Baden-Württemberg soll Kinderland sein. Die Schulpolitik im Land allerdings sorgt schon lang für Streit. Fotos: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 206
Politik

Die Niedermacher

Von Johanna Henkel-Waidhofer
Datum: 11.03.2015
Ein Jahr vor der Landtagswahl redet die Opposition wider besseres Wissen die neuen Ganztagsgrundschulen schlecht. Den Bildungspolitikern von CDU und FDP geht es weniger um moderne Schulen und Bildungserfolg. Deutlich stärker ist ihr Verlangen, grün-rote Reformen aus Prinzip niederzumachen.

Stapelweise belegen Studien die Vorzüge jenes Schultyps, der Unterricht und Pausen, Lernzeiten, Spiel und Spaß verlässlich über den Tag verteilt. Für die Kinder zuallererst, für ihr Miteinander, den Lernerfolg, die soziale Kompetenz, den häuslichen Alltag. Wenn Schule in der Schule bleibt und Hausaufgaben oder Nachhilfe der Vergangenheit angehören, für die verlässliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf, weshalb nicht zuletzt die Wirtschaft seit Jahren auf verbindliche Ganztagsangebote drängt. In Baden-Württemberg findet sie damit nicht viel Gehör ausgerechnet bei jenen Parteien, die sich ihnen besonders nahe fühlen.

Natürlich sind die mannigfaltigen Erkenntnisse an den Bildungspolitikern von CDU und FDP nicht vorübergegangen. Georg Wacker, bis 2011 Staatssekretär in Kultusministerium, und der Liberale Timm Kern wissen genau um die Nachteile der traditionellen Halbtagsschule und dass freiwillige Betreuung in den Nachmittagsstunden niemals von der Qualität eines durchstrukturierten Angebots ist. Sie wissen um den hinterlassenen Reformstau und dass Baden-Württemberg Schlusslicht in vielen einschlägigen Statistiken ist. Aber sie wollen zurück an die Macht. Und das um fast jeden Preis, sogar dank billiger Punkte im gefährlichen Spiel mit alten Vorurteilen. Es geht nicht um Straßenbau, nicht um Windräder oder Industrie 4.0, es geht um Kinder und deren Chancen in einer Zeit, da unentwegt demografischer Wandel und Fachkräftemangel beschworen werden, und darum, dass gerade im reichen Südwesten der Zusammenhang zwischen Schulerfolg und sozialer Herkunft beschämend groß ist. 

Das CDU-Mütterbild: von vorgestern

Die letzte CDU-Kultusministerin Marion Schick – Quereinsteigerin aus Bayern und alleinerziehende Mutter – wollte mit genau diesem Argument die Ganztagsschule kurz vor knapp im Winter 2011 sogar noch im Schulgesetz festschreiben. Auch sie konnte sich aber nicht durchsetzen gegen die Hardliner in der eigenen Fraktion, die ihre verstaubte Ideologie ins dritte Jahrtausend gerettet hatten und auch weiterhin kämpfen wollen fürs dreigliedrige Schulsystem und eine Mütterrolle von vorgestern. Was besonders absurd anmutet angesichts des Umstands, dass die Union im Südwesten 2011 vor allem von jungen und jüngeren Frauen abgewählt wurde.

Die Sturheit hat Methode. Seit so langer Zeit: 1979(!) unterbreitete der niedersächsische CDU-Schulminister Werner Remmers seinem Stuttgarter Kollegen und Parteifreund Roman Herzog den Vorschlag, in der bildungspolitischen Debatte "neue Wege unvoreingenommen zu prüfen und jeweils das pädagogisch Überzeugende aufzugreifen". Die Union habe keine überzeugenden Konzepte und setze in ihrer Schulpolitik allzu sehr auf Streit. Gut gebrüllt, allerdings nicht erhört: Herzog, der spätere Bundespräsident und Autor der berühmt gewordenen Ruck-Rede, mit der er von der bundesdeutschen Gesellschaft ausgerechnet Mut zur Innovation einforderte, winkte ab. Der Jurist wollte Ideen nur dann aufgreifen, wenn sie bestätigende Erkenntnisse für das althergebrachte System aus Haupt- und Realschule und Gymnasien versprächen. Seine Jahre im Kultusministerium wird er im Rückblick als seine schlimmsten Jahre seines Berufslebens bezeichnen, für Baden-Württemberg waren es verlorene.

