Darf jetzt nach Berlin: SPD-Landeschefin Leni Breymaier. Fotos: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 341
Politik

Hurra, wir leben noch!

Von Johanna Henkel-Waidhofer
Datum: 11.10.2017
Als starkes Team wollten sie groß rauskommen. Jetzt müssen Leni Breymaier und ihre Generalsekretärin Luisa Boos erst einmal die Scherben zusammenkehren und kitten, was in der SPD noch zu kitten ist.

Die Landesvorsitzende wundert sich über sich selbst. In der baden-württembergischen Landesvertretung in Berlin, keine zwei Stunden nach dem Bekanntwerden der ersten Hochrechnungen, steht sie umringt von Mitarbeitern und einigen JournalistInnen und lacht laut auf bei der Frage nach den Herausforderungen, die da jetzt kommen werden. Nicht sarkastisch, nicht bitter, nicht überdreht. Es ist einfach ihr Breymaier-Lachen, bis sie sich unterbricht: "Ich weiß gar nicht, wieso ich noch immer so gut gelaunt bin." Sie weiß es doch: "Meine Lebensfreunde kann viel verkraften."

Sogar diese 16,4 Prozent, die den Tiefststand von 2009 noch einmal unterbieten und ein Minus von 4,2 Prozentpunkten gegenüber 2013 bedeuten. Da hilft es wenig, dass die CDU fast dreimal so viel verloren hat, dass die Sozialdemokraten mit ihrem Reißverschluss gleich viele Frauen wie Männer nach Berlin schicken, während die Schwarzen mit ihrem skandalösen Verhältnis von drei Frauen zu 35 Männern in der neuen Landesgruppe selbst hinter viele Entwicklungsländer zurückfallen. Und da hilft es auch nicht, dass der SPD in ersten Analysen weiterhin gute Kompetenzwerte in Fragen der Gerechtigkeit, der Familien- oder der Rentenpolitik zugeschrieben werden. Letzteres ist ein Leib- und Magenthema der früheren Landeschefin der Gewerkschaft Verdi. "Wir haben gewaltig eine auf den Deckel gekriegt", sagt Breymaier schon am Wahlabend und steht seither fest zu Martin Schulz' Entscheidung, in die Opposition zu gehen.

Und noch eine Entscheidung kommt bei den beiden Frauen vom Stuttgarter Wilhelmsplatz, wo der Landesverband zuhause ist, gut an. Andrea Nahles zur Fraktionschefin im Bundestag zu machen, hält Luisa Boos, Generalsekretärin der Südwest-SPD, ebenso für richtig. Und Leni Breymaier findet deutliche Worte an die Adresse der Nahles-Kritiker: "Man kann sich einen Batzen Teig nehmen und jemanden backen. Jung, unverbraucht, nie einen Kompromiss gemacht, 30 Jahre Erfahrung, frech und doch immer korrekt. Nahles hat als Arbeitsministerin einen sehr guten Job gemacht. Und sie wird eine gute Fraktionsvorsitzende sein. Mein Vertrauen hat sie."

Die beiden Frauen kämpfen für mehr Frauen in Spitzenpositionen. Das Duo kann sich gut vorstellen, dass die Noch-Bundesfamilienministerin Katarina Barley ins Amt der Generalsekretärin zurückkehrt. Was endlich mit einem alten Dogma aufräumen würde, denn die promovierte Journalistentochter und Juristin mit französischem Rechtsdiplom kommt wie Nahles aus Rheinland-Pfalz. Der Regionalproporz müsste bei dieser wichtigen Personalie zurückstehen. Breymaier ist ohnehin der Meinung, dass eine Partei, die von 20 Prozent aus bundesweit erfolgreich in neue Zeiten starten will, "vieles überdenken muss, strukturell und programmatisch".

