Ausgabe 131
Debatte

Langer Atem

Von Gastautor Gangolf Stocker
Datum: 02.10.2013
"Man kann sich das Leben malen, wie man es gerne hätte – allein, es hilft nichts", schickt Gangolf Stocker seiner Sicht über den Widerstand gegen Stuttgart 21 voraus. Der Tiefbahnhof werde nicht an den Kosten scheitern, sondern nur, wenn er sich für Bahn und Baufirmen nicht mehr rechne, so der Gründervater der Protestbewegung.

Als die Bahn samt ignoranten Politikern noch von 2,5 Milliarden Euro Kosten und vom bestgeplanten Projekt der Deutschen Bahn sprach, rechneten wir der Öffentlichkeit vor, dass die Kosten mindestens sieben Milliarden Euro betragen werden. Als dann die Kosten bis Ende 2009 peu à peu bis zum vereinbarten Kostendeckel von 4, 5 Milliarden Euro stiegen und dann im Dezember 2012 weiter auf bis zu 6,8 Milliarden Euro explodierten, da rechneten wir mit dem Ende von Stuttgart 21.

Wir wurden eines Besseren belehrt: An den Kosten wird Stuttgart 21 nicht scheitern. Mir ist nicht bekannt, dass auch nur eine der S 21 befürwortenden Parteien über diese Kostenexplosion überhaupt beraten hätte, in sich gegangen wäre. Das tat dann der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn, der – gegen die Stimme des Vertreters der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) und in Abwesenheit des Finanzstaatssekretärs – im vergangenen März für den Weiterbau votierte. Die Vertreter der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) stimmten dafür. Zwei Wochen später war dann auch der Tarifvertrag zwischen der EVG und der Bahn unter Dach und Fach: Eine Hand wäscht die andere.

Wir haben lernen müssen: Was es kostet, ist egal, denn es zahlt der Steuerzahler.

Zu den Kritikern von Stuttgart 21 gehörten und gehören viele Fachleute, Menschen, die etwas von der Sache verstehen, sei es von der Bahnsystematik, der Bahntechnik, von der Geologie, vom Brandschutz, vom Tunnelbau und von vielem mehr. Sie alle mussten die Erfahrung machen, dass es auf Befürworterseite niemanden interessiert, was sie vortragen. Frei nach dem Motto, was interessieren mich Fakten – ich habe meine Meinung, ignorierten die meisten Politiker Argumente. Mir ist nicht bekannt, dass die Stuttgart-21-Fans im Stuttgarter Gemeinderat auch nur ein einziges Mal ins Grübeln gekommen wären. Warum auch? Ihre sogenannten "Pro"-Argumente sind noch immer diejenigen aus den Broschüren der Bahn von 1995.

Wir haben lernen müssen: Welche Probleme bei Stuttgart 21 auftreten werden und ob Stuttgart 21 überhaupt funktioniert, ist egal.

Logisch, dass die Bahn ganz offen erklärt, jetzt so viel zu bauen wie geht. Wenn erst mal der Filderaufstiegstunnel von oben her (von unten her kämen sie gleich in unausgelaugten, mit Wasserzutritt aufquellenden Gipskeuper) bis zur Hälfte vorangetrieben ist, hat man die Politik im Schwitzkasten, und ein Abbruch des Projekts ist nicht mehr denkbar. Und dann – ganz offen sagt das der fabelhafte Projektsprecher Herr Dietrich – wird die Bahn das Land und die Landeshauptstadt auf Mitfinanzierung verklagen. Die baden-württembergische Landesregierung und der Stuttgarter Gemeinderat schauen diesem Treiben, welches sich ja gegen Land und Stadt richtet, tatenlos zu.

Stuttgart 21 hat in die Bundesrepublik hinein gewirkt und weit darüber hinaus. Mit unseren Protesten und der Gestaltung unseres Protests haben wir weltweit Aufsehen erregt. Mit diesem Protest hat die Stadt sich und andere verändert.

Wir treten jetzt in eine neue Phase ein. Aus eigener Kraft – wie wir es noch vor 18 Monaten meinten – werden wir Stuttgart 21 nicht mehr kippen können. Wir haben zwar eine 60 Jahre währende CDU-Herrschaft im Land beendet – aber das in diesen 60 Jahren von der CDU aufgebaute Netzwerk aus Institutionen, Verbänden und Vereinen besteht weiterhin und bewies bei der Volksabstimmung seine Lebendigkeit. Wir haben zwar einen grünen OB gewählt, aber die ignorante S-21-Mehrheit inklusive SPD im Gemeinderat bleibt bis Mai 2014, und Fritz Kuhn weiß das.

Die Profiteure von S 21 sind weder wähl- noch abwählbar: Das sind die Baukonzerne und Banken. Und Herrenknecht, der badische Tunnelbohrerfabrikant. Und einige wenige andere. Die machen einfach weiter und versuchen, vollendete Tatsachen zu schaffen. Und wir können sie nicht daran hindern. Das einzusehen fällt schwer, spiegelt aber die Realität wider.

Es ist keine Schande, gegen die Mafia zu verlieren

Wir haben es mit einem Netzwerk von Baukonzernen, Banken, Politikern, Teilen der Landesregierung und von Staatsanwälten und Richtern zu tun. Dazu kommen alle jene, die für Gutachten und sonstige Dienstleistungen gekauft wurden oder werden. Kurzum – wir haben es mit einer Mafia zu tun. Gegen eine solche Mafia phasenweise zu verlieren ist keine Schande. Gegen eine solche Mafia braucht es den langen Atem. Und ein langes Gedächtnis. Denn dann, wenn wir am Ende recht behalten, soll es nicht nur beim schalen Triumph bleiben, sondern dann fordern wir die Verantwortlichen heraus, notfalls auch aus dem Rentner- oder Pensionärsstand.

Wir hatten einmal den Konsens, dass wir die Auseinandersetzung um Stuttgart 21 nicht persönlich führen wollten. Das ist zu überdenken. Politiker, die Fakten schlichtweg ignorieren, sind verantwortlich für die Folgen. Und die werden für die Stadt und für das Land katastrophal sein. Ob solche Gemeinderäte, Bezirksbeiräte und andere Parteiarbeiter zum handelnden Teil gehören, also zur Mafia, sei dahingestellt: Sie sind verantwortlich!

Es steht nun der letzte Planfeststellungsabschnitt an. Selbstverständlich wird der von den Fachleuten gründlich begleitet und von einer kompetenten Steuerungsgruppe vorbereitet werden. Die Ausgangsposition für die Tiefbahnhofs-Gegner ist ungleich besser als bei den bisherigen Planfeststellungsverfahren: Das Projekt ist nicht finanziert; vor allem aber fehlt die Planrechtfertigung, weil wir mittlerweile nachweisen können, dass Stuttgart 21 weniger Kapazität hat als der heutige Kopfbahnhof. Wir müssen also nicht mehr in den schwierigen Vergleich K 21 gegen S 21. Dennoch soll sich niemand der Illusion hingeben, man könne mit diesem letzten Planfeststellungsverfahren Stuttgart 21 noch kippen.

Verpflichtet, alles dagegen zu tun

Stuttgart 21 ist ein politisch gewolltes Projekt; ob es funktioniert und was es kostet, ist den Betreibern egal.

Dennoch sind wir verpflichtet, alles, wirklich alles zu tun, um der Öffentlichkeit diese politisch gewollte Katastrophenplanung verständlich zu machen. Das müssen und das können wir tun. Und überall dort, wo die Eiterblasen dieser S-21-Planung aufgehen, diese aufstechen und mit dem Finger darauf zeigen. Das können und sollten wir und alle Bürgerinnen und Bürger tun. Die Bahn weiß es, die Baukonzerne auch, und die Subunternehmer werden es noch lernen: Stuttgart 21 ist ein schwieriges Pflaster. Wir haben vorhin festgestellt, dass Stuttgart 21 nicht am fehlenden Geld scheitern wird; wenn es sich aber für die Konzerne nicht mehr rechnet, sehr wohl. Das hat das Beispiel Transrapid gezeigt.

Über die aktuellen Protestformen (Montagsdemos und andere) kann man streiten. Niemand wird aber behaupten wollen, dass der montägliche Protest die Politik noch beeindruckt. Wenn es aber nur annähernd zutrifft, dass Kundgebung und Protest abstoßend auf Dritte wirken und die Protestierenden als "verbitterte" und "rechthaberische Alte" wahrgenommen werden, dann muss umgedacht werden. Vielleicht sollte man Kundgebungen anlassbezogen, also aufgrund eines Ereignisses, welcher Art auch immer, aber dann mit guten, aufklärerischen Botschaften machen.

Jedenfalls sind viele Tausende Menschen nicht mehr dabei. Und sie haben deshalb ein schlechtes Gewissen. Warum denn? Wir können stolz auf uns sein, auf das, was wir erreicht und verändert haben. Mir ist das sehr wichtig: Hey, Leute, wir haben etwas Einzigartiges zusammen gezeigt: Demokratie auf der Straße, machtvoll, friedlich, fröhlich und kulturvoll. Und beispielhaft für viele andere. Aber jetzt brauchen wir einen langen Atem. Unsere Stärke war immer die Wahrheit. Die Wahrheit über Stuttgart 21. Zehn Jahre Aufklärung in den Jahren 1996 bis 2006 waren die Voraussetzung für die Massenproteste in den Jahren 2009 und 2010. Es gilt nun, die Arbeiten mit unserer Kritik zu begleiten, der Wahrheit über Stuttgart 21 Gestalt zu geben. Und da sind wir doch ganz gut. Wir bleiben unangenehm und lästig und ausdauernd. Versprochen. Wie hieß es doch so richtig: "Ihr werdet uns nicht los – wir euch schon!"

Erinnern wir uns: Jahrzehntelang wurde die Kritik von Leuten wie Schuster, Teufel, Mappus, Mehdorn und auch den Medien (der SWR macht das heute noch) einfach ausgeblendet. Es gab uns nicht, vor allem nicht die Inhalte unserer Kritik in der öffentlichen Wahrnehmung. Bis die Montags- und Großdemos anfingen. Auch jetzt versucht man einfach so zu tun, als wäre der Weiterbau Alltag. Aber die Medien (bis auf den SWR) sind sensibler geworden. Unsere Kritik ist nicht mehr aus der Welt zu schaffen.

Der "Alltag" dauert nur bis zur nächsten Panne, der nächtlichen Ramm(bo)-Action, der nächsten kleinen Katastrophe. Da sind wir dann dabei. Sollten wir den Weiterbau vorab nicht aufhalten können, so sind wir doch die lauten Chronisten der Katastrophe. Eine letzte Bitte: Intellektuelle und Künstler in der Stadt und im Land, meldet euch, ergreift das Wort, macht es wie Walter Sittler, Volker Lösch, Urban Priol, Georg Schramm, Matthias Richling und viele andere. Euer Wort ist für die Menschen wichtig und für die Medien ebenso.

Auf den langen Atem, auf unsere Geduld.


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42 Kommentare verfügbar

  • Kornelia
    am 10.10.2013
    @D. Ehmann
    nein, Sie benutzten gern das neutrale "man", "es wäre"
    wo SIE wirklich stehen wird nie deutlich.
    und geantwortet haben Sie mit nix, ausser dass mir "Sie"-BenimmBelehrungen angedient wurden.

    aber lassen wir das, entweder stimmt die Dialog-Chemie oder nicht
    es gibt halt Leute die lesen gern die ellenlangen Ausführungen zu ihren Technischen Spielzeugen, ich nicht!
    Manche lesen meine Ellenlangen emotional-unterlegten (iiiihhh) Ausbrüchen auch nicht! That´s live!
  • D. Ehmann
    am 09.10.2013
    @Kornelia

    ich muß dem @konservativen S21 Gegner recht geben - es macht wenig Sinn Ihnen zu antworten, deshalb bleibt das jetzt auch eine einmalige Sache.

    Vorab: Wenn Sie in der Volkschule gelernt haben, jeden Satz mit mehreren "!", "?", oder"..." zu beenden, dann haben Sie da was falsch mitbekommen. Meine Bemerkung zielte auch mehr darauf ab, daß Ihr Text so sehr "laut" und "schreiend" daher kommt - aber jeder so wie er mag.
    So wir mir auch scheint, daß Sie viele Argumente einfach gar nicht verstanden haben.

    Sie haben jetzt 3 unglaublich lange und vor allem völlig unübersichtliche Antworten verfasst ohne erkennbare Argumentationsline voller wirrer Querverweise - na ja. Deweiteren schreiben Sie öfter im" Wir Modus" - Sie schreiben aber für sich selber und Sie sind nicht "Wir Gegner". Ich bin auch ein Gegner von S21 und schreibe hier auch nur meine persönliche Meinung und maße mir nicht an für andere mitzuschreiben. Aber vielleicht fühlen Sie sich auch deshalb von der Argumentation persönlich angegriffen.