Remmers unternimmt sogar einen zweiten Anlauf, ebenfalls ohne Erfolg. "Wir brauchen die vertrauensvolle Partnerschaft zwischen Elternhaus und Schulen; den gefährlichen Tendenzen zur Ganztagsschule, die den elterlichen Einfluss entscheidend schmälern, werden wir nicht folgen", beschied Ministerpräsident Lothar Späth 1980 endgültig, obwohl da schon seit sieben Jahren entsprechende Empfehlungen der Kultusministerkonferenz auf dem Tisch lagen. In vielen Modernisierungsfragen wuchs dem Realschulabsolventen später der Nimbus des scheuklappenlosen Wegbereiters zu. Die Bildungspolitik gehörte nicht dazu. 

Auf Herzog folgten weitere verlorene Jahre und Gerhard Mayer-Vorfelder, der Ganztagsangebote als ideologischer Überzeugungstäter besonders vehement ablehnte, unter anderem mit dem Argument, Apothekers- und Arztgattinnen wollten sich nachmittags ohne Kinder doch nur selbst verwirklichen können. Ein von einer parlamentarischen Arbeitsgruppe 1990 vorgelegtes "pädagogisches und organisatorisches Konzept zur Ganztagesbetreuung von Kindern in der Grundschule", samt benötigter Räume, Materialien, Lehrkräfte und Finanzierung, zerpflückte der konservative Fußballfan genüsslich. Ganztagsschulen arbeiteten 30 Jahre im Status des Modellversuchs – Guinnessbuch-rekordverdächtig nennt der heutige Kultusminister Andreas Stoch (SPD) das. Der Aufholbedarf ist immer noch riesig. 

Die Liberalen treiben es besonders bunt

Dennoch, Psychoanalytiker würden vielleicht sagen: deshalb, ist die Debatte über Bildungspolitik in den vergangenen vier Jahren wie keine andere völlig frei von jener konstruktiven Mitarbeit verlaufen, die Oppositionsabgeordnete in jeder Sonntagsrede zu versprechen pflegen. Da wurde und wird nicht differenziert zwischen Gelungenem und dem, was nicht ausgereift war im Übereifer der Regierungsneulinge, zwischen handwerklichen oder konzeptionellen Fehlern. Was Grün-Rot anpackt, kommt in denselben Sack, um draufzuschlagen: vom Ende der verbindlichen Grundschulempfehlung bis zum neunjährigen Gymnasium – beides von Eltern dringend gefordert –, von der Einführung der bis heute als "sozialistischen Einheitsschule" diffamierten Gemeinschaftsschule bis zum Ganztagsunterricht. Die Liberalen treiben es besonders bunt mit ihrer Teilnahme an den Gesprächen zum Schulfrieden einer- und abfälliger Kritik andererseits. Von "rhythmisierter Pflichtganztagsschule" sprach Kern vergangene Woche, als Stoch die – positiven – Ergebnisse einer ersten Umfrage unter jenen gut 170 Grundschulen vorlegte, die sich auf Basis der neuen Regeln zum Rhythmisierung ihres Angebots entschieden haben.

