Trotz hoher Zinsen für die dortigen Kreditnehmer, bewährt sich diese Methode seit der Gründung der Genossenschaft Ende der Siebzigerjahre. Die Genossenschaft stellt sicher, dass Kredite auch zurückgezahlt werden. Zudem erhalten Anleger wie die Schneiders im Gegenzug eine jährlich ausgezahlte Gewinnausschüttung.

Seit 1980 haben Susanne und Markus Schneider Geldanlagen bei Oikocredit: "Für uns war klar, dass jemand, der Geld besitzt, auch bestimmen können muss, worin Gelder angelegt und Summen investiert werden", sagt Susanne Schneider. In Baden-Württemberg gehören sie und ihr Mann zu mehr als 8.100 Vereinsmitgliedern.

Weltweit legen 56 000 Menschen (Stand 2018) ihr Geld bei Oikocredit an. Und die Zahl wächst, freut sich Manuela Waitzmann, Vorstandsvorsitzende des Oikocredit Förderkreis Baden-Württemberg in Stuttgart. Waitzmann ist seit 18 Jahren dabei und stellt fest, dass "inzwischen das Thema ethische Geldanlagen in der Gesellschaft viel präsenter ist als früher". Ethik, das bedeutet für Waitzmann verantwortliches Handeln: "Wir finden es nicht wichtig zu spenden, sondern wir wollen die Menschen in Entwicklungsländern ökonomisch stärken und sie ernst nehmen, sie aus eigener Kraft und durch Mikrofinanzierung unterstützen".

Auch Dani Deichmann, der Stuttgarter Physiotherapeut, unterstreicht, dass er wissen möchte, wohin sein Geld geht und befürwortet den Grundgedanken von Ethik über Profit. Obwohl der ethische Weg über Gebühren teurer ist, ist Anlegern wie Deichmann sein höherer Anspruch einiges wert: "Ich bin der Überzeugung, dass jeder selbst entscheiden kann, was mit unserer Welt passiert, und diese Verantwortung fängt bei den Banken an."

*Namen geändert

 

Dieser Artikel erscheint im Rahmen des journalistischen Ausbildungsprojekts "Kontext Kolleg" – ganzheitliches recherchieren, analysieren, publizieren –, unter Leitung von Ulrich Viehöver, Wirtschaftsjournalist und Autor bei der Kontext:Wochenzeitung. Die Autorin Tabea Günzler studiert seit 2016 crossmedialen Journalismus an der Hochschule der Medien in Stuttgart. 


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3 Kommentare verfügbar

  • Dr. Diethelm Gscheidle
    am 05.03.2019
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    als bekennender und praktizierender Christ ist es auch mir wichtig, mit meinen Geldanlagen redliche und ethisch einwandfreie Projekte zu unterstützen.
    So entlaste ich den lokalen Wohnungsmarkt, indem ich in redliche Immobilien auf dem dankenswerterweise durch das Wohnraum-Schaffungs-Projekt "Stuttgart 21" freiwerdenden "Mailand"-Areal investiere.
    Ein weiterer Teil meines Geldes ist in redlichen Kernenergie-Unternehmen investiert, die umweltfreundliche, weil emissionsfreie, Energie produzieren.
    Um jedoch aus christlicher Nächstenliebe auch redliche Entwicklungshilfe zu leisten, habe ich einen weiteren Teil meines Vermögens in redlichen indonesischen Unternehmen angelegt, die fleißigen Kindern die Möglichkeit bieten, ihr eigenes Geld durch das Schnitzen von löblichen Rosenkränzen zu verdienen! Damit fördere ich Kinder in einem Entwicklungsland und trage zusätzlich noch zur Ausbreitung des christlichen Glaubens durch die schönen, handgeschnitzten Rosenkränze bei.
    Sie sehen - auch ich beweise bei meinen Geldanlagen ein gutes Händchen, wenn es um ethische und umweltfreundliche Kriterien geht!

    Mit freundlichen Grüßen

    Dr. Diethelm Gscheidle
    (praktizierender Katholik, Verkehrswissenschaftler & Dipl.-Musikexperte)
  • Andreas Welte
    am 28.02.2019
    Genossenschaftsbanken reinvestieren ihr Geld über die Deutsche Zentralbank (DZ-Bank) in Frankfurt, dem Zentralinstitut aller Genossenschaftsbanken in Deutschland. Auch die GLS Bank tut dies. ICAN zeigt auf, dass die DZ-Bank Millionen-Summen in Rüstungskonzerne wie Airbus und Northrop Grumman investiert.
    Kunden sollen durch Transparenz früh erfahren können, was mit ihrem Geld passiert. Laut Wilfried Münch dürfen GLS-Kunden online jederzeit selbst überprüfen, was ihre Bank mit dem Geld macht. Wenn danach dann trotzdem ueber die DZ reinvestiert wird, dann macht die ethische Erstinvestition doch wenig Sinn.
    • Annette Herrgott
      am 06.03.2019
      In der Überschrift sollte es nicht mehr heißen "Dritte Welt", der Begriff ist nicht mehr gebräuchlich. Wir sollten von Ländern des Globalen Südens sprechen.

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