Die Oldies Schröder und von Dohnanyi nerven

Abgesehen von einer großen Ausnahme. "Martin Schulz muss und wird bleiben", sagt Boos. Die Stimmung an der Basis sei eindeutig. Es gebe auch kritische Rückmeldungen, aber insgesamt eine "ganz klare Unterstützung". Breymaier hat sich unverzüglich mit jenen "Silberrücken" angelegt, wie es auf Facebook heißt, die Schulz zügig in die Wüste schicken wollen: "Ach, Klaus Karl Anton von Dohnanyi und Gerhard Schröder, könnt ihr euren Bedeutungsverlust nicht anders kompensieren, als der Partei vor und nach der Wahl ungebetene Ratschläge zu erteilen? Das nervt. Basta."

Digital und analog ungeklärt ist, mit welchem Schnitt die Erneuerung anfangen soll. Schulz' Kritiker verlangen einen Restart nach der so krachend verlorenen Bundestagswahl. Es gehe nicht um einen "Sündenbock", schreibt in seinem Online-Appell Marco Bülow, der Dortmunder Bundestagsrebell, der so oft gegen die Fraktionsführung gestimmt hat in der vergangenen Legislaturperiode wie kein anderer im Hohen Haus. 1800 Menschen haben den Text unterschrieben. Aber eine Erneuerung hält Bülow nur dann für "glaubwürdig, wenn nicht wieder die gleichen Leute, deren Strategie und Führung gescheitert ist, wichtige Positionen besetzen". Konkret zum Thema Nahles: Es sei unpassend, "dass neugewählte Abgeordnete schon vor der ersten Fraktionssitzung erfahren, wer sie zukünftig anführen soll".

Befeuert werden derartige Wortmeldungen von interessierten Kreisen, die der Sozialdemokratie noch nie nahestanden. ZDF-Talker Markus-Lanz und der frühere "Focus"-Chefredakteur Wolfram Weimer ("Der Steuerstaat mutiert zum gierigen Raubtier") haben sich schon im Mai die Stichworte zugeworfen, um Schulz – natürlich in Abwesenheit – zu bashen. Gleich nach der Bundestagswahl bekam Weimer eine zweite Gelegenheit zum Rundumschlag, kritisierte, dass der gescheiterte Spitzenkandidat nicht zurücktrat, sondern sogleich verkündete, die SPD in die Opposition zu führen. Ausgerechnet FDP-Chef Christian Lindner legte wenige Tage später nach und prophezeite Schulz das Verfallsdatum als Bundesvorsitzender: Ende Oktober. Mittlerweile hat Schulz klargemacht, dass er sich im Dezember beim Berliner Bundesparteitag zur Wiederwahl stellen wird.

Was die neugewählte Abgeordnete Breymaier, die dort für den Bundesvorstand kandidieren wird, nicht stört, weil gerade an der Fraktionsspitze "Erfahrung dringend notwendig" sei. Sie selber, sagt sie und schickt einmal mehr ihr Lachen hinterher, sei doch ein neuer Kopf im Bundestag, "und ich würde nicht einmal die Poststelle finden". Eine solche Form der Erneuerung "bringt gar nix, vor allem keine Glaubwürdigkeit". Und nach einer Analyse der Politikberatungsagentur "Pollytix", die am vergangenen Wochenende auf der Kreisvorsitzenden-Konferenz in Filderstadt diskutiert wurde, drängen ohnehin noch ganz andere Probleme: Im Wahlkampf konnten weder die Unterschiede zur Union ausreichend herausgearbeitet werden noch gab es eine Machtoption. Mehr noch: Die ging in nur wenigen Monaten schmerzlich verloren. Im März wünschten sich 47 Prozent der Befragten eine SPD-geführte Bundesregierung, und immerhin 44 Prozent erwarteten auch, dass es dazu kommt. Im September bekannten sich zum Wunsch gerade noch 33 Prozent und nur zehn Prozent erwarteten eine solche. Gebrochen wurde der Hype um Martin Schulz durch sein "Abtauchen" rund um den NRW-Wahlkampf. Davon habe sich die Sozialdemokratie in diesem Bundestagswahlkampf nicht mehr erholt.

