Das Mannheimer Bündnis gegen Rechts ist fünf Jahre älter als die AfD. Im Jahr 2008 hat es sich gegründet. Damals ging es in Mannheim darum, dem Erstarken der NPD etwas entgegenzusetzen, die zu der Zeit in der Rhein-Neckar Region sehr umtriebig war. 2014 zog Christian Hehl dann für die NPD in den Mannheimer Gemeinderat ein: ein Nazi-Hool, der unter anderem wegen Körperverletzung und Volksverhetzung verurteilt war und dem Kontakt zum NSU nachgesagt wurde. Der Schock war groß, aber die Brandmauer stabil. "Es wird niemand geben, der sich freiwillig neben ihn setzt, da fängt es schon an", zitierte die "Stuttgarter Zeitung" damals Matthias Sande, Geschäftsführer der CDU-Gemeinderatsfraktion. Elf Jahre zuvor war das erste Verbotsverfahren gegen die NPD gescheitert, drei Jahre später das zweite.
Hehl passte perfekt in die demokratie- und menschenrechtsfeindliche Partei, die sich einerseits in der Parteipolitik probieren und gleichzeitig Bewegungspartei sein wollte. Ähnlich wie die AfD heute. Der Rechtsextreme organisierte neben Demos zahlreiche Rechtsrockkonzerte in der Rhein-Neckar-Region, die zu diesem Zeitpunkt deutschlandweit und international für Konzerte der extremen Rechten bekannt war.
Nach Hehls Tod im Oktober 2022 im Alter von 53 Jahren kamen viele extrem rechte Kader zu seiner Beerdigung. Beispielsweise Malte Redeker, mit dem Hehl Anfang der 2000er im Kameradschaftsnetzwerk "Aktionsbüro Rhein-Neckar" aktiv war. Noch immer ist Redeker bei der international vernetzten Neonazi-Bruderschaft "Hammerskins" engagiert, die zwischen 2023 und 2025 verboten war. Zudem war Anwältin Nicole Schneider auf der Beerdigung, deren Kanzlei sechs Sitze in Baden-Württemberg hat. Schneider vertritt immer wieder bekannte Personen aus der extremen Rechten: etwa Ralf Wohlleben im NSU-Prozess oder Heidi O., Mitglied der rechtsterroristischen Gruppe "Vereinte Patrioten", die den ehemaligen Gesundheitsminister Karl Lauterbach entführen wollten. O. wurde wegen Gründung einer terroristischen Vereinigung und Hochverrats verurteilt.
AfD-Wahl: ein zweiter Weckruf
Oft heißt es, nur Ostdeutschland sei durchdrungen von extrem rechten Strukturen, die AfD gilt dort als Partei für Arbeiter:innen und Abgehängte. Aber die Partei konnte sich auch im Westen ins gemachte Nest setzten und schafft es hier ebenfalls, diese Milieus anzusprechen. 2016 gewann AfD-Gründungsmitglied Rüdiger Klos eines der ersten Direktmandate für seine Partei bei einer Landtagswahl im Mannheimer Stadtteil Schönau – ein traditionelles Arbeiter:innenviertel, in dem sonst SPD gewählt wurde. Auch bei der letzten Landtagswahl im März sicherte sich der AfD-Kandidat Bernhard Peppel im Mannheimer Norden das Direktmandat.




0 Kommentare verfügbar
Schreiben Sie den ersten Kommentar!