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Forum Recht

Ein Haus für den Rechtsstaat

Forum Recht: Ein Haus für den Rechtsstaat
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Karlsruhe soll ein neues Haus des Rechts bekommen: bis zu 70 Millionen Euro teuer, direkt am Bundesgerichtshof. Die Stiftung Forum Recht sieht sich auf gutem Weg, der Bundesrechnungshof verlangte belastbare Daten. Gleichzeitig sollen in Baden-Württemberg Demokratieprojekte wegfallen.

In Karlsruhe reicht die Geschichte der Justiz bis in die Häuserzeilen neben dem Bundesgerichtshof (BGH). 1977 versuchte die RAF von der Blumenstraße aus, das Gebäude der Bundesanwaltschaft mit einem selbstgebauten Raketenwerfer anzugreifen. Der Anschlag scheiterte. Später wurde abgerissen, heute beherbergt das Areal einen Erweiterungsbau des Bundesgerichtshofs.

Lange prägten Sicherheitsmaßnahmen den Ort: kontrollierte Zugänge, Dienstwege, Abstand zur Stadt. Nun soll dort ein "Bürgerort" entstehen. Der Bundestag hat dafür 2019 ein eigenes Gesetz beschlossen: das Forum-Recht-Gesetz. Es errichtete die Stiftung Forum Recht mit Sitz in Karlsruhe und einem weiteren Standort in Leipzig. Ihr Auftrag: Recht und Rechtsstaat in Ausstellungen, Veranstaltungen und digitalen Formaten "für alle gesellschaftlichen Gruppen" erfahrbar machen.

Auf dem BGH-Areal im Bereich Herrenstraße/Kriegsstraße prüft der Bund nun den Karlsruher Neubau. Der Rechtsstaat soll sich öffnen: mit Ausstellungen, Schulklassen, Rollenspielen, Stadtrundgängen, Podcasts und Debatten.

140 Millionen für zwei Häuser

In Zeiten allgegenwärtiger Sparappelle fallen die Summen auf. Bis zu 70 Millionen Euro für Karlsruhe, bis zu 70 Millionen für Leipzig. Zusammen bis zu 140 Millionen Euro — nur für die Gebäude. Für die laufende Arbeit erhält die Stiftung aus dem Bundeshaushalt 2026 zusätzlich 4,5 Millionen Euro. 2024 und 2025 hatte die Stiftung für ihre laufende Arbeit bereits 6,5 Millionen Euro bekommen.

Seit 2022 arbeitet die Stiftung in Karlsruhe in einem Interimsstandort in der Karlstraße. Nun soll die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben bis Ende 2026 prüfen, ob und wie gebaut werden kann: Wirtschaftlichkeit, Kostenrahmen, Betriebskosten, Risiken, Grundstücksfragen. Erst danach gehen die Unterlagen an den Haushaltsausschuss des Bundestags. Eine Entscheidung sei "nicht vor Anfang 2027" zu erwarten, teilt das Justizministerium mit.

Der Ort am Bundesgerichtshof ist politisch und gesetzlich gesetzt, geprüft wird nun seine bauliche Umsetzung. Die BImA spricht von einem "beschränkten Erkundungsverfahren". Der historische Saalbau, der sogenannte Schellingbau, soll einbezogen werden. Auch die Stiftung bestätigt: Der historische Ort bleibe Teil des Projekts. Gleichzeitig seien Sicherheitsanforderungen wegen der Nähe zum Bundesgerichtshof ein "wesentlicher Planungsaspekt". Der künftige Bürgerort entsteht dort, wo der Staat lange Distanz organisierte.

Die Stadt Karlsruhe unterstützt das Projekt seit Jahren. Sie verweist auf ihr Profil als "Residenz des Rechts": Bundesgerichtshof, Bundesverfassungsgericht und Generalbundesanwalt sitzen hier. Oberbürgermeister Frank Mentrup sitzt im Kuratorium der Stiftung. Auf der vorgesehenen Fläche stehen heute Bäume. Was mit ihnen geschieht, bleibt offiziell offen: Der Stadt liegt bislang nur eine Bauvoranfrage vor, zu Bäumen, Freiflächen und Ersatzmaßnahmen macht sie keine Angaben.

Die Stadtverwaltung wirbt für das Projekt, der Bund prüft weiter. Die alte Frage bleibt: Wie groß ist die Nachfrage?

Wie groß ist die Nachfrage?

Der Bundesrechnungshof hatte 2023 genau daran Zweifel angemeldet. In seinem Bericht zur Stiftung kritisierte er einzelne Ausgaben, fachliche Fehler und die fehlende Grundlage für eine Bauentscheidung. Vor Neubauten sollten belastbare Daten zum Erfolg der Stiftungsarbeit und zur Resonanz in der Bevölkerung vorliegen. Auch einstige Erwartungen von 120.000 Besucherinnen und Besuchern pro Standort und Jahr überzeugten die Prüfer nicht. Öffentlich wurde zudem die Kritik, die Stiftung habe 87.500 Euro für eine Agentur ausgegeben, die unter anderem ein Leitbild liefern sollte, das auf eine Seite passt.

Das Justizministerium verweist darauf, die Kritikpunkte seien geprüft worden. Eine Folge: Die Flächen für Karlsruhe und Leipzig wurden in den Bedarfsplanungen um jeweils 30 Prozent gekürzt. Die Kostenobergrenze blieb. Zur Messung des Nutzens erklärt das Ministerium allgemein, die Fachbereiche der Stiftung evaluierten ihre Angebote "metrisch, qualitativ und unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit".