Ob und wie sie sich danach aufrappelt, steht in den Sternen. Zumal in Oberschwaben oder am Bodensee mit den einstelligen Ergebnissen. Breymaier und Boos wissen nur zu gut, wie die fehlende parlamentarische Vertretung mit einer Ausdünnung der Strukturen vor Ort einhergeht. Eben erst wurde in Freiburg das Büro des ohne NachfolgerIn gebliebenen langjährigen Bundestagsabgeordneten Gernot Erler geräumt. Laut Statistischem Landesamt liegt die SPD nur noch in vier Städten im Land – Mannheim, Kehl, Rheinfelden und Heidenheim – über 20 Prozent. In Biberach sind es 13 Prozent, am Bodensee gerade noch 14, in Konstanz, Tübingen und auf der Baar keine 16. "Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen", sagt Breymaier dennoch und kann nur hoffen, dass sie recht hat.

Die Partei soll nach links rücken

Immerhin ist der Mitgliederzuwachs seit dem 24. September beachtlich. Boos kann 400 Neueintritte melden, bei 32 Austritten im gesamten September. Überhaupt decke sich die Stimmungslage nicht mit dem Ergebnis. "Wir sind noch nie so euphorisch in einen Wahlkampf gegangen", sagt die Generalsekretärin. Die bundesweit 20,5 Prozent seien ein "harter Rückschlag" gewesen, aber viele aus der Basis dennoch weiter "sehr motiviert". Was sich auch in Diskussionen im Netz niederschlägt. In vielen Posts verliehen Unterstützer ihrer Erwartung Ausdruck, dass die Partei wieder nach links rückt. Sabine Wölfle, die Emmendinger Landtagsabgeordnete, wünscht sich nicht mehr und nicht weniger als ein neues Grundsatzprogramm: "Wir brauchen mehr deutliche Visionen, wie die SPD eine solidarische Zukunft in und mit Europa gestalten will." Oder konkreter: Die Ergebnisse der Armuts- und Reichtumsberichterstattung müssen in eine Strategie für morgen münden.

Breymaier hat dieser Tage in ihrem Ortsverein einen neuen Genossen getroffen. Einen 22-jährigen Arbeiter, der motiviert mitarbeiten will. In den ungezählten Analysen, die im Südwesten nach den immer neuen Niederlagen angestellt wurden, konnte nie verlässlich geklärt werden, was oder wer diese Motivation vergleichsweise schnell lähmt. Sie selbst will als Beispiel für bessere Zeiten durchgehen. "Wildentschlossen" wollte sie um 26 Prozent plus X kämpfen in Baden-Württemberg, damals im Frühjahr, als der Schulz-Zug auf die Schienen gesetzt war. Ein halbes Jahr später, nach 16,4 Prozent, sagt sie: "Mein Enthusiasmus ist ungebrochen." Wie mehrheitsfähig das in der SPD ist, harrt noch der Erforschung.


