Wort- und phonstark: Dass Regisseur Volker Lösch hier bei der Montagsdemo-Gala am 8. Oktober im Theaterhaus als Winfried Kretschmann auftritt, sieht man nicht auf den ersten Blick. Dass er sich auch in den Zuschauerrängen wohl fühlt, aber schon.

Wort- und phonstark: Dass Regisseur Volker Lösch hier bei der Montagsdemo-Gala am 8. Oktober im Theaterhaus als Winfried Kretschmann auftritt, sieht man nicht auf den ersten Blick. Dass er sich auch in den Zuschauerrängen wohl fühlt, aber schon.

Zum Auftakt kräftig was auf die Ohren: Die MusikerInnen von Lokomotive Stuttgart entern die Halle auf der einen Seite, auf der anderen die Capella Rebella.

Zum Auftakt kräftig was auf die Ohren: Die MusikerInnen von Lokomotive Stuttgart entern die Halle auf der einen Seite, auf der anderen die Capella Rebella.

Proppenvoll: Theaterhaus-Saal T1 ist ausverkauft.

Proppenvoll: Theaterhaus-Saal T1 ist ausverkauft.

Im Publikum auch Dietrich Wagner (links), der durch Wasserwerfer am 30. September 2010 fast komplett blind geschossen wurde, und der Physiker Christoph Engelhardt, der der Bahn seit Jahren detailliert nachweist, warum S 21 seine Kapazitätsversprechen nicht halten kann.

Im Publikum auch Dietrich Wagner (links), der durch Wasserwerfer am 30. September 2010 fast komplett blind geschossen wurde, und der Physiker Christoph Engelhardt, der der Bahn seit Jahren detailliert nachweist, warum S 21 seine Kapazitätsversprechen nicht halten kann.

Leicht enttäuscht über den Mangel an Lederhosen und Dirndl, ruft Joe Bauer, der Impressario des Abends, trotzdem das "alternative Volksfest" aus.

Leicht enttäuscht über den Mangel an Lederhosen und Dirndl, ruft Joe Bauer, der Impressario des Abends, trotzdem das "alternative Volksfest" aus.

Das alles soll passiert sein? Performance-Poet Timo Bruhnke hat eine kunstvolle Chronologie des Protests gegen S 21 gedichtet.

Das alles soll passiert sein? Performance-Poet Timo Bruhnke hat eine kunstvolle Chronologie des Protests gegen S 21 gedichtet.

Zwar keine grünen, roten oder schwarzen Politiker im Saal, dafür tiefrote: Linken-Chef Bernd Riexinger und -Bundestagsabgeordnete Sabine Leidig.

Zwar keine grünen, roten oder schwarzen Politiker im Saal, dafür tiefrote: Linken-Chef Bernd Riexinger und -Bundestagsabgeordnete Sabine Leidig.

Huldigt mit einer Adaption des "Silly Walks"-Sketches der gerade 50 gewordenen britischen Komikertruppe Monty Python: Kabarettist Max Uthoff von der "Anstalt".

Huldigt mit einer Adaption des "Silly Walks"-Sketches der gerade 50 gewordenen britischen Komikertruppe Monty Python: Kabarettist Max Uthoff von der "Anstalt".

Führt mit Bravour zwischen Ernst Führt mit Bravour zwischen Ernst und Frohsinn gratwandernd durch den Abend: Kabarettistin Uta Köbernick.und Frohsinn gtawandernd durch den Abend: Kabarettistin Uta Köbernick.

Führt mit Bravour zwischen Ernst und Frohsinn gratwandernd durch den Abend: Kabarettistin Uta Köbernick.

Ab auf den Mars: Christine Prayon fällt zu Stuttgart 21 nichts mehr ein. Eigentlich.

Ab auf den Mars: Christine Prayon fällt zu Stuttgart 21 nichts mehr ein. Eigentlich.

Nachbereitung im Theaterhaus-Foyer: Aktionsbündnis-Sprecher Eisenhart von Loeper unterhält sich, ...

Nachbereitung im Theaterhaus-Foyer: Aktionsbündnis-Sprecher Eisenhart von Loeper unterhält sich, ...

... SÖS-Stadtrat Hannes Rockenbauch (links) und Schriftsteller Wolfgang Schorlau herzen sich ...

... SÖS-Stadtrat Hannes Rockenbauch (links) und Schriftsteller Wolfgang Schorlau herzen sich ...

... und Linken-Stadtrat Tom Adler verteilt Rosen. Schön war's!

... und Linken-Stadtrat Tom Adler verteilt Rosen. Schön war's!

Ausgabe 446
Schaubühne

Die Kastanie bleibt in der Tasche

Von Josef-Otto Freudenreich und Oliver Stenzel
Fotos: Julian Rettig
Datum: 16.10.2019
Kein grünes Gesicht unter den Gästen, kein rotes, schwarz sowieso nicht – als hätten sie Angst davor, angesteckt zu werden. Von den Stuttgart-21-Gegnern, die so Vieles in Unordnung gebracht haben, unter anderem die Rituale der Parteien. Im Stuttgarter Theaterhaus haben sie das Zehnjährige ihrer Montagsdemos gefeiert, ganz unverkniffen und mit all denen, die aus dem Protest eine höchst respektable Bewegung gemacht haben.

Heute schreiben sogar die beiden Stuttgarter Zwillings-Blätter (StZN), dass dieser Protest nachvollziehbar war, weil doch in Sachen Stuttgart 21 einiges hätte besser laufen können. Insbesondere die Kommunikation mit dem Bürger, der bisweilen befürchten musste, von S-21-Sprecher Dietrich & Co. hinter die Fichte geführt zu werden. Aber Schwamm drüber, jetzt sei Zeit, Brücken zu bauen und Gräben zuzuschütten, verlangte jüngst Jan Sellner, der Lokalchef der Einheitszeitung. Das ist gut, weil so mehr Bautätigkeit und -grund entstehe, was die Stadt, wie man allenthalben liest, dringend braucht. Nebst dem nötigen Frieden.

Auf dieser Brücke könnten dann grüne Spitzenpolitiker wie Baubürgermeister Peter Pätzold (wo ist eigentlich Werner Wölfle?) von ihrer Parallelgesellschaft zurück zur Bewegung finden, der sie einst nahestanden: dem Widerstand gegen die tiefgelegte Haltestelle. Oder Fritz Kuhn könnte endlich mit Peter Lenk über sein S-21-Denkmal sprechen. Und sie müssten nicht mehr schaudernd zurückzucken, wenn sie nur die Chiffre "S 21" hören, als würden sie allein bei der Erwähnung die Krätze kriegen. Eine schöne Einübung wäre die Revue im Theaterhaus am vergangenen Dienstag gewesen, die so nichts von dem hatte, was Parteimenschen ihrem jeweiligen Feind vorwerfen: böse zu sein. Aber war ja keiner da. Chance verpasst.

Nehmen wir nur Joe Bauer, den Stadtflaneur und Impresario des Abends, der bei aller Bruddelei ein feiner und ordentlicher Mensch ist. Er geht zum Beispiel aufs Einwohnermeldeamt, wenn ihm der Pass abhanden gekommen ist, trifft dort auf Walter Sittler, der auch einen Pass braucht (man beachte die Akzeptanz staatsbürgerlicher Pflichten), und verpflichtet den Schauspieler noch an Ort und Stelle als Grüßgottaugust für die Montagsdemo-Revue. Dortselbst wird Bauer das "alternative Volksfest" ausrufen, sich leicht enttäuscht über den Mangel an Lederhosen und Dirndl zeigen, und betonen, es gäbe überhaupt keinen Grund, den Humor zu verlieren. Trotz Wachstumswahn, Immobilienhaien und, neuerdings verstärkt, den neuen Nazis. Die Pflastersteine liegen bereit, frische Kastanien unter den Sitzen: Wir greifen wieder an.

Da lacht der rappelvolle Saal, weil es neun Jahre her ist, dass der damalige Innenminister Heribert Rech am 30. September 2010, dem Schwarzen Donnerstag im Schlossgarten, Pflastersteine auf seine Polizisten fliegen sah. Manch einer soll heute noch eine Kastanie in der Tasche haben. Das legendäre Interview mit Marietta Slomka, nochmals heraus gekramt, könnte die Heiterkeit noch steigern.

Bruhnkes Chronologie sollte Schulstoff werden

Der Performance-Poet Timo Brunke hat all diese Daten auf die Bühne gebracht, mit vier Einsätzen, weil es doch so viele sind, und so kunstvoll zusammen gedichtet, dass die Chronologie des S-21-Protests zum Pflichtstoff in der Oberstufe werden könnte, verordnet von Kultusministerin Susanne Eisenmann von der CDU (auf Video nachzuschauen hier).

Wie heiter, um nicht zu sagen entrückt, Christine Prayon inzwischen die Lage betrachtet, ist in Kontext bereits dokumentiert. Da ist keine Bitterkeit zu spüren, kein Schmerz in der Niederlage, stattdessen Aufbruch, Fortschritt  und Zukunft. Ab auf den Mars, mit Winfried Kretschmann an der Spitze und dem Motto: Mission oben bleiben.

Etwas mehr dem Vergangenen verhaftet ist noch Volker Lösch. Der wort- und phonstarke Regisseur schickt den grünen Ministerpräsidenten nicht auf den roten Planeten, sondern auf die Bühne, zusammen mit all den Berühmtheiten, die das Jahrhundertprojekt ermöglicht haben: dürrgrubemehdornoettingerschusterschwarzemambateufelwissmannusw. Alles schwarze Gestalten, fröhlich ins Publikum winkend, besonders Günther Oettinger. Es ist dann, wie man beruhigt feststellt, doch nur Löschs furioser Bürgerchor.

Bei so viel Furor ist es gut, eine zurückhaltende Stimme zu haben. Ja, die gibt es auch in diesen Kreisen. Sie gehört Uta Köbernick, die durch den Abend  führt, als wäre sie hier zuhaus, was nur insoweit der Fall ist, als sie im Thema drin ist. Unvergessen beim Publikum ihr Auftritt in der "Anstalt" vom ZDF ("Haltet durch. Denn ihr habt noch nichts erreicht"). Ansonsten ist die Kabarettistin "scheinintegrierte Deutsche" in der Schweiz, wie sie selbst sagt. Aber wer weiß, vielleicht wird man bei den Eidgenossen so. So demütig im Wirkungsgrad, wenn das Zögern das Handeln bestimmt, der Stillstand tobt, die Freude beängstigend ist. Chapeau auf jeden Fall, Frau Köbernick, so eine Gratwanderung zwischen Ernst und Frohsinn muss man erst mal hinkriegen.

Das ist die Sache mit dem Lachen, welches im Halse stecken bleibt, weil das Heulen dagegen drückt. "Anstalt"-Frontmann Max Uthoff, der mit einer artistischen Monty-Python-Hommage auf die Bühne kommt (die Vorlage hier), ruft diesen Gemütszustand hervor, wenn er sagt, das letzte Mal, dass man hier im Südwesten Schwierigkeiten hatte, "etwas Unerfreuliches unter die Erde zu bringen", sei die Beerdigung von Hans Filbinger gewesen. Aber der Münchner Kabarettist sagt auch noch etwas Anderes. Man möge nicht am Schmerz zerbrechen. "Locker bleiben", empfiehlt er den Tausend im Theaterhaus, "dem Feind den Frust nicht gönnen". An diesem Abend hat’s geklappt.