Der FDP-Abgeordnete, ein Gymnasiallehrer, favorisiert dennoch eine Art Betreuungsform light, mit offenen Angeboten am Nachmittag, eher nach dem Motto "Kommst du heut nicht, kommst du morgen". Da war sogar CDU-Ministerpräsident Günther Oettinger deutlich weiter, der Baden-Württemberg zum Kinderland umbauen wollte, auch dank deutlich vermehrter Ganztagsschulen mit zeitlicher Verpflichtung. Als er 2006 sein Amt antrat, standen dem Statistischen Landesamt zufolge in den baden-württembergischen Landkreisen 17 Betreuungsplätze über den Vormittag hinaus für tausend Kinder unter 14 Jahren zur Verfügung, in den Stadtkreisen waren es 98. Der Südwesten hinkte sogar Bayern und Hessen hinterher, vom Norden und von Osten ganz zu schweigen. Oettingers Vorgänger Erwin Teufel hatte in seinen 15 Amtsjahren jeden Gedanken an eine Ausdehnung des schulischen Angebots auf den Nachmittag entschieden abgelehnt, nach der guten alten Hausvaterregel, wonach Kinder zur Mutter gehören – nicht nur in den Kindergarten- und Grundschuljahren. Noch heute argumentiert er gegen den Ganztag, sogar im Gymnasium.

Der Zwang, den CDU und FDP entgegen der Realität beklagen, ist von Ausnahmen durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Nicht einmal fünf Prozent der Grundschulen im Land haben sich, selbstverständlich nur auf Wunsch der Elternmehrheit, bisher für jene Variante entschieden – verpflichtend an vier Tagen in der Woche acht Stunden –, der die Wissenschaft schon seit Längeren beste Noten ausstellt. Dennoch sieht Wacker Elternbedürfnisse nicht ausreichend berücksichtigt, "beispielsweise bei Arztbesuchen, Vereinstraining, Musikproben, medizinischen Anwendung u. v. m". Er verspricht die Rolle rückwärts und "die Zeit zwischen Schulende und Arbeitsschluss der Eltern vernünftig in das Konzept einzubinden". 

Von den Schülern und Schülerinnen redet er, nicht anders als der Kollege Kern, eher selten und damit an Fachleuten schon lange vorbei. "Nachmittägliche Betreuung mag berufstätigen Eltern entgegenkommen", weiß der Chef der Bertelsmann-Stiftung, Jörg Dräger, "dem Lernerfolg der Kinder hilft das weniger." Die alles andere als linksverdächtigen Bildungsforscher haben in den vergangenen Jahren Dutzende Untersuchungen zum gerade gesellschaftspolitisch brisanten Thema präsentiert. "Guter Ganztag" bedeute "eine regelmäßig Teilnahme aller Schüler und Schülerinnen, eine hohe Qualität der Lernangebote und eine Einbettung in kommunale Bildungslandschaften – also die Zusammenarbeit etwa mit Kindertagesstätten, Ausbildungsbetrieben, Musikschulen und Sportvereinen", hieß es vor zweieinhalb Jahren in einer Forderung, die genau das beschreibt, was Grün-Rot 2014 im Schulgesetz verankert hat.

Wildwuchs und babylonischen Sprachverwirrung

Unter der der Überschrift "Chancengleichheit 2014" verlangen die Experten der Stiftung einen Rechtsanspruch für alle Kinder auf den gebundenen Ganztag, also den qualitativ hochwertigen – und teuren – Wechsel von Unterricht und Betreuung. Ausdrücklich beklagt wird der Wildwuchs und dass zu viele Akteure absichtlich den Begriff verwässern. CDU-Landeschef Thomas Strobl lieferte umgehend den Beleg dafür, wie wichtig ein Ende der babylonischen Sprachwirrung wäre. Er ist ebenfalls für einen Rechtsanspruch, aber natürlich nur auf das, was er für Ganztag hält – die sogenannte offene Form, mit ebenjenen so oft kritisierten, von seiner Partei aber favorisierten weitgehenden Elternfreiheiten.

Stoch hat dennoch Kreide gefressen, inhaltlich wie verbal. Die neuen gesetzliche Regelungen bieten allen 2500 Grundschulen im Land vier Modelle an: sieben oder acht Stunden an vier oder drei Tagen. Ohne Verfallsdatum zugelassen sind aber zusätzlich jene alten CDU/FDP-Ganztags-Varianten an Hunderten von Standorten im Land. Weil, verteidigt der Kultusminister seine Kompromissbereitschaft, "die Debatte von interessierter Seite sonst immer weiter angeheizt würde". Bekanntlich schrecken seine Gegner vor wenig zurück, nicht einmal vor persönlichen Untergriffen.