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11 Kommentare verfügbar

  • Andromeda Müller
    am 17.10.2017
    Mit der SPD wird `s nix mehr. Der Zug ist schon seit Helmut Schmitt und Lafontaine komplett weg.
    Bei 90 % des kompletten Polit-Personals der transatlantischen Eliten wird mir persönlich übel. Ein paar Vernünftige lassen sich überall finden. Die bleiben aber fast immer über kurz oder lang auf der Karriere-Strecke .
    Opportunismus , Gier , Intrigen und Erpressungen beginnen schon auf Partei-Kreisjugend-Ebene. Die sind sich schon da kaum für etwas zu schade oder lernen es eben.
    Wie Dolata bei Pelzig (youtube) schon anmerkte , sollten Parteien und Polit-Funktionäre abgeschafft und verboten werden . ( Ein berühmtes Beispiel : Dr. Helmut Kohl , Historiker , jedoch nie in irgendeinem Beruf gearbeitet , sondern von Beginn an als BASF-Lobbyist und Polit-Strippenzieher aktiv. Charakterliche Eignung : Im Rückblick Fehlanzeige . Solche "Karrieren" werden zu Recht aus Unionskreisen gerne bei anderen Parteien angeprangert , bei sich selbst wählt man natürlich die 3 "Affen"als Vorbild für die Selbstwahrnehmung.
    Jetzt bekommen wir ja medial auch so einen "Kurz" namens Spahn vorgesetzt . Ganz toll für die nächsten 35 Jahre , und ganz "demokratisch" per Springer , Schaub , Bertelsmann , Funke et al-Prawda sowie PPP-PR-Propaganda ...... uno momento s.o.).
    Besser wäre ein Auswahlverfahren von Bürgern wie beim Schöffengericht und Verbot von Lobbyismus und pseudodemokratischer Parteirepräsentation .
  • M. Stocker
    am 15.10.2017
    Und so scheint es, dass das strukturelle Problem der Überalterung der SPD auch gegen Leni Breymeier und Luisa Boos zurückschlägt. (Und mit Überalterung ist nicht nur die unabwählbare Altherrenriege im Stuttgarter Landtag oder im Bundestag gemeint, einschließlich ihrer politisch und geistig frühvergreisten Karrieristen wie Nils Schmid.) Wer sich auf Gestalten wie Andrea Nahles berufen und verlassen muss, ist schon verlassen. Bitte sehr: eine sozialademokratische Arbeitsministerin bringt es allen ernstes fertig, die letzte Kampfkraft der lohnabhängig Beschäftigten, das letzte Bollwerk gegen Lohnraub, die erfolgreichen Spartengewerkschaften mit einem Lex DGB zu bekämpfen. Es gibt seit der Agenda 2010 keine schäbigere Aktion der Sozialdemokratie.
    Ich würde gerne zu Gunsten dieser beiden Frauen annehmen, dass sie sich ernsthaft und ehrlich z.B. für eine Verbesserung im Bereich der (Kranken-)Pflege einsetzen. Nur muss man dazu nicht nur politische Mehrheiten mit restlos ungeeigneten (CDU) oder zweifelhaften (Grüne) Koalitionspartnern gewinnen. Es wäre genauso sinnvoll, Frau Nahles wegen ihrer Zerschlagung der Spartengewerkschaften genauso heftig ans Schienbein zu treten, wie das die Altherrenriegen-Genossen bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit ihnen selbst und mit der innerparteilichen Linken machen ('Linke' nur, sofern das bei der SPD nicht ein Oxymoron ist).
    Noch besser für die Glaubwürdigkeit des Anliegens wäre es allerdings, die Gründung einer Konkurrenzgewerkschaft der medizinischen Pflegekräfte nach Kräften zu organisieren und zu unterstützen. Damit könnte man zum einen endgültig klären, auf welcher Seite die konservativen Trottel und reaktionären Heckenschützen der eigenen Partei stehen. Zum anderen könnte man Verdi, die einen verheerenden Tarifvertrag für (genauer gesagt gegen) die Pflegekräfte ausgehandelt hat, Feuer unter dem Hintern machen.
    Natürlich kommt dann der Spaltungsvorwurf von den Reaktionären in der SPD, so sicher wie das Amen in der Kirche. Ein Vorwurf, der jegliche innerparteiliche Diskussion im Keim ersticken soll. Manchmal muss man sich aber einfach dagegen wehren, von der Entente Cordiale zwischen DGB-Gewerkschaften und Arbeitgebern die letzte Butter vom Brot kratzen zu lassen. Dazu gehört auch die Unterstützung von starken Gewerkschaften, die sich gegen die Thatcheristen wie Schröder, Clement, Müntefering und deren Vorbilder aus CDU/CSU und FDP wehren können.
    • Andreas Lotter
      am 17.10.2017