    Nichts für ungut.
  • Kornelia
    am 09.10.2013
    mist der Satz ist mir reingerutscht..
    „…auch an dieser Diskussion kann ich ablesen wie sehr sich die Gesellschaft nach feudal-rechts geschoben hat!“ --- Kornelia. Seien Sie jetzt ganz stark. Ich trage bürgerliche Klamotten, achte auf meine äußere Erscheinung, bin einer der ersten vier Montagsdemonstranten und habe bei der Landtagswahl nicht grün sondern links gewählt, weil ich das mit Kretschmann habe kommen sehen. Und Sie? Wie lange sind Sie schon dabei?

    also darauf ne Antwort
    -feudal-rechts und Sie gehen nicht darauf ein, schade

    ich bin ziemlich stark...sowohl als auch..... :-)
    Wie? Sie waren bei einen der ersten 4? Direkt neben dem mürrisch und grimmig reinschauenden G., daneben der schlecht gekleidete langhaarige Wuschelkopf H. und Sie daneben? Wow
    (Ich habe allerdings mittlerweile ein Problem: Warum müssen eigentlich jungs dauernd die ersten gewesen sein? ich mein, ich kenn mittlerweile ungaublich viel erste VIERer, da muss am Anfang richtig viel los gewesen sein..)

    was ich gewählt habe? naja...

    und wie lange ich dabei bin?
    seit den 70ern mit der Erdölkrise: als Kind hat es mich echt beeindruckt mit dem Fahrrad auf der A1 fahren zu dürfen und ich fand es damals total logisch,dass man nicht mehr aus der Kugel quetschen kann als drin ist!! Also muss man sparen....das war nicht Politik sondern logisches Kinderdenken

    dann kam die Bahn und machte die total falsche Politik entgegen meiner Alltagspolitik (ich fahr bahn und die verlegen mich, hä?): ich mein wie können die immer mehr Bahnhöfe stilllegen, Gleise zuwachsen lassen und dann marode Bahnen im Ausland einkaufen?

    tja und dann bei der Turm-Ausstellungsöffnung: ich stand sofort Gewehr bei Fuss..... weil ich in den Turm wollte..... und weil ich schon mal da war dachte ich kannste ja auch unten mal gucken..............und war fassungslos: wie kann man mir meinen tollen Kopfbahnhof wegnehmen (haben Sie schon mal da gestanden und Leute abgeholt...super Spass, auch beobachtend)

    tja, und im Weiteren dachte ich nur:
    Freud hätte seine helle Freude daran gehabt, hoch und runter, spritz-Bewegungen ins Land, hoch und runter......
    und dann:
    wie kann eine Stadt, in der ich noch nicht mal angekommen bin, mir dauernd sagen ich solle wieder abhauen: gehen Sie nach Ulm (was ich dort soll, schweigen) hauen Sie ab nach Bratislava, nach Paris... Sind die blöd dachte ich....
    und ich hatte mittlerweile eine HochglanzbroschürenPhobie und bin deswegen schon lange sehr vorsichtig bei diesen Lügenmärchen,
    tja und da waren sie dann, eingeklemmt in den vielen bunten Bildern, in vielen Textzeilen versteckt und in den "dazu können wir nichts sagen" der sogenannten Befürworter, wenn ich wissen wollte...

    und als dann die Dickköpfe allen voran Schuster unbedingt weiter so schrien, dachte ich und sagte oft zu anderen; o.k. 2 800 0000 000 dann -ich bin ja nett 1 700 000 000 als NOTRESERVE und dann müssen Schuster,Oettinger und Mehdorns unterschreiben dass sie für den Rest persönlich haften. Wetten dann ist das Ganze sofort vorbei.

    ach ja wenn Sie Ihre kritik nicht so abfällig bashend ausgedrückt hätten, hätten wir uns ja mal so direkt streiten können
    denn dann wüssten Sie dass ich 2010 immer gelästert habe. seht Euch den Andriof, den SChister, den Drechsler, später den Dementrich an: die sehen aus als müssten sie saure Gurken verkaufen...kein Wunder dass da soviel falsch läuft....
    mein Motto:
    Lachen ist die beste Methode anderen die Zähne zu zeigen!
  • Kornelia
    am 09.10.2013
    @Kritischer Normalbürger,. Im Grunde ist es Zeitverschwendung, Ihnen zu antworten. Ich tue es trotzdem.
    Ich antworte auch nicht, denn irgendwie ist ja kein Dialog entstanden.

    es wäre mal lustig ein Spiel zu spielen: Sie sollten mir mal ein selbstgemaltes Bild von mir schicken....wäre lustig zu sehen wie Sie mich sehen..
    Ich wehre mich gegen die Aufsplittung in unserer Gesellschaft und auch hier in der Bewegung....
    Ich wehre mich gegen solche Anfangs-Vorgänge............bevor es irgendwann zu spät ist!
    Ich glaube (!) eines der schlimmsten Sachen, die Menschen machen können unsolidarisch zu sein aufgrund von Äusserlichkeiten!
    (und das in einer Zeit wo gerade die solide Gekleideten unglaubliches über Völker bringen)

    Warum glauben Sie, dass Presse gern mit ihren eigenen Vor-urteilen arbeitet? warum also werden nicht die Vielen, die "normal" Gekleideten gezeigt? Warum will Presse offensichtlich immer "Blut" sehen?

    --- Ach, Kornelia, was Sie nicht alles zu wissen glauben.
    Wissen glauben, wissen weiß ich nicht... ich bin halt immer schon gern beobachtend, zuhörend. lesend unterwegs gewesen
    ich habe mir ein Bild gemacht, bin aber immer bereit dieses Bild zu verändern, wegzuschmeissen, zu übermalen....
    die Erde ist ne Scheibe war gestern, Konsenz
    die Erde ist ne Kugel heut
    morgen die Erde ist ne Kartoffel?
    Also fordern Sie mein flexibles Gehirn heraus!!

    Es gibt definitiv unterschiedliche Freizeit-looks, bei mir jedenfalls , abe ich bin ja eh eine Frau und bin da sehr wndelbar. Und Sie? laufen Sie immer gleich rum? Aufs Volksfest, zum Karneval, zur Hochzeit?

    -Wollen Sie ernsthaft Architekten, Ingenieure, Kaufleute und Beamte von Ihrer edlen Bewegung fernhalten?
    da muss ich doch drauf "antworten"
    Wieso sind die da, wenn doch nur die schlecht Gekleideten, laut trötenden, frustrierten da sind? Also sind Sie sicher, dass wir zu derselben Demo gehen?
    kann es sein, dass SIE sich persönlich beleidigt fühlen weil Sie sich mit so´m Gesocks abgeben müssen? Kann es sein,dass Sie lieber eine Gesichtskontrolle vor Demo-Beginn hätten, damit Sie sich nicht gestört fühlen?
    Ich finde ja immer noch die Bücher von Julia Friedrichs, und Ulrike Herrmann sehr erhellend was die sogenannte Mitte der Gesellschaft betrifft und evtl auch die Ergebnisse von Heitmeyer-Studie
    (http://www.boell.de/de/demokratie/demokratie-entsolidarisierung-heitmeyer-deutsche-zustaende-8883.html)

    warum wollen Sie die einen wegdrängen, um ihre Kapazitäten-Experten,IHRE?, in den Vordergrund zu holen?
    und warum unterstellen Sie mir immer diese Einseitigkeit (weil Sie sie wollen?)
    ich glaube (?) die Zeit des ODERs ist vorbei......
    wir brauchen dringend eine Zeit des MITs
    eine Freundin von mir war behindert und wollte immer mit mir tanzen gehen. Nachdem ich meine hemmung überwunden habe hab ich sie gefragt, warum? du hast doch nix davon, das muss dich doch traurig machen
    Ihre Antwort hat mich gebildet: Weisst Du, wenn ich zu den Behinderten Treffen gehen dann sind wir nur unter uns und reden über Krankheiten...... DAS macht micht krank! wenn ich aber mit dir tanzen gehe, dann kann ich dich beobachten und mich an deinen Bewegungen erfreuen, die Menschen beobachten und ich lachen und feiern!... DAS hilft mir!

    sehen Sie
    Wenn ich nur mit Ingenieuren zusammen bin, dann reden die nur technisch, DAS macht mich auf die Dauer krank# #
    Wenn ich auf Nur-Juristen treffe kriege ich nach ner Zeit Kopfschmerzen.
    als ich beim Vorgespräch Faktencheck auf die Meute der Nur-Journalisten traf haben die mich erschüttert
    wenn ich auf nur Pfeife-Trällernde treffe, kriege ich Migräne
    wenn ich aber auf viele bunte, unterschiedliche treffe.... belebt es mich ungemein, es fordert mich geistig heraus, ich kriege Nachilfe in Überraschungen und in "Vorsicht" Vor-urteil
    also ich finde geistige, menschliche, berufliche,altersbedingetet Inzucht ätzend!

    „wollen wir auf die Peter Grohmanns, die Gangolf Stockers, und Hopfensitz, den Cosis und cos verzichten?“ --- Nein, sicher nicht. Warum auch? Genausowenig sollte man auf Kapazitäten wie Bodack, Monheim oder Vieregg & Rössler verzichten. Oder etwa doch?

    „…auch an dieser Diskussion kann ich ablesen wie sehr sich die Gesellschaft nach feudal-rechts geschoben hat!“ --- Kornelia. Seien Sie jetzt ganz stark. Ich trage bürgerliche Klamotten, achte auf meine äußere Erscheinung, bin einer der ersten vier Montagsdemonstranten und habe bei der Landtagswahl nicht grün sondern links gewählt, weil ich das mit Kretschmann habe kommen sehen. Und Sie? Wie lange sind Sie schon dabei?
  • Kornelia
    am 09.10.2013
    @D. Ehmann

    -Jeder Ihre Sätze endet mit "!", "?" oder "..."
    Ist das schlimm? Habe sowas mal in der Volksschule gelernt, Ausrufungszeichen Fragezeichen, Gedankenpunkte

    -Was der @"konservative S21 Gegner" mit seiner Darstellung richtigerweise an einem Beispiel gezeigt hat ist, daß man mit frustriertem rechthaberischem Auftreten in einer eher bieder konservativen Stadt wie Stuttgart nichts erreichen kann.

    KONSERVATIV ich komme aus einer ur-konservativen Ecke....68% CDU ist da die Regel.... der Unterschied zu Stgt. Konservativen: die gehen zum lachen in den Keller,mögen den Kessel gern mit einer Let´s Putz Haube überstülpen (wunderbar zu verfolgen als Stgt sich -super-getraut hat Millenium im Kessel zu feiern: die Antworten der Degerlocher, Sillenbucher, Killesberger: Wie sieht das aus!!)

    frustriert rechthaberisch.... was war zuerst das Huhn oder das Ei? denn trotz der vielen netten, lächelnden, kundenfreundlichen , gut angezogenen -15 Jahre langen Versuche- mit den Biederen ins Gespräch zu kommen--- Fehlanzeige!
    meine Schlussfolgerung aus den vielen Jahren, die konservativ biedern (von denen gesagt wird, die wählen auch einen Besenstiel) zu erreichen..... ich finde Lächeln deswegen besser, weil es mir dann besser geht..... aber die die meinen Button mit den Worten: euch sollte man alle vergasen beantworten.... tut mir leid damit habe ich einfach Probleme, vor allen Dingen wenn Kinder dabei sind!!

    -Fakt ist, daß ein einziger verlogener Brief auf Staatskosten von Schuster mehr erreicht hat als alle Flyer und Demos der Gegner zusammen.
    dat stimmt, aber das sollte doch auch sehr nachdenklich machen.....alle sogenannten Soziologen, Demokraten Kommunikationswissenschaftler, Politiker etc.... Ein demagogischer Brief, ein Angst-machender Brief.....ein LGPCK Brief....
    Eines Stadt"vaters", eines Angestellten des Volkes, eines Vorbildes, eines Mannes der seinen Mitarbeitern Neutralität abverlangte.....
    und das geht in einem Rechtsstaat? die Reaktion, bzw. die Nicht-Reaktion der CDU, der SPD, der politischen Bildungseinrichtungen, der Zeitungen, der Kirchen, der demokratischen Institutionen etc erschreckt mich bis heute......

    -Wo war da die Antwort der Gegner. Einen solchen Brief hätte es auch von Gegnerseite geben können - gab es aber nicht.
    nein, hätte es nicht, denn den Stil will ich nicht... wir waren vor Ohnmacht gebunden.
    Der ekelige Un-Stil der Konservativen ist immer schon gewesen, mit Dreck auf anderen zu schmeißen, zuerst hauen, zuerst zu treten und zu diffamieren und sich dann an deren Ohnmacht und Reaktions-Unfähigkeit zu laben. wenn sie aber selber auch nur schel angeguckt werden schreien sie schon Mama, Polizei, Aua!! (die Geschichte ist voll von Beispielen davon) und dann gehen sie Sonntags in die Kirche und lassen sich reinwaschen, während der andere noch geschockt rumsteht....

    -Dabe gibt es in der Bewegung Fachleute, Professoren, Architekten, Ingenieure u.a.
    ich dachte in der Bewegung gäbe es nur Alte, Frustrierte, schlecht angezogene? ;-)

    -Dafür gab es 20 verschiedene Flyer, bescheuerte "Ja"Plakate und 2 Zeitungen, die niemanden erreicht haben.
    dafür gab es nichts...siehe oben
    aber die Plakate WAREN bescheuert, dumm, nichtssagend, irreführend, blöd, erschreckend

    -Trotz Montagsdemos gab es nicht mal in Stuttgart bei der sogenannten "Volksabstimmung" eine Mehrheit. Diese gab es nur knapp in den Innenstadtbezirken.,
    man könnte auch fragen warum trotz CDU-Bonus es immer bei der Schuster-Wahl gewackelt hat.... warum Mappus nicht
    Fakt ist: der VArce war undemokratisch, unsozial und gegen alle Verbraucherschutz-Bedingungen.
    Es ist schon eine merkwürdige Demokrartie-Sicht, die es normal findet, dass die DÜRRs mit Minderheitenrecht arbeiten dürfen und das Widerstands"Volk" mit rechnerische Mehrheit arbeiten muss!
    Meine These ist: die meisten der in Stuttgart wohnenden sind uninteressiert an Stuttgarter Kessel-Leben..... sie leben im Grünen oben auf den Hängen, fahren ab und an runter, benutzen die Kultur aber das Leben spielt sich woanderscht ab.....
    wette, wenn überlegt werden würde den Frauenkopf/den Kräherwald, am blauen Weg abzuholzen dann wären sie betroffen.
    Mit hat eine Proler gesagt: der Park interessiert ihn nicht,er ginge in seinen Garten, und mit der Bahn führe er eh nicht!

