Ausgabe 438
Politik

PISA-Alptraum CDU

Von Johanna Henkel-Waidhofer
Datum: 21.08.2019
In Baden-Württemberg fällt Kindern aus sozial schwachen Familien der Aufstieg durch gute Schulnoten schwer. Bildungsarmut nennen das Fachleute und empfehlen Ganztagsschulen. Davon will die CDU nichts wissen, ebenso wenig wie von ehrlicher Gleichberechtigung. Und die Grünen leisten keinen Widerstand.

"Da muss sich der Koalitionspartner bewegen" – mit Fug und Recht könnten das die Bildungsfachleute in der größeren Regierungsfraktion, bei den Grünen sagen. Und das bis hinauf zu Winfried Kretschmann höchstpersönlich, der selber Erfahrung als Pädagoge hat. Tatsächlich aber stammt der Satz vom CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart. Der ist zwar noch nie mit besonderen bildungspolitischen Detailkenntnissen aufgefallen, weiß aber ganz genau, dass das Land wieder zurück müsste in die Kreidezeit. Denn nichts anderes wäre die von der CDU gewollte "flexible Ganztagsbetreuung im Sinne der Eltern und keine Zwangsvorgaben". Die entsprechenden Kabinettsvorlagen, moniert Jurist Reinhart, seien bisher von den Grünen blockiert worden, aber bleiben könne das so nicht.    

Hoffentlich doch. Die Erkenntnis, dass Ganztag nicht Ganztag ist, stammt schon aus den Achtziger Jahren und ist mittlerweile unter Bildungsfachleuten weit verbreitet. Sozialdemokraten und Grüne kämpfen seither für Veränderungen und wussten sogar Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) an ihrer Seite, zumindest vorrübergehend. In ihrem früheren Leben als Stuttgarter Schulbürgermeisterin warb sie für Ganztagsschulen mit hohem pädagogischen Anspruch und strengen Vorgaben. Heute sagt die CDU-Spitzenkandidatin für die nächste Landtagswahl, es sei nicht sinnvoll, "Eltern zum Ganztag zu zwingen".

Dabei kassieren die GegnerInnen der Reformen, die andere Länder längst vollzogen haben, von der Wissenschaft eine Ohrfeige nach der anderen. Besonders schmerzlich müsste es für sie sein, dass die AutorInnen der immer neuen Studien zum Thema, etwa von der Bertelsmann-Stiftung, alles andere als linksverdächtig sind. Eben erst hat die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) ihren Bildungsmonitor vorgelegt. Gegründet vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall, versteht sich die Vereinigung als lobbyierende Denkfabrik, die laut Selbstbeschreibung das Verständnis in der Bevölkerung von und für wirtschaftsliberale Reformen erhöhen will. In ihrem seit 2004 jährlich erscheinenden Bildungsmonitor schneidet Baden-Württemberg zuletzt bescheiden ab beim Vergleich der 16 Bundesländer: Platz sechs beim Status quo, Platz 13 bei der Frage, wohin die Reise in nächster Zukunft wohl geht. 

Reformen ohne Ausdauer

In der Welt führender BildungspolitikerInnen in der CDU-Landtagsfraktion sind daran die Reformen seit 2011 und die grün-rote Vorgängerregierung schuld. Fachleute halten das für Quatsch, weil sich die Arbeit an Schulen nur langsam bewegen lässt. Von "inkohärenten Reformwegen" auch in Baden-Württemberg spricht der deutsche Bildungsforscher und PISA-Papst Andreas Schleicher. Viele Reformen seien eingeleitet worden ohne Ausdauer, ohne darauf zu warten, wie sie wirken. "Und da passiert es oft, dass in der Zwischenzeit von einer neuen Regierung vielleicht eine neue Reform eingeleitet wird". So könnten Erkenntnisse nie wirklich zum Tragen kommen.