      Da muß ich Ihnen Recht geben. Es mutet schon komisch an wenn eine gestandene Gewerkschafterin nun eine Lanze für die Frau bricht, welche als zuständige Ministerin genau den Gewerkschaften viel Macht genommen hat. Ich unterstelle Breymayer nichts böses, aber diese scheinbare Dummheit oder Tollpatschikeit ist es, welcher dieser Partei viele, sehr viele Stimmen gekostet hat. Und eine Rückkehr meiner Person in den Kreis Ihrer Wähler kann es erst geben wenn die SPD ihren kapitalen Fehler zu Stuttgart 21 eingesehen hat und aktiv an einer sinnvollen Umplanung mitwirkt. Ansonsten habe ich mir geschworen diese Partei (wie sämtliche weiterer Tunnelparteien), komme was wollen in den kommenden 50 Jahren, nie mehr zu wählen!
  • Uwe Prutscher Dr.
    am 12.10.2017
    Galgenhumor ist der arg gerupften SPD als Überlebenshilfe dringend zu wünschen. Hoffentlich hält sie b.a.w. also mindestens bis 2018 an Martin Schulz fest. Seine taktischen Dummheiten im Wahlkampf verdankt er vor allem einem miserablen Kampagnenstab, dem erprobten Wahlkamofversemmler Hubertus UNheil vorneweg: Martin Schulz hat eingehegt von fragwürdigen Beratern gar nicht Martin Schulz sein dürfen und wurde zur Karikatur seiner selbst ausgedünnt. Der Mann hat mehr zu bieten als er zeigen durfte!
    Als der Edelgenosse v. Dohnanyi unlängst auf Sandra Maischbergers wiederholte Frage Schulzens Absetzung als Parteichef forderte, wurde wieder deutlich, auf welchen Trümmerfeldern die SPD sich derzeit abmüht: Wer solche Genossen in der Kartei hat, der braucht weder politische Gegner noch Feinde. Um im Trümmerbild zu bleiben: wie immer seit Tausenden von Jahren Menschheitsgeschichte müssen die Frauen dann ran, wenn die Kerle die Karre wieder in den dicken Schlamm geschoben haben. Gottseidank gibt es neben Leni Breymaier weitere erfahrene, durchsetzungsfähige, sehr gescheite Frauen wie z.B. die robuste Andrea Nahles, die nicht minder energische Manuele Schwesig und die so sympathisch zurückhaltend-gescheite Dr. Katharina Barley. Auf diese und viele weitere so genannte Trümmerfrauen in der Partei ist Verlass!
    1. Wenn Schulz sich mit dem gesamten Parteivorstand so bald wie möglich ohne Wenn und Aber NICHT von Hartz IV und dem Partei- wie Menschenverrat des Genossen der Bosse verabschiedet, wird die SPD wie ihre bereits platten Schwesterparteien in der EU keine Zukunftsoption mehr haben.
    2. Nie mehr darf die SPD sich von der Oberhexe auf Wolke 7 und ihren Unterteufeln vorschreiben lassen, mit wem sie künftig zu koalieren hat und mit wem nicht. Ohne RRG ist eine Machtoption für die Partei August Bebels und Willy Brandts auch künftig unvorstellbar gegen eine stärker werdende Rechte - sofern die koalitionsgierigen Grünen das Trio Infernale überhaupt überstehen: Wer sich mit Merkel einlässt, der kommt um in dieser Liaison Dangereuse. Diese Erkenntnis bleibt uns zumal in den schlimmen Zeiten zwischen Rekord-Daxindex und wachsendem Prekariat.
  • Wolfgang Zaininger
    am 11.10.2017
    Warum müssen solche Leute wie von Dohnanyi ihrer Partei permanent neo-liberale Stöckchen und schlechte Ratschläge zwischen die Beine zu werfen?
    Bücher schreiben (lassen), Honorare kassieren (auch für solche, die vielleicht nicht geschrieben werden müssen), Pension genießen (wo und mit welchem Huhn auch immer) und ansonsten die Klappe halten wäre hilfreich.
  • Reinhard Muth
    am 11.10.2017
    Die Machtoption hat sich Schulz und seine SPD doch selbst genommen. Einzig RRG hätte ihn zum Kanzler küren können. Doch diesem Machtwechsel erteilte Schulz eine Absage. Danach ging es mit der Zustimmung zu ihm und der SPD bergab.
  • Hartmut Hendrich
    am 11.10.2017
    "Ich weiß gar nicht, wieso ich noch immer so gut gelaunt bin." – Auf diese Ungewissheit hat evtl. ein Psychiater eine erklärende Antwort, vielleicht liegt es aber daran, dass man selbst bei einem vernichtenden Ergebnis von 16% mit einem vorderen Listenplatz ein gut dotiertes Bundestagsmandat erlangen kann. Der aufmerksame Leser von „Kontext“ konnte schon nach dem Interview, das vor der Wahl mit der linken (??) Kandidatin Breymaier geführt wurde, erkennen, dass mit dieser keine enttäuscht abgewanderten SPD-Wähler zurückkehren würden.