Peter Fratton, der renommierte Schweizer Experte für längeres gemeinsamen Lernen und Lehren, hatte im Mai 2013 das Handtuch geworfen als Berater der Landesregierung. Nicht ohne die Botschaft zu hinterlassen, eine Debattenkultur wie die im Südwesten habe er noch nie erlebt in seiner langen Laufbahn. Und eine Fundamentalopposition wie die von CDU und FDP auch nicht.


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9 Kommentare verfügbar

  • Gela
    am 14.03.2015
    Warum muß die Diskussion auch hier wieder so ideologisch geführt werden? Es geht doch gar nicht darum, die Ganztagsschule verpflichtend für alle einzuführen, sondern sie den Familien zu ermöglichen, die sie haben möchten. Es besteht kein Zweifel, daß sehr viele Eltern nicht die Möglichkeit haben, ihre Kinder so zu fördern, daß sie gleiche Chancen wie die aus priviligierten Elternhäusern haben.
    Der strukturierte Tagesablauf mit vernünftigem Wechsel zwischen Lernen, Erholung und Sport über den ganzen Tag verteilt bietet zudem viele Vorteile gegenüber dem Modell: morgens Unterricht, nachmittags Hausaufgaben und Freizeit.

    Aber natürlich hat die Ganztagsschule auch Nachteile: während die Kinder im Hort, auf der Jugendfarm oder am Nachmittag zu Hause die Möglichkeit haben, auch in anderen sozialen Gruppierungen und einer anderer Umwelt zusammenzukommen oder für sich allein zu sein, sind sie in der Ganztagsschule 8 Stunden lang immer in der gleichen Umgebung. Aber es gibt ja noch die Wochenenden und freien NAchmittage. Wichtig ist einfach, daß jede Familie selbst entscheiden kann, was für ihre Kinder die beste Lösung ist. Dazu brauchen wir keine Ideologen von irgendwelchen Parteien oder Gruppierungen, sondern sachliche Diskussionen über die gewonnenen Erfahrungen und entsprechende Lernprozesse.
  • Rumpelstilzchen
    am 13.03.2015
    Ganztagsschulen bereiten Kinder auf den acht- bis zehnstündigen Arbeitstag vor. Das ist der eigentliche Hintergrund der Debatte.

    Ganztagsschulen sind in mehr als einer entscheidenden Hinsicht schlechter als Halbtagsschulen: sie erzeugen mehr Stress bei den Kindern und Stress ist hochgradig ungesund. Ganztagsschulen zerstören Rückzugsräume, die viele Kinder und Jugendliche brauchen. Denn wer sich den ganzen Tag mit den lieben Mitschülern herumquälen muss, der steht den ganzen Tag unter Stress und wird gleichzeitig gezwungen, sicher der Mehrheit anzuschließen. Bisher konnten sich die Außenseiter auf den schulfreien Nachmittag freuen, in der Ganztagsschule ist das nicht mehr möglich.

    Man sollte schon hinterfragen, wessen Interessen mit einer Ganztagsschule bedient werden. Die Bildung und Schulkarriere von Kindern aus bildungsfernen Haushalten kann auch mit schlichter nachmittäglicher Hausaufgabenhilfe / Nachhilfe, gerne auch in der Schule, organisiert werden. Warum dies nicht gemacht wird, sollte man sich mal gut überlegen.