Nur eines hat nicht geklappt. Walter Sittler vergisst Gangolf Stocker zu erwähnen, als er die Liste für die zu Ehrenden abarbeitet.  Er habe den Namen schlicht überlesen, bekennt der Schauspieler, das tue ihm "unendlich leid". Er bitte um Entschuldigung. Der schwer kranke Vater des Protests ist zuhause geblieben.

 

Das Video des kompletten Abends gibt’s hier. Für jene, die nur einzelne Beiträge anschauen wollen, hat Blogger Alexander Schäfer alle Programmpunkte des Abends mit Links aufgelistet.


Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!

46 Kommentare verfügbar

  • Real Ist
    vor 1 Woche
    Die Couch Potetoes bleiben weiterhin auf dem Sofa sitzen.

    Angelika Linckh`s gestrige Rede auf der Montagsdemo war eine wunderbare Bestätigung für Unbelehrbarkeit und Besserwisserei, Kritik ehemaliger Mitstreiter, die sie ironisch als besonders klug abqualifizierte, hat sie kurzer Hand als Quatsch abgetan, ohne auf konstruktive Verbesserungsvorschläge der scheinbar dummer Kritiker einzugehen.

    Kaum zu übersehen, dass andere Themen wichtiger sind und S21 immer mehr zum Nebenthema wird, mehr Mitstreiter wird sie mit so einer Rede nicht anlocken.
    • Martina Auer
      vor 1 Woche
      Exakt so sehe ich das auch.

      Frau Linckh versucht den Rückgang der Teilnehmerzahlen auf den Demos mit den Landtagswahlen und dem Kippen der Grünen, sowie dem Baufortschritt zu erklären. Völlig unrecht hat sie damit zwar nicht; allerdings liegt sie damit auch nicht richtig.

      Denn die Teilnehmerzahlen und vor allem die öffentliche Meinung waren bereits vor der Landtagswahl 2011 gekippt, nämlich schon Ende 2010 (siehe dazu die laufenden Umfragewerte). Und Baufortschritt gab es da noch gar keinen.

      Der alles entscheidende Grund war die Gehirnwäsche, die ganz große PR-Propaganda von Bahn, C- und S-Politik und der sogenannten "Stuttgarter Zeitung" bzw. "Stuttgarter Nachrichten", die bereits 2010 einsetzte und welche sehr erfolgreich die Couch Potatoes - und damit die Mehrheit - für sich gewinnen konnte. Diese Menschen, die man bis zum Herbst 2010 bereits gewonnen hatte, ließ man kampflos wieder ziehen und hat sich lieber seinesgleichen zugewendet. So wurde, bis zum heutigen Zeitpunkt, lieber innerhalb des Parkschützerforums diskutiert und geschrieben, statt Leserkommentare in den Mainstreamblättern /Spiegel, Focus, Welt usw.) zu platzieren, um der medialen Kampagne etwas entgegen zu setzen. Stichwort Außenwirkung. Das ist leider bis heute so.

      Darauf hinzuweisen, und etwas mehr Selbstreflexion und analytisches Denken anzumahnen, ist sehr wohl solidarisch. Sich Gedanken zu machen, was denn eventuell falsch gelaufen ist. Nur ist es leider so, dass man dann von bestimmter Seite gleich reflexartig überfahren wird (danke fürs Exempel).

      Als gescheitert sehe ich den Kampf gegen S21 übrigens nicht. Aber man sollte sich schon bewusst machen, dass man nun mal Mehrheiten benötigt. Also Zehntausende Couch Potatoes auf der Straße. Denn genau davor haben und hatten die S21-Lobbyisten am meisten Angst. Deshalb ja auch die mediale Kampagne. Über ideologisches Besserwissertum lachen die S21-Fanatiker nur. Zu Recht. Aber manche erkennen das nie.
    • Verena Saisl
      vor 1 Woche
      Es sei ja jeder/m unbenommen, zu hören und wahrzunehmen, was er oder sie will. Angesichts der bezeichneten Rede von Dr. Angelika Linckh jedoch öffentlich von "Unbelehrbarkeit" und "Besserwisserei" zu reden, offenbart angesichts der eigenen Positionen einerseits und mindestens eine ziemlich klandestine Rechthaberei und andererseits - Entschuldigung, ich meine das tatsächlich kategorial, nicht als persönliche Diffamierung, wenn denn dieser Kommentar "echt" ist: eine erschreckende Dummheit (i.S.v. "Blödmaschinen"; Erzeugung von struktureller und in Folge auch individueller Dummheit mittels systematischer, flächendeckender Verblödung). Ziemlich destruktiv, toxisch. Wahrscheinlich ist das aber - aus Gründen - hier genau so auch gewollt.

      Wie auch immer: Hier kann im Einzelnen nachgelesen werden, was Dr. Linckh tatsächlich sagte:

      https://www.bei-abriss-aufstand.de/wp-content/uploads/Rede-von-Angelika-Linckh-2.pdf

      Dieser Kommentar gehört eigentlich hier hin und bezieht sich auf "Real Ist". Warum er zunächst weiter unten gelandet ist, keine Ahnung.

      Gleichwohl passt er aber auch zum hiesigen Unterkommentar von "Martina Auer", v.a. angesichts der Reproduktion strukturell herrschender Dummheit: Denn, wenn schon, könnte man an der aktuellen Bestandsaufnahme Dr. Linckhs vielleicht kritisieren, dass sie radikale Forderungen und Opportunismus über einen rhetorischen Kamm schert - zugunsten einer Integration aller S21-Gegner (uih!- Widerspruch!).

      Diese Sicht aber passt nicht in das Konzept von Ihnen beiden, "Real Ist" und "Martina Auer". Sie beide spannen sich, indem Sie hier inhaltlich über alle an dieser Stelle von Mehreren geäußerten, tiefgründigeren, selbst historisch und soziokulturell untermauerten Argumente munter (und antiaufklärerisch Intellektuellfeindlichkeit propagierend - mit völkischem Gruß von/an die AfD, sicherlich) hinwegschreiten in erster Reihe vor den Karren des S21-Projekts.

      Das ist einigermaßen erbärmlich. Verwunderlich jedoch wiederum ist es angesichts Ihrer jeweils hier geäußerten, inhaltlich recht gleichlautenden "Analysen" des bisherigen Versagens des Protests gegen S21 nicht - welche das kleinkarierte Einheiz-Maß des medial erzeugten Meinungsmainstreams widerspeigelt, vulgo: das des Stammtischgeraunes glücklicher Sklaven zu keiner Zeit übersteigt.
    • Martina Auer
      vor 1 Woche
      Hallo Frau Saisl, nur kurz noch: Ich möchte nicht unterschiedliche Personen, Meinungen usw. in eine Schublade stecken oder beleidigen (was allerdings mir hier in dieser Kommentarspalte widerfahren ist). Falls das angesichts so mancher Überspitzung in meinen Kommentaren, die ich jedoch für notwendig hielt, und angesichts den von mir verlinkten NZZ-Kommentars, dessen Meinung ich grundsätzlich aber nicht bzgl. jeden Details teile, so rübergekommen sein sollte.

      Ich finde, dass Frau Linckh einen insgesamt guten Beitrag zu dem Thema geliefert hat, weil sie versucht hat verschiedene Strömungen und Meinungsbilder innerhalb der Bewegung zu versöhnen.

      Ich finde es nur schade, dass offensichtlich keine Kritik zugelassen wird, und z.B. die Meinung von Real Ist, oder auch meine Ansicht, ganz offensichtlich nicht respektiert wird sondern von so manchen als suspekt niedergebügelt wird. Und das ist eben das Hauptproblem einiger Mitstreiter. Jeder glaubt, es besser zu wissen, und viele verstecken sich eben in ihrer eigens geschaffenen Komfortzone.

      Aber wer bestimmt denn eigentlich darüber, welche Personen, Meinungsbilder usw. in der Bewegung teilhaben und mitmachen dürfen? Und wo steht, was in Ordnung und was schlecht, was erlaubt und was nicht erlaubt ist?

      Meine Intention ist es, Selbstkritik zuzulassen und zu fördern, im Hinblick auf einige Entscheidungen innerhalb des AB, speziell innerhalb des Demoteams. Die Frage aufzuwerfen, worum es denn eigentlich geht. Geht es denn nicht darum, diesen S21-Betrug zu verhindern? Dann sollten wir alle das zusammen tun, was am meisten Sinn macht. Nämlich die S21-Betrüger und das Betrugsprojekt als das zu entlarven was sie sind/ist, und diese Botschaft endlich wieder konkret und fokussiert auf S21 hinaus zu tragen.

      Und so viele Menschen wie möglich mitzunehmen. Verschwenden wir daher keine Kraft und Zeit, indem wir uns um unser eigenes Weltbild bzw. uns selbst kümmern. Sondern überlegen wir uns, was wir dafür tun können, die öffentliche Meinung und das Interesse an diesem Betrug zurück zu gewinnen. Dazu gehört ganz essentiell, die eigenen Interessen und Ansichten auch mal hinten anzustellen, im Sinne unseres Vorhabens, und das eigentliche Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und uns auf die Beendigung von S21 zu fokussieren.

      Wo viele Menschen sind, gibt es viele Meinungen. Es sollte uns vollkommen egal sein, welche Meinung die Menschen, die diesen Betrug ablehnen, bei anderen Themen sonst noch haben. Das ist auch die Botschaft des NZZ-Artikels. Nicht mehr und nicht weniger.

      In diesem Sinne: Versuchen Sie, sich etwas zurückzunehmen, wenn Ihnen manch andere Meinung nicht in Ihr allgemeines Weltbild passt, und fokussieren Sie sich aufs Ziel. Und versuchen Sie, sich in die Zielgruppe hinein zu versetzen. So wie das die PR-Abteilung der Bahn jahrelang professionell betrieben hat, eben gerade weil die Deutungshoheit zu dem Projekt gekippt war. Ich mache das auch seit Jahren.

      Alles Gute!
    • Verena Saisl
      vor 1 Woche
      Lesen Sie bspw. Sennett ("Tyrannei der Intimität"; "Handwerk"), Croch ("Postdemokratie"), Graber ("Schulden"), Seeßlen/Metz ("Blödmaschinen") und auch Gärtner, Konicz, Nowak und manchmal Gremliza. Und Kontext.

      Alles Gute.
    • Verena Saisl
      vor 1 Woche
      Nachgeliefert:

      Ein vertipptes "u".
      Für Colins (hoffentlich) Crowd.

      Ende.