    Aber dafür hatte man ja den Messias Schulz. Als der schlaue Gabriel, der genau wußte, welcher Absturz ihm bevorstand, diesen Kandidaten aus dem Hut zauberte, ließ die Wählerschaft erkennen, wie satt sie die merkelsche Regentschaft hatte, indem sie selbst diesen untauglichen Kandidaten erst mal akzeptierte. Trunken von dem Hype, den die der SPD alles andere als wohlgesonnene Presse beflügelte, weil sie (die Presse) wusste, dass sie diesen Kandidaten leicht wieder aufs Normalmaß oder noch kleiner würde stutzen können, glaubte die SPD in Martin Schulz den Erlöser gefunden zu haben. Die Narretei ging so weit, dass er die Zustimmung von beinahe über 100% von Parteidelegierten erfuhr, einem stolzen oder eher peinlichen Ergebnis, welches Erinnerungen an verblichene Ostblockparteien weckt. Vielleicht hat es mit diesen 100% zu tun, dass man sich stur unerschütterlich hinter diesem untauglichen Kandidaten versteckt und nach der Wahlklatsche (20,5%) fröhlich jubelnd mit ihm in die Opposition ziehen will. Und mit der ebenso bejubelten Andrea Nahles wird es doch wohl möglich sein, die 20%-Hürde auch noch zu unterlaufen!
    Jawohl – schickt die alten Schröders und Dohnanyis und wie sie alle heißen in die Wüste, aber vergesst nicht die vielen auch jungen Alten. Warum so bitter, wenn Veränderungsvorschläge von Leuten kommen, die der SPD noch nie nahestanden? Die gespielte positive Resonanz auf den Kandidaten Schulz hat doch auch keine Verantwortlichen in der SPD aufgeschreckt.
    Es ist schön zu lesen, dass Leni Breymaier nicht weiß, weshalb sie noch immer gut gelaunt ist, der Leser und Wähler aber weiß warum ihm die Laune verdorben ist, wenn er bedenkt dass er noch lange von Leuten wie Merkel und Lindner und zu allem Überfluss auch noch von Göring-Eck regiert wird und keine Hoffnung auf Änderung besteht.
  • hajo mueller
    am 11.10.2017
    Warum wird immer wieder Leni Breymaier als linke SPD'lerin bezeichnet. Wenn ich ihre Aussagen mit denen eines Corbyn (http://www.nachdenkseiten.de/?p=40357) vergleiche, endet das Linke bei ihr direkt hinter dem MIndestlohn. Privatisierungen, NATO, Bankenregulierungen, Russland Bashing, usw. werden bei ihr höchstens in SPD Hinterzimmer, wenn überhaupt, angesprochen. Solange die Seeheimer die Taktgeber in der SPD sind, und die "Sozialdemokraten" in der SPD nur in homöopathischen Dosen vorkommen, solange ist die SPD durch und durch unglaubwürdig. Ein Neubeginn kann nur gelingen, mit einer glaubhaften Entschuldigung bei den Menschen für die Politik Schröders. Der Seeheimer Martin Schulz ist dafür ein denkbar schlechter Kandidat. Das müsste auch einer Leni Breymaier klar sein.
  • Peter Kurtenacker
    am 11.10.2017
    Wieder ein paar verlorene Jahren. Selbst wenn die SPD einmal wieder über 30% bekommt langt das nicht. Die einzig denkbare Koalition SPD-Grüne-Linke müsste schon viel länger vorher zusammengeschweißt werden. Das werden die "Linken und Rechten der beteiligten Parteien" durch Maimailforderungen unmöglich machen.
    Das einzig beruhigende: Eine mögliche Jamaika-Kolation wird genau an den gleichen Problemen scheitern.
    Nur das bedeutet, es gibt eine politische Entwicklung wie wir sie in Österreich oder Holland sehen, ab an den populistischen Rand. Das kann man noch nicht einmal unbedingt als rechts bezeichnen, es geht hier eher um Egoismus der jeweiligen Gruppen.
    Da abzusehen ist das wir jetzt auch beginnen um die Ressourcen (Essen, Wasser, Rohstoffe, Energie) dieser Welt zu kämpfen und dies auch letztlich der Grund der Kriege und Wanderbewegungen sind, kann man leider für die Zukunft nichts Gutes ahnen.
    Es ist wirklichen zu Fragen ob das Denken Links-Rechts-usw. längst überholt ist.
    Aber niemand weiß sie es Weitergehen soll.
    Ich weise hierzu nur auf die beiden LINKEN-Außenseiter Lafontain und Wagenknecht hin. Ihre letzten Äußerungen zeigen das Dilemma, aber sie haben auch keine wirklichen Lösungen parat.
    Aber man sieht auch schön: Offene Diskussionen sind inzwischen nicht mehr möglich, jeder hat etwas zu verlieren. Frage einmal so einen linken Hitzkopf ob er denn einmal bereit wäre ein technisches Fach zu lernen und dort zu arbeiten. Als Techniker weiß ich das er da etliche linke Ideen begraben müsste, um überhaupt die Technik zu verstehen. So kann man auch beliebig andere Bereiche miteinander vergleichen.
    Unsere Gesellschaft ist dabei immer mehr zu von einander abgeschnittenen Inseln zu verkommen.
    Die AfD ist für mich nur eine folgerichtige traurige Fehlentwicklung.
  • Jörg Tauss
    am 11.10.2017
    Immer lustig, über jene zu mosern, mit denen man zumindest in der Vergangenheit bessere Wahlergebnisse eingefahren hat... Selbst wenn Schröder gerne kritisiert werden darf und muss: Er hat verhindert, dass die SPD mit Tschingderassabum in den Irak- Krieg zu. Und er stand und steht in der Tradition der Entspannungspolitik eines Willy Brandt. Bei der heutigen SPD wäre ich mir nicht mehr sicher.

