Das anstehende Osterwochenende ist für viele nicht nur verbunden mit der Auferstehung Jesu, dem Suchen bunter Eier oder Rührteig-Lämmchen mit Puderzucker. Traditionell steht am Karsamstag vielerorts der Ostermarsch an: eine Demonstration gegen Krieg und für Frieden. Der Ursprung liegt in den späten 1950er-Jahren, damals protestierten Friedensinitiativen gegen das Wettrüsten im Kalten Krieg, insbesondere gegen Atomwaffen. Dann brachen die Staaten des Warschauer Pakts zusammen, der Kalte Krieg war beendet und 2011 setzte die schwarz-gelbe Bundesregierung die Wehrpflicht aus. Die Ostermärsche büßten an Relevanz ein, ihre Teilnehmer:innen wurden zunehmend grauhaarig.
Inzwischen ist die Situation wieder eine andere. Der Krieg in der Ukraine währt im fünften Jahr. Die US-Regierung hat das Verteidigungsministerium in Kriegsministerium umbenannt, entführt unliebsame Staatschefs und bombardiert den Nahen Osten. Zwischen Donald Trumps Vereinigten Staaten und Europa ist das Verhältnis zerrüttet und die deutsche Regierung nimmt sich vor, unabhängiger und "kriegstüchtig" zu sein, wie es Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) formuliert. Im Dezember verabschiedete der Bundestag das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz, mit dem Jahreswechsel ist es in Kraft getreten. Das Ziel: Das deutsche Militär soll bis 2035 mit 260.000 aktiven Soldat:innen neben 200.000 Reservist:innen aufwarten können. Aktuell stehen weniger als 190.000 unter Waffen.
Seit Beginn diesen Jahres erhalten nun alle 18-Jährigen einen Brief mit QR-Code, der zu einem Online-Fragebogen führt. Neben Personalangaben und Fragen zur körperlichen Fitness wird darin das Interesse am Wehrdienst abgefragt. Männer müssen den Fragebogen innerhalb eines Monats beantworten, für Frauen bleibt es freiwillig. Ab Juli 2027 sollen Männer ab dem Jahrgang 2008 verpflichtend gemustert werden. Werden die Personalziele nicht erreicht, weil sich zu wenige freiwillig melden, kann der Bundestag über eine "Bedarfswehrpflicht" abstimmen. Bei der würde dann das Los entscheiden, wer den Dienst an der Waffe antreten muss.
Zahl der Kriegsdienstverweigerer steigt
"Es wird Krieg vorbereitet", sagt Klaus Pfisterer, "und man muss sich diesem Krieg entgegenstellen." Der erste Schritt dazu sei, den Kriegsdienst zu verweigern. 1972 hat Pfisterer selbst den Dienst an der Waffe verweigert. Seitdem ist er Mitglied der "Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen" (DFG-VK), inzwischen ist er Landesvorsitzender in Baden-Württemberg. Der Verein hat ihm damals bei der Verweigerung geholfen, seit rund 50 Jahren berät der ehemalige Sonderschullehrer selbst Menschen. Mitte März sitzt der 71-Jährige zu diesem Zweck an einem Donnerstagabend im Esslinger Gewerkschaftshaus.




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