      .
    • Martina Auer
      vor 6 Tagen
      Sie haben mich leider völlig falsch verortet, Frau Saisl und Herr Ratgeb.
    • Verena Saisl
      vor 3 Tagen
      Interessant. Ich habe gar nicht versucht, Sie persönlich zu "verorten", sondern habe lediglich auf Ihre Ausführungen reagiert, denen ich - nach wie vor - unterstelle, dass darin Politisches (Öffentliches) beständig mit Unpolitischem (individuellen Befindlichkeiten) zu einem apolitischen, nicht mehr lesbaren, verklärenden, kurzschlüssigen Brei verquirlt wird, der, gleichwohl er öffentlich geäußert wird, eben dieser besondere, notwendige Kitt ist, welcher das marode, schädliche, Ungeheuer wie S21 und wesentlich größere gebärende Zombie-System immer noch weiter und weiter am Laufen hält. (Dass das im Weiteren assoziativ und in einer auf in ihrer Wahrnehmung jahrhundertelang auf Schuldkomplexe und -verhältnisse trainierten Öffentlichkeit auch zu "Verortungen" verleiten kann, ist eine andere Sache. Und übrigens & nebenbei: Darüber und mit jemandem, der das selbst erzeugte, im Weiteren zu "reden", soll bloßes Gerede, Geschwätz denn vermieden und ein Diskurs daraus werden, bedeutet zunächst auch, aus Kartoffelbrei erst einmal wieder ganze Kartoffeln zu machen.)

      Diese Weise als charakteristische Handlung kann man/frau natürlich auch als exemplarische politische Haltung "verorten" - wenn das gewollt wird. Allein: Was sollte das, angewandt auf eine Person hier in diesen konkreten Zusammenhängen (ein hinterer Winkel des Internets, dennoch öffentlich), bringen?..

      Egal. Ihre letzte Bemerkung dazu bestätigt mich nochmals in der Annahme, dass Ihnen das alles so nicht bewusst ist (oder: sein will; auch egal).
      Wollte man das nun als Haltung "verorten", ist das relativ einfach, denn es ist eine der am weitesten verbreiteten Haltungen/ Sichtweisen/ Handlungsmatrizes, politisch anschlussfähig fast im gesamten Parteienspektrum hierzulande -- weshalb 'wir' ja auch die Welt, inkl. S21, immer weiter so zurichten, wie 'wir' sie jeden Tag, stets ein Stückchen schlechter geworden, wieder vorfinden.
  • Ernest Petek
    vor 3 Wochen
    Hoffentlich bleibt die Hand nicht in der Tasche! ;-)
    Der Fingerzeig von Volker Lösch wurde von mir miterlebt: "Die Bewegten auf die Bühne!"

    Für mich war die gesamte Veranstaltung: "Ein melancholischer Abgesang auf unsere Bewegung."

    Walter Sittler sprach die "Bewegten" der einzelnen Gruppierungen gegen "S21 – STUTTGART 21 – Wendlingen/Ulm" an, doch auf die Bühne zu kommen!
    Drei von uns Senioren*Innen durften auch zur "Präsentation" nach oben – jedoch nicht sprechen?!?
    Bitte nicht falsch verstehen. Die Moderatorin Uta Köbernick hat mich begeistert – und hat lustvoll so einiges auf den Punkt gebracht.
    Dichterisch in Hochform hat sich der Performance-Poet Timo Bruhnke in drei Teilen der Chronologie des Protests gegen S21 angenommen.
    Und die anderen haben…

    Gestern war ich bei unserem Zuffenhausener Unternehmen Porsche und hab mich auch hier an der Sitzblockade beteiligt.
    Auch hier habe ich erlebt, was von mir in meiner LG-Verhandlung am 17.04.2014 thematisiert wurde:
    Schild mit Ziffern versehen -was derart verstörend an die NAZI-Zeit erinnert hat-, das mir von einem Polizisten vor die Brust gehalten wurde!
    Mein Rucksack und die Taschen meiner Jacke und Hose wurden polizeilich inspiziert?!? [1]
    Es wiederholt sich, was nicht sein darf!!!

    [1] Eingestellte Verfahren https://www.parkschuetzer.de/statements/204215
    Im "Feinstaubverfahren" (seit Sept. 2016 keine S21-Verfahren) …

    Meine Chronologie meiner Stuttgart-Erlebnisse (in Teilen) hier https://www.parkschuetzer.de/statements/193000
    In meinem Kommentar 19.10.2016 um 10:28 • Auszug:
    Gerhard Groß* am 19.02.2015 an VerwG Stuttgart Seite 2 „…Aus Eigensicherungsgründen
    wurde der Rucksack des Herrn Braig nach gefährlichen Gegenständen durchsucht. … 2.2 Begründetheit der Klage … Die Durchsuchung des vom Kläger Braig mitgeführten Rucksacks war ebenfalls rechtswidrig. Sie wäre nach § 30 Nr. 1 in Verbindung mit § 29 Abs. 2 PolG zulässig gewesen, wenn diese nach den Umständen zum Schutz des Polizeibeamten oder eines Dritten gegen eine Gefahr für Leib oder Leben erforderlich erscheinen durfte. Anhaltspunkte dafür, dass der Kläger gefährliche Gegenstände mitführte, ergaben sich aber weder aus der konkreten Situation noch aufgrund von Erfahrungen bei ähnlichen Aktionen.

    Gerhard Groß* Polizeipräsidium Stuttgart
    Leiter der Verwaltung und des Referats Recht und Datenschutz
  • Alexander Schäfer
    vor 3 Wochen
    Danke an Julian Rettig für den Link auf meine Website -> das war ein anständiger Zug. Andere hätten einfach meine Sprungmarken / Links kopiert.

    ----------

    Zu den Kommentaren fällt mir nur ein:

    Das sich so mancher mal nicht so wichtig nehmen sollte EGAL WER.
    Ja es gibt Namen die bekannt sind in der Bewegung - dazu zählt zweifelsfrei auch eine Frau Helga Stöhr-Strauch oder ein Herr Gangolf Stocker aber letztlich ist es immer ziemlich Kurzsichtig sich bei X oder Y oder Z zu bedanken oder zu meinen das A oder B oder C enorm wichtig wäre (und logischerweise dabei D oder E zu "vergessen"). Letztlich ist keine Bewegung erfolgreich wenn niemand da ist der sich wirklich bewegt. Klar kann man Herrn F oder Frau G oder Gruppe H als Motor betrachten aber ohne Fachwissen von Gruppe I oder Redetalent von Herr J oder die Tausenden ohne Namen vor der Bühne wäre es trotzdem alles nichts. Manchmal wäre einfache Demut oder Bescheidenheit ratsamer als dann ein Fass von "ICH" oder "DER" ("der" kann sich selbst beschweren wenn es denn so wäre das "er" sich darüber ärgert) wurde nicht benannt und "Alle" haben eh keine Ahnung aufzumachen. Jedenfalls würde das wesentlich mehr bringen als nur irgendwo den eigenen Frust abzusetzen und damit letztlich auch überhaupt nichts besser gemacht zu haben (ausser das eigene Ansehen geschmälert und das haben Sie Frau Stöhr-Strauch als verdiente engagierte Frau eigentlich überhaupt nicht nötig das sie sich selbst so darstellen wie sie es hier tun)

    Genauso Lustig find ich seit einigen Jahren die Personen die meinen die einzige Wahrheit zu besitzen oder nur alleine den Durchblick unter all den anderen zu haben und dann irgendwelche kruden Theorien kommentieren die sie sich selbst jahrelang eingeredet haben bis sie es selbst als ultimatives unumstößliches Urteil betrachten überall drunter schreiben. Dazu noch drüber aufregen weil sie nicht ohne Kritik bleiben obwohl sie schreiben und sagen können was sie wollen egal wie unsinnig es ist oder gar von Leuten aktiv bekämpft werden so wie von Anfang an ALLE Extremen in dieser Bewegung bekämpft wurden. Das waren lange Zeit übrigens nicht die Rechten die sich da noch in der Masse versteckt haben sondern definitiv die Linken und auch viele Menschen (vor allem Jugendliche) die schlicht radikalere Ansichten und Wege gehen wollten. Erst als die Bewegung sehr an Kraft verlor (meiner Meinung nach vor allem durch die enttäuschen Erwartungen an irgendwelche Parteien die schon im Ansatz eher blauäugig waren) und immer weniger Aktive dabei waren trauten sich die Rechten ihre Plakate und Köpfe raus zu stecken und auch das wurde dann nicht von der Masse der Menschen geduldet. Es stimmt also definitiv nicht das viele in der Bewegung versucht haben NUR X oder NUR Y raus zu halten sondern generell ging es so wie ich das beobachtet habe um jegliche Extremen.

    Ob das nun gut oder schlecht war mag sich jeder selbst ein Urteil bilden - wer bin ich schon das zu bewerten.

    Oben Bleiben - jetzt erst Recht.
  • Louisiana
    vor 3 Wochen
    Jössas! Was geht denn hier ab?!

    Zunächst einmal vorneweg: Ich konnte leider bei der Veranstaltung im Theaterhaus nicht dabei sein. Hätte ich gekonnt, wäre ich dabei gewesen. Aber auch so habe ich mich aus der Ferne sehr darüber gefreut und möchte allen, die an der Organisation und Durchführung beteiligt waren, dafür danken.

    Ich finde es schade, dass hier jemand offensichtlich durch seine persönliche Verbitterung dazu verleitet wurde, die Bewegung insgesamt derart anzugreifen. Aber das ist ein Phänomen, das man häufig beobachten kann. Können Menschen, aus welchen Gründen auch immer, bei irgendeinem Vorhaben nicht mehr mitmachen (wobei „nicht mehr können“ durchaus auch persönliche seelische Aspekte umfassen kann), dann neigen sie manchmal dazu, dieses Vorhaben von da an in Bausch und Bogen zu verdammen und schlecht zu reden, weil sie selbst dann mit der Tatsache, dass sie nicht mehr dabei sein können, besser zurecht kommen. Und hier scheint es mir in solch eine Richtung zu gehen.

    Mal mit etwas Abstand betrachtet… Warum wird denn immer wieder (und in der letzten Zeit wieder vermehrt) über die Schwächen des Irrsinnsprojektes S21 gesprochen, geschrieben, berichtet? Wegen uns. Weil wir nie aufgehört haben, immer und immer wieder auf die Fehler und Ungereimtheiten hinzuweisen. Ohne uns hätten doch Politik und Wirtschaft versucht, das Ganze entweder mit möglichst viel Propaganda oder aber möglichst geräuschlos durchzubringen. Gut, sie versuchen es trotzdem, aber dank unseres nicht aufhörenden Störfeuers gelingt ihnen das nicht. S21 ist kein Gewinnerthema – und dazu tragen wir maßgeblich bei, weil wir einfach nicht aufhören, auf gewisse Dinge hinzuweisen. Wir sind der Stachel an der unreifen Kastanie. Man kann uns nicht greifen, da es dann wehtut. Und so wird es auch bleiben.

    Und in Richtung des rechten Schreiberlings, der sich hier hervortut: Dein Frust darüber, dass es Dir und Deinesgleichen nicht gelingt, Deine kruden Ansichten an die Leute zu bringen, bestätigt mich in meinem jahrelangen Bemühen, eben das zu verhindern. Du wirst weiterhin mit Leuten wie mir rechnen müssen.
  • Real Ist
    am 17.10.2019
    Was gabs da eigentlich zu feiern, die eigenen Fehler in Verbindung mit der Niederlage, die internen Meinungsdiktate incl. massiver Zensur im PSF oder die Ausgrenzung Andersdenkender? Nein, es wurde das Protestieren um des Protests Willen gefeiert und die von der Bühne runter verordnete Gleichschaltung von Meinungen.