    -Es ist schon was dran, daß man in einer Autostadt wie Stuttgart niemand für sich einimmt, wenn man abends die Straßen blockiert. Jetzt werden Sie einwerfen, daß mit S21 noch viel mehr Stau kommen wird - richtig - aber das liegt in der Zukunft und hilft jetzt nicht.
    nee, würde ich nicht.
    ich würde und habe dann immer gefragt wie er sich demokratie des Volkes vorstellt...
    meine Antwort dann immer: "der Ackermann lässt seine Sekretärin Angela anrufen, wenn ihm was nicht passt, die Flugschneise über seinem Haus, das Bankenpaket, Baumfällunge hinter seinem Haus
    Ich kann das nicht, deswegen haben ja unser Väter und Mütter des Grundgesetzes das Demonstrationsrecht eingeräumt. wenn Sie mir die Telefonnummern der Mächtigen geben, dann sitze ich auch lieber zuhause auf der Couch und lasse anrufen!"
    Bislang habe ich nie eine Antwort darauf bekommen

    -In Baden-Württemberg fahren nur 10-15 % der Einwohner regelmäßig Zug. Wieviele haben bei der VA für den Ausstieg gestimmt? Ziemlich genau diese 10-15%.
    ja und? soll ich jetzt genauso ICH-bezogen agieren? Obwohl ich körperlich nicht behindert bin, kämpfe ich für behinderten-gerechte Umwelten seit 20Jahren! Obwohl ich oft keinen direkten Gewinn daran habe sind mir Sachen für alle wichtig!
    Dumm, ich weiß, in dieser Geld-Leistungs-Gewinn-Welt!

    -Natürlich haben Sie recht, daß man diesem Bahnhofsbau geradezu exemplarisch den ganzen Filz etc. festmachen kann - aber Sie erreichen niemanden mit dieser Information, wenn Sie es immer und immer wieder vor demselben pfeifenden und "Lügenpack" rufenden Publikum vortragen.
    Sehen Sie, auch Sie machen den Fehler zu besserzuwissen ohne zu fragen............
    Sie sollten schon davon ausgehen- und nicht von Ihren Vor-Verurteilungen- ich habe ein Leben neben System21 und meine Erfahrung dort die einen erreiche ich, aber die hardcore Proler wollen und wollten nie wissen, eine Prolerin wechselt seit 2010 das Thema, nur bei der vorsichtigen Anregung Geldüberschuss hier und dort dann redet sie lieber von Blumen

    Ich gebe es zu: ich schreie LGCK auf den Demos, nie im direkten Gespräch
    wissen Sie warum?
    Es scheint niemanden der sogenannten "das tut man"s zu interessieren!

    schade eigentlich!

    meine These: Konservative fordern von anderen, sich ordentlich rechtschaffen, Obrigkeitsachtend verhalten....damit sie selber kleine und grössere Nischen nutzen können.

    Und vielleicht sollten Sie sich mal die Geschichte von Widerstand, die Geschichte von S21 anschauen, meine begann als kleines Kind bei der Ölkrise in den 70ern, laut wurde ich erst 2010!
  • Klaus Neumann
    am 08.10.2013
    Es gab mehrere Dinge, die nicht ausgeschlachtet wurden:

    An erster Stelle die Unfähigkeit des S21-Konzeptes zur ITF- Fähigkeit und damit der Zukunftsfähigkeit des neuen Knotens, der einen attraktiven Nah- und Regionalverkehr für alle Zeiten zunichte machen würde. Das wurde von der gegnerischen Seite während der Schlichtung versäumt. Man ist in die Einzelheiten wie Betriebsqualität, Verspätungsabbau usw. wo man sich in die Tricksereien der Bahn verwickeln liess anstatt draussen dem Volk die big bangs des Projektes in allen Farben drastisch zu schildern, um den ganz grossen Betrug am Bahnkunden durch das Projekt der Öffentlichkeit darzustellen.

    An zweiter Stelle die Ehrlichkeit Hauks zur Finanzierung und den Kosten des Projektes, hier http://www.hirschbergblog.de/2010/10/25/cdu-spitzenpolitiker-peter-hauk-ob-das-10-oder-15-milliarden-kostet-kann-baden-wurttemberg-wurscht-sein/ Diese Worte Hauks fielen noch vor Ende der Schlichtung. Die Schlichtung hätte den Teilnehmern der Gegenseite einen bundesweiten Marktplatz geboten, um das in die Welt hinaus zu schreien und gehört zu werden! Auch das wurde versäumt. Es wurde unter anderem auch von mir noch während die Schlichtung lief bei jeder Gelegenheit in den threads der Lokalpresse in der Hoffnung gepostet, dass das irgendeiner aufgreift. Nichts geschah und so etwas geschieht, wenn man nur sein eigenes als das Wichtigste wahrnimmt und nicht fähig ist, sich auf veränderte Situationen einzustellen, um hier in einer breiten Öffentlichkeit einen schlagenden politischen Vorteil wahrzunehmen. Wer so eine Steilvorlage nicht in ein Tor verwandelt hat hat sich an der Sache, sorry, schuldig gemacht.

    Der grösste politische Fehler aber war, diesem rechtlichen Nullum einer VA (das hat der MP im Vorfeld nie geschnallt, was ihm da die SPD inhaltlich rechtlich aufgebunden hatte), bei der sich das Land die letzte Entscheidung in der Sache vorbehalten hat, den Ritterschlag durch die eigene Teilnahme zu erteilen, anstatt das Geschoss Schmiedels und Schmids durch begründeten Boykott als das darzustellen, als was es konstruiert war: die Vortäuschung einer demokratischen Abstimmung, die bei "unbefriedigendem" Ausgang seitens der Landesregierung gekippt hätte werden können. Dass dann der MP in der Interpretation des Ergebnisses die Landesverfassung einfach mal so zu Gunsten des Koalitionsfriedens verbogen hat und das weiterhin tut ist ja nach so viel einladender Freizügigkeit der Gegner nur noch verständlich.

    Ich würde sagen: da waren doch möglicherweise einige unterwegs, die sich besser zurückgehalten hätten, wohl aber als Ikonen des Widerstandes in der Öffentlichkeit firmieren wollten. Das mindeste wäre gewesen, dass sich die Teilnehmer der Gegner an der Schlichtung täglich einer Aktionskritik und Aufbesserung der aktuellen Informationen hätten stellen sollen. Diese Aktionskritik mit wichtigen Infos zu den eigenen Fehlern kann man sich anonym auch in den Foren holen. Ich weiss aus Israel, dass das viele Politiker ganz eifrig auf Haaretz und Jpost nutzen. Das geschah hier offensichtlich nicht.
    Jetzt kommt es eben ganz anders. Denn ein Bauwerk mit solchen Ungerechtigkeiten in der Vergangenheit, für die Zeit des Baus und auch für die Zukunft findet sicher seinen höheren Richter durch sich selbst.
  • Kritischer Normalbürger
    am 08.10.2013
    @ Kornelia. Im Grunde ist es Zeitverschwendung, Ihnen zu antworten. Ich tue es trotzdem.

    „Wenn ich aber in einer sozialen Bewegung unterwegs bin dann muss ich wissen es gelten nur bedingt marktwirtschaftl. Gesetze....“ --- Und deshalb muss man sich eine Cornflakes-Krone oder einen R2D2-Helm aufsetzen oder eine grüne Tüte um den Hals hängen?

    „Und genauso benehmen sie sich nach aussen. gleichgeschaltet, gleichgeformt, fast gleiche Redensarten.....“ --- Ganz ehrlich, Kornelia, wenn ich mir einige Teilnehmer der heutigen Montagsdemos so anschaue, finde ich diese auch durchaus gleichgeformt und gleichgeschaltet.

    „ihren Widerstand, den sie auch haben leben sie lieber im Verborgenen, damit der Nachbar sie nicht sieht!!“ --- Wie kommen Sie darauf, Kornelia? Ich war zigmal auf den Demos. Und ich habe immer gehofft, dass man auch mich sieht, und nicht nur die bunten Lichtgestalten mit der Tröte oder die Märtyrer mit der zerfetzten Heldenflagge auf der Anhöhe. Was glauben Sie, warum wohl sieht man in der einschlägigen Stuttgarter Presse immer nur gezielt Bilder von diesen schrägen Typen? Und was bewirkt das beim Durchschnittsleser? Das sollten Sie sich mal fragen.

    „…fahren ihre alten Reifen gern in den nächsten Wald aber achten genau auf die Müll-Trennung der Nachbarn.“ --- Ach, Kornelia, was Sie nicht alles zu wissen glauben.

    „sie gehen demonstrieren wenn sie direkt betroffen sind, oder wenn der Papst, der König, der Obere sie dazu auffordert...“ --- Gähn.

    „Und wieweit will ich mich da verbiegen und die eigenen Leute verraten? … Immer dort wo Bewegungen enstehen sind Freizeit-Lock menschen unterwegs “ --- Verbiegen? Freizeit-Look? Dann sitzen diese Leute also unter der Woche tatsächlich mit Cornflakes-Krone, R2D2-Helm, Bunny-Kostüm oder grüner Tüte um den Hals im Esszimmer oder vor dem Fernseher?

    „..... die ordentlich gekleideten trifft man bei der Kehrwoche und Garagen-port putzen“ --- Dann sollte ich also, wenn es nach Ihnen geht, Kornelia, nicht mehr gegen S21 kämpfen sondern zu den Neoliberalen überwechseln, nur weil ich Lederhalbschuhe und eine Jacke von P&C trage? Wollen Sie ernsthaft Architekten, Ingenieure, Kaufleute und Beamte von Ihrer edlen Bewegung fernhalten?

    „…glaubt irgendjemand noch ernsthaft dass in Deutschland, in Europa, in den USA irgendwas gemacht wird aufgrund von Bürgermassen? Bürgermehrheiten? Bürgerwillen?“ --- Dann sei die Frage erlaubt, wozu Sie eigentlich auf die Straße gehen. Ich glaube schon, dass die Zehntausende auf der Straße in 2010 etwas bewirkt haben. Sie nicht?

    „Wollen wir also eine kurzfristige rechnerische Mehrheit, oder eher ein langfristiges Beharren, auf eine andere Demokratie und kritisches Begleiten?“ --- Warum sollte es bitte mit bürgerlicher Erscheinungsform nur eine kurzfristige Mehrheit geben können, und nur mit Folkloregehabe und Selbstdarstellung langfristige Erfolge?

    „…weil viele Querdenker, Dickköpfe, Andersdenkenden sich treffen?“ --- Man kann auch ohne Ratsche und Trillerpfeife und sogar mit Krawatte querdenken, oder etwa nicht?

    „wollen wir auf die Peter Grohmanns, die Gangolf Stockers, und Hopfensitz, den Cosis und cos verzichten?“ --- Nein, sicher nicht. Warum auch? Genausowenig sollte man auf Kapazitäten wie Bodack, Monheim oder Vieregg & Rössler verzichten. Oder etwa doch?

    „…auch an dieser Diskussion kann ich ablesen wie sehr sich die Gesellschaft nach feudal-rechts geschoben hat!“ --- Kornelia. Seien Sie jetzt ganz stark. Ich trage bürgerliche Klamotten, achte auf meine äußere Erscheinung, bin einer der ersten vier Montagsdemonstranten und habe bei der Landtagswahl nicht grün sondern links gewählt, weil ich das mit Kretschmann habe kommen sehen. Und Sie? Wie lange sind Sie schon dabei?
  • D. Ehmann
    am 07.10.2013
    @Kornelia, 07.10.2013 12:20

    Jeder Ihre Sätze endet mit "!", "?" oder "..."

    Was der @"konservative S21 Gegner" mit seiner Darstellung richtigerweise an einem Beispiel gezeigt hat ist, daß man mit frustriertem rechthaberischem Auftreten in einer eher bieder konservativen Stadt wie Stuttgart nichts erreichen kann.

    Fakt ist, daß ein einziger verlogener Brief auf Staatskosten von Schuster mehr erreicht hat als alle Flyer und Demos der Gegner zusammen.

    Wo war da die Antwort der Gegner. Einen solchen Brief hätte es auch von Gegnerseite geben können - gab es aber nicht.

    Dabe gibt es in der Bewegung Fachleute, Professoren, Architekten, Ingenieure u.a.

    Dafür gab es 20 verschiedene Flyer, bescheuerte "Ja"Plakate und 2 Zeitungen, die niemanden erreicht haben.

    Trotz Montagsdemos gab es nicht mal in Stuttgart bei der sogenannten "Volksabstimmung" eine Mehrheit. Diese gab es nur knapp in den Innenstadtbezirken.

    Es ist schon was dran, daß man in einer Autostadt wie Stuttgart niemand für sich einimmt, wenn man abends die Straßen blockiert. Jetzt werden Sie einwerfen, daß mit S21 noch viel mehr Stau kommen wird - richtig - aber das liegt in der Zukunft und hilft jetzt nicht.

    In Baden-Württemberg fahren nur 10-15 % der Einwohner regelmäßig Zug. Wieviele haben bei der VA für den Ausstieg gestimmt? Ziemlich genau diese 10-15%.

    Natürlich haben Sie recht, daß man diesem Bahnhofsbau geradezu exemplarisch den ganzen Filz etc. festmachen kann - aber Sie erreichen niemanden mit dieser Information, wenn Sie es immer und immer wieder vor demselben pfeifenden und "Lügenpack" rufenden Publikum vortragen.

    @ T. Neuhaus

    Sie haben vollkommen recht. Nach der Volksanstimmung hätte es bei den Demos zu einer Veränderungen kommen müssen - die letzte Chance mit einem Zeichen der Stärke auszusteigen war nach der OB-Wahl - auch das wurde verpasst.

    Und jetzt sind diese Demos nur noch der Treffpunkt der immer gleichen Frustrierten. Ihre Motive sind ehrbar - die Umsetzung ist es so - insbesondere auch von der Organisation der Demos - nicht.
  • Kornelia
    am 07.10.2013
    @Der konservative+S21-Gegner,
    Ein Nachtrag zum Nachtrag:
    Ihre Beschreinung offenbart schon die Ungleicheit: während bei der "Dame" das Umfeld als Stammtisch Gequake disqualifiziert wurde schien der "friutrierte Kämpfer!" das verdient zu haben???