    Einst wurde der achtstündige Arbeitstag für Kinder verboten. Heute wird er schleichend wieder eingeführt.
  • Johanna Henkel-Waidhofer
    am 11.03.2015
    Zur Klarstellung:
    1) Die Umfrage, deren Ergebnisse der Kultusminister präsentierte, hat nichts mit zahlreichen Bildungsstudien der Bertemsmann-Stiftung zu tun. Sie wurde von der Jugendstiftung Baden-Württemberg durchgeführt.
    2) Die Landesregierung strebt an, dass sich bis 2023 rund 70 Prozent der Grundschulen am neuen Ganztagsschulprogramm beteiligen. Allein dafür sind im Endausbau von Grün-Rot finanzielle Mittel in der Höhe von 158 Millionen Euro pro Jahr bereitgestellt.
    3) Ganztagsbetreuung hat in Finnland seit Anfang der Siebziger Jahre Gesetzesrang. Der Ganztag - siehe babylonische Sprachverwirrung - war aber nach Einschätzung der Finnen und Finninnen selber schon ab der Vorschule eher ein Drei-Viertel-Tag, mit vier oder fünf Stunden Unterricht vormittags, mit einem warmen Mittagessen für alle Kinder an allen Standorten, und danach mit der Möglichkeit, in der Schule zu bleiben - schon allein der häufig sehr langen Wege wegen. 2004 wurden aus dem Drei-Viertel-Tag ein Ganztag. Der gebürtige Schwäbisch Haller Rainer Domisch, Grundschul- und Gymnasiallehrer, früher auch im Landesdienst, war jahrelang Beamter im finnischen Zentralamt für Unterrichtswesen und kann's erläutern: "Alle finnischen Schülerinnen und Schüler sind den ganzen Tag an der Schule. Das liegt auch daran, dass die Schulen aus mehr als nur aus Klassenzimmern bestehen, sondern aus der Mensa mit dem warmen Mittagessen oder der Bibliothek, die in der Regel sehr gut ausgestattet ist. Am Nachmittag laufen auch sehr viele Arbeitsgemeinschaften und Fördermaßnahmen, in denen die Lehrer die Schülerinnen und Schüler unterrichten. Es gibt Schulen, die sind bis abends 20 Uhr geöffnet - auch freitags. Dort findet Betreuung statt, und die Schülerinnen und Schüler engagieren sind zum Beispiel in Filmclubs."
  • Dr. Diethelm Gscheidle
    am 11.03.2015
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    als liberaler und toleranter Mensch halte ich eine bedingte Ganztagsschule durchaus für vernünftig! Hierzu müsste klar die Frage gestellt werden, ob die Kinder zu Hause eine redliche und vernünftige Erziehung genießen - falls dies der Fall ist, dürfen die Kinder nachmittags zu Hause erzogen werden und müssen nicht in die Ganztagsschule gehen.

    Leider musste ich feststellen, dass eine redliche und vernünftige Erziehung in 99% der Elternhäuser nicht gewährleistet ist:
    * Die Kinder können ohne Überwachung durch die Eltern den Heimrechner nutzen und dabei so gefährliche Internetz-Seiten wie www.bravo.de (ein schreckliches Porno-Magazin!), www.bibiblocksberg.de (eine Seite, die sogar Kleinkinder zur diabolischen Hexen-Verehrung verführt) oder www.spd.de (eine unredliche Partei von Leuten, die mittels exorbitanter Staatsverschuldung arbeitsfaule Menschen oder garstige Gewerkschaften fördern) ansehen!
    * Die Eltern unternehmen nichts dagegen, wenn die Kinder mit den Kindern anderer unredlicher Eltern Freundschaften schließen und suchen die Freunde ihrer Kinder nicht selbst aus. Einige lassen sogar unredliche und unkeusche Freundschaften zwischen Buben und Mädelein zu!
    * Die aufmüpfigen Ehefrauen gehen arbeiten (und dann teilweise auch noch in so für sie ungeeigneten Berufen wie Menetscherin, Inschenörin, Busfahrerin oder sogar als Selbständige!) und vernachlässigen ihre Kinder.
    * Die Kinder werden mittels Montessori-Unsinn oder gefährlicher Wald-Dorf-Methoden erzogen, anstatt mit traditionellen, bewährten und erfolgreichen Erziehungs-Instrumenten wie Rohrstock, Stubenarrest oder Auf-einem-Bein-in-die-Ecke-stehen!