    Aus gut informierten und fleißig nach Fakten hinterherjagenden Bahnfreunden aus allen Gesellschaftsschichten, die was gegen den Verkehrskollaps tun wollten, wurden Meinungsdiktatoren, wer es wagt, den unbelegten Klimawandel in frage zu stellen, keinen abgrundtiefen Hass gegen Autos hegt, oder gar die Unverschämtheit besitzt, den so überaus toleranten, friedliebenden und frauenfreundlichen Islam zu kritisieren, ist beim Mitspielen nicht mehr willkommen, Fakten spielen da schon lange keine Rolle mehr.

    Eine Bewegung, in der man seine Meinung nicht vertreten darf und einem der Konsens verweigert wird, hat keinerlei Wert mehr.
    • Leo
      am 17.10.2019
      Ich finde es eigentlich ganz gut wenn die S21-Bewegung AfD-Trolle aussortiert.
    • Real Ist
      am 17.10.2019
      unbelegten Klimawandel ist natürlich ein Tippfehler, richtig heißt es: unbelegten "menschengemachter" Klimawandel.
    • Jens Mack
      am 17.10.2019
      Herr Ist, ihre Korektur ist leider immer noch ein Fehler, aber ein inhaltlicher. Putzig auch: Sie beklagen fehlende Toleranz und Ausgrenzung und machen dann pauschalisierende Aussagen über "den" Islam, die vor allem den Geist des Ausgrenzen-Wollens atmen. Sehr schlüssig das alles, Chapeau.
    • Martina Auer
      am 18.10.2019
      Ich habe weiter unten zwar die Miesepetrigkeit mancher (früherer) Mitstreiter angeklagt. Das soll allerdings nicht heißen, dass man kritiklos mit der Strategie innerhalb der Bewegung umgehen muss. Wie bereits unten geschrieben, finde auch ich, dass z.T. gravierende Fehler gemacht worden sind.

      Ich muss Real Ist hier vollkommen Recht geben, was das Aussortieren anderer Meinungen angeht. Das ist immer sehr problematisch. Die Bewegung war bis zu ihrem Höhepunkt im Herbst 2010 ein Sammelbecken von Menschen aller gesellschaftlichen Schichten, aller Altersgruppen und aller politischen Lager. Dann irgendwann wurde verordnet, die Bewegung solle möglichst ″bunt″ und ″kreativ″ sein, was dazu geführt hatte, dass man nach und nach nur noch Menschen aus dem Linkslager angetroffen hat. Zu viel Kleinkultur, zu viel ″bunte Kreativität″, zu viele Selbstdarsteller auch auf den Demos, in Hasenkostümen, mit Star Wars Helm und was weiß ich.

      Ich erinnere mich auch an eine Umfrage, in der es darum ging, ob man die Demos auch anderen Themen öffnen sollte. Ich war strikt dagegen, weil ich die dann eingetretene Politisierung und Ideologisierung bereits vorhergesehen hatte, die letzlich zum – freiwilligen – Rückzug der breiten Masse geführt hat. Eben der Menschen, die man aber braucht, um viel bewegen zu können, und die sich dann wieder als jene Couch Potatoes zurückgezogen haben, die sie vorher jahrelang waren. Jene breite Masse, vor der die S21-Mafiosi am meisten Angst hatten und haben, weshalb diese just im Herbst 2010 ihre beispiellose Gehirnwäsche (siehe u.a. die StZ/StN-″Leserkommentare″) gestartet hatten. Mit Erfolg, wie der weitere Rückgang der Demo-Teilnehmerzahlen und die Umfragewerte ab dann bewiesen hatten.

      Man hat um die gesellschaftliche Mitte, die man eigentlich schon gewonnen hatte, also gar nicht gekämpft, sondern hat sich die Butter vom Brot nehmen lassen. Man hätte den Sack zumachen müssen, indem man die S21-Mafiosi weiter an den gesellschaftlichen Rand hätte schieben müssen, anstatt sich selbst zum ideologisierten, gesellschaftlichen Rand zu machen, mit dem die breite Masse nichts zu tun haben will. Fairerweise muss man natürlich auch sagen, dass den S21-Mafiosi auch ganz andere Mittel zur Verfügung standen (nämlich sehr viel Geld und die sog. ″Presse″). Die Deutungshoheit wurde verloren.

      Ob die Teilnahme an der Schlichtung bereits ein Fehler war würde ich offen lassen. Allerdings war der entscheidende Fehler, sich dort widerspruchslos auf einen Vergleich zwischen der theoretischen (und erlogenen) Maximalkapazität von S21 und dem Ist-Zustand (momentane tatsächliche Zugzahl) des Kopfbahnhofs, statt dessen Maximalkapazität, einzulassen. Auf das Spiel, das die S21-Mafiosi so brillant gespielt haben. Und zwar bis heute. Das war und ist mir völlig unverständlich.
    • Verena Saisl
      vor 3 Wochen
      Vielen Dank für diese Einlassung; tut mir, vorab, Leid!

      Also: Wer mal später wissen möchte, warum S21, neben all dem strukturbedingt-traditionellen, heimischen Nazi-Mafia-Treiben hier, in Stuttgart, möglich wurde, sollte diesen Kommentar lesen.

      -Falls dieser echt sein sollte.

      Für diesen Fall:

      Wie vom Dauerregen ein Stück nasse Pappe legt sich diese Argumentation erstickend über alles, was wichtig festzustellen wäre. In ins Unendliche führenden, esoterisch anmutenden Windungen wird ein gesellschaftlich relevanter, endlich öffentlich statt gefunden habender Prozess konsequent personalisiert. Das ist das 1 x 1 des Neoliberalismus, der allgegenwärtigen "Blödmaschinen": "[...]there's no such thing as society.[...]" = Zivilisation und ihre erreichten Kulturstufen und daraus resultierende Überlebenskodizes pervertiert.

      Erkennen kann man das u.a. auch & relativ zuverlässig am negativen konnotieren des Begriffs der Ideologie: Wer das tut - und es gerne und oft auch mit dem Begriff "links" verbindet - hat per se & im Sinne einer solidarischen Gesellschaft nichts wiklich am Hut, sondern verfolgt andere, mindestens exklusionistische Ziele. Objektiv zumindest.

      Eines der "schönsten" Argumente der Apologeten des bestehenden, S21 ermöglichenden Systems aka Kapitalismus, ist die Diffamierung jeglicher demokratisch-gesellschaftlicher Emanzipation als 'linker Ideologie': Da spricht dann die auf Grund der ökonomischen Schrumpfung langsam total vereinsamte "'ideologiefreie' Mitte der Gesellschaft" (Ideologiefreiheit ist DIE hippe Ideologie des Spätkapitalismus dieser Tage!), weil sie sich tatsächlich einbildet, so einen Überlebensvorteil in der dräuenden Katastrophe zu erringen - was für ein Irrglaube (wenn echt) dieser politischen und ansonsten Esoteriker angesichts dessen, was tatsächlich am Start steht!

      Die halluzinierte "Mitte der Gesellschaft" (was soll das bitte eigentlich sein? - irgend eine Geschmacksrichtung?..) nannte sich ehemals das "gesunde Volksempfinden" - und führte, solchem Dreck politisch-kulturell die Ventile ob grassierender Idiotie öffnend - einstmals direkt nach Auschwitz. Aber - und das lässt hoffen - auch nach Stalingrad.
      Späßekken. :-)
      -Merkste selber, nä?

      Trotzdem, gewissermaßen, also, -ehrlich, danke.
      Für's Exempel.
    • Martina Auer
      vor 3 Wochen
      Der größte Fehler der Bewegung (bzw. derer, die sie ab einem bestimmten Zeitpunkt organisiert hatten): Sich keine Gedanken über die Außenwirkung zu machen. Stattdessen in sich selbst verharrend. Die S21-Mafiosi hattens erkannt. Das Ergebnis kennen wir.

      In diesem Sinne...

      Mit realistischen und pragmatischen Grüßen.
    • Real Ist
      vor 3 Wochen
      Richtig, eine katastrophale Außenwirkung hatten z.B. auch die ständigen Verkehrsblockaden, die uns die Mehrheit beim VE in Stuttgart kostete.

      Ist aber Schnee von Gestern, m.E. wäre es jetzt am Sinnvollsten, statt jeden Montag nur noch bei bestimmten Anlässen (die es ja häufig gibt) zu demonstrieren und noch wichtiger: S21 pur, ohne jegliche Nebenthemen, von denen der Protest sowieso keinerlei Ahnung hat.

      Schuster, bleib bei deinen Leisten sollte das Motto sein.
    • Jerg Ratgeb
      vor 3 Wochen
      Verena Saisl, Ihnen muss gar nichts leidtun. Denn natürlich strotzt die „Mitte der Gesellschaft“ vor Ideologie, mehr noch, sie ist selbst nichts als Ideologie. Das verlogenste aller Ideologeme ist dabei das der angeblichen Ideologiefreiheit. Und wer ernsthaft glaubt, ein ökonomisch-politisches Projekt unter Berufung auf die „Außenwirkung“ ohne „Politisierung und Ideologisierung“, die Ihnen, Frau Auer, so zuwider sind, bekämpfen zu können, hat schon von Anfang verloren. Schlimmer noch, vor lauter Bloß-nicht-Links-Sein-Wollen zieht man rechte Ideologen wie jenen Herrn Irreal an, der sich vorgeblich um den reibungslosen Autoverkehr sorgt und vor „Nebenthemen“ warnt, gleichzeitig aber Verschwörungstheorien über die Klima-Problematik und – natürlich ganz nebenbei – rassistische Hetze verbreitet. Das letzte Mal war ich auf einer Montagsdemo, es ist schon ein paar Jahre her, als dort ein Typ (Herr Irreal, wer weiß?) mit einem Schild voller Sprüche stand, die bei Pegida größte Begeisterung hervorgerufen hätten. Er wurde von einigen Montags-Demonstrant*innen freudig begrüßt, niemand schien sich an den Sprüchen zu stören. Das war das letzte Mal, dass ich montags auf der Straße war. Aber gut, vielleicht waren das Einzelfälle, und wenn sich solche Leute heute ausgegrenzt fühlen, um so besser. Dann will ich nichts gesagt haben.
      Gerade sehe ich, dass Sie sich, Frau Auer, weiter unten darüber wunderten, dass „exakt jenes System, welches durch den Protest angegangen wird, mit allen Kräften, Strategien und kriminellen Energien dagegen angeht“. Weiter schrieben Sie: „Sollte es allerdings etwas oder jemanden geben der tatsächlich anzuprangern ist, dann sind es die damals und heute Uninteressierten, die Ignoranten und die Menschen, die blind der Obrigkeit gefolgt sind und sich aus einer Gewohnheit oder einer Bequemlichkeit heraus haben blenden lassen.“ Willkommen in der „Mitte der Gesellschaft“.
    • Real Ist
      vor 3 Wochen
      Meinungsdiktatoren erkennt am besten daran, dass sie zu allem eine Meinung haben, aber gleichzeitig von fast nichts eine Ahnung haben, mangels faktischer Argumente schreien sie deshalb bei der geringsten Abweichung ihres Denkbefehls hysterisch in der Gegend rum, wenn sie dann den Meinungsfeind mit ihrem Geplärre noch nicht zum Schweigen bringen, ziehen sie den Joker und schlagen inflationär und ohne jegliche nachvollziehbare Begründung mit der Nazikeule um sich, diesen Geistesgrößen ist es zu verdanken, dass der Großteil der Mitstreiter lieber zuhause bleibt, Peinlichkeitsgründe spielen da durchaus auch eine Rolle.