    Wer von beiden hat wohl an diesem Tag mehr für die Sache „geleistet?“
    typische Frage... seit 2010 eine der häufigsten neoliberalen "Leistungs-" Fragen!!

    Ich sag dazu: man muss doch endlich mal lernen den ersten Schritt vor den 5. zu machen!!!
    wenn ich vorhabe, eine neue Schokoladensorte an den Mann zu bringen...würde ich sofort auch auf die gut gekleidete Dame zurückgreifen (bei Autos die halb nackte "Dame")
    Wenn ich aber in einer sozialen Bewegung unterwegs bin dann muss ich wissen es gelten nur bedingt marktwirtschaftl. Gesetze....

    "das Thema ist der Bahnhof"......
    mein Thema ist System21, und am Bahnhof kann ich all das wunderbar festmachen: die Steuerverschwendung, die mangelnde bis gar nicht Kontrolle der Kontrollorgane, das Marionettentum der Politiker, das Versagen der Presse, das Versagen der Wissenschaft, das Versagen der Justiz,
    das emeddet sein...das "miteinander ins bett gehen" der Institutionen....die Geld aus der Gemeinschaftskasse bekommen damit sie real Verantwortung tragen!!!

    Meine Frage lautet: wäre ich von der Couch aufgestanden wenn es vor 2010 alle total gut gelaufen wäre, keine Finanz-super-gau. keine LBBW, keine Schulrenovierungsstops, kein soziale Spaltung, keine falsche Verkehrsplanung, kein ......?
    sondern: NUR ein Bahnhof in einer relativ unbedeutenden Stadt?
    da kann ich nur sagen: nein! und ich weiss von vielen die dann auch zuhause geblieben wären!!!

    und jetzt zu der berühmten Mitte
    die CDU hatte sie schon, die SPD will sie seit 30 Jahren, die Grünen seit ca 15-20 Jahren...
    wird es hier nicht mal zeit zu überprüfen wer ist denn und was präsentiert denn die Mitte?
    in der Normalverteilung sind das die die in die Mitte gequetscht sind.... zusammengepfercht und auf einen Nenner gebracht!!
    Und genauso benehmen sie sich nach aussen. gleichgeschaltet, gleichgeformt, fast gleiche Redensarten..... (ihren Widerstand, den sie auch haben leben sie lieber im Verborgenen, damit der Nachbar sie nicht sieht!! sie haben oft die Seehofer-Ehen, sind die die gegen Kindergärten in ihrer Nähe protestieren, fahren ihre alten Reifen gern in den nächsten Wald aber achten genau auf die Müll-Trennung der Nachbarn)
    sie gehen demonstrieren wenn sie direkt betroffen sind, oder wenn der Papst, der König, der Obere sie dazu auffordert... (gegen rechts zu demonstrieren wenn Bündnisse aufrufen nie, wenn aber wieder mal die Kirchen und die Parteien schlechtes Gewissen beruhigen wollen (siehe nach Mölln) dann gehen sie mit!)

    Kann ich also eine soziale Bewegung mit diesen Leuten erweitern? Und wieweit will ich mich da verbiegen und die eigenen Leute verraten? Wir haben schleichend ab dem Faktencheck, der Parkbesetzung damit angefangen: die eigenen Macher verachtet!

    Immer dort wo Bewegungen enstehen sind Freizeit-Lock menschen unterwegs (siehe SPD-Urbewegung, siehe Grünen, siehe BUND, sieh NABU, sie Greenpeace, u.v.m. man sollte sich echt die Bilder dringend anschauen...auch die Bilder der Leipziger Demos)

    ..... die ordentlich gekleideten trifft man bei der Kehrwoche und Garagen-port putzen! oder in der Disco! (deren Glas ist halbvoll...egal was ist)

    Unser Problem ist die mangelnde Haltung, die un-solidarität untereinander, das nicht mehr zusammen stehen......
    und ja, ich bin auch auf die Strasse gegangen weil es um Vorbild, um eine andere Lebens-Welt geht (weil diese offizielle an die Wand geklatscht ist!! und die Folgen dramatisch werden)...( ja, meinGlas ist in dieser Hinsicht halbleer)

    und jetzt nochmal zu den "ordentlich "überredeten Menschen.....
    dazu muss man doch mal ein bisschen den Kopf heben und sich so rum gucken: glaubt irgendjemand noch ernsthaft dass in Deutschland, in Europa, in den USA irgendwas gemacht wird aufgrund von Bürgermassen? Bürgermehrheiten? Bürgerwillen?
    wenn es so wäre würde Dt anderscht aussehen, es gäbe schon längst eine andere Bildung, es gäbe keinen so gigantischen riss zw. arm und reich, das Gesundheitssystem stände garantiert anders da... u.u.

    Wollen wir also eine kurzfristige rechnerische Mehrheit, oder eher ein langfristiges Beharren, auf eine andere Demokratie und kritisches Begleiten?
    Mit ganz spannenden Querfragen und Diskussionen, weil viele Querdenker, Dickköpfe, Andersdenkenden sich treffen?
    wollen wir auf die Peter Grohmanns, die Gangolf Stockers, und Hopfensitz, den Cosis und cos verzichten?
    ich nicht!
    die Kretschmänner und die Schröders wollen lieber ihre alten Schlabberlock Leute nicht dafür lieber die Herrenknechts, die Putins und co..... wir auch?

    auch an dieser Diskussion kann ich ablesen wie sehr sich die Gesellschaft nach feudal-rechts geschoben hat!
    die Mitte ist doch die mitterechts, und links ist nur noch linksrechts
    das Links der SPD von vor 150 Jahren wird gemieden und das Links -geprägt vom unsäglichen Krieg- der CDU ist auch Schmuddelkind von gestern......
  • Bruno Mattes
    am 06.10.2013
    Sehr geehrter Herr Stocker,

    ich freu mich über Ihren Artikel im Kontext, den ich wohltuend sachlich und nüchtern-realistisch finde. Dass die verantwortlichen Leute einmal im Pensionärs- oder Rentnerstand "herausgefordert" werden könnten,
    glaube ich eher nicht.
    Eines vielleicht noch, auch wenn´s besserwisserisch klingt: die sachlich-
    argumentative Ebene wurde von Anfang an überschätzt, von den
    Grünen wie Palmer etwa in der "Schlichtung". Man hätte durchaus wissen können, dass die Entscheidungen woanders fallen und gefallen sind. Daher auch die "Uneinsichtigkeit".
    Was weiter ? Weiß nicht. Die Montagsdemos haben in der Tat was
    Rechthaberisches bekommen, das mir nicht gefällt. Die "Volksabstimmung" , auf die man sich jetzt allenthalben beruft, war einfach fatal. Wahrscheinlich bleibt nichts anderes als eben diese
    sachlich realistische, informative Ebene.

    Freundlicher Gruß

    Bruno Mattes
  • Der konservative+S21-Gegner
    am 05.10.2013
    Ein Nachtrag:
    Am Tag der deutschen Einheit bin ich in Stuttgart unterwegs gewesen und zeitweilig einfach mal ein paar Meter hinter S21-Gegnern hergegangen, die sich anhand vielfältiger Accessoires offen zu erkennen gaben.
    Da gab es eine offenbar gut situierte ältere Dame, die mit selbstbewusstem Auftreten durch die Königsstraße schlenderte. Wenn Sie merkte, dass Sie Passanten auf Sie aufmerksam wurden, dann hat sie diese offen auf eine nette Art angesprochen. Es kam zu vielen kleinen Gespräche mit Aha-Effekten seitens der angesprochenen. Selbst Menschen, die von befrackten (und in ihren Anzug sprechenden) Ohrknopf-Trägern begleitet wurden, ließen sich darauf ein. Ich hatte den Eindruck, dass diese Dame viele Argumente platzieren und auch Menschen durchaus erreichen und anregen konnte, sich Gedanken zu machen. Viele der im Umfeld der Dame nicht angesprochenen Personen reagierten mit üblichem Stammtisch- und Herzilein-Büro Gequake durchaus ablehnend. So wie der konservative Kleibürger halt ist: Nicht informiert, aber eine Meinung, die er durchaus zum Besten gibt. Nichts ungewöhnliches.
    Und dann gab es den offensichtlich frustrierten Kämpfer, der mit einer zur Krone umfunktionierten „Cornflakes“-Packung und mürrischem Gesicht unter gutgelaunten Menschen, langsam seine Fahne schwenkend, wie bei einem Trauerzug unterwegs war. Diesem Zeitgenossen bin ich nahezu eine halbe Stunde gefolgt. Was ich dabei von Passanten zu Ohren bekam spottet jeder Beschreibung und ziemt sich in keinster Weise für halbwegs gebildete Menschen. Fäkalausdrücke waren dabei noch das harmloseste. Behandlungswünsche wie in dunkelster deutscher Geschichte waren öfters zu hören. Und das schlimmste waren für mich indoktrinierte Kinder, die offensichtlich zum Gefallen der Eltern Dinge nachplapperten, die ihnen zu Hause vorgesprochen wurden. Auch hier oft unterste Schublade. Was war hier anders? Dieser Mann war in diesem Umfeld durch den gewählten Habitus durch und durch abschreckend für seine Umgebung. Auftreten Fehlanzeige, soziale Kontaktaufnahme Fehlanzeige, platzieren von Argumenten Fehlanzeige, Überzeugungsarbeit Fehlanzeige.

    Wer von beiden hat wohl an diesem Tag mehr für die Sache „geleistet?“

    Ich sag es einfach nochmal: Unsere Mitmenschen sind so und mit diesen Menschen müssen wir umgehen. Diese Menschen lassen sich überzeugen. Allerdings eher nicht, wenn man ihnen vorher erklärt, dass sie andere Demokraten werden müssen und erst dann zu besseren Menschen werden, wenn sie gegen eine Vielzahl von Geiseln der Gesellschaft zu Felde ziehen. Das überfordert die Meisten. Und wenn hier im Forum einige beklagen, dass es doch nicht sein könne, dass Leute erst ob ihrer Kleidern für voll genommen werden und Kinder ob ihrer Kleidung gemobbt werden, dann sind das eindeutig abzulehnende Erscheinungen des Zeitgeists. Aber wie hier auch andere erkennen, es geht bei diesem Protest darum die bürgerliche Mitte für sich einzunehmen. Die bürgerliche Mitte funktioniert anders, ist aber genau deswegen mit vieler Art Dingen zu packen, die sie in ihrem täglichen Umfeld als ganz alltäglich erlebt. Ein Protest der in dieser Art entgegenkommt ist schwerer zu ignorieren. Jetzt können sie entscheiden, wie sie es haben wollen. Einen Krieg um den Zeitgeist führen, oder die Sache in den Mittelpunkt rücken. Der Protest gegen S21 ist doch kein Instrument um alle negativen Erscheinungen unserer Baden-Württembergischen Kultur zu bereinigen. Doch dazu wird er von vielen Gegnern ge- und missbraucht. Das Thema ist der unsägliche geplante Bahnhof. Und wenn ich gegen diesen Bahnhof bin, dann will nicht erst zu einem anderen Menschen gemacht werden. Dass es in unserem Land und speziell bei diesem Thema doch recht deutlich müffelt, das darf man nicht vergessen. Jedoch verhindert das den Bahnhof nicht.

    Anderes Beispiel gleiche Wirkungsweise: Protest gegen Ultra-Rechts. Ich will nicht unter roten Fahnen marschieren, um gegen braune Hohlbirnen demonstrieren zu können. Was passiert? Der etwas konservative, vielleicht dennoch nicht unvernünftige Zeitgenosse hockt sich zu Hause mangels Möglichkeit den Hintern platt und guckt sich die „Realität“ über die Mattscheibe an.

    Und genau dasselbe passiert derzeit bei S21. Die Form des Protests erreicht den interessierten Teil der Bevölkerung nicht mehr.

    Noch eine persönliche Erwiderung @Gisela: Nein Danke, ich brauch die Seiten nicht zu wechseln, denn mich überzeugen Argumente, die auf gute Art vorgetragen werden. Mir ist es egal, was dabei getragen wird, da kann ich unterscheiden. Von anderen glaube ich das jedoch nicht. Und deshalb mein vorangegangener Kommentar. Ich bin mir sicher, dass ich mit den Argumenten, die ich aufnehme und weitergebe in meinem durchaus konservativen und CDU-dominierten Bekanntenkreis schon mehr Leute „umgedreht“ habe, als der Cornflakes-König in seiner miesepetrigen Verkleidung. Oben bleiben.
  • Martha
    am 05.10.2013
    Man muss die Montagsdemos nicht aufgeben weil manche Leute davon genervt sind, das waren sie ja schon zu Anfang. Die Montagsdemos sind ein gutes Forum, gerade deswegen weil man Vieles erfährt das man sonst nicht erfahren würde (weil die Presse es totschweigt).
    Von wegen "Viele sind nicht mehr dabei"... ich selbst kenne 5 Leute die nicht in Stuttgart wohnen, sondern in Tübingen, Reutlingen, Vaihingen Enz und Leonberg. Die kommen deswegen nicht weil der zeitliche und finanzielle Aufwand (mit der Bahn) zu groß ist das jeden Montag zu machen. Das bedeutet aber nicht, dass sie nicht mehr dabei sind.
  • leo_loewe
    am 04.10.2013
    Umkehr zu Wahrheit und Klarheit

    Dieses Projekt war von Anfang (schon vor 1997) an Murks. Es wurde jedoch jahrelang mit völlig falschen Zahlen und Prognosen gepusht. Heute ist "Stuttgart 21" ein völlig absurdes Lügengebäude, das lieber heute als morgen eingerissen gehört. Ein Projekt ohne Perspektive!

    Fakt ist, dass es hier in "Kesseltown" immer noch eine gut funktionierende Alternative gibt, welche mit geringerem Aufwand an Zeit und Geld auch für die Zeit nach 2025 modernisiert und ertüchtigt werden kann: Kopfbahnhof "K21plus". -- Wer hat jetzt den Mut für die Rückkehr zu einer ehrlichen Sicht der Dinge? Wer bricht der Wahrheit eine Schneise?