Stiftungsdirektor Cord Brügmann sieht die Stiftung inzwischen in einer anderen Phase. "Wir haben eine Stabilisierung der Stiftung erreicht, außerdem ist jetzt der Weg frei zur Bauplanung", sagt er. Man beginne, bundesweit sichtbar zu werden — bei den Zielgruppen der Stiftung und in der juristischen Community, die als Multiplikator wichtig sei. Brügmann ist Jurist und Historiker, war viele Jahre Hauptgeschäftsführer des Deutschen Anwaltvereins und arbeitete zu Antisemitismus in der Zivilrechtsprechung der Weimarer Republik.

Auch die Kritik des Bundesrechnungshofs klingt aus Sicht der Stiftung erledigt. Man stehe mit dem Bundesrechnungshof in Kontakt und melde regelmäßig zurück, sagt eine Sprecherin. Am Anfang seien Fehler passiert, "die werden nicht mehr passieren". Die Kritik sei "längst kein Thema mehr". Die Stiftung stehe "ganz anders da als nach der Corona-Zeit". Man habe sich die Kritik "zu Herzen genommen", mache es jetzt anders und habe alle Vorschläge umgesetzt. Seitdem sei "nichts mehr vom Bundesrechnungshof gekommen".

Erfolg auf fremdem Gelände

Fragt man nach Kennzahlen für gesellschaftliche Wirkung, nennt die Stiftung Reichweiten einzelner Formate: rund 800 Teilnehmende bei Stadtrundgängen im Jahr 2025, alle zwei Wochen 40 bis 70 Menschen bei offenen Rundgängen, 6.000 bis 10.000 Besucher bei Wanderausstellungen. Gezählt wird dort, wo Öffentlichkeit schon vorhanden ist: an Bahnhöfen, Durchgängen, stark frequentierten Flächen. In Karlsruhe begann die Ausstellung am Hauptbahnhof.

Als Beleg für wachsende Sichtbarkeit nennt die Stiftung also vor allem Formate, die ohne eigenes Haus funktionieren: Ausstellungen an Bahnhöfen, Stadtrundgänge zu Gerichten, Plätzen und Spuren der Rechtsgeschichte, Kooperationen mit Staatstheater, Kommunalem Kino, EFFEKTE-Festival oder Triangel. Niemand muss dafür extra eine Schwelle überschreiten.

Trotzdem brauche das Forum Recht ein Zuhause, sagt die Sprecherin. Es sei noch zu früh, um die angestrebte Wirkung genauer zu messen – dies werde sich erst mit eigenen Räumen zeigen. In der Karlstraße passten im Schnitt nur etwa 40 Menschen hinein, bei Veranstaltungen müssten Beschäftigte teilweise ihre Arbeitsplätze räumen. Man könne nicht dauerhaft Veranstaltungsräume suchen. Ein eigenes Gebäude sei "elementar": als Lernort, Ausstellungshaus, Treffpunkt und als Platz für Schulklassen und Rollenspiele.

Der künftige Bau solle sich zur Stadt öffnen und eine bisher abgeschottete Ecke am Karlstor aufwerten, sagt die Stiftung. Es gehe um einen Ort nicht nur für Richter:innen, sondern für die Bevölkerung. Die Themen sollen aus der Gesellschaft kommen: Corona-Aufarbeitung, Klimaprotest, die Frage, wem der Weltraum gehört. Man schaue darauf, "was die Menschen bewegt, was brodelt", sagt die Sprecherin. Der Anspruch bleibt bundesweit: Karlsruhe und Leipzig sollen ausstrahlen.

Baupfad hier, Frist dort

Während das Forum Recht in die nächste Planungsrunde geht, fallen anderswo Projekte weg. In Baden-Württemberg sollen zum Jahresende neun bislang über das Bundesprogramm "Demokratie leben!" geförderte Projekte wegfallen. Betroffen ist Arbeit gegen Desinformation, Antiziganismus und andere Formen von Demokratiefeindlichkeit.

Gegenüber Kontext wollen zwei geförderte Projekte anonym bleiben, um mögliche künftige Förderungen nicht zu gefährden. Sie berichten von späten Informationen, unklaren Bedingungen und der offenen Frage, wie viel Geld künftig überhaupt im Topf ist. Das Bundesfamilienministerium erklärte auf Anfrage, die Programmebene werde neu gestaltet, der Förderaufruf sei noch in Arbeit. Ein Projekt arbeitet mit Jugendlichen und Fachkräften, tief in Schulen, Stadtteilen und Verbänden. Angesichts des Rechtsrucks brauche es eigentlich mehr demokratische Bildungsarbeit. Stattdessen hoffe man, als kleines Projekt überhaupt noch "eine Lücke" zu bekommen.

Verbunden sind die Förderungen von Forum Recht und Demokratie leben nicht. Das Justizministerium wird von der Sozialdemokratin Stefanie Hubig geführt und ist für die Stiftung Forum Recht zuständig, Demokratie leben ist im Familienministerium angesiedelt, das Karin Prien von der CDU leitet. Das Justizministerium verweist auf getrennte Zuständigkeiten: hier Rechtsstaatsvermittlung, dort Teilhabe und der Kampf gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Ressortübergreifende Abstimmungen zur Rolle des Forum Recht in der Demokratieförderung gebe es nicht.

Für das Forum Recht wird geplant. Viele kleinere Projekte müssen hoffen, dass sie weiterarbeiten dürfen.

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