      Wenn von momentan geschätzten 120.000 Bürgern alleine in Stuttgart (warscheinlich sind es noch viel mehr), die aufgrund der desaströsen Nachrichtenlage gegen das Projekt sind, aber nur jämmerliche 0,3 % zur Demo kommen, sollte man sich zwingend fragen, was da falsch gemacht wird, statt sich bei einer Feier selbst auf die Schultern zu klopfen.

      Deshalb habe ich einen konstruktiven Verbesserungsvorschlag gemacht, nichts weiter, rassistische Äußerungen sind übrigens auf keinem einzigen meiner Kommentare zu finden, mal ganz nebenbei bemerkt.
    • Martina Auer
      vor 3 Wochen
      Zuerst mal: Ich freue mich sehr, dass endlich einmal etwas Selbstreflexion eingetreten ist und dass auch Meinungen kundgetan werden, die etwas Kritik (im Sinne von Selbstkritik bzgl. der Bewegung) äußern. Und dass mein Kommentar dazu mit beitragen konnte. Denn Selbstreflexion und Selbstkritik sind etwas sehr wertvolles, und daran hat es in den letzten Jahren hin und wieder gefehlt.

      Schade allerdings, dass es auch Stimmen gibt, die genau dies nicht wahr haben wollen und alles niedermachen, was nicht 100%ig den vorherrschenden Meinungsmainstream in der Bewegung widerspiegelt. Und zwar bei etlichen Themen, die nur i.w.S. mit S21 zu tun haben.

      Zur Erinnerung: Die Bewegung war, als sie am stärksten war (d.h. als am meisten Menschen gegen S21 auf der Straße waren), noch ein bunter Haufen ganz unterschiedlicher Gesellschaftsschichten. Es war die Zeit, in der jeder, egal ob Gewerkschafter′in, IT-ler*in, Busfahrer*in, Finanzbeamter/-in, Pfleger*in, Forscher*in oder sonstwer, sich zur Montagsdemo verabredet hat und sich ihr angeschlossen hat. Weil es im Kern um die Bahninfrastruktur in Stuttgart und in der Region ging, um das Schreddern einer innerstädtischen Parkanlage, die sogar nach dem 2. WK verschont worden war, um das Stutzen eines der wenigen historischen und zudem eines denkmalgeschützen Baus, um den Verlust der Identität Stuttgarts, um die Gefährdung des Mineralwassers, des Durchdrückens wirrer Ideen seitens der Politik usw. Und weil Ingenieure, Architekten, Stadtplaner, Geologen, Theologen usw. maßgeblich beteiligt waren und mobil machten.

      Dann irgendwann wurden andere Themen gesetzt, die für sich genommen natürlich ebenfalls unterstützenswert sind, aber letztlich dazu geführt haben, dass die o.g. Kernthemen verwässert wurden und ein, Verzeihung, linkes Gesamptpaket geschnürt wurde. Ich war auf der 484. Montagsdemo zum 10-jährigen und musste mir in epischer Breite anhören, wie böse die Autos sind, und dass diese, überspitzt gesagt, der Ursprung allen Übels sind. Nun ja, auch ich bin für eine Verkehrswende, aber es war doch eine S21-Montagsdemo (oder etwa doch nicht?). Dazu die vielen anderen Themen, die man für die Montagsdemos bemüht und zweckentfremdet hat, und auf denen man den Teilnehmern mitgeteilt hat, was denn alles gut und was schlecht ist. Aus meiner Sicht kein Wunder, dass die von mir angesprochene ″gesellschaftliche Mitte″ (ich meine damit die Couch Potatoes, die vor 2010 lieber auf dem Sofa gesessen sind und dort auch heute wieder sitzen) sich davon abgewendet hat, und die Mehrheiten verloren gingen. Denn die Couch Potatoes sind - leider - die Mehrheit in unserer Gesellschaft, und daher wenn man so will diese ″Mitte″. Oder die Uninteressierten, von denen ich geschrieben habe. SIE sollten die eigentliche Zielgruppe sein. Stattdessen hat man sich innerhalb der Bewegung zu sehr um sich selbst gekümmert und sich gegenseitig auf die Schulter geklopft, weil man ja Recht hat.

      Was diese lapidare Feststellung nun mit ″Apologet des Kapitalismus″, ″Diffamierung jeglicher demokratisch-gesellschaftlicher Emanzipation als linke Ideologie″, ″Ventilen grassierender Ideologie″, mit ″Verbreitung rassistischer Hetze″ oder gar mit ″Auschwitz″ zu tun haben soll, wissen hoffentlich wenigstens die Verfasser dieser Zeilen selbst.

      Zum Thema Ideologie: Ideologisierung ist inzwischen leider zu einem der Hauptprobleme unserer heutigen Gesellschaft geworden. Man kann es auch Lobbyismus oder Gruppenbildung nennen. Gruppen, deren Mitstreiter sich bestimmten Denkpaketen verpflichtet fühlen, bekämpfen sich gegenseitig. Wer bei einem Thema ″rechts″ denkt (was auch immer das sein mag), der muss das natürlich auch bei allen anderen Themen tun. Oder wird wenigstens von den ″anderen″ dafür gehalten. Leider existiert ein vergleichbares Muster aber auch bei den ″Linken″, die, wenn sie gegen einen unsinnigen Bahnhofsrückbau sind, auch überall sonst ″links″ denken sollen. Es ist exakt das selbe, keinen Deut besser. Nur wollen das viele nicht erkennen bzw. diese Einsicht zulassen.

      Und jetzt die alles entscheidende Frage: Was soll an einer Ablehnung eines solchen Betrugsprojekts eigentlich ″links″ sein? Bzw. muss man ″links″ sein, um dies abzulehnen? Dürfen bislang Uninteressierte, also die unpolitischen Couch Potatoes, oder die Nicht-Ideologisierten, die sich vielleicht noch eigene Gedanken zu jedem separaten Thema machen, nicht dagegen sein bzw. mitmachen? Will man die nicht haben in der Bewegung? Hat man es nicht nötig, diese Leute zu gewinnen? Nein, der ″Mitte der Gesellschaft″ geht genau diese Ideologisierung ab, von der einige treibenden Kräfte der Bewegung vereinnahmt sind.

      Wer ernsthaft glaubt, ein ökonomisch-politisches Projekt nur mit Politisierung und Ideologisierung bekämpfen zu können, hat m.E. irgend etwas nicht verstanden. Schade, dass viele innerhalb der Bewegung sich nur mit ihresgleichen auseinandersetzen. Die selbe Zeit, die selben Kräfte wären für ein paar Leserkommentare in Spiegel, Focus, Stern, Welt, FAZ usw. weit besser angelegt als für die üblichen Diskussionen z.B. innerhalb des Parkschützerforums oder untereinander auf den Demos. Man kann noch so sehr Recht haben, es nützt nichts, wenn man keine Mehrheiten gewinnt oder gewinnen will.
    • Martina Auer
      vor 2 Wochen
      Dazu noch ein passender Artikel in der NZZ (erschienen heute, 29.10.19). "Warum die identitäre Linke den Kulturkampf verlieren wird". Auszug:

      "Ein Gespenst geht um in Deutschland. Das Gespenst der identitären Linken. Diese findet, dass bestimmte Menschen vom Diskurs ausgeschlossen gehören. Meinungsfreiheit ja, aber bitte nur in dem von ihr vordefinierten Raum, nach den Massstäben der eigenen «diversity» und sicherheitshalber mit Sascha Lobo als Türsteher – denn was rote Linien sind, bestimmen jetzt nicht mehr Gesetze und Verfassungen, sondern ein wolkiger «gesellschaftlicher Konsens», also im Zweifel ein Twitter-Mob. Das alles ist in den Augen der identitären Linken höchst fortschrittlich und anständig, wenn auch unklar ist, wie die selbsternannten wehrhaften Demokraten die Demokratie retten wollen, wenn sie zugleich ihr tragendes Element, die Auseinandersetzung mit Andersdenkenden, abschaffen. (....)"

      https://www.nzz.ch/meinung/kolumnen/warum-die-identitaere-linke-den-kulturkampf-verlieren-wird-ld.1518294
    • Verena Saisl
      vor 2 Wochen
      Heilsam gegen schlaffes, reaktionäres und verwirrtes NZZ-Geunke + wenn Heilung u.U. gewollt: Kolumnen von Stefan Gärtner und Markus Metz'/Georg Seeßlens Schriftstücke.
      Ende der Durchsage.
    • Jerg Ratgeb
      vor 2 Wochen
      Frau Auer, eigentlich hatte ich vor, keine Erwiderung mehr zu schreiben, weil es wenig Sinn macht, wenn jemand „Selbstreflexion und Selbstkritik“ als „sehr wertvoll“ rühmt, aber offenkundig nicht bei sich selbst, sondern ausschließlich bei anderen, und jene anderen allen Ernstes dazu auffordert, wenn ich das richtig verstanden habe, doch besser Leserbriefe zu schreiben statt intern zu diskutieren. „Ideologisch“ sind ja sowieso immer nur die anderen, nicht wahr? By the way: Wussten Sie eigentlich, dass es den Begriff, den Sie so inflationär verwenden, ohne einen gewissen Karl Marx in seiner heutigen Bedeutung gar nicht geben würde? „Lobbyismus“ und „Gruppenbildung“ gehören eher nicht dazu bzw. allenfalls sehr entfernt als Elemente der bürgerlichen Gesellschaft und deren Bewusstsein, also ziemlich genau auf das, was für Sie die vorgeblich unideologische, unpolitische goldene „Mitte“ darstellt.