    Oben bleiben!
    # leo loewe
  • filder
    am 04.10.2013
    @gisela: "dann sollten Sie vielleicht zunächst einmal für & über sich selbst reflektieren, über persönlichen, etwas aus der Zeit gefallenen Geschmack und über heftige Projektionen und Selbstreferenzen, statt bei dieser Gelegenheit öffentlich Ratschläge zu geben. (...) Vielleicht sollten Sie ehrlicherweise dann die Seiten vollends wechseln und S21 letztlich besser befürworten, (...)"

    Soweit also _Ihr_ öffentlicher Ratschlag, von wem erbeten? Und genau diese ad hominem vorgetragenen Attacken sind es, die den Protest inzwischen so unangenehm machen. Selbstgerecht bis zum geht-nicht-mehr, Meinungsvielfalt ist nur so lange gut, wie die eigene Meinung verblasen wird und wer die nicht teilt, wird flugs zum 'Feind' erklärt, der S21 doch gefälligst befürworten solle.... Aber wozu schreib ich das? "über sich selbst reflektieren", das ist ja nur was für die anderen und wer seinerseits die hasserfüllten Reaktionen auf die Kontext-Autorin Anna Hunger gelesen hat - http://www.kontextwochenzeitung.de/fileadmin/user_upload/2012/4/04042012/parkschuetzer.de_Statements.pdf - der braucht sich sowieso über nichts mehr wundern.
  • Kritischer Normalbürger
    am 04.10.2013
    An AttacS21.

    Sie liegen mit Ihrer Einschätzung, dass seitens der „Schlipsträger“ entscheidende Fehler gemacht worden sind, absolut richtig. Die Bereitschaft, sich auf die Stresstest-Show einzulassen war bereits diskussionswürdig (und wurde ja auch diskutiert). Ein Riesenfehler war es jedoch, den heutigen Istzustand als Vergleichsmaßstab zu akzeptieren, und nicht darauf zu insistieren, den sanierten Kopfbahnhof bzw. K21 in den Stresstest parallel mit einfließen zu lassen. (Diesbezüglich hatte ich vor dem Stresstest mehrfach und an mehreren Stellen das Aktionsbündnis angemahnt.) Klar, dass das obrigkeitshörige Volk auch die darauf von der Bahn lancierten Schlagzeilen „Stresstest bestanden“ geschluckt hat.

    Genauso verheerend war es, sich einfach einen Schlichterspruch überstülpen zu lassen. Denn was während des Verfahrens zur „Schlichtung“ mutierte, begann nämlich als reiner „Faktencheck“, bei dem sich „jeder Bürger sein eigenes Urteil bilden sollte“. Dies wurde mit dem Geißlerschen Richterspruch jedoch konterkariert, zumal der Kern der Begründung für den Bau („mit S21 wurde bereits begonnen“) bereits vor diesem Faktencheck bekannt war.

    ABER. Sie setzen das „Schlipstragen“ mit den Fehlern der Bürgerbewegung gleich. Das eine hat aber nicht zwangsweise mit dem anderen zu tun. Hier machen Sie es sich sehr leicht. Die Fehler sind auf mehreren Ebenen begangen worden. Wenn Sie von der breiten Masse wieder als Bürgerbewegung wahrgenommen und akzeptiert werden wollen, bei der es sich lohnt mitzuwirken, dann müssen Sie auch auf die breite Masse zugehen, und sich nicht in Selbstgefälligkeiten verlieren bzw. ihre Außenwirkung ausblenden.

    Die Kostenexplosionen und der offenkundige Leistungsmangel des Tunnelbahnhofs werden aus politischen gründen keine Rolle spielen, wenn es um die Verwirklichung oder den Abbruch von S21 geht. Es gibt lediglich zwei Gründe, an denen S21 noch scheitern kann: Zum ersten an größeren Katastrophen während des Baus, die die Bevölkerung zwangsweise wachrütteln. Zum zweiten durch das Wiedererstarken der „Bürger“bewegung. Letzteres funktioniert nur, wenn man zigtausend Menschen erreicht und mobilisiert. Mit Tröten und Folklore geht das nicht, so kommen Sie nicht ins Gespräch sondern liefern Vorlagen für die S21-Verantwortlichen, und schrecken die breite Masse nur ab. So selbstkritisch sollten auch Sie sein.

    Es wäre besser, hinsichtlich der Demonstrationen Änderungen zuzulassen – z.B. indem man die Demos nur noch monatlich bzw. zu gegebenem Anlass durchführt, dann aber in einem professionellerem und in einem größeren Rahmen. So wird die Bewegung wieder zugänglich. Darüber sollte jeder einmal nachdenken.
  • Margot Imm
    am 04.10.2013
    Ich war bei sehr vielen Montags-Demos gegen Stuttgart 21 und an meiner persönlichen Einstellung gegen dieses Großmannsprojekt hat weder Geißlers Schlichterspruch, noch die mit falschen Daten und einer irreführenden Fragestellung durchgeführte Bürgerabstimmung etwas geändert.
    Da aber die Mehrheit für S21 gestimmt hat, finde ich die Abholzung der Bäume im Rosensteinpark zwar sehr traurig, aber das müssen Andere mit ihrem Gewissen vereinbaren.

    Für mich hat sich S21 zu einem undurchschaubaren politischen Lügengebilde entwickelt und das ist für die Demokratie leider eher ein Trauermarsch als ein glanzvoller Triumphzug. Zweifelsohne hat seinerzeit weder unser Ministerpräsident Mappus noch sonstwer im Landtag daran geglaubt, daß der Widerstand bzw. die Hartnäckigkeit gegen S21 ein ungeahntes Ausmaß annehmen könnte. Demnach war natürlich für die S21- Befürworter Zeitgewinn überlebensnotwendig und mit Geißlers Schlichtungsinszenierung konnten die Herrschaften Landräte und Rathauschefs sowie all die sonstigen nutznießenden Anhängerschaften selbst in den hintersten Winkeln des Landes gekonnt mobilisiert und auf Kurs gebracht werden.
    Bei den Parkschützern war dies vom ersten Tag an ein sehr wichtiges Thema, doch die Demokratie und der Frieden hat nunmal ihren Preis!
  • gisela
    am 04.10.2013
    @Der konservative S21-Gegner & @Kritischer Normalbürger:

    Wenn Sie Strickpullis, ein paar rote Fahnen, Anti-AKW-Aufkleber und so „ganz harte Sachen“ wie partielle, temporäre Blockaden und Verkehrsbehinderungen wegen Demonstrationen vor dem Ort des Geschehens tatsächlich vom öffentlichen Protest gegen S21 abhalten, wenn Sie Krawatten und Rhetorik zuvorderst für Argumente nehmen, dann sollten Sie vielleicht zunächst einmal für & über sich selbst reflektieren, über persönlichen, etwas aus der Zeit gefallenen Geschmack und über heftige Projektionen und Selbstreferenzen, statt bei dieser Gelegenheit öffentlich Ratschläge zu geben. Stilberatung und originärer Widerstand sind zwei diametral unterschiedliche Dinge: Die vordergründig politische Vermarktung von Protest – das ist eine Gesetzmäßigkeit – führt regelmäßig zur Korruption seiner ursprünglichen Inhalte (siehe AfD, u.a.). Dem Versuch selbst wohnt das bereits inne.

    Ihre Empörung gegen S21 kann nicht besonders gewaltig sein, wenn Sie sich wegen privater Geschmacksfragen vom Protest abwenden. Etwas anderes wäre es, wenn Sie sich bspw. wegen ästhetisch-inhaltlicher Fragen abwendeten. Ihre angeführten Begründungen jedoch scheinen zutiefst von einer recht rückwärts gewandten Ideologie geprägt... Vielleicht sollten Sie ehrlicherweise dann die Seiten vollends wechseln und S21 letztlich besser befürworten, bevor man Sie – objektiv und zu Recht, denn das liegt in der Natur der Sache dieses anti-neoliberalen Protestes gegen das Prinzip S21 – für Linke hält ;)

    MfG-gisela
  • Kornelia
    am 04.10.2013
    @Der konservative S21-Gegner: zum Aussehen siehe andere Statements
    "Das was die Hochphase vor ein paar Jahren ausgemacht hat, sollte wiederbelebt werden: Sachorientierung in der Argumentation, konsequente Härte in der Diskussion, direkte Konfrontation der Beteiligten Politik- und Verwaltungsschranzen mit Fakten, öffentliches fordern von Aussagen (besonders von ehemaligen Mandats- und Aufgabenträgern), ........."
    Also die Hochphase 2010 war geprägt von Emotionen, Kreativität, Lachen, spontan Aktionen!!! mit weltweiter Resonanz!
    die Zeit davor: von Sachargumenten, Faktenhinweisen und Hiweisen aus Falschaussagen!!! mit nahezu null Resonanz!

    "sowie kurze, knackige Information der Öffentlichkeit, anstatt ellenlange Abhandlungen, ------- Vor allem ein vermehrtes Aufzeigen der persönlichen Abhängigkeiten von handelnden Personen aus der Verwaltung täte Not."
    da bin ich ganz bei Ihnen (Kefer zu seinen besten Zeiten).....
    hier müssen wir mehr Ross und Reiter nennen.....
    und bei den Infos knackig kurz sein, viel mehr Bildersprache benutzen...Comics a la Kostas a la Gross.... ein Bild sagt mehr als tausend Worte...

    über 20 Jahre Widerstand und niemand sah es... und dann...

    2010 gab es eine "Erotik des Widerstandes", weil es viel Witz, viel Humor, viel Neugier, viel Lachen, viel Scherzen, viel Singen, viel Offenheit, vielfältige Kultur, verdammt viele Ideen für eine anderes Leben, viel "berühren wollen" gab, viele menschliche Begegnungen über alle gesellschaftl. Schranken hinweg, viel Gedöns (Schröder) gab...
    Es waren nicht die Fakten die uns weltweit so begehrt gemacht haben!! Es war diese "Gedöns"-Vielfalt, die uns so anziehend gemacht hat...bundesweit und weltweit!
    Keine Fakten haben den Schwabenstreich in New York, in London, in Berlin ausgelöst......
    (sog Faktenvorlagen gibt es auf tausenden Konferenzen/Tagungen/ Meetings, wo Menschen in Anzügen gehoben akademisch diskutieren......unglaublich langweilig!! und erreichen die was zum Klimaschutz, zum Artenschutz, zur USAnischen Finanzkrise, zu ?!?! )
  • Kornelia
    am 04.10.2013
    Kleider machen Leute?!
    Stimmt deswegen werden ja in den Schulen in den Kindergärten Kinder gemobbt weil sie nicht die passenden Kleider anhaben""
    es ist schon erschreckend wie hier Erw. genauso argumentieren------
    Sind also Menschen besser weil sie Anzüge tragen? Hätten dann nicht bei den Proler-Veranstaltungen mehr Leute kommen müssen?

    sind wir viele? warum müssen wir das sein?
    warum darf ein DÜRR vom Überraschungscoup reden, hinter den Kulissen, von einer Minderheit gemacht und der Widerständler muss Viele sein?

    und dieses immer wieder fokussierte Sehen auf die lauten: w waren denn die Vielen als noch leise agiert wurde...die ganzen 15 Jahre?

    Demonstrationen sind wie Kinder und Kirche:
    erst reden alle davon wie wichtig es sei...dass Kinder, dass Volk sich regt..... und wenn sie dann da sind will sie keiner hören, sehen, wahrnehmen-----------

    und nochmal: die größten Schäden die über ein Volk gebracht wurden sind die die in besseren Klamotten kamen, sei es päpstliches, kaiserliches, adeliges, königliches, oder mittlerweile Boss, Gucci und sonstiges tragendes Elite Volk

    erst wenn sich das in den Köpfen einnistet kann die Demokratie beginnen!
  • Kornelia
    am 04.10.2013
    @AttacS21: die VArce war nicht "unfair": sie war undemokrtisch und Verbraucher- und menschenfeindlich!!!!!
    Wer unterschreibt einen Vertrag, wenn er ein kaputtes Auto bekommen soll?
    Wer würde freiwillig, nachdem er tausend Argumente GEGEN das Auto gesammelt hat unterschreiben?
    und: Jeder Verbraucher hat das Recht dann vom Vertrag zurückzutreten, wenn mist angeliefert wird, Hab ich durch Kreuz mein UR-Recht verloren?

    Aber andere müssen sich da auch an die NASE packen: warum haben sie mitgemacht, sich mitziehen lassen?
    Nur auf die Grünen zu schimpfen ist mir zu einfach......warum hat Grottian dazu aufgerufen, warum die SÖS, das Aktionsbündnis, die Parkschuetzer?

    ,
  • ElisabethHD
    am 04.10.2013
    "... bis ich irgendwann keine Lust mehr hatte, unter roten Flaggen und zwischen Anti-AKW-Auflebern, um den Hals gehängten K21-Tüten, norwegischen Strickpullis, Mundtröten, R2D2-Helmen und Bunny-Kostümen mitzuwirken ... Warum ist es denn nicht möglich, auf der Bühne mit Hemd, Sakko, Krawatte ... sich genau das Zielpublikum zu suchen, um das es letztlich geht - nämlich die große Masse, die breite Mehrheit, die Handyshopper, Spießbürger und Couchpotatoes. Einfache Regel: Wer die breite Masse, die Medien und die Wirtschaft ansprechen will, der muss sich als einer der ihren zu verstehen geben. Man zieht das an, was man repräsentiert ...
    Kein Wunder, dass die Bewegung seit 2010 immer kleiner geworden ist. Sie hat sich durch ihr Auftreten selbst mit ins Abseits gestellt."

    Meine erste Stuttgarter Demo war eine der ganz großen nach dem 30.09.10. Und da waren Bunnys, Strickpullover, Fahnen aller Couleur, Anzüge mit Krawatten und Kostüme von Breuninger exquisit.
    Die beiden letzteren sind nach der "Schlichtung" und der Landtagswahl allmählich immer weniger geworden, und nach der "Volksabstimmung" ganz weggeblieben.

