Die Kontext-Wochenzeitung gäbe es vermutlich nicht mehr ohne Markus Köhler. Von Anfang an dabei, einer der besten Presserechtler im Land, jüngst 60 geworden, eine coole Socke in den schicksten Schuhen, immer zu einem "Budenzauber" bereit, wenn er den Gerichtssaal betritt. Mit ihm Franziska Schaible und Anja Pfander, die seine Leidenschaft für das Thema teilen. In die Bütt' für ein couragiertes Medium. Gemeinsam ist dem Trio von Oppenländer Rechtsanwälte, so unser Eindruck, dass der Job auch Laune machen kann. Besonders nach einem erfolgreichen Kontext-Gerichtstag.
Sicher ist: Wir könnten nicht immer so unerschrocken sein, wie wir das gerne sind. Aber wenn's dann brennt, rufen wir bei den Oppenländern an. Wir wissen: Sie holen für uns die Kohlen aus dem Feuer – oder legen noch welche nach, wenn's nötig ist. Immer elegant, meistens voller Zuversicht, mit Charme und Witz und einer Menge Lust am Hervorbringen von Fakten, die andere lieber im Verborgenen halten würden.
Was haben wir schon zusammen erlebt. Zuletzt Susanne Wetterich, die frühere Pressesprecherin im Stuttgarter Rathaus. Sie wollte von ihrer kommunistischen Vergangenheit nichts mehr wissen, alles getilgt haben, was daran erinnern hätte können. Bis Markus Köhler einen Zeugen präsentierte, der mit ihr zusammen bei der KPD/AO zugange war. Noch in der Verhandlung zog sie ihre Klage zurück.
Oder die exzessiv schönheitsoperierte Influencerin, die tatsächlich vor Gericht marschierte, weil Kontext geschrieben hatte, sie habe gefärbte Haare und einen operierten Po. Was stimmte! Unvergessen, wie sich unsere Anwälte über das Video dieses tschechischen Schönheitschirurgen freuten, das wir aus den Tiefen des Internets gefischt hatten und auf dem der Frau unter vollständiger Namensnennung aller Beteiligten ein Brazilian Butt ans Steißbein modelliert wurde.
Und dann war da Romani Rose. Der selbsternannte Oberchef der baden-württembergischen Sinti und Roma, der nicht ertragen konnte, dass Mitarbeiter:innen ihn kritisierten. Statt sich mit dem Personal darüber zu unterhalten, was er selbst denn besser machen könnte, schickte er uns Anwaltspost, weil er die Kritik aus der Öffentlichkeit heraushaben wollte.
Völkische, die lieber nicht öffentlich genannt worden wären. Puffbesitzer, Rechtsextreme, der ehemals ranghöchste Polizist im Land, der auf keinen Fall als "Körperteil unterm Gürtel"-Polizist bezeichnet werden wollte.
Und natürlich – das ewige Verfahren um den ehemaligen Mitarbeiter zweier AfD-Abgeordneter und die rechtsradikalen Facebook-Chats, die wir zitiert haben. Acht Jahre Auseinandersetzung vor mittlerweile vier Gerichten. Das letzte, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main, wollte sehr viel wissen über den Ursprung unserer Information. Selbst im Urteil stand, wir hätten viel zu wenig verraten über unsere Quelle, als dass sich das Gericht ein Bild hätte machen können. Ein Bild von Informanten? Ja geht’s noch? Bei Lektüre dieses Vorwurfs knallte Markus Köhler fast die Hutschnur weg. Mittlerweile warten wir darauf, mit diesem bemerkenswerten Urteil beim Bundesgerichtshof vorstellig werden zu können. Denn wenn das so stehen bleibt, ist investigativer Journalismus mit ordentlichem Quellenschutz kaum mehr möglich.
Über die Jahre haben wir natürlich nicht jeden Fall gewonnen, zugegeben. Aber die meisten! Dank sehr viel Kompetenz, großer Liebe zur Juristerei und Leidenschaft für das freie Wort, das es mehr und mehr zu verteidigen gilt. Denn ohne freie Presse stirbt Demokratie.
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