      Nachdem ich nun aber Zeit gefunden habe, den von Ihnen verlinkten Artikel zu lesen, muss ich doch noch ein paar Anmerkungen machen. Denn Sie haben vollkommen recht, er passt wirklich sehr gut. Nämlich zu Ihnen. Stricken Sie doch hier ja an einem Mythos, der im Kern so geht: Früher war alles gut, man war eine starke, bunte Bewegung aller gesellschaftlichen Schichten einschließlich der „Couch Potatoes“, Stuttgart war praktisch der Nabel der Welt. Dann kamen „die Linken“, übernahmen den Laden und diktierten ihre „separaten Themen“, von da an ging’s bergab. Man kann das natürlich so sehen, allerdings handelt sich um ein analytisches Niveau, auf das ich mich lieber nicht begeben möchte. Mir geht es um das Muster, auf das es immer hinausläuft, wenn behauptet wird, links und rechts seien – in Ihren Worten – „exakt das selbe“ –, Subtext: „eigentlich“ sind die Linken viel schlimmer (u.a. haben sie ja unsere hübsche Bewegung kaputt gemacht).
      Ich erinnere an den Kommentar, an dem sich die Debatte hier entzündet hat und der in den Worten gipfelte: „wer es wagt, den unbelegten Klimawandel in frage zu stellen, keinen abgrundtiefen Hass gegen Autos hegt, oder gar die Unverschämtheit besitzt, den so überaus toleranten, friedliebenden und frauenfreundlichen Islam zu kritisieren, ist beim Mitspielen nicht mehr willkommen.“ Das ist AfD-Sprech in Reinform: Man stelle abstruse Behauptungen auf (kennen Sie ein einziges wissenschaftliches Argument, das den Klimawandel – ob menschengemacht oder nicht – widerlegt, kennen Sie nur eine Person, die je gesagt hätte, „der“ Islam sei „überaus“ tolerant, friedliebend, frauenfreundlich? Sehen Sie…), verkaufe sie als Fakten, um dann, wenn Widerspruch kommt, mit Begriffen wie Meinungsdiktatur, Ausgrenzung, Zensur, Nazikeule, Gleichschaltung usw. nur so um sich werfen zu können. Man kennt das doch inzwischen zur Genüge. Sie aber offensichtlich nicht, oder es war Ihnen egal, denn Sie fühlten sich bemüßigt, dem Herrn „vollkommen“ Recht zu geben, „was das Aussortieren anderer Meinungen angeht“. Da trennt uns nun wirklich ein sehr, sehr tiefer Graben. Dann mir graust bei dem Gedanken, mit solchen Leuten womöglich mehrfach Seite an Seite marschiert zu sein.

      Andererseits war das so um 2010, heute aber ist die Situation eine völlig andere, denn der Faschismus klopft immer hörbarer an unsere Tür, übrigens auch an Ihre. Nein, es ist nicht der „linke Faschismus“, den es nie gab, so wie es keine Linken waren, die seit 1990 an die 200 Menschen ermordet haben – Migrant*innen, Obdachlose, Behinderte, Schwule und Lesben, „linke Zecken“. Es sind auch keine Linken, die nichts lieber täten, als jüdisches Leben in unserem Land lieber heute als morgen endgültig auszulöschen. Und es sind keine Linken, die den bevorstehenden „Systemwechsel“ propagieren, um dann „aufzuräumen“ und dafür schon Todeslisten mit Tausenden von Namen bereithalten. Sie meinen, ich übertreibe? In der vorletzten Woche wurde eine Studie veröffentlicht, die belegt, dass ein Viertel der Deutschen antisemitisch denkt und 41 Prozent der Meinung ist, Jüdinnen und Juden redeten zu viel über den Holocaust. Sie haben die „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ des Herrn Höcke schon vollzogen. (Nebenbei bemerkt: Unter den 41 Prozent dürfte – leider – ein Bodensatz von Menschen sein, die sich selbst als „links“ einordnen. Dies ist einer der Gründe dafür, dass ich mir selbst eine sehr kritische Distanz zu Teilen der Linken bewahre.) Es tut mir leid, aber ich habe keinerlei Verständnis dafür, wie man sich angesichts all dessen heute noch mit der verloren gegangenen „Reinheit“ des Protestes gegen einen Bahnhof (vulgo: Haltepunkt) beschäftigen kann, sich rühmt, jahrelang lieber nicht über diesen provinziellen Tellerrand hinausgeblickt zu haben und nun munter dieses Rechts-und links-ist-doch alles-einerlei-Spielchen spielt. Johanna Henkel-Waidhofer hat es in anderem Zusammenhang gerade gesagt: „Denn mit der absurden Gleichsetzung von links und rechts wird die Relativierung von Nazis in Kauf genommen.“ Ich gehe noch weiter und behaupte, Nazis werden auf diese Weise systematisch verharmlost, um sie salonfähig zu machen.

      Das tut auch der von Ihnen bemühte Milosz Matuschek, und zwar auf besonders perfide Weise. Vorneweg: Ich halte es nicht für die richtige Strategie, geistige Tiefflieger wie Lucke, Lindner und de Maizière am Reden zu hindern. Aber darum geht es Matuschek ja auch nur vordergründig. Dabei nehme ich ihm sogar ab, dass er die „liberale Demokratie“ verteidigen möchte, seine Methode ist dabei allerdings ebenso billig wie infam. Das beginnt schon mit den ersten beiden Sätzen. Die Einleitung des „Kommunistischen Manifestes“ wurde gewiss schon oft plagiiert, aber selten so schlecht. Obwohl Matuschek wissen könnte, dass rassistisches und völkisch-nationalistisches Gedankengut längst in der Mitte der Gesellschaft Fuß gefasst, macht er damit gleich klar, woher die wirkliche Gefahr droht, nämlich – natürlich – von links. Für den Rest seines Textes begnügt er sich damit, eindeutig mit der politischen Rechten assoziierte Phänomene einfach umzukehren und sie umstandslos der Linken überzustülpen. „Linker Faschismus“ taugt seit jeher ausschließlich als Kampfbegriff der Rechten, ansonsten ist er historisch wie politisch kompletter Unsinn. Genauso gut und genauso falsch hätte er die antifaschistischen Hamburger Student*innen auch „stalinistisch“ nennen können, aber dann hätte die schlichte Rechts-links-Umkehr ja nicht funktioniert. Dann der „Twitter-Mob“. Ja, Hate Speech von links gibt es, schlimm genug. Nach allen Studien, die ich kenne, sind die asozialen Medien aber fest in der Hand der neuen SA, die hier ihre Hetze nahezu ungehindert verbreiten kann. (Übrigens, Herr Matuschek, das wäre noch etwas für die nächste Kolumne: „linke SA“, oder warum nicht gleich: „linke Nazis“?) Schließlich die „identitäre Linke“, diese Erfindung fand der Autor derart genial, dass er sie für die Überschrift verwendete. Dabei handelt es sich bei der „Identitären Bewegung“ um eine der gefährlichsten Gruppierungen der Neuen Rechten, so gefährlich, dass sogar der Verfassungsschutz nicht umhinkam, sie als „gesichert rechtsextremistisch“ einzustufen. Der Begriff „linksidentitär“ war mir bisher noch nicht begegnet, bei einer oberflächlichen Recherche im Netz fand ich AfD-nahe („Tichys Einblick“) bis offen rechtsradikale („Blaue Narzisse“) Quellen. Und, beinahe unvermeidlich, einen gewissen Boris Palmer, der das Wort offenbar auch gerne benutzt. Womit wir wieder bei einem (ehemaligen?) Helden der Bewegung wären. So schließen sich Kreise, letztlich hat irgendwie doch alles mit allem zu tun und jede und jeder sucht sich selbst das Umfeld, in dem er und sie sich wohl fühlt. Nicht wahr, Frau Auer?
    • Martina Auer
      vor 1 Woche
      Tut mir sehr leid für Sie, Frau Saisl und Herr Ratgeb, dass Sie nicht willens sind, mögliche Fehler zu hinterfragen, Selbstkritik zu üben, andere Meinungen zu ertragen, ohne gleich auf andere einzudreschen, von Stalin und der SA zu schwafeln und den Nazijoker zu bemühen. Oder dies wenigstens zu versuchen. Ich konnte Ihrer rhetorischen Keule zum Glück gerade noch ausweichen.

      Ehrlich gesagt habe ich geradezu auf sowas gewartet.

      Leben Sie ruhig weiter in Ihrem 'intellektuellen' Elfenbeinturm. Dem Kopfbahnhof und dieser Stadt erweisen Sie damit aber leider einen Bärendienst.

      Weiter so!
    • Verena Saisl
      vor 1 Woche
      Sie müssen sich schon entscheiden: Wollen Sie ironisch sein? Oder wollen Sie eher die Opferrolle spielen? Beides gleichzeitig geht nicht, bzw., dergestalt nach hinten los. Es entstellt zur Kenntlichkeit. Dafür jedoch, gewissermaßen: Danke. :-)
    • Verena Saisl
      vor 1 Woche
      Es sei ja jeder/m unbenommen, zu hören und wahrzunehmen, was er oder sie will. Angesichts der bezeichneten Rede von Dr. Angelika Linckh jedoch öffentlich von "Unbelehrbarkeit" und "Besserwisserei" zu reden, offenbart angesichts der eigenen Positionen einerseits und mindestens eine ziemlich klandestine Rechthaberei und andererseits - Entschuldigung, ich meine das tatsächlich kategorial, nicht als persönliche Diffamierung, wenn denn dieser Kommentar "echt" ist: eine erschreckende Dummheit (i.S.v. "Blödmaschinen"; Erzeugung von struktureller und in Folge auch individueller Dummheit mittels systematischer, flächendeckender Verblödung). Ziemlich destruktiv, toxisch. Wahrscheinlich ist das aber - aus Gründen - hier genau so auch gewollt.

      Wie auch immer: Hier kann im Einzelnen nachgelesen werden, was Dr. Linckh tatsächlich sagte:

      https://www.bei-abriss-aufstand.de/wp-content/uploads/Rede-von-Angelika-Linckh-2.pdf
    • Martina Auer
      vor 1 Woche
      Nö, wie kommen Sie darauf? Ein Schuss Realismus schadet jedoch nie.
    • Jerg Ratgeb
      vor 1 Woche
      „Nazijoker“. Mehr fällt Ihnen dazu nicht ein. (Weil Sie denken, Sie betrifft das alles nicht, weil Sie keiner Minderheit angehören und – zum Beispiel – Halle weit weg scheint?) Komisch, waren nicht Sie es, die hier einen Text verlinkt hat, dessen Autor den Zeitpunkt für passend hielt, von „linkem Faschismus“ und „identitären Linken“ zu phantasieren?

      Sie scheinen tatsächlich zu glauben, es helfe „dem Kopfbahnhof und dieser Stadt“, mit Rechten zu paktieren. Nö, so viel Vertrauen habe ich noch in den (Rest-)Widerstand, damit werden Sie isoliert sein. Und sich zusammen mit Ihrem „realen“ Freund noch viele Male ärgern können (s.o.), wenn Sie Reden hören, die differenzieren statt zu simplifizieren, oder wenn Sie daran erinnert werden, dass es noch eine Welt jenseits der Stuttgarter Bahninfrastruktur gibt.
  • Verena Saisl
    am 17.10.2019
    Das von einer Stuttgart-Emigrantin und Protestveteranin hier eröffnete, gerade unter dem Artikel statt findende fröhliche Hauen und Stechen ist genau das, was passiert, wenn ein Scheitern eben nicht analysiert werden will (oder kann). Dann wird's - immer - persönlich; eine Ersatzhandlung (unnötig zu erwähnen, dass das bezüglich des Gegenstands keinen Millimeter weiter führt und andere sich, wieder mal auf's Neue, die Hände reiben; unnötig auch zu erwähnen, dass der Protest gescheitert ist, ob lediglich vorerst oder endgültig, darauf würde ich mich nicht festlegen; ich kenne ja auch nicht die Lottozahlen von übernächster Woche; und mal ehrlich: Wer hatte 2010 bspw. Greta Thunberg auf'm Zettel?..).