    Und ich behaupte jetzt einfach mal, dass nicht die Strickpullover, sondern der Regierungswechsel und das Referendum für das Fernbleiben der in die Uniform der besseren Kreise Gekleideten verantwortlich sind. Es sind jetzt, laut Kretschmann und Palmer, nur noch die "Sektierer", die montags demonstrieren. Und wer montags vor dem Bahnhof auftaucht, muss damit der Regierung Paroli bieten, die er wahrscheinlich selbst mit ins Amt gehievt hat. Und muss seinen Kollegen, Verwandten, Geschäfts- und Ehepartnern erklären, warum das selbstverständlich legitim ist.
    Das ist ein hartes Geschäft. Einfach wegbleiben ist einfacher.
    Man kann sich um das harte Geschäft drücken und sich das Wegbleiben auch durch unerfüllbare Bedingungen schönreden: "Wenn die Montagsdemonstranten sich als Bankangestellte oder BWL-Studentinnen verkleiden würden, dann würd ich ja auch mal wieder ..."
  • AttacS21
    am 03.10.2013
    An die ver- oder abgeschreckten Kommentatoren:

    Es waren die selbst ernannten "Spielführer" von den Grünen und von Verbänden gestellte naive Schlipsträger, die der Bewegung am meisten geschadet haben. Weil sie die eigendynamische Bewegung massiv geschwächt haben, als sie am stärksten war und die Gegenseite in die Defensive gebracht hatte.
    Wie das? Sie haben sich auf einen unberechenbaren und foulspielenden "Schlichter" der Gegenseite eingelassen und es in ihrer Eitelkeit versäumt, dem offensichtlichen Betrugsmanöver "Schlichtung" ein rechtzeitiges Ende zu bereiten. Statt dessen haben sie sich zudem auf den ersichtlich betrügerischen Stresstest eingelassen und wollten uns das angerichtete Desaster auch noch als "Besser wie nix" verkaufen!
    Am schlimmsten war aber, dass sie die Bewegung der unfairen VArce ausgeliefert haben, mit der die Regierungs-Grünen uns marginalisieren und von der Straße wegholen wollten.

    Dass diese Rechnung nicht ganz aufgegangen ist und nach so langer Zeit immer noch viele auf der Straße und an Aktionen beteiligt sind, kann dem Stuttgarter S21-Widerstand nicht hoch genug angerechnet werden! Und die MoDemo ist dafür als Kristallisationspunkt und Anker unverzichtbar.

    An die Schlipsträger appelliere ich, der MoDemo doch durch starke eigene Präsenz das gewünschte Erscheinungsbild zu geben.
  • Esky Bail
    am 03.10.2013
    Hallo Herr Stocker,
    Sie haben sehr viel geleistet und ich bewundere und würdige das. Sie haben auch durch Eitelkeit, Dogmen,falssche Entschlüsse, Machansprüche sehr viel zerstört, dadurch haben sie viele Ihrer Uranhänger verloren.

    Die Montagsdemonstrationen sind unverzichtbar. Sie sind weder Selbstläufer, noch Folkloreveranstaltungen. Ich finde es fast unglaublich, wie die vielen guten Redner, die Musiker, die Montagsdemonstranten hier runtergemacht werden, ob ihres Alters, oder ihrer Kleidung und Gesten.

    Das ist eine solche Menschenverachtung. Jeder kann dazu beitragen, diese Veranstaltung zu bereichern.

    Und seit wann muß eine kritische Bewegung sympathisch, gut gekleidet, und alterslos sein? Dieses "Punkten" nach Sympathie und die geringe Unterstützung für viele angedachte Aktionen oder Diffamierung vollzogener Aktionen - hat viele Menschen und ihre Ideen lahm gelegt.

    Der Rosensteinpark steht vor der Abholzung - wer wird ihn verteidigen?
    Kommen die Leute vom Aktionsbündnis, kommen die Parkschützer?
  • An viele Demonstrationsteilnehmer
    am 03.10.2013
    Werdet Euch endlich im Klaren darüber, worum es geht. Es geht darum, die breite Öffentlichkeit zu erreichen und für Euch zu gewinnen. Nicht darum, persönlichen Dampf abzulassen.

    Bitte denkt in diesem Zusammenhang mal über Eure Außenwirkung nach.

    Lasst die Tröten, Trillerpfeifen und lustigen Hüte weg. Tretet endlich seriös auf. Bitte.
  • Kritischer Normalbürger
    am 03.10.2013
    Ich muss meinem Vorredner „Der konservative S21-Gegner“ zu 100% Recht geben: Das Erscheinungsbild der Montagsdemos und ihrer Protagonisten ist definitiv viel zu weit davon entfernt, vom Großteil der Bevölkerung akzeptiert zu werden.

    Ich selbst war auf etlichen Demos dabei, bis ich irgendwann keine Lust mehr hatte, unter roten Flaggen und zwischen Anti-AKW-Auflebern, um den Hals gehängten K21-Tüten, norwegischen Strickpullis, Mundtröten, R2D2-Helmen und Bunny-Kostümen mitzuwirken, und schlechte Folkloremusik aus anderen Zeiten ertragen zu müssen. "Bunt und kreativ" - eine Sackgasse sondersgleichen. Ich bin es schon lange leid, auch wenn ich selbst auf anderen Ebenen gegen S21 weiter kämpfe.

    Selbst die Redner stehen dem oft in nichts nach. Warum ist es denn nicht möglich, auf der Bühne mit Hemd, Sakko, Krawatte und dergleichen und mit entsprechendem seriösem Auftreten sich genau das Zielpublikum zu suchen, um das es letztlich geht - nämlich die große Masse, die breite Mehrheit, die Handyshopper, Spießbürger und Couchpotatoes. Einfache Regel: Wer die breite Masse, die Medien und die Wirtschaft ansprechen will, der muss sich als einer der ihren zu verstehen geben. Man zieht das an, was man repräsentiert.

    Dazu gehört auch, die wenig bis nicht interessierten Bürger nicht durch Straßenblockaden zu drangsalieren. Denen sind die Argumente egal, wenn sie im Stau stehen, auch wenn sie grundsätzlich den Kopfbahnhof bevorzugen würden. Nicht umsonst waren gerade die Veranstaltungen mit Rednern wie Prof. Bodack, Prof. Monheim usw. die erfolgreichsten, die meist beachteten und die am besten besuchten.

    Es gibt leider viel zu viele Selbstdarsteller und Folklorefans in der Bewegung auf der Straße. Das stößt ab, und gibt den PR-Strategen von Bahn und CDU die besten Vorlagen, die diese auch genüsslich aufgenommen und verwertet haben. Kein Wunder, dass die Bewegung seit 2010 immer kleiner geworden ist. Sie hat sich durch ihr Auftreten selbst mit ins Abseits gestellt.

    Und bitte, lasst die Symbolik weg. Warum müssen die Kundgebungen unbedingt montags und am Bahnhof stattfinden, wo a) weniger Menschen inhaltlich erreicht werden, und wo b) die Straßen blockiert werden? Warum nicht samstags auf dem Marktplatz oder auf dem Schlossplatz? Dort spielt das Leben!

    Leute, das war einmal eine BÜRGERbewegung, und in dieser Form war sie erfolgreich und hat zehntausende auf die Straßen getrieben! Also durchbrecht endlich diese Negativspirale und tretet endlich wieder BÜRGERLICH und SERIÖS auf! Dann kommen auch wieder die Leute aus der bürgerlichen Mitte - und um die geht es!
  • Kornelia
    am 03.10.2013
    @JOE: Urban Priol und andere haben auch dauernd und permanent davon gesprochen dass ganz Dt. lethargisch zusieht...... nichts bewegt sich...nur in Stuttgart tut sich was! Überall fragen sich die Sesselfurzer (und die hinter ihnen stehenden Strippenzieher fasziniert: warum lassen sich die deutschen alles gefallen?)

    Meine Antwort: weil sich die tatsächlichen Mehrheiten (ca 80 000 000) immer in gefühlte Minderheiten (hier occupy, dort Stuttgart, hier Gangolf, dort MvH) haben unterteilen lassen:

    Mich erschreckt das immer immer immer weider herausgeholten bashing von Anderen aufgrund von Aussehen, von Alter, von Glauben, von Denken (in Deutschland dachte ich nie wieder!!)..........
    wann endlich werden wir begreifen, dass die WIRkLICHEN ASOZIALEN Schmuddelkinder im Anzug, mit Champagnergläschen und Maybach gerumgurken?

    guckt Euch die Einerlefeier an. die BESSEREN kriegen Sekt und Selters von uns gespendet, die besseren Plätze und geniale Bedingungen noch mehr Verfilzung zu betreiben..... bezahlt von uns
    und wir dürfen wie Herdentiere durch die Gegend laufen, bezahlen viel Geld für Speis und Trank und dienen als Hintergrundkulisse.........
    (und morgen wird uns wieder ernsthaft erzählt es gäbe kein Geld für Schulen, für Spielplätze, für.....)

    ICH WILL NICHT DIESES GEGEN-EINANDER-AUSSPIELEN NICHT, NIE MEHR!!!
    Lest doch alle die Bücher von Ulrike HERRMANN: hurra wir dürfen zahlten oder von Julia FRIEDRICHS: Gestatten Elite oder die Krimis von Arne DAHL: Gier etc
    vielleicht wird dann endlich mal jemand begreifen, dass die Schneiders, die Flowtext, die Ackermänner, die Koopers mehr Schaden anrichten als ein Obdachloser, oder "schlecht" Gekleideter!!!
    verdammt: lernen wir nie aus der Geschichte?

    Wie sagte meine Oma immer: " oh, dann hatte er plötzlich eine neue Uniform und stolzierte mit blank geputzten Stiefeln durchs Dorf als sei er was weiß ich.... dabei war er nur ein einfacher Hilfsarbeiter.....vorher)
    Ich wäre für ein Gesetz, dass menschen regelmässig zwingt, mit Tafel-Klamotten rumzulaufen.....wette, dann sieht man: "die kochen auch nur mit Wasser" (Oma)
  • Adele Sperandio
    am 02.10.2013
    Die Mo-Demos sind - entgegen von Gangolf Stockers Einschätzung

    - Indikatror für die Stärke des Protests.
  • Der konservative S21-Gegner
    am 02.10.2013
    In der Tat ist das Erscheinungsbild einiger Protagonisten des S21-Widerstands zu einem guten Teil nicht jenes, mit dem man einen großen Teil der Bevölkerung im Ländle erreichen kann. Sicher ist es toll mal wieder den Strickpulli aus Zeiten der Anti-AKW-Bewegung herauszuziehen. Er ist aber für weite Teile der Bevölkerung ein Warnsignal, sich nicht mit dieser Klientel und ihren Anliegen gemein zu machen. Genauso ist die zunehmende schamlose Vereinnahmung von linken Gruppen ein Stigma, das viele konservative kontra S21 eingestellte Bürger von einem direkten Engagement abhält; ja man möchte sich auch nicht unbedingt auf einem Pressefoto unter roten Fahnen und revolutionärem Gepränge wiederfinden. Es ist dringend geboten der schleichenden parteipolitischen Dogmatisierung Einhalt zu gebieten und dem wieder Raum zu geben, was dieser Bürgerbewegung zum Erfolg helfen könnte.
    Das was die Hochphase vor ein paar Jahren ausgemacht hat, sollte wiederbelebt werden: Sachorientierung in der Argumentation, konsequente Härte in der Diskussion, direkte Konfrontation der Beteiligten Politik- und Verwaltungsschranzen mit Fakten, öffentliches fordern von Aussagen (besonders von ehemaligen Mandats- und Aufgabenträgern), sowie kurze, knackige Information der Öffentlichkeit, anstatt ellenlange Abhandlungen, mit denen sich kein Mensch mehr beschäftigt. Vor allem ein vermehrtes Aufzeigen der persönlichen Abhängigkeiten von handelnden Personen aus der Verwaltung täte Not. Diese Personen hängen, verständlicherweise, auch an ihrem Job, werden aber auch aus diesem Grunde für politische und wirtschaftliche Ziele missbraucht. Das bedeutet für die S21-Gegner, mit dieser Klientel arbeiten, denn die haben die Informationen. Fragen Sie sich selbst, wie interessant sind Sie für Whistleblower?
    Und nicht zuletzt: Persönliches auftreten.
    Menschen funktionieren nun mal nach einem bestimmten Schema. Wenn ich mich aufführe und ein zerzaustes Fell trage wie ein geprügelter Hund, dann werde ich auch als solcher behandelt. Dabei ist es völlig egal ob ich die besseren Fakten habe. Sie werden nicht für voll genommen werden. Sie fordern die Arroganz heraus, mit der Sie von Politik, Verwaltung, Parteien, Medien und Bahn letztlich in der öffentlichen Wahrnehmung ersäuft werden. Sie werden als Wadenbeißer erfahren, aufgenommen und öffentlich behandelt. Sie, die organisierten Gegner, veranstalten mit Menschen aus dem Top-Management und der oberen Verwaltung einen Lanzengang, bei dem die Waffen nicht beherrscht werden. Endloses lamentieren, langweilige und nicht enden wollende Power-Point-Präsentationen, Reden von Menschen ohne ausreichende sprachliche Ausdrucksfähigkeit und unpassender Körpersprache, das gibt es in diesen Ebenen nicht. Lassen Sie sich aus eigener Erfahrung sagen, Sie werden so nicht gehört und nicht ernst genommen werden, ja man wird sich eher hinter den Kulissen über Sie mockieren und Sie dann schön in aller Öffentlichkeit auflaufen lassen. Wahlweise stetiges Ignorieren, bis Ihnen als Privatperson einfach die Luft ausgeht. Verdammt noch mal, Sie haben die besseren Argumente, zeigen Sie das denen und nehmen Sie die Nase aus dem Staub, arbeiten Sie an Ihrer Persönlichkeit! Wenn nötig mit professioneller Hilfe.
    Zurück zum Strickpulli: Zum persönlichen Auftreten gehört nun mal auch das Äußere. Wenn ich mich mit diesen Gegnern auf einen Lanzengang auf deren Turnierplatz einlasse, dann trage ich auch die dort übliche Rüstung. Und wenn die eine Bügelfalte und eine Krawatte verlangt, dann sei das so. Keine Angst, Sie verraten damit nicht ihre Lebensweise und ihre Überzeugung. Sie werden aber als Gegner wahrgenommen, wenn Sie nicht gerade das Konfirmandenanzügle aus den Achtzigern reaktivieren. Menschen sind einfach, Menschen sind so. Warum das nicht nutzen?
    Ich habe außerordentliche Achtung vor vielen der gegen S21 engagierten Personen, vor der immensen Menge an Fachwissen, die erarbeitet wurde und der Hartnäckigkeit die Sie seit Jahren an den Tag legen. Nicht zuletzt habe ich Achtung vor den persönlichen Nachteilen, die Sie für sich in Kauf nehmen und vor dem Risiko für die eigene Existenz, die ein solches Engagement wohl speziell in Baden-Württemberg nach sich ziehen kann. Umso mehr schmerzt es mich, dass Sie nicht in weiteren Bevölkerungsgruppen, speziell im vernünftigen Teil des konservativen Umfelds, Fuß fassen können.
    Ich bin der festen Meinung, wenn Sie die öffentliche Wahrnehmung der Protagonisten korrigieren können, dann werden Sie weitere Bevölkerungsgruppen erreichen, die bereits aufgeschlossen für die Problematik sind oder dafür sensibilisiert werden können, sich aber einem Protest in aktueller Form nicht anschließen werden. In einem konservativen Biotop gibt es eben Spielregeln. Nutzen Sie diese.
  • Adele Sperandio
    am 02.10.2013
    Lieber Gangolf,
    deine Einschätzung der Mo-Demos: "niemand wird aber behaupten wollen, dass der montägliche Protest die Politik noch beeindruckt" liegt total daneben.
    Im Gegenteil sind die Mo-Demos ein Maßstab für den Protest, gerade weil sich ganz unterschiedliche Menschen daran beteiligen.
    Grüße
    Adele
  • Markus Hitter
    am 02.10.2013
    In welches Wespennest hat Stocker da nur gestochen? Hier und auf parkschuetzer.de scheint man den Artikel weit gehend als einen Versuch der Untersagung der Montagsdemos anzusehen. Auch beim zweiten lesen des Artikels kann ich dazu jedoch nur einen halben Absatz finden. Und auch fordert der nicht dazu auf, die MoDes zu stoppen, sondern eher dazu, das Gewicht der Aktivitäten günstiger zu lagern.