    Und während CDU und Grüne in BaWü, sicher unter dem Beifall der SPD- Landtagsfraktion, an verfassungswidrigen Polizeigesetzen basteln, entdeckt die "neue" SPD im Wohlstandsländle das massenbobilisierende Thema Armut. Wahrscheinlich wird auch die Debatte um ein Prostitutionsverbot in der hiesigen Heimat neu belebt.

    Ideen, zum Beispiel für einen neuen genossenschaftlichen Wohnungsbau, mit dem man tatsächlich auch der vielzitierten Pflegekraft in Ballungsräumen zu einer finanzierbaren Wohnung verhelfen könnte, fehlen völlig. Vom Rest ganz zu schweigen.

    Auf Deutsch: Es wird alles vorbereitet, um die 10% Marke zu knacken. Der guten Laune sollte es keinen Abbruch tun.
    • Schwa be
      am 11.10.2017
      Schröder ? Gerhard Schröder ?? Der ehemalige Bundeskanzler ??? Der der gesagt hat "Wahlen sind nur noch in der Mitte zu gewinnen" ???? Der der die Agenda 2010 eingeführt hat ????? Der der den völkerrechtswidrigen Jugoslawienkrieg (ab 1998) mitgetragen hat ??????
      Nein, den meinen sie nicht! Für den brechen Sie keine Lanze.

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