    Ich glaube, es war Ingo Arzt, der seinerzeit in einem Pressekommentar feststellte, dass der Fehler der S21-Gegner vor allem darin bestand, sich überhaupt auf eine Diskussion über die Effizienz dieses unterirdischen Bahnhofs eingelassen zu haben. Er verwies dabei auf die Anti-AKW-Bewegung, die sich ja auch nicht auf eine Diskussion über die Effizienz von AKWs eingelassen hatte. Das eine ist eben Protest, das andere Widerstand (als einmal solidarische Traktoren aus dem Wendland anlässlich einer Protestaktion in Stuttgart auf den Straßen auffahren sollten - Widerstand! - waren es die protestierenden Stuttgarter, die das, gemeinsam mit der Polizei, nicht zuließen. Das ist exemplarisch dafür, warum der Protest gegen S21 bislang scheiterte, finde ich).

    Der Stuttgarter Protest war (und ist) viel zu naiv, zu kenntnislos, gegen welches Mafiasystem man da aufbegehrt (als der System-Pate Geißler mit ein paar Kamerateams aufkreuzte und Scheidsrichter sein sollte - wie absurd! -, fanden Viele nichts dabei, im Gegenteil), war viel zu leicht zu vereinnahmen (Grüne), ist mehrheitlich (bis heute offensichtlich) nicht in der Lage zu erkennen, dass S21 ein astrein der Logik der Kapitalverwertung folgendes und innerhalb dieses ökonomischen Systems somit folgerichtiges, quasi "natürliches" Projekt ist.
    Wird das nicht langsam mal kapiert, hat jeglicher Protest oder gar Widerstand kein realistisches Ziel (was man selbst auch oft ist dabei, mal ehrlich jetzt) und muss scheitern. Dann bekommt eben, bb abgewandelt, jede Stadt den Bahnhof, den sie verdient.
    • Jue.So Jürgen Sojka
      am 17.10.2019
      @Verena Saisl,
      wie zutreffend ihre vergleichende Betrachtung auf den Punkt gebracht ist. Es lässt sich dieses dazu beitragen:
      A.) „…, dass der Fehler der S21-Gegner vor allem darin bestand, …“
      Begonnen haben die Fehler mit dem "gegen sein wollen"! Gegen einen (Tief-)Bahnhof, der noch nicht einmal geplant war, sondern lediglich in den Köpfen derer herumschwirrte, die… [1]
      --- Anstatt sich für den Erhalt des Kopfbahnhof einzusetzen – Amtseid auf Landesverfassung 3c und…
      --- KONTEXT Ausgabe 405 https://up.picr.de/35714428rb.pdf Seite 3
      Bahn-Aufsichtsrat lässt Kosten und Haftung prüfen … Haftung bei Amtspflichtverletzung …

      B.) Egon Hopfenzitz auf der MoDemo am 15.10.2012 2012 https://schaeferweltweit.de/egon-hopfenzitz-erklart-den-status-quo/ Video 14:10 Min.
      „… Uns wurde immer wieder der Vorwurf gemacht:
      Wir seien gegen alles was nur möglich ist. … Wir seien dagegen, dagegen, dagegen.
      Deshalb müssen wir unsere Wortwahl ändern. …“
      UND das Liedgut von Timothy Leary am 03.10.2010 veröffentlicht:
      Stuggi, Stuggi, Stuttgart https://www.youtube.com/watch?v=9Cb9DqSgaSA 4:09 Min.
      Mit Musik nicht gegen etwas
      sondern für etwas
      für K21
      für eine vernüftige Zukunft & ein modernes und demokratisches Stuttgart

      C.) … Gestern wie heute: Was ist mit jenen zu machen, die _niemals_ dazu lernen wollen!

      [1] KONTEXT Ausgabe 436 https://up.picr.de/36786173tq.pdf Mann² - G. Kretschmann beim Stadtdekan
  • Luzia Andale
    am 17.10.2019
    Der Kampf gegen S21 ist verloren, es wird gebaut, die Bäume sind gefällt, die Demos haben es nicht verhindert. In einer "Montagsdemo-Gala" das "Zehnjährige ihrer Montagsdemos" zu feiern: Schwachmaten, die so ein "Thema" festsetzen! Warum, um alles in der Welt, ist die Intelligenz in dieser Bewegung nicht bei der Konzeption beteiligt worden?
    Das Projekt S21 ist zweifelsfrei hirnverbrannt und hat so unglaublich viele wirklich intelligente Menschen zusammengebracht. Warum ist da keiner mehr, der so einen konzeptionellen Griff ins Klo bemerkt? Insofern ist Helgas Kritik absolut berechtigt.
    Wie Volker Lösch sagte: S21 wird in jedem Fall scheitern. Aber: Sicher NICHT durch DIESE Bewegung, nicht SO!! Da braucht es andere Kaliber. Oder Katastrophen.
    Oben bleiben!
    • Niko
      am 18.10.2019
      Das ist in meinen Augen ein beleidigender Beitrag.
  • tom adler
    am 16.10.2019
    Andrea K. trifft den Nagel auf den Kopf: die beiden Kommentatoren Waldemar Grytz und Helga Stöhr-Strauch tun den Herren(-knechten) des Systems S21 genau den Gefallen, von dem Max Uthoff so geistreich abgeraten hat: verbittert und resigniert am Straßenrand zu stehen und denen, die versuchen, etwas auf die Beine dagegen zu stellen, hinterher zu rufen, dass sie doch immer alles falsch machen.

    Zum Glück hat der aller-aller größte Teil der Besucher im Theaterhaus eine ganz und gar andre Wahrnehmung gehabt als die beiden: sie haben keinen larmoyanten kulturellen Abgesang auf eine gescheiterte Bewegung erlebt, sondern eine zum weiter machen motivierende und bereichernde Veranstaltung, laut Kontext: "unverkniffen und mit all denen, die aus dem Protest eine höchst respektable Bewegung gemacht haben".

    Wenn die beiden sich wenigstens die Mühe gemacht hätten, ihre diversen Vorwürfe an den Fakten zu überprüfen! Wenn Waldemar Grytz etwa meint, „wenn etwas wie der S21-Protest die Bühne des Theaters erreicht hat, sei es es mit dem politisch-gesellschaftlichen Anlass meistens schon vorbei“, dann hat er offenbar schon vergessen, dass der Protest gegen Stuttgart21 schon in seinen Hochzeiten auf den Bühnen des Stuttgarter Theaters war – ebenso parteiisch wie am 8.10. im Theaterhaus.

    Wenn Helga Stöhr-Strauch moniert, dass die, „die Woche für Woche etwas aus dem Hut zaubern mussten, um den Protest am Kochen zu halten, (…) bei dieser Veranstaltung nicht zu finden“ gewesen seien, sollte sie eins nicht unterschlagen: dass viele Mitstreiter aus den Anfangsjahren eingeladen und mit Freude dabei waren. Und dass auch sie selbst eingeladen worden war, aber harsch abgesagt hatte und nur deshalb „nicht zu finden war“.
    Rückblickend und nach solchen kritikasterhaften Kommentaren stimme ich Andrea K. ebenfalls zu, dass man vielleicht besser ganz auf diesen Schlussteil verzichtet hätte, weil so etwas nie abgeht, ohne dass sich die eine zurückgesetzt und der andre zu Unrecht vergessen fühlt. Und wer sich darauf verlegt hat, Haare in Suppen zu suchen, wird immer welche finden. Zum Glück atmet der Kontext-Artikel nicht diesen Geist, sondern heißt uns: wach, widerständig und oben bleiben!
    • Helga Stöhr-Strauch
      vor 3 Wochen
      Ich finde, hier ist eine Klarstellung nötig:
      Wenn eine Absage, die sich darauf bezieht, dass man das große Heulen kriegt, sobald man nur an Stuttgart denkt, harsch ist, bin ich tatsächlich zum Weichei geworden. Auch der Hinweis, dass das Motto "Ihr kriegt uns nicht los, wir Euch schon" zumindest in meinem oder unserem Fall nicht zutrifft, ist eigentlich nicht harsch, sondern faktisch richtig. Wir sind nämlich gegangen.
      Ich hoffe, dass die Parkschützer mit dem Geld aus der Gala etwas Sinnvolles anfangen und dass man weiterhin den aufrechten Gang pflegt.
  • Shoobidoo
    am 16.10.2019
    Den Anlass für den Abend kann man kritisch sehen, allerdings habe ich häufig und gerne lauthals gelacht. (Soll gesund sein.) Uta Köbernicks Mischung aus Poesie, Komik und Bissigkeit war grandios. Vielleicht teilt sich das am Bildschirm weniger mit als im vollbesetzten Saal. Die Ehrung der "Verdienten“ am Schluss hätte man sich sparen sollen. Die fehlenden Namen lagen vielen auf der Zunge, zu kleinkariert, langwierig und -weilig war das Prozedere.
    Woher kommen um diese Jahreszeit eigentlich derart langstielige und großblütige Rosen? Wohl kaum aus einem Stuttgarter Garten. Oder? Stichwort: Klima.
  • Andrea K.
    am 16.10.2019
    Diese Bewegung hat so viel erreicht, hat so viele Menschen mobilisiert und politisiert, hat so viele Fehler im System aufgedeckt - wie kann man da so negativ daherreden? Es macht mich traurig, dass gleich die ersten Kommentare genau die Bitterkeit widerspiegeln, die Herr Uthoff angesprochen hat - und die sicher einige engagierte Menschen längst vergrault hat. Fröhliche Motive sind auf Demos schon lange nicht mehr erwünscht, das fand ich persönlich schon erschreckend.

    Peter Grohmann hat auch einmal gesagt "wenn das Engagement keinen Spaß mehr macht, dann muss man eine Pause machen". Und mehr als eine Pause wird es selten, denn wer einmal aufgestanden ist, steht wieder auf (das hat Fritz Mielert gesagt).

    Ich persönlich hätte ganz sicher gar nicht erst versucht, alle wichtigen Menschen ehren zu wollen - zu sicher ist, dass soundsoviele Miesepeter daran etwas auszusetzen haben. Und dass Herr Uthoff sich die Zeit genommen hat, hier aufzutreten, fand ich persönlich großartig. Wer weiß, vielleicht hat Herr Schramm einfach keine Zeit gehabt? Wer hat sich denn in der Organisation engagiert, dass er sich hier ein Urteil erlauben könnte?

    Ich bin froh, dabei gewesen zu sein. Viele Bilder sind jetzt wieder präsent und darunter sind doch auch sehr schöne. Den Spaß den wir bei verschiedenen Aktionen hatten, den nimmt einem niemand mehr. Die Menschen, die mich persönlich bis heute begleiten, bereichern mein Leben. Wie viele andere da noch waren, deren Namen ich leider teilweise vergessen habe, hat mir dieser Abend wieder gezeigt.

    Danke an die, die mich rechtzeitig auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht hat!
    • Helga Stöhr-Strauch
      am 16.10.2019
      Guten Tag Frau K. !

      Sind Sie die Schwester von Herrn K? Oder seine Frau? Also Frau Keuner? Oder hat man vergessen, Ihnen einen richtigen Nachnamen zu geben?
      Vermutlich nicht. Sie haben eine Funktion als Parabelerzählerin. Die Parabel von der schönen Zeit!

      Sie haben ganz sicher recht mit Ihrer Aussage, dass Ihnen die schönen Erinnerungen keiner nehmen kann. Vermutlich sehen das die Traumatisierten und Verletzten vom Schwarzen Donnerstag anders. Also diejenigen, die damals zum ersten Mal am eigenen Leib verspürt haben, dass der Kapitalismus schon immer Opfer verlangt hat und weiterhin verlangen wird (siehe auch: Regenwald, Irak, „Drittwelt“staaten...). Aber: Petitessen! Ihre Geschichte, dass man so viel bewegt (und nix erreicht) hat, ist eine schöne Geschichte. Die sollten Sie sich erhalten und Ihren Enkeln weitergeben. So sind wir alle groß geworden und haben nix gelernt, was aber auch kein Fehler ist.
      Schön auch, dass Ihnen Peter Grohmann und Fritz Mielert große Vorbilder sind. Was braucht man einen Karl Marx oder einen Jesus Christus, so lange es noch Stuttgarter gibt, die auch als Parkschützer aktiv waren?
      Nein, wirklich: bleiben Sie dabei und werfen Sie allen Ballast von sich. Die Erinnerungen allein zählen. Und, bitte! Hinterfragen Sie niemals, wohin Spenden- oder Eintrittsgelder für Großveranstaltungen gehen. Glauben Sie mir, Sie wollen das, ebenso wie ich, gar nicht wissen! Es versaut einem nur den Spaß an der Erinnerung...
      In diesem Sinn: bleiben Sie wie Sie wo und wie Sie sind! In Stuttgart und oben.

      Ihr Miesepeter

      P.S. Georg Schramm hatte bereits nach der "Volksabstimmung" keinen Bock mehr auf Stuttgart und kam deshalb auch nicht mehr...
    • Martina Auer
      am 17.10.2019
      Hallo Frau K., vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich finde ,genau wie Sie, es schade, dass es einige Miesepeter gibt, die eigentlich nichts mehr zu sagen haben, außer ihrer Verbitterung freien Lauf zu lassen. Keine Aussage dazu, was man vielleicht hätte besser machen können, kein konstruktiver Gedanke, nichts.

      Natürlich ist es so, dass eine Bewegung, je länger sich die ganze Sache hinzieht, im Laufe der Zeit an Momentum verliert. Vor allem eben dann, wenn exakt jenes System, welches durch den Protest angegangen wird, mit allen Kräften, Strategien und kriminellen Energien dagegen angeht (z.B. dem gezielten Aushöhlen des Rechtsstaates, gezielter Desinformation, Einschüchterung und Kriminalisierung anderer, getragen vom gemeinsamen Marsch Minderwertigkeitskomplex-geplagter Provinzpolitiker, der ihnen folgenden Justiz und Staatsanwaltschaft, der üblichen Wirtschaftselite bei der keine Krähe einer anderen ein Auge aushackt, und der Einheits-"Presse").

      Umso schöner ist es, dass sich der Bewegung auch zu späteren Zeiträumen noch Menschen angeschlossen haben, die nicht von Anfang an dabei waren. Möglicherweise wurden diese Menschen von genau jener Bewegung inspiriert, die so mancher Miesepeter anprangert, welcher schon frühzeitig dabei war und heute keine Gelegenheit auslässt um dies stolz zu verkünden - und der noch heute von diesen guten alten Anfangstagen schwelgt, die doch niemals vorüber gehen mögen. Die Erde dreht sich allerdings weiter, und das gilt eben auch für Bürgerbewegungen.

      Ganz großen Dank an alle, die, egal in welchem Zeitabschnitt, öffentlich oder nicht-öffentlich dazu beigetragen haben, den ganzen Lug und Trug in dieser Stadt aufzudecken. Sei es Gangolf Stocker mit seiner Initiative Leben in Stuttgart, seien es Vertreter im Aktionsbündnis, oder wer auch immer, eben alle, die viel Kraft und Zeit in diese Arbeit hinein gesteckt haben bzw. stecken.

      Fehler geschehen immer wieder, und ja, es wurden auch Fehler gemacht. Diese allerdings werden manchmal auch subjektiv als solche empfunden, teilweise mögen sie auch objektiv geschehen sein. Sollte es allerdings etwas oder jemanden geben der tatsächlich anzuprangern ist, dann sind es die damals und heute Uninteressierten, die Ignoranten und die Menschen, die blind der Obrigkeit gefolgt sind und sich aus einer Gewohnheit oder einer Bequemlichkeit heraus haben blenden lassen. Sowie viele lokale Prominente, die sich nicht aus ihrem Elfenbeinturm gewagt haben. Und natürlich die Miesepeter, die sowieso alles schlecht finden. Schade eigentlich.
    • Andrea K.
      am 18.10.2019
      Liebe Frau Stöhr-Strauch,

      ich habe durchaus einen Nachnamen, vielleicht kannten Sie ihn dereinst sogar, er enthielt zwar ein "K.", war nicht unbekannt in der Bewegung. Gut für mich, dass Sie ihn heute nicht kennen, wo Sie doch nur Ihren Frust an mir abarbeiten wollen. Auf diese Art Öffentlichkeit lege ich - das werden Sie verstehen - keinen Wert.

      Ich bin ganz sicher, alle, die sich gegen Stuttgart21 engagiert haben, haben sehr viel Frust erlebt. Ich bin kein Psychologe, weiß daher nicht wo "Schrecken" aufhört und "Trauma" anfängt, aber wer die Polizeieinsätze miterlebt hat, kann davon nicht unbeeindruckt geblieben sein. Gerade die Revueveranstaltung hat mich persönlich daran erinnert, wie hoch mein Puls war, wann immer ich die Trommeln hörte. Und manchmal wünsche ich mir meine ganze Naivität zurück. Ich glaubte tatsächlich, es müssten doch nur alle richtig informiert werden, dann würde der Spuk doch vorbei sein. Wie es anders kam, das wissen Sie ja selbst.

      Ob ich allerdings mein Engagement oder die ganze Bewegung als Scheitern und Zeitverschwendung ansehe, das kann ich für mich ganz allein entscheiden. Und ich komme eben zu dem Schluss, dass all das eine Bereicherung war. Natürlich, ich würde heute manches anders machen, man wird ja klüger durch Erfahrung (was einem wiederum niemand nehmen kann). Aber in der Gesamtheit kann ich mit Sicherheit sagen: Ich würde es wieder tun. Ich halte es für wichtig.

      Schade, dass Sie Ihren Fokus auf die negativen Aspekte setzen, aber das ist wiederum Ihre freie Entscheidung.

      Alles Gute
      Andrea
    • Andrea K.
      am 18.10.2019
      Jetzt wird mir das "K" tatsächlich noch zum Schicksal ;-)

      Mein Name enthält _kein_ K hätte es oben heißen müssen, wo ich das K doch nur für den Benutzernamen in der _K_ontext verwendte, die zu Beginn unbedingt einen Nachnamen von mir wollte.
  • Waldemar Grytz
    am 16.10.2019
    Wenn etwas die Bühne des Theaters erreicht hat, ist es mit dem politisch-gesellschaftlichen Anlass bzw. den Möglichkeiten der Durchsetzung eines Anliegens ja meistens schon vorbei. Also nichts gegen gegenseitiges Schulterklopfen beim kulturellen Abgesang, aber wenn zum 10. Jahrestag nur noch eine Fahrspur vor dem Bahnhof gefüllt werden kann, sollten wir mal über das wirklich Erreichte und das evtl. noch Mögliche diskutieren.
  • Helga Stöhr-Strauch
    am 16.10.2019
    Ich habe mir die Veranstaltung auf youtube angesehen. Aus der Ferne betrachtet finde ich es außerordentlich befremdlich, dass man einen zehn Jahre dauernden und leider verlorenen Kampf mit einer Veranstaltung befeiert, bei der Leute auf der Bühne stehen, die z.T. sehr lange brauchten, um sich überhaupt dem Protest anzuschließen. Sei es, weil sie "wichtige" Funktionen bei der örtlichen Presse hatten oder aus Gründen der eigenen Karriere nur zu "Großdemos" im Schlossgarten kommen konnten, bei den "Kleinklein"-Veranstaltungen aber keine Zeit hatten.
    Leider sind diejenigen, die ernsthafte Sorgen hatten, dass es in Zeiten extremer Anspannung zu Eskalationen kommen konnte, nicht vertreten (z.B. Gangolf, der immer mäßigend eingriff, wenn "Parkschützers" radikal zu werden drohten). Dafür aber Leute, die erst später dazu stießen und mit Vorliebe ums eigene Ego kreisten.
    Auch die, die Woche für Woche etwas aus dem Hut zaubern mussten, um den Protest am Kochen zu halten, sind bei dieser Veranstaltung nicht zu finden. Statt dessen Herr Uthof, von dem ich in Stuttgart nie auch nur etwas hörte, geschweige denn sah, oder Frau Prayon, der zum eigentlichen Thema nix einfällt und darüber auch noch auf der Bühne erzählt. Dass Gangolf Stocker mit seiner Initiative "Leben in Stuttgart" (das ist die eigentliche Keimzelle des Protests!) noch nicht einmal erwähnt wurde, spricht eigentlich Bände über die Kenntnis, das Selbstverständnis und den Zustand dieser beschämenden Pseudo-Protestveranstaltung und eines Bündnisses, das in den allerletzten Zügen liegend noch ein bißchen Party-Gefühle aufkommen lassen will. Es tut mir Leid, wenn ich nostalgische Gefühle verletzt habe. Aber es kostet Mut, die Dinge so zu sehen wie sie sind.
    • Dr. Angelika Linckh
      am 16.10.2019
      Ach je, so ahnungslos habe ich Helga Stöhr-Strauch gar nicht vermutet.
      Vielleicht sollte sie sich Videos von 2010 anschauen, auf denen Christine Prayon auf unserer Seite gegen S21 aktiv war. Und Uta Köbernick habe ich bei den Blockaden am Nordflügel kennen und schätzen gelernt.
      Den großartigen Beitrag von Christine Prayon im Theaterhaus sollte sich die Leserbriefschreiberin noch einmal anschauen. Vielleicht versteht sie ihn ja beim zweiten Mal?
      Andrea K. spricht mir aus dem Herzen. Ich bin froh, diesen anregenden Abend genossen zu haben. Es ist ermutigend, mit so vielen tollen Menschen weiter gegen S21 zu kämpfen.
    • Dorothea Geiges
      am 20.10.2019
      Danke, Angelika!

      Und: Natürlich wurde Gangolf Stocker im Theaterhaus genannt - vermutlich konnte er wegen Krankheit nicht dabei sein?

      Alles Gute ihm und allen anderen, die immer OBEN BLEIBEN wollen und werden!

Neue Antwort auf Kommentar schreiben

KONTEXT per E-Mail

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochvormittags unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.JETZT ANMELDEN

Letzte Kommentare:







Ausgabe 450 / Wir schweigen nicht / Peter Bahn / vor 6 Stunden 43 Minuten
Kann man auch per PayPal spenden?








Ausgabe 450 / Wir schweigen nicht / Nick Rudnick / vor 1 Tag 2 Stunden
Auf hoher See und vor Gericht ...

Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!