Für Baden-Württemberg übersetzt heißt das: Vor dem ersten PISA-Schock im Jahr 2000 haben Landesregierungen billigend in Kauf genommen, dass der Aufstieg durch Bildung ausgerechnet in einer der reichsten Regionen der Welt so gar nicht funktioniert. Danach lag der Befund schwarz auf weiß auf dem Tisch. Aber er passte nicht zu dem Bild von Gesellschaft, das sich die Südwest-CDU bis heute meint leisten zu können. Nicht einmal der weltweit Erkenntnisse sammelnde Lothar Späth konnte sich als Ministerpräsident dazu durchringen, Frauen eine Wahlfreiheit zwischen Familie und Beruf einzuräumen. Die kam auf dem Papier erst mit seinem Nachfolger Erwin Teufel, der allerdings ehrlicherweise hätte aussprechen müssen, dass Frauen selbstverständlich nur dann arbeiten gehen dürfen, wenn sie weiterhin den Großteil der Familienarbeit schultern.

Auch dem auf Teufel folgenden Günther Oettinger war die Vorstellung weitgehend fremd, dass Männer mehr über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nachdenken müssten. "Für eine steigende Zahl von Frauen ist die Erwerbstätigkeit eine wirtschaftliche Notwendigkeit, deshalb werden bis zum Jahr 2015 40 Prozent der Schulen als Ganztagsschule eingerichtet", versprach sein Kultusminister Helmut Rau (CDU) im Jahr 2007. Viele seiner ParteifreundInnen, zumal die mit dem großen Beharrungsvermögen, würden eine solche Quote heute mit Inbrunst als viel zu hoch bekämpfen.

Den Vogel schoss aber nach dem grünen Machtwechsel von 2011 der heutige CDU-Innenminister Thomas Strobl ab. Seine Erkenntnis: "Vielen Müttern bleibt keine andere Wahl, als halbtags zu arbeiten, weil wir keine Ganztagsschulen haben." Und weiter: "Wir wollen Frauen die Wahlfreiheit ermöglichen, aber davon ist Baden-Württemberg Lichtjahre entfernt." So wie die CDU von moderner Geschlechtergerechtigkeit – die Placebo-Initiative "Frauen im Fokus" zur Aufhübschung des Landesverbands hin oder her.

Bildungspolitisches Verweilen in der Kreidezeit

Wenn Karl-Friedrich Röhm, der Bildungsexperte der kleineren Regierungsfraktion, heute von der Notwendigkeit "familienfreundlicher Verweilzeiten am Nachmittag" als Ergänzung der Ganztagschule spricht, müssten die Grünen eigentlich kollektiv aufheulen. Familienfreundlich? Wer kümmert sich nachmittags um die Kinder? Gerhard Mayer-Vorfelder, noch so ein gesellschaftspolitischer Vordenker der Union, war noch tief in den Neunzigern gegen Ganztagsschulen, weil die nach seiner Ansicht nichts anderes bewirken, als Gattinnen von Ärzten oder Apothekern "Freizeit zur Selbstverwirklichung zu eröffnen". Als Anfang des Jahrtausends die rot-grüne Bundesregierung den Länder Milliarden zum Auf- und Ausbau zur Verfügung stellte, wollte die CDU-/FDP-Regierung in Stuttgart das schöne Geld zunächst gar nicht annehmen.

Es ist eine politische Paradoxie, dass ausgerechnet Eisenmann diesem Denken aufsitzt. Sie warb innerparteilich und im Stuttgarter Gemeinderat für mehr Ganztagsschulen und für die Einsicht, dass alle Mittel dort am effizientesten eingesetzt werden, wo die Standards pädagogisch hoch sind und Unterricht sich rhythmisiert mit Freizeit auf dem Schulhof abwechselt, mit Sport oder Musik. Sie stellte sich sogar gegen eine von der eigenen CDU-Fraktion erdachte Umfrage unter gut 38 000 Eltern in der Landeshauptstadt, die vor allem eines bezweckte: dem Projekt Ganztagsschule Knüppel zwischen die Beine zu werfen durch Verzögerung des Ausbaus. Kurz vor der Landtagswahl 2011 fand Eisenmann eine Mitstreiterin in Kurzzeit-Kultusministerin Marion Schick (CDU), die die Ganztagsschule nach mehr als 25 Jahren aus dem Modellversuch endlich ins Schulgesetz überführen wollte. Sie scheiterte an der Landtagsfraktion.

CDU-Chef Strobl versprach beim Eintritt in die grün-schwarze Landesregierung, das Land "aus der Kreidezeit heraus" zu führen. Tatsächlich bleibt die CDU wie darin festgetackert. Werden ihre BildungspolitikerInnen an die unendliche Verhinderungsgeschichte erinnert oder gar mit dem Abstieg des Landes in Vergleichsstudien konfrontiert, kommt sofort das Beispiel Bayern als Rechtfertigung auf den Tisch: Auch die CSU hält am überkommenen dreigliedrigen Schulsystem fest, auch in Bayern gibt es nur wenige rhythmisierte Ganztagsschulen, und der Schulerfolg aufs Ganze gesehen ist trotzdem groß, wie auch der INSM-Monitor belegt. Bildungsarmut zu verhindern, sei eine der Stärken des Freistaats und mitverantwortlich für den insgesamt zweiten Platz in der Bundesländertabelle. Baden-Württemberg dagegen weise "sowohl in der 4. Klasse als auch in der 9. Klasse einen überdurchschnittlichen Anteil” an sogenannten Risikoschülern auf. Beim Indikator "Förderstruktur" landet das Land auf dem vorletzten Platz. 

Da schließt sich der Kreis zur Ganztagsschule, in die bundesweit fast die Hälfte der Kinder und Jugendlichen geht und im Südwesten nicht einmal ein Fünftel. Was gewiss auch mit den Eltern zusammenhängt. Nur haben CDU und FDP über viele Jahre das Ihre dazu getan, diese auf Skepsis und Ablehnung zu trimmen. Nicht auszudenken, wenn auch nur ein Bruchteil des Werbebudgets der Stuttgart- 21-Fans hier investiert worden wäre: in die Aufklärung der Eltern über modernes Schulwesen, über den Abbau von Vorurteilen gegenüber verbindlichen Angeboten und längerem gemeinsamen Lernen.

Und noch eines ist kaum vorstellbar: Dass sich die Grünen besinnen oder wenigstens mal in den Archiven blättern, um sich eigene Überzeugungen in Erinnerung zu rufen. O-Ton Winfried Kretschmann, höchstpersönlich: "Die Bildungspolitik ist nicht nur rückständig, sondern auch sozial ungerecht." Denn nur Eltern "mit dem entsprechenden Geldbeutel" könnten sich Nachhilfe für ihre Kinder leisten, und zu viele andere nicht, "deshalb müssen endlich flächendeckend Ganztagsschule im Land eingeführt werden". Das war 2008. Und ist 2019 aktuell wie nie.


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11 Kommentare verfügbar

  • Sebastian
    vor 3 Wochen
    Es ist schon interessant: Vor der letzten Landtagswahl wurde auch hier auf Kontextwochenzeitung auf die sozialdemokratische Bildungspolitik im Ländle mehr oder weniger offen gehämt.
    Nun zeigt sich: für die Grünen ist fortschrittliche Bildungspolitik nur ein nice to have.

    Wie wäre es damit, dass sich auch die ach so fortschrittlichen Journalisten bei Kontext-Wochenzeitung mal selbstkritisch betrachten bezüglich ihrer Urteile?

    Denn letztlich zeigt die derzeitige Bildungspolitik: ob Ganztagesschule, Gemeinschaftsschule oder Gebührenfreiheit: jeder Fortschritt der Zeit von 2011-2016 wird konsequent zurückgedreht.
    • Je.So Jürgen Sojka
      vor 3 Wochen
      @Sebastian,
      „…bei Kontext-Wochenzeitung mal selbstkritisch betrachten…“ aber das haben sie doch bereits: KONTEXT Ausgabe 122 "Rauchende Köpfe" im Nebenzimmer des Sillenbucher Clara-Zetkin-Waldheims.

      Naja, damit ist noch nicht gegeben, dass sich in allen Themenbereichen beständig an Ethik-Regeln des Journalismus gehalten wird – bei den großen Playern ja auch immer wieder zu erleben.
      Die persönliche subjektive Sichtweise, so Verbindungen / Kontakte zu entsprechenden Kreisen bestehen, die auch noch Gegenspieler jener sind, die als GEGNER angesehen werden…

      Die Eigenen in Schutz nehmen, und mit den anderen in Konfrontation stehen.
  • Peter Hermann
    am 22.08.2019
    "Auch die CSU hält am überkommenen dreigliedrigen Schulsystem fest, auch in Bayern gibt es nur wenige rhythmisierte Ganztagsschulen, und der Schulerfolg aufs Ganze gesehen ist trotzdem groß, wie auch der INSM-Monitor belegt." Ja, ähm, also - und was sagt uns das? Dazu hätt ich schon ganz gern auch was erfahren.
  • Peter Bähr
    am 22.08.2019
    En passant ein Zeitsprung: "Zuwenig Lehrer und überfüllte Schulklassen gibt es schon lange. Jetzt aber sind Schüler und Eltern demonstrierend oder streikend auf dem Plan, um Besserungen durchzusetzen."

    Exzerpiert aus "Anstoß und Ermutigung Gustav W. Heinemann Bundespräsident 1969-1974 Herausgegeben von Heinrich Böll, Helmut Gollwitzer, Carlo Schmid im Suhrkamp Verlag", 445 Seiten, DM 32,00 / 9. - 10. Tausend 1974.
  • Matti Illoinen
    am 22.08.2019
    @Peter Bähr
    Die Menschen sind nicht sozial schwach, sondern ökonmisch schwach. Das ist ein großer Unterschied.
  • Matti Illoinen
    am 22.08.2019
    Ich frage mich wieso, um nur einmal Skandinavien zu nennen, empfinden es die Kinder in den Skandinavischen Ländern nicht als "Hölle" Unter dem macht es der gemeine Deutsche nicht mehr? Hier kommt wieder die Ideologie zum Vorschein: Am deutschen Wesen.........(?) Dazu möchte ich noch Einstein zitieren: "Es ist schwieriger, eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern als ein Atom." Und wenn man diese Debatte in Deutschland im Jahr 2019 verfolgt, finde ich dieser Mann hat noch untertrieben. Aber die Erziehung der ersten 18 Jahre bestimmt die Gesinnung. Aber der gesunde Menschenverstand ist u.a. auch nur eine Ansammlung von Vorurteilen, die man bis zum 18. Lebensjahr erworben hat.
  • Jue.So Jürgen Sojka
    am 22.08.2019
    Aufstieg durch gute Schulnoten, den gibt es nicht, so die Kinder nicht in jene Gesellschaftsgruppe hineingeboren sind, die, von Generation zu Generation, Privilegien der "Oberschicht" weitervererben!
    Ein Beispiel mit diesem SWR1 Leute Gast, der mit der ABI-Note 0,7 keinen Studienplatz erhielt. [1]
    *** Es müssen doch erst die Söhne und Töchter der … Übrigens in dieser Reihenfolge! ***

    Das bloße Umbenennen der Bildungseinrichtungen (1965) führt nicht zum Unterbinden althergebrachter Zustände längst vergangener Jahrhunderte:
    Volksschule ==>> Grund- und Hauptschule
    Mittelschule ==>> Realschule
    Oberschule ==>> Gymnasium
    Im Jahr 1965 der Wechsel für unsere Klasse in die "weiterführende Bildungseinrichtung" mit den Klassen-Bezeichnungen: 1b, 2b und 3b – zwei Kurzschuljahre mit jeweils nur ½ Jahr Schulzeit.
    Ab 1967/68 dann fortgeführt mit den "Normalbezeichnungen" 8b, gefolgt von 9b => Abschlusszeugnis unserer Pilotklasse. Darin enthalten das Fach "Umgang mit Massenmedien". https://up.picr.de/34865452lw.pdf

    Am 11.06. in der SWR1 Leute Sendung Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Michael Winterhoff mit der Buchvorstellung "Deutschland VERDUMMT" er Diagnostiziert für Deutschland eine Bildungskatastrophe. https://www.swr.de/swr1/bw/swr1leute/Kinder-und-Jugendpsychiater,artikel-michael-winterhoff-100.html
    Wie das Bildungssystem die Zukunft unserer Kinder verbaut - und wie wir das ändern können

    [1] Bei Petra Zundel am 05.04.2011 zu Gast Wadim Vodovozov https://c.web.de/@337901998990951104/Rf-znC6YQZ-JhCIzwCd7fg/746163001664477141
    War der beste Abiturient 2010 in Baden-Württemberg: Abischnitt: 0,7. Und dennoch ist es ihm nicht gelungen, einen Studienplatz für Medizin an der Universität in Heidelberg zu ergattern. Unter den vielen Einser-Abiturienten seines Jahrgangs wurden die Studienplätze ausgelost, und er hatte Pech. Im Alter von einem Jahr kam Wadim Vodovozov mit seinen Eltern aus der Ukraine nach Deutschland, sein Werdegang ist ein Beispiel für perfekt funktionierende Integration.
  • Ruby Tuesday
    am 21.08.2019
    Ganztagsschule kann die Hölle sein.

    Das Interesse der Arbeitgeber dürfte wohl am ehesten da liegen, Eltern möglichst lange im Betrieb zu halten, egal wie die Kinder betreut werden. Ein Problem für Schulkinder ergibt sich schon bei der dauerhaften Ausforschung im Kindergarten. Was arbeiten denn die Eltern. Wie geht es zu Hause zu. Was machen Oma und Opa. Anschließend schleppen die Kinder lebenslang ein Dossier mit sich herum, das sie nicht nur durch die gesamte Bildungskarriere begleitet und das oft von Vorurteilen geprägt ist, auf die sich Lehrer jederzeit berufen können, um begabte Kinder aus den sogenannten sozial schwachen Familien auszusortieren und ins Aus zu katapultieren.

    Das Land ist noch gar nicht Reif für die Ganztagsschule, dazu würden echte Pädagogen gehören – es gibt aber in der Regel nur Lehrer und Schulstoffvermittlung. Im Glücksfall Lehrer mit etwas mehr pädagogischer Erfahrung. Zukünftig müssen Quereinsteiger nicht einmal mehr pädagogische Basiserfahrung mitbringen.

    Das Schulessen wird von Caterern heran gekarrt, kommt aus weit entfernten Verteilerzentren und stammt inzwischen, wie so vieles, oft aus chinesischen Großküchen. Zu fett, zu süß, zu billig, zu teuer. Resteverwertung im klassischen Sinn. Keine Lösung durch qualifizierte Köche oder Kantinenbetreiberist in Sicht. Es sind auch keine Lösungsansätze erkennbar, für Kinder deren Eltern das Schulessen nicht bezahlen können. Die, sozial diskrimiert, weil sie am gemeinschaftlichen Schulessen nicht teilnehmen können, in der sozialen Hierarchie noch tiefer angesiedelt sind. Für Kinder eine der bittersten Lebenserfahrungen

    Die Schulgebäude selbst sind oft zu marode für einen Ganztagsbetrieb und es ist nicht zu erwarten, dass da eine Besserung zu erwarten ist. Bei Mobbing in der Schule, immer noch der beliebteste Breitensport in Baden-Württembergischen Schulen zeigen sich die Lehrer resistent gegen Kritik. Eltern werden recht schnell als Querulanten klassifiziert und deren Mut aufzubegehren endet bei schlechten Beurteilungen für die Kinder, bis die Ruhe wieder hergestellt ist. Was oft bleibt ist, dass der Dealer auf dem Schulhof zum besten Freund wird oder eben der Dr. Feelgood mit dem Rezept für Psychodrogen. Der Name Ritalin steht hier als Leistungsförderer stellvertretend für die gesamte Drogenpalette der Psychopharmaindustrie. Für viele Studenten in Folge bis zum Studienabschluss.

    Es sollten erst einmal die Grundvoraussetzungen geklärt werden. Qualifizierte Bildung für alle ist den Politikern zu teuer. Wenn es nur um den Tagesaufenthalt geht, leiden viele Kinder heute schon unter den schlechten Arbeitsbedingungen, dass ihnen ein selbstbestimmtes Leben verwehrt wird und dass sie noch später, zu Hause, mit den viel zu vielen Hausaufgaben beginnen müssen.
  • IngStan
    am 21.08.2019
    Antwort auf Rikki und Peter Bähr: Die Grünen buhlen um dieselben WählerInnen wie die CDU und die FDP, das gut gebildete und weich gepolsterte Bürgertum, welches die eigenen Kinder (manchmal, und zwar ziemlich oft, mit dem SUV) in (Ganztages)-Privatschulen fährt, wo der Kontakt zu Kindern von ArbeiterInnen und Arbeitslosen fast gänzlich ausgeschlossen ist. "Sozial schwach" sind diese Eltern, grosse Teile des Grosskapitals, und eine Blase aus wohlstandsverwöhnten Nachkömmlingen ehemaliger SPD-Wähler, die von den damaligen Aufstiegsmöglichkeiten deutlich profitierten, aber heute finanziell bedürftigen Kindern diese Chancen aus egoistischen Motiven nicht zugestehen wollen. Im Gegenteil wird versucht immer mehr Kindern, z.B. Kindern von MigrantInnen, den Schulbesuch zu erschweren. Schade, dass auch von Seiten der WählerInnen für 2011 nichts Besseres zu erwarten ist.
  • Rikki
    am 21.08.2019
    "Sozial schwach" welch eine schwarzrotgrüne Verhöhnung!
    Haten nennt man das Neudeutsch! Fianz schwach wäre klar, eindeutig und richtig!

    Leute, immer schon war Geld eine Voraussetzung von Bildungszugänge zu den Formalzertifikationen der Institutionen! (Bzw ab der Erfindung dieser zu steingewordenen Bildungseinrichtungen!)
    Erst hat man Bildung ausschliesslich in heilige Hallen gepackt und dann die Zugänge erschwert: die beste Art, um Auslese zu betreiben!
    Den Reichen vom Pöbel, die Männer von den Frauen, den Untertanen vom Herrschenden, den Kirchengläubigen vom Ungläubigen!

    Als die bösen Kommunisten, also das Bauern- und Arbeitervolk, igitt, schneller aufm Mond war, reifte die Erkenntnis, dass die "Ungebildeten" evtl gar nicht so blöd sind.... Ergo wurde -endlich- der Demokratie und dem sogennanten Wettbewerb Rechnung getragen: erst schafft man gleiche Startbedingungen und dann 'möge der Bessere' gewinnen....

    Doch schon ab Schmidt/Kohl wurde das genetische, blutsgedöns wieder entdeckt: Elite kriegt natürlich auch Elitekinder, deswegen müssen die besonders gefördert werden.... für den Rest ist "Volksschule" gut genug!
    (Vor allen Dingen wird damit von vorne herein jedwede Konkurrenz ausgeschaltet!)

    Jede Woche wird in Deutschland eine Privatschule gegründet!
    Die Reichen geben ihre Kinder in die Auswärtigen Heime ab, die Mittelschicht in die Vor-Ort Heime... nur der Untie wird gezwungen, sie beim "Staat"( der Wirtschaftskonforme Ausbildung betreibt) abzugeben!

    Sorry, ob Ganztagsbetreuung aus Ganztagsversorgungsgründen, damit Eltern besser ausgebeutet werden können oder Halbtags oder 2 Stunden....
    solange Bildung incl Bildungseinrichtungen incl Politiker sozial, geistig und fiskal schwach sind und sein wollen .... ist es egal!

    Es geht um 'zukünftige' Konkurrenz, die frühzeitig - quasi ab Geburt, nein, eigentlich schon ab Zeugung, ausgeschaltet werden muss!
    Und da tritt die selbsternannte EllenbogenElite nach unten, und auch die Mittelschicht s(Grünen) treten nach unten, die Unten können nicht mehr weiter treten.... (o.k.gg Ausländer, Kranke und Behinderte)

    Stellen wir uns einfach mal VOR, der Staat würde jedem Kind die 30 000 Euro zukommen lassen, die die Grünen qua Landeskasse ihrem EU Büroleiter zugestehen...
    https://www.stimme.de/suedwesten/nachrichten/pl/Land-erstattet-Gebuehren-fuer-englischsprachige-Eliteschule;art19070,4217613

    Wie geistig schwach Bildungs'macher' sind lässt sich wunderbar rückblickend betrachten: hatten mit Bafög und 'gute Bildung für alle' es doch erreicht, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland auch über die WirtschaftswunderZeit weiter wuchs (ohne die Arbeiter und Unterschichtskinder hätte sich die 'Hochkultur' niemals gehalten)...
    glaubte man ab da sich Auslese-Auslese leisten zu können!

    (Un-Lustig dran: Wie viele ehemalige Bafög/SozialhilfeKinder nun kraftvoll nach unten treten! Bildungs-schwach!)
  • Peter Bähr
    am 21.08.2019
    Warum ist denn dieser elende Kleisterbegriff "sozial schwach" nicht aus selbst kritischen Köpfen herauszubekommen?
    Wieso und vorliegend, zum Kuckuck, fließt in die Feder nicht schlicht und einfach - arm?

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