    Da muss ich Stocker Recht geben. Wenn sich Montags 2000 Leute vor dem Bühnen-Lkw einfinden, bei einer gleichzeitig bzw. davor statt findenden Erörterungsverhandlung ganz in der Nähe aber nur ein Zehntel davon anwesend ist, dann scheint der Schwerpunkt nicht an der richtigen Stelle zu liegen. Und erzähle mir bitte niemand, dass er zu geizig für das S-Bahn-Ticket sei oder zu dumm, auf einem Stuhl Platz zu nehmen. Selbst eine Arbeitsstelle zählt nicht, wenn man zur gleichen Zeit auf der Schillerstasse weilt.

    Wenn Bahn & Co. etwas ausrichten, dann ist Anwesenheit sehr viel wichtiger als die Teilnahme an einer regelmässigen Demo. Dafür braucht man auch kein Experte zu sein, die reine Anwesenheit genügt. Denn Köpfe zählen, das kann man in jedem Buch zu den Grundlagen der Verhandlungsführung nachlesen. Schiere Anwesenheit gibt den Experten mehr Gewicht und das ist genau das, was es braucht.

    @T. Neuhaus: völlig richtig. Um Menschen zu erreichen, nutzt man das Internet. Interaktiv, d.h. nicht wie eine preisgünstige Plakatwand, sondern in Form von Foren, Mailing-Listen und dergleichen. parkschuetzer.de ist da nur bedingt geeignet, denn die löschen alles weg, was ihnen nicht in die Gemütslage passt.

    In diesem Sinne: der Widerstand ist noch lange nicht am Ende, doch es steht mal wieder eine kleine Frischzellenkur an. Jung blei... äh, Oben Bleiben!
  • Shoobidoo
    am 02.10.2013
    Einspruch, Herr Stocker! Es steht nicht nur der letzte Planfeststellungsabschnitt an. Auch der vorletzte, der Abstellbahnhof in Untertürkheim, ist längst noch nicht in trockenen Tüchern. Dieser Abschnitt liegt seit über drei Jahren auf Halde - und nichts tut sich.
    Rein planfeststellungsrechtlich ist die Situation also exakt dieselbe wie im Sommer 2010: Für fünf von sieben Abschnitten hat die Bahn eine Baugenehmigung, für zwei nach wie vor nicht.
    Allerdings gibt es inzwischen den entscheidenden Unterschied, dass die Bahn mit den in den bestandskräftigen Planfeststellungsbeschlüssen erteilten Wasserrechten den Bau nicht realisieren kann, auch wenn sie vor dem Verwaltungsgerichtshof im Sommer 2011 noch das Gegenteil behauptete. Daher das umfangreiche Planänderungsverfahren mit öffentlicher Beteiligung, das seit dem Abbruch der Erörterung im Apollo-Theater wegen Befangenheit des Verhandlungsleiters und der vorzeitigen Beendigung des Folgetermins im Congresszentrum am Stuttgarter Flughafen in der Luft hängt.
    Daraus ließen sich interessante Schlussfolgerungen ziehen:
    1. Das Instrument des Planfeststellungsverfahren kommt offenbar schnell an seine organisatorischen Grenzen, wenn die Bürgerschaft das einfordert, was - angeblich - der Sinn eines solchen Verfahrens sein soll: Die BürgerInnen an der Planung zu beteiligen, ihren Einwendungen Gehör zu verschaffen und diese bestmöglich im Verfahren zu berücksichtigen.
    2. Die vorgelegten Planunterlagen sind unvollständig und nicht in sich schlüssig, wesentlich Teile der geplanten Änderungen sind darin nicht nachvollziehbar zu erkennen. Die Unterlagen sind zu überarbeiten und neu auszulegen, weil sie nicht die erforderliche Erörterungsreife haben.
    3. Was manche EinwenderInnen trotzdem bereits erkannt und bemängelt haben, trat während der Erörterungsverhandlung offen zu Tage: Die Bahn möchte sich für den Bau von Stuttgart 21 unbegrenzte Wasserrechte genehmigen lassen! Die Zahlenspiele dienen nur der Verschleierung des eigentlichen Vorhabens: Es geht nicht um 3 oder 4 oder um 6,8 Milliarden Liter. Es geht um eine rechnerisch prognostizierte Wassermenge – plus X!!! Derlei wurde aus gutem Grunde bisher noch nie genehmigt. Es widerspricht geltendem Recht - und es bleibt spannend, ob zur Durchsetzung des Projekts auch diese rote Linie überschritten werden wird.
    4. Die in einer Jubel-Schrift (http://www.rp.baden-wuerttemberg.de/servlet/PB/show/1201850/rps-ref52-aww-abschltagung.pdf) des Regierungspräsidiums 2006 hochgelobte "frühe Beteiligung" der Behörden treibt seltsame Blüten: Seit über 15 Jahren sitzen die Genehmigungs- und Kontrollbehörden, Sachverständige und Fachbehörden des Landes und der Stadt mit der Bauherrin an einem Tisch und haben in unzähligen Sitzungen und Arbeitskreisen für das hochsensible Heil- und Mineralquellenschutzgebiet ein völlig untaugliches Grundwassermanagement entwickelt, das das Papier nicht wert ist, auf dem Kurven, Berechnungen und - unzutreffende - Prognosen niedergeschrieben wurden.
    5. Der Logik der Minister und Hofschranzen in Hans Christian Andersens Märchen "Des Kaisers neue Kleider" folgend sagt keiner der solchermaßen Beteiligten, dass der Kaiser nackt, sprich: das Grundwasser im Stuttgarter Talkessel und darüber hinaus nicht kalkulierbar sei. Nein, sie behaupten tapfer weiter, dass mit der Einhaltung aller Nebenbestimmungen und Auflagen sowie der Ausführung aller hochkomplizierten Berechnungen, die mit der Realität nichts zu tun haben, weil sie eben nichts sind als - möglicherweise völlig falsche - Berechnungen, doch am Ende alles gut werde.
    6. Besonders pikant daran ist, dass sich ausgerechnet die für den Umweltschutz zuständigen Behörden von Juristen der Bahn vorführen lassen, die mit Veröffentlichungen werben, die so aufschlussreiche Titel tragen wie "Kompensationsfreie Eingriffe in 'Bahnbiotope'?". Ob sie ihre Expertise wohl demnächst mit dem Titel "Bauen im 'Heilquellenschutzgebiet' ohne wasserrechtliche Einschränkungen?" unter Beweis stellen können?
    7. Die Protestbewegung gegen Stuttgart 21 dreht sich trotz dieser Steilvorlagen weiterhin mit allerlei juristischen Pirouetten im Kreis und ergeht sich in Überlegungen über ein weiteres Bürgerbegehren, anstatt das zu tun, was sie dank ihrer inzwischen nicht unerheblichen finanziellen Kraft zu tun im Stande wäre: Endlich einen exzellenten Verwaltungsjuristen zu beauftragen und dem Rest der Republik zu zeigen, dass Recht und Gesetz in unserem Rechtsstaat nicht nach dem Gutdünken wild gewordener Bautiger verbogen werden können.
    8. Die zunehmende Beteiligung an den Montagsdemonstrationen im Jahr 2010 speiste sich teilweise aus der Erkenntnis, dass der Kampf gegen Stuttgart 21 - auch mangels finanzieller Kraft während der vorangegangenen Planfeststellungsverfahren - eigentlich verloren war. Insofern war der Schritt auf die Straße als ultima ratio der richtige. Heute haben die Montags- und andere Demonstrationen nicht zuletzt wegen ihrer Funktion als Rückversicherung für eine immer noch äußerst spendenfreudige Protestgemeinde ihre Daseinsberechtigung.
    9. Allerdings müssen die vorhandenen Geldmittel jetzt zielgerichtet und punktgenau eingesetzt werden. Dann besteht nach wie vor eine Chance, die berechtigten Zweifel an Stuttgart 21 so anzubringen, dass das Projekt Schritt für Schritt beendet werden kann.
    Es wäre die vordringlichste Aufgabe der Bürgerbewegung, diese Schlussfolgerungen zu formulieren und - beispielsweise auf Montagsdemonstrationen - öffentlich zu machen.
  • Kornelia
    am 02.10.2013
    @Tobias, "Aber ich bin ebenso Gegner des institutionalisierten Protests,......Schon die messianische Selbsteinschätzung, die sich in der recht forschen Übernahme des Begriffs "Montagsdemonstration" und damit Gleichsetzung mit einer Bewegung, die eine volkommen unvergleichbare historische Dimension und inder Tat "ein Volk" repräsentierte, war mir peinlich! "
    ja da bin ich ja ganz bei Ihnen... einen institutionalisierte Protest finde ich auch langweilig.....
    nur was Sie nicht sehen. gehört wird das Volk erst wenn es laut ist..... sonst wird es einfach übergangen. .............auch eine Ähnlichkeit mit der DDR

    den Begriff Montagsdemo und Volk finde ich richtig und gut......denn hüben wie drüben geht es um die Emanzipation, d.h. die endliche ERfüllung von Demokratie
    wenn hier Firmen und Politik und drüben ZK darüber bestimmen wie die Menschen zu leben haben und was gut für sie sein soll... die Gemeinsamkeiten sind stark (oder hat man Sie gefragt ob Sie den Euro wollen, die dauernden Erweiterungen, die Finanzierungen für die Banker und und)

    und VOLK: wer ist es und ab wann darf man sich so nennen. Sie vergessen, dass auch die DDRianer klein angefangen haben...... und wenn Gorbatschow nicht eingelenkt hätte............. vielleicht mit ein paar wenigen immer noch in Leipzig herumhängen würden
    die DDR-Bewegung ist komplett vom West-Politikern und Firmen eingenommen worden, deswegen ja auch das inhaltslosen leeren verwaltokratische Datum 03.10........ ..
  • Tobias
    am 02.10.2013
    Danke, Herr Stocker - vielleicht greift mit Ihrem Artikel mal langsam die Erkenntnis um sich, dass Kritik nicht unbedingt eine Einbahnstraße sein muss. Ja, man könnte sich auch mal in Selbstkritik versuchen. So, wie Sie es bezüglich der äußeren Erscheinung (und Wahrnehmung) des Widerstandes, insbesondere der Montagsdemos tun. Aber, wenn Sie sich Kommentare anschauen wie hier von "Kornelia", dann sehen Sie unschwer, dass genau das allen Seiten genau gleich schwer fällt, denn es ist ein allgemein menschlicher Makel, dass man eigene Fehler viel schwerer erkenn, als diejenigen Anderer.
    Ja, der Zeitpunkt direkt nach der LTW wäre der Richtige gewesen, den Unentschlossenen, den Meinungslosen und den Schwankenden nicth länger mit teilweise hysterische Züge annehmenden Protestformen auf den Zwirn zu gehen. Ich kenne mindestens 50 Leute persönlich, mit denen ich gemeinsam der offenen Widerstandsbewegung "adieu" gesagt habe, weil wir uns damit nicht mehr identifizieren konnten. Ich bleibe Gegner des Projektes S21 und stehe dazu. Aber ich bin ebenso Gegner des institutionalisierten Protests, der leider jegliche politische Intelligenz lange schon hinter sich gelassen hat und sich gnadenlos von den S21-Profiteuren instrumentalisieren lässt. Und das, ohne es zu merken.
    Schon die messianische Selbsteinschätzung, die sich in der recht forschen Übernahme des Begriffs "Montagsdemonstration" und damit Gleichsetzung mit einer Bewegung, die eine volkommen unvergleichbare historische Dimension und inder Tat "ein Volk" repräsentierte, war mir peinlich!
    MIt der Trotztaktik, jede Woche mindestens einmal, nein zweimal das Leben schwerzumachen - und das über bald 4 Jahre und mit ewig denselben Parolen! - hat sich der Widerstand gegen S21 leider selbst ad absurdum geführt.
    Ja, das Projekt wird stattfinden. Es wird teurer, schlechter und schädlicher für unsere Stadt, als wir uns das vorstellen, und ich bin ganz bei Gangolf Stocker: Wir müssen den Treibern, den Profiteuren und der Mafia unmissverständlich klarmachen, dass wir sie auf dem Schirm haben - und dass wir sie nicht vergessen, "when the shit hits the fan".
  • Joe
    am 02.10.2013
    @ Scheuffele
    "Der zentrale Anker des Widerstandes sind unsere Montagsdemos.
    Diese Demos sind keine Folkloreveranstaltungen und müssen weh tun."
    Weh tun ??? Um Gottes Willen - wem wollen sie denn mit dem Montagsevent weh tun ? Das Mitleid sei Ihnen gewiss !
    Das ist so sinnfrei wie um 20 Uhr vor dem Finanzministerium herumtrillern.
    Weh tut es nur, wenn es auch ihnen weh tut. Dafür ist der Protest aber zu feige (bis auf wenige zählbare Ausnahmen). Wir werden sehen, ob der Protest außer Folklore, z.B. im Rosensteinpark bei den anstehenden Fällungen, wenigstens 10-20% der Montagsdemoteilnehmer aktivieren kann und dann denen weh tut, die es "verdient" haben.
    Wenn das nicht klappt - wovon ich ausgehe - dann bleibt wirklich nur die Folkloreveranstaltung "Montagsdemo".
  • T. Neuhaus
    am 02.10.2013
    Kleine Ergänzung:

    Zum Selbstverständins der Montagsdemos sollte vielleicht ergänzt werden, daß bei der "Volksabstimmung", wenn ich es recht erinnere, 1,4 Millionen Menschen für den Ausstieg gestimmt haben - das sind eben ein paar mehr als die 2.500 Montagsdemonstranten. Trotzdem könnte man auf den Demos den Eindruck haben bzw. wird das Selbstverständnis vermittelt, daß hier das Zentrum des Widerstandes wäre - auch die ganzen Terminankündigungen etc.

    Das Aktionsbündnis hat völlig die Chance dieser Potentials des 1,4 Mio Menschen verpasst. Nach der Volksabstimmung hätten sie es nur am Leben erhalten müssen, durch regelmäßge Newsletter mit aktuellen Terminen, interessanten Zeitungsartikeln etc. Und was haben sie getan? Nichts. Schweigen.
    Von Loeper berichtet auf den Montagsdemos von aktuellen Wasserständen - aber das Aktionsbündnis, dessen Sprecher er ja ist, verschickt keinen einzigen Newsletter hierzu - seit Jahren schon!

    Im Jahr 2013 erreicht man die Masse der Leute mit Infos übers Internet und nicht auf Montagsdemos.

    Chance vertan.
  • T. Neuhaus
    am 02.10.2013
    Was Stocker vergessen hat zu erwähnen:

    Vor der Schlichtung war die große Mehrheit gegen S21 - mit der Schlichtung - vielmehr dem Schlichterspruch hat sich das geändert. Fluchs noch eine Umfrage von Bretschneider hinterher und die Mächtigen haben sich wieder auf der sicheren Seite gefühlt. Daß der Schlichterspruch überhaupt nicht zu den Erkenntnissen in der Schlichtung gepasst hat, dürften die meisten wohl nie mitbekommen haben.

    Mittlerweile ist die Stimmungslage wieder in der Vorschlichtungszeit angekommen - klare Mehrheit gegen das Projekt.

    Zur Schlichtung selber vielleicht noch ein Satz Herr Stocker.
    Auch auf K21 Seite wurden schwere Fehler gemacht. Anstatt in einem einführenden Vortrag die bisherige Geschichte von S21 detailiert aufzuzeigen, die Werbesprüche der Bahn zu nennen und zu entlarven (alles was jetzt erst Egelhardt getan hat), hat man sich auf der sicheren Seite gewähnt und dies alles versäumt und ist gleich mit der "Schnecken-Grafik" eingestiegen.

    Ebenso hat man Herrn Hopfenzitz mit seinen Ausführungen zur Leistungsfähigkeit zwar referieren lassen, aber ihn dabei nicht unterstützt und nicht darauf aufgebaut - die Gafiken waren für den Laien oft auch zu komplizert.

    Ebenso wurde der mögliche Welkulturerbe-Status überhaupt nicht erwähnt - dabei wäre das ja was gewesen - auch warum Stadt und Land sich so verhalten habe wie sie es getan haben usw.

    Bilder in der Schlichtung vom Bahnhof, dem Gleisgebirge und alle den anderen Gebäuden, die abgerissen werden sollten umd das Ausmaß dieses Irrsinns aufzuzeigen - Fehlanzeige!

    Und so ist auch der Abriss der wundervollen Eisenbahndirektion praktisch geräuschlos an der Öffentlichkeit vorbeigegangen.

    Was die Montagdemos betrifft so hat Stocker sicher nicht ganz Unrecht. Man hätte mit der Landtagswahl - aus einem Moment der Stärke heraus - die Demos erst mal einstellen sollten, zumindestens aber auf einmal pro Monat beschränken sollen - mit Rednern, die dann eben auch was zu sagen gehabt hätten, und eben nicht "Redner" um des Redens willen - wie es heute meist der Fall ist (und manche furchtbare und überlange Musikdarstellung wäre einem dann auch erspart geblieben)

    Ob man auf diesen Demos auch immer mit der Trillerpfeife auftreten muss, anstatt endlich mal zum Klatschen überzugehen - das kann sich jeder mal selber fragen.


    Verwunderlich bleibt vielleicht noch, daß man das große Potentail an Prominenten und Fachleuten, die alle auf der K21 Seite verhanden sind nicht besser nach außen hin nutzt.
  • Fritz Hirschmann
    am 02.10.2013
    Bisher wurde die Geschichte meistens von den sogenannten Siegern geschrieben und fast nach Gutdünken zurechtgefälscht.
    Wenn die demokratische Bewegung gegen S21 am Ball bleibt, jede Lüge schonungslos aufdeckt und immer wieder kreativ kommuniziert wird, dann kann sie die bereits vorbereitete und anlaufende Geschichtsfälschung der Betreiber von Stuttgart 21 verhindern.
    Nur die demokratische Bewegung gegen Stuttgart 21 kann dafür sorgen, dass nichts "vergessen" wird und dass dieses Katastrophenprojekt täglich der Bevölkerung als solches bewusst gemacht wird, dass keine Gleichgültigkeit oder Resignataion Einzug hält.
    Nur die demokratische Bewegung gegen Stuttgart 21 kann und muss weiterhin täglich den Finger in die Wunden legen, die zeigen, dass S21 von Anfang an eine Fehlkonstruktion war.
    Nur die demokratische Bewegung gegen Stuttgart 21 kann und muss die Betreiber, Umfaller und ihre Medienknechte beim Namen nennen. Nur sie kann dafür sorgen, dass sie sich nie ihrer persönlichen Verantwortung entziehen können.
    Wir schreiben an dieser Geschichte von Stuttgart 21 weiter mit!
  • filder
    am 02.10.2013
    "Wenn es aber nur annähernd zutrifft, dass Kundgebung und Protest abstoßend auf Dritte wirken und die Protestierenden als "verbitterte" und "rechthaberische Alte" wahrgenommen werden, dann muss umgedacht werden."

    Es wirken nicht Kundgebung und Protest an sich abstoßend, sondern der leider oft dominierende unangenehme Begleit-Ton in der 'außen' wahrnehmbaren Selbstdarstellung: Das hasserfüllte Gebrülle und das "Gift der Unterstellung" wie es im Nachbar-Artikel (Frust essen Vertrauen) genannt wird, die Selbstzerfleischungen, die Mappus-artigen Holzschnittdarstellungen, in der jede/r zum verachteten Feind mutiert, der sich dem lautstark selbsternennenden Mainstream nicht anschließen mag, das stete Man-müsste-man-sollte-warum-kümmern-die-sich-nicht (wobei 'die' abwechselnd die Anstifter, der BUND, der Umkehrbar-e.V. oder sonstwer sind, nur nicht die Fordernden selbst), die Unlesbarkeit der Parkschützer-Website, in der kaum ein Kommentar ohne Beleidigungen auskommt und abweichende Meinungen von einem 'harten Kern' stets übelst niedergegoscht werden, die maß- und geschichtslosen Nazi-Vergleiche etc. Es ist das Unzivilisierte, das abstößt. Ob noch Hoffnung ist, dass das Zivilgesellschaftliche wieder die Oberhand gewinnt?
  • Ulrich Scheuffele
    am 02.10.2013
    Ich achte Gangolf sehr und anerkenne, was er in der Vergangenheit für den Widerstand getan hat.
    Allerdings bin ich in Bezug auf die Montagsdemos nicht in Allem mit ihm einer Meinung.
    Der zentrale Anker des Widerstandes sind unsere Montagsdemos.
    Diese Demos sind keine Folkloreveranstaltungen und müssen weh tun.
    Es geht auch nicht darum ob es einigen Leuten gefällt oder nicht.
    Stuttgart21 gefällt den meisten Stuttgartern nicht, aber hat sich je einer der Verantwortlichen darum geschert?
    Ohne die Montagsdemos hätten wir schon halb verloren, denn dies würde sofort als eine Schwäche von uns ausgelegt.
    Nein wir werden weiterhin auf die Strasse gehen und wir werden weiterhin den Finger auf die wunden Stellen legen, wir werden weiterhin kreativ sein und wir werden weiterhin uns nicht von der Staatsmacht einschüchtern lassen.
    Heute zeigt sich, dass unser Widerstand berechtigter ist als je zuvor.
    Deshalb lasst uns Fahne zeigen und dem Herrn K. klar machen, dass der Käs noch lange nicht gegessen ist.
    Ulrich Scheuffele
    Vorsitzender
    Parkschuetzer.de e.V.
  • Kornelia
    am 02.10.2013
    "dass Kundgebung und Protest abstoßend auf Dritte wirken und die Protestierenden als "verbitterte" und "rechthaberische Alte" wahrgenommen werden"
    man, man, man wenn wir uns so darstellen und uns so darstellen lassen (auch noch von einem grauhaarigen vr A)... dann haben wir den Krieg verloren
    Echt mich machen die eigenen Leute mehr fertig als die Reflex-Gegen-Gegner!
    Vielleicht sollten einige Obere selber mal in den Spiegel schauen, ihre Fehleinschätzungen und ihre Fehler sehen.... und dann mit dem Finger auf andere zeigen

    Ich habe nie an ein "eben kurz gewinnen" geglaubt, dafür war von Anfang an klar: wir haben nicht einen Gegner, sondern kämpfen gegen zig Goliathe an!!! gegen Wirtschaft, gegen uralte undemokratische oben/unten Repressalien, gegen Banken (glaubte irgendjemand die haben da gebaut weil sie an den Gleisen "wohnen" wollten?) gegen Zeitungs-Meinungs-macht-Apparate, gegen Parteien, gegen x andere

    Und der schlimmste Gegner ist ein menschlicher Machtapparat, der noch nie gelernt hat "Ich habe mich vertan, ich habe Fehler gemacht, ich habe keine Ahnung" zu sagen gelernt hat
    Schaut doch mal in unsere unsägliche Geschichte...die ist voll von solch Unfähigkeiten!!!Hat irgendjemand bei dem Finanz-super-Gau gesagt: ich war sau-blöd darauf rein zufallen? von den Journalisten, den Politikern, den Fachleuten aus Wissenschaft und Banken und Börsen? Warum sollte die es also in Stuttgart plötzlich können?

    Und wenn die eigenen Obies auch nicht in der Lage sind eigene undemokratische Fehler (Beteiligung und Abnicken des Faktenchecks) am einzugestehen, eigene Fehleinschätzungen (Beteiligung an der VArce), eigene Eitelkeits/Macht Selbstverliebt- und Überlegen-heiten nicht ablegen können wie dann die anderen?
  • Kornelia
    am 02.10.2013
    "Wir hatten einmal den Konsens, dass wir die Auseinandersetzung um Stuttgart 21 nicht persönlich führen wollten."

    wo war denn der Konsens, mit wem? bei mir nie!!! denn die Tendenz seit Jahrzehnten von bestimmten Kreisen als plural Majestätik !wir! !die Firma" oder ähnlich zureden hat doch zu unglaublichen Schieflagen geführt!!
    wette
    als Kefer zu Gönner sagte: das mit der Magistralen wird nix, war ein PR- Geck... hat sie (als bez. Volks(ver)treterin) keusch gekichert.....
    wette wenn er zu ihr gesagt hätte das mit Ihrer Dachterrasse wird nix...sie wäre ihm ins Gesicht gesprungen!
  • Joe
    am 02.10.2013
    Danke Herr Stocker ! Kein "Weiter-So" - das sollte sich der Protest endlich mal hinter die Ohren schreiben.
    Protest braucht Inhalte, er muss Sinn machen und effektiv sein. Protest um des Protests Willen - dort ist der S21 Event-Protest inzwischen angelangt. Der einzige Inhalt heute: "Uns gibt es noch" !
    Die Redebeiträge oft zum Abwinken...das tut sich niemand mehr freiwillig an dem es um die Sache geht.
    Urban Priol hat es auf den Punkt gebracht und vom einem lokal begrenzten Kleinstprotest gesprochen.
    Schade, dass aus "ihrer" Idee das geworden ist, was wir heute sehen.

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