    Sie werden verstehen, dass man derart unverantwortlichen Eltern ihre Kinder wenigstens tagsüber entziehen muss, so dass hier eine Ganztagesschule sehr sinnvoll ist, damit diese Kinder nicht zu dummen, faulen und verweichlichten Versagern werden (noch sinnvoller wäre allerdings, die Kinder solchen unmöglichen Eltern komplett zu entziehen)!Voraussetzung wäre allerdings, dass diese Ganztagsschulen ebenfalls angepasst werden:
    * Jede Schule ist mit einem redlichen Karzer auszustatten.
    * Der Rohrstock ist als redliches und bewährtes Erziehungs- und Lerninstrument überall einzusetzen.
    * Das Fach Religion ist stark aufzuwerten und mit mindestens 8 Wochenstunden zu unterrichten. Einige weitere Fächer müssen deutlich vertieft werden, z.B. Wehrkunde und Turnen als Vorbereitung für die redliche Bundeswehr (bei den Buben) bzw. Handarbeiten, Kochen und Putzen als Vorbereitung für das Leben als keusche Ehefrau (bei den Mägdelein).
    * Als Mittagessen ist täglich Fleisch zu reichen, denn dies ist bekanntlich ein Stück Lebenskraft und sorgt für gute Volksgesundheit! Unredliche Flausen wie "Vegetariertum" sind den Kindern sofort auszutreiben, indem das gesunde und vitaminreiche Fleisch ggf. mit dem Rohrstock verabreicht wird!
    * Zur Vorbereitung auf ein erfolgreiches Berufsleben müssen mindestens 45 Wochenstunden unterrichtet werden (zzgl. Hausaufgaben und Fleißarbeiten).

    Sie sehen - mit einer entsprechenden Anpassung des Schulwesens ist eine Ganztagsschule für die Kinder unredlicher Eltern (und wie ich Ihnen gezeigt habe sind die meisten Eltern unredlich!) eine sehr sinnvolle Einrichtung - sie wird dafür sorgen, dass wir endlich wieder ein Volk von anständigen, ehrlichen, moralischen, redlichen, fleißigen, intelligenten, christlichen und keuschen Deutschen werden!

    Mit freundlichen Grüßen

    Dr. Diethelm Gscheidle
    (Erziehungs-Fachmann, Verkehrswissenschaftler & Dipl.-Musikexperte)
  • Doris
    am 11.03.2015
    @Werner
    Das freut mich für ihre Enkel.
    In dem Artikel geht es allerdings nicht um die Gemeinschaftsschule, sondern um die Ganztagesgrundschule.
  • Doris
    am 11.03.2015
    Der Artikel liest sich wie ein rot-grüner Werbeprospekt für die Ganztagesgrundschule. Das ist kein kritischer Journalismus. Damit verdient man sich keine Soli-Abos.

    Der Minister stellt eine Umfrage vor und, oh Wunder, die Ergebnisse sind positiv für ihn. Die Bertelsmann-Stiftung hat ihre Finger drin, aber weil das, was sie herausfindet, in diesem Fall irgendwie mit der Ideologie der grün-roten Regierung übereinstimmt, ist es richtig.
    Kritischer Journalismus geht anders.

    Warum kommt das Wort Schülerhort mit keinem Wort in dem Artikel vor? Warum wird die bisherige, teils hervorragende Nachmittagsbetreuung schlechtgemacht? Seit wann ist Freiwilligkeit schlecht? Seit wann brauchen 8-jährige Kinder nichts dringender als "durchstrukturierte Angebote" am Nachmittag?
    Es gibt eine hervorragende Alternative, die das Betreuungsproblem der Halbtagesschule löst, und die heißt Schülerhorte. Es gibt sie seit langem, nur nicht im benötigten Umfang. Oft können die Erstklässler übergangslos von der Kita in den Hort: gleiche Einrichtung, keine Trennung von den Geschwisterkindern, gewohntes leckeres Mittagessen. Das ist Lebensqualität für Kinder und Eltern. Die Wahrheit ist aber, und davon findet sich in dem Artikel kein Wort: Der Ausbau der Schülerhorte ist - zumindest in Stuttgart - der Politik zu teuer. Im Gegenteil, die bestehenden Hortplätze sollen für U3-Betreuung freigeräumt werden.

    Die Wahrheit ist auch: Grün-Rot will in der Schulpolitik etwas bewegen, aber die finanziellen Mittel dafür nicht bereitstellen. Ganztagesgrundschule heißt keineswegs "Schule", denn die Sport-, Spiel-, und Kreativangebote an den hektisch aus dem Boden gestampften Ganztagesgrundschulen werden natürlich nicht von Lehrerinnen und Lehrern durchgeführt.
    Die Realität der neuen baden-württembergischen Ganztagesgrundschulen ist meist nicht mit den Modellversuchen vergleichbar.

    Angebote, die sich bisher in Vereinen, Musikschulen, Jugend- und Spielhäusern an eine freiwillig erscheinende, und daher motivierte Kinderschar richteten, sind jetzt in der Schule zumindest für Monate verpflichtend gewählt. Mit den bekannten Auswirklungen auf die Motivation. Die Auswahl ist häufig bescheiden, im Vergleich zu dem was es an freiwilligen Nachmittagsangeboten in einer Stadt wie Stuttgart gibt.

    Stichwort Schulpflicht. Bereits Grundschulkinder können ihren Kindergeburtstag nicht mehr unter der Woche feiern , weil sie und ihre Gäste bis 16 Uhr oder noch länger der Schulpflicht unterliegen und sich im Gegensatz zu Mama und Papa nicht freinehmen können. Und wenn die Oma aus Kroatien zu Besuch ist, müssen die Kinder trotzdem nachmittags in die Schule. Aber klar, sonst wäre es ja "Kommst du heute nicht, kommst du morgen". Das geht ja gar nicht. Wo kämen wir hin, wenn sich Grundschulkinder sowas leisten dürften. Ts, ts, ganz, ganz böse.

    Übrigens: Finland hat keine Ganztagesgrundschule.
    Es gibt im internationalen Vergleich keinen Beleg dafür, dass Länder mit Ganztagesgrundschule bezüglich Bildungserfolg und Integration besser da stehen, als solche mit Halbtagesgrundschule.

    Und ja, die Wirtschaft drängt auf verbindliche Ganztagesangebote für Grundschulkinder. Die Wirtschaft drängt auch auf Stuttgart 21 und Waffenexporte.
  • Jürgen Langer
    am 11.03.2015
    Bildungspolitik gehört eigentlich aus dem Wahlkampf heraus. Sie sollte nur empirisch-wissenschaftlicher Ergebnisstudien folgen dürfen. Dann wären ideologische oder oppositionelle Diskussionen passee. Und alle unsere Kinder bekämen eine vernünftige Bildungschance.
  • Werner
    am 11.03.2015
    Meine Enkel besuchen seit 2014 eine Gemeinschaftsschule. Seither gehen sie mit Begeisterung in den Unterricht (was vorher in der Grundschule nicht der Fall war). Sie haben engagierte und kompetente Lehrer, die auf jedes einzelne Kind eingehen. Dies ist für die Lehrer allerdings deutlich aufwendiger, als jahrelang lustlos das selbe Programm abzuspulen. Ich empfehle den CDU-Damen und -Herren (die FDP-Opportunisten lasse ich außen vor) einfach mal solche Schulen zu besuchen und mit den Eltern und Lehrern zu sprechen. Aber auch dies ist leider mit Aufwand verbunden.
  • FernDerHeimat
    am 11.03.2015
    Die CDU hat für die kommende Wahl kein Programm und keine Alternativen anzubieten. Also beisst sie sich an Themen fest, wo man dem Stammtisch die Schlagworte liefert - und das eigene Versagen scheinheilig ausklammert.

    Das wäre alles nicht so schlimm, wenn die Wähler dieses hetzerische und verlogene Geschwätz nicht auch noch glauben würden.

    Aber die lesen und konsumieren mehrheitlich leider auch nur Medien, die eindeutig nicht der Wahrheit sondern massgeblich der CDU